Cholezystektomie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Wer Gallensteine hat und wiederholt unter schmerzhaften Koliken leidet, ist gut beraten, die Gallenblase entfernen zu lassen. Die Operation ist die einzige Möglichkeit, Gallensteine langfristig zu entfernen und eine Neubildung zu verhindern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Cholezystektomie?

Cholezystektomie
Als Cholezystektomie wird die chirurgische Entfernung der Gallenblase bezeichnet; sie erfolgt heute überwiegend über eine Bauchspiegelung.

Als Cholezystektomie wird die chirurgische Entfernung der Gallenblase bezeichnet; sie erfolgt heute überwiegend über eine Bauchspiegelung. Eine Cholezystektomie ist immer dann angezeigt, wenn Gallensteine Beschwerden machen und wiederholt Koliken verursachen.

Sie kann auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden, die beide unter Vollnarkose erfolgen: die offene Cholezystektomie mit einem Bauchschnitt und die laparoskopische Cholezystektomie, bei der über winzige Einschnitte laparoskopische Spezialinstrumente eingeführt werden. Die meisten Gallenentfernungen werden heute laparoskopisch durchgeführt, weil sie schonender für die Patienten sind. Sie gehören inzwischen zu den Routineeingriffen und das Risiko für Komplikationen ist gering.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Gallenblase ist ein Speicherorgan für die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit. Bei schweren und fettreichen Mahlzeiten wird Gallenflüssigkeit über die Gallengänge zur Verdauung in den Darm geleitet. Da sie in erster Linie ein Speicherorgan für die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit ist, kann der Körper ohne sie auskommen und viele Patienten spüren nach einer Cholezystektomie kaum Einschränkungen.

Die komplette Entfernung der Gallenblase ist die einzige sichere Möglichkeit, einer erneuten Steinbildung vorzubeugen. Nach der Operation fließt die Gallenflüssigkeit aus der Leber unmittelbar in den Darm; die Speicherfunktion entfällt. Bei folgenden Befunden ist die Entfernung der Gallenblase in der Regel erforderlich:

  • bei Gallensteinen, die die Gallengänge blockieren und Gallenstauungen verursachen
  • bei Fisteln zwischen Galle und Magen-Darm-Trakt
  • bei einer Perforation der Gallenblase (durch Unfall etc.)
  • bei Tumoren in der Gallenblase oder den Gallengängen

Bei Gallensteinen wird nur operiert, wenn sie Beschwerden wie Koliken verursachen und Komplikationen drohen könnten. Eine Cholezystektomie wird heute standardmäßig als laparoskopische Operation über eine Bauchspiegelung durchgeführt. Wie bei allen operativen Verfahren bei der minimalinvasiven Schlüsselloch-Chirurgie werden dabei über 3 bis 4 winzige Hauteinschnitte spezielle Operationsinstrumente in den Bauchraum eingebracht und unter Sicht einer Kamera operiert, die die Bilder während der Operation auf einen Monitor übermittelt.

Für eine bessere Sicht und Beweglichkeit der Instrumente wird der Bauch mit Kohlendioxid aufgepumpt. Anschließend werden der Gallengang und die versorgende Arterie abgeklemmt, die Gallenblase wird aus dem Gallenbett entfernt und in einem Bergebeutel über einen der Zugänge aus dem Körper entfernt. Vorteile sind, dass nur winzige, kaum sichtbare Narben entstehen und ein kürzerer Klinikaufenthalt. Neuere laparoskopische Verfahren nutzen die Single-Port-Technik, bei der die Operation nur über einen Zugang am Bauchnabel erfolgt.

Manchmal kann es notwendig werden, während der Operation von der laparoskopischen zur konventionellen Cholezystektomie zu wechseln, wenn das Risiko besteht, durch die laparoskopischen Instrumente Verletzungen an Organen oder am angrenzenden Gewebe zu verursachen.

Bei einer herkömmlichen offenen Operation wird unter dem rechten Rippenbogen ein Schnitt gesetzt, um das Operationsgebiet zu öffnen. Danach werden die versorgende Arterie und der Gallengang abgeklemmt und die Gallenblase entfernt. Um das Infektionsrisiko zu senken, wird meistens eine Wunddrainage gelegt und vor der Operation ein Antibiotikum verabreicht. Eine Thrombosevorbeugung erfolgt nur bei Bedarf. Nach 3 bis 5 Tagen können die meisten Patienten das Krankenhaus wieder verlassen. Der Nachteil der konventionellen Gallenblasenentfernung ist die größere Narbe und der etwas längere Krankenhausaufenthalt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Im Allgemeinen ist die operative Entfernung der Gallenblase ein standardisierter Routineeingriff und mit einem geringen Risiko verbunden, ausgenommen es ergeben sich Probleme durch ungünstige körperliche Gegebenheiten wie Verwachsungen im Operationsgebiet.

Komplikationen können entstehen, wenn bei der Operation benachbartes Gewebe oder andere Organe verletzt werden. In den Gallenwegen können dadurch Leckstellen zu anderen Organen und in die Bauchhöhle entstehen, die behandelt werden müssen. Nach einer Gallenoperation können wegen schon vorhandener Entzündungen Wundheilungsstörungen auftreten. Wenn im Rahmen einer Bauchspiegelung operiert wird und dabei versehentlich die Gallenblase geöffnet wird, kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann.

An den Gallengängen können Narben Verengungen mit Gallenstauungen hervorrufen, die eine Gelbsucht und Leberschäden verursachen können. Manchmal verbleiben in den Gallengängen Steine oder in seltenen Fällen entstehen in ihnen neue Steine. Darüber hinaus kann es zu Blutungen und Nachblutungen kommen und zu Schmerzen und Nervenverletzungen mit Gefühlsstörungen. Wenn nach der Operation Gallensteine in den Gallengängen zurückbleiben, müssen sie endoskopisch im Rahmen einer Spiegelung der Gallenwege (ERCP) entfernt werden.

Diese Risiken und Komplikationen treten insgesamt selten auf. Da die Gallenblase nur als Speicherorgan für die Gallenflüssigkeit dient, die in der Leber gebildet wird, kann der Körper auf sie verzichten. Bereits kurz nach der Operation können Patienten wieder ganz normal essen und die meisten haben nach einer Gallenblasenentfernung kaum oder gar keine Einschränkungen, wenn sie nicht regelmäßig zu fettreiche Mahlzeiten zu sich nehmen.

Bei manchen Lebensmitteln wie Kaffee, Milchprodukten, sehr fettigen oder süßen Nahrungsmitteln kann es zu Durchfällen kommen. Hier hilft es, auf die Auslöser zu achten und entsprechend weniger davon zu essen oder trinken. Eine weitere Therapie muss in der Regel nicht erfolgen. Artischockenpräparaten wird eine Unterstützung des Fettstoffwechsels zugeschrieben.

Beschwerden, die zu einer Operation führen

Gallensteine bleiben bei vielen Menschen ihr Leben lang unbemerkt und werden zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches entdeckt. Erst wenn sie Beschwerden verursachen, wird die Entfernung der Gallenblase erwogen. Die typische Beschwerde ist die Gallenkolik: ein wellenförmig an- und abschwellender Schmerz im rechten Oberbauch, der in den Rücken oder in die rechte Schulter ausstrahlen kann und häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird. Ausgelöst wird sie, wenn ein Stein den Ausgang der Gallenblase verlegt und die Gallenblase sich gegen dieses Hindernis zusammenzieht. Oft treten Koliken nach einer fettreichen Mahlzeit auf, weil dann besonders viel Gallenflüssigkeit angefordert wird.

Neben der Kolik gibt es unbestimmtere Beschwerden, die Betroffene mit ihrer Galle in Verbindung bringen: Druckgefühl im Oberbauch, Blähungen, Unverträglichkeit fetter Speisen. Solche Beschwerden allein sind kein sicherer Hinweis auf Gallensteine, denn sie kommen auch bei anderen Erkrankungen des Verdauungstrakts vor. Vor einer Operation wird daher geprüft, ob die Beschwerden tatsächlich von der Gallenblase ausgehen, weil eine Entfernung sonst keine Besserung bringt.

Ernst wird die Lage, wenn zu den Schmerzen Fieber und Schüttelfrost hinzutreten oder wenn sich Haut und Augenweiß gelb verfärben. Eine Gelbfärbung spricht dafür, dass der Abfluss der Gallenflüssigkeit gestört ist, etwa durch einen Stein im Hauptgallengang. Dunkler Urin und entfärbter Stuhl weisen in dieselbe Richtung. Diese Zeichen sind ein Grund, ärztliche Hilfe nicht aufzuschieben, weil sich daraus eine Entzündung der Gallenwege oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse entwickeln kann.

Untersuchungen vor dem Eingriff

Das wichtigste Verfahren zur Klärung ist die Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs. Sie zeigt Steine in der Gallenblase zuverlässig, lässt die Wanddicke der Gallenblase erkennen und gibt Hinweise darauf, ob die Gallenwege gestaut sind. Sie ist schmerzfrei und kommt ohne Strahlenbelastung aus. Ergänzend wird Blut untersucht: Entzündungswerte, Leberwerte und Werte, die auf einen gestörten Gallenabfluss hindeuten, helfen bei der Einschätzung, wie dringlich die Lage ist.

Besteht der Verdacht, dass ein Stein nicht nur in der Gallenblase, sondern auch im Hauptgallengang liegt, sind weitere Untersuchungen nötig. Eine Darstellung der Gallenwege in der Magnetresonanztomographie kann die Gangverhältnisse ohne Eingriff sichtbar machen. Wird ein Stein im Gang gefunden, kann er endoskopisch über eine Spiegelung der Gallenwege geborgen werden. Häufig wird dieser Schritt vor die Entfernung der Gallenblase gestellt, damit die Abflusswege frei sind, bevor operiert wird.

Zur Vorbereitung gehört außerdem das Gespräch mit der Anästhesie, weil der Eingriff in Vollnarkose erfolgt. Dabei werden Vorerkrankungen, frühere Narkosen und alle eingenommenen Medikamente besprochen. Gerinnungshemmende Mittel bedürfen einer eigenen Absprache, ebenso Medikamente gegen Diabetes. Vor der Narkose muss nüchtern geblieben werden; die Klinik gibt vor, ab wann nichts mehr gegessen und getrunken werden darf.

Der Ablauf am Operationstag

Am Operationstag wird der Bauch vorbereitet und die Einleitung der Narkose vorgenommen. Die Patientin oder der Patient schläft während des gesamten Eingriffs und bemerkt davon nichts. Für die Schlüssellochoperation wird der Bauchraum mit Gas gefüllt, damit die Bauchdecke sich anhebt und zwischen den Organen Platz zum Arbeiten entsteht. Über die kleinen Zugänge werden eine Kamera und die Instrumente eingeführt.

Der entscheidende Schritt der Operation ist das sichere Darstellen der Strukturen, die zur Gallenblase führen: der Gallenblasengang und die versorgende Arterie. Beide werden erst dann durchtrennt, wenn ihr Verlauf eindeutig erkennbar ist, denn die Verwechslung mit dem Hauptgallengang gehört zu den schwerwiegenden Komplikationen dieses Eingriffs. Aus demselben Grund wird der Wechsel zur offenen Operation nicht als Misserfolg verstanden, sondern als Sicherheitsentscheidung: Wenn Verwachsungen, eine starke Entzündung oder unklare anatomische Verhältnisse die Sicht behindern, ist der Bauchschnitt der sicherere Weg. Darüber wird bereits im Aufklärungsgespräch gesprochen, damit die Möglichkeit nicht überrascht.

Nach dem Eingriff erfolgt das Aufwachen im Aufwachraum unter Überwachung von Kreislauf und Atmung. Viele Operierte dürfen noch am selben Tag aufstehen und trinken. Das frühe Aufstehen ist erwünscht, weil es der Bildung von Blutgerinnseln und einer Lungenentzündung vorbeugt.

Die Zeit nach der Operation

In den ersten Tagen nach einer Schlüssellochoperation stehen zwei Beschwerden im Vordergrund: der Wundschmerz an den kleinen Einstichstellen und ein Druck- oder Ziehgefühl, das durch das eingebrachte Gas entsteht und bis in die Schulter ausstrahlen kann. Beides klingt üblicherweise von selbst ab; für die ersten Tage werden Schmerzmittel verordnet.

Die kleinen Wunden werden trocken und sauber gehalten. Wann wieder geduscht werden darf und wann Fäden oder Klammern entfernt werden, legt die Klinik fest. Körperliche Schonung ist für eine Weile angezeigt, vor allem das Heben schwerer Lasten, weil die Bauchdecke Zeit zum Verheilen braucht und sich sonst an einer Narbe ein Bruch bilden kann. Nach der offenen Operation dauert diese Schonzeit länger als nach der Schlüssellochoperation.

Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn nach der Entlassung Fieber auftritt, die Bauchschmerzen zunehmen statt abzuklingen, die Wunden sich röten oder Flüssigkeit absondern, oder wenn sich Haut und Augen gelb färben. Eine Gelbfärbung nach der Operation kann darauf hindeuten, dass ein Stein im Gallengang zurückgeblieben ist oder der Gallenabfluss gestört ist, und muss abgeklärt werden.

Leben ohne Gallenblase

Die Gallenflüssigkeit wird weiterhin in der Leber gebildet; sie fließt nach der Operation nur nicht mehr zwischengespeichert, sondern gleichmäßig in den Darm. Die meisten Menschen bemerken davon im Alltag wenig. Bei manchen macht sich die fehlende Speicherfunktion anfangs bemerkbar, wenn auf einmal viel Fett gegessen wird, weil dann nicht kurzfristig eine größere Menge Galle bereitgestellt werden kann.

Eine besondere Diät ist nach dem Eingriff im Regelfall nicht vorgeschrieben. Bewährt hat sich, in den ersten Wochen langsam wieder aufzubauen, mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag zu verteilen und sehr fettreiche Speisen zunächst zurückhaltend zu probieren. Wer merkt, dass ein bestimmtes Lebensmittel Beschwerden macht, kann es weglassen und später erneut versuchen; feste Verbotslisten sind dafür wenig hilfreich, weil die Verträglichkeit sehr unterschiedlich ist.

Bleiben nach der Operation Oberbauchbeschwerden bestehen oder treten neu auf, wird dies als Beschwerdebild nach Gallenblasenentfernung bezeichnet. Dahinter können zurückgebliebene Steine, eine Störung am Schließmuskel der Gallenwege, aber auch Erkrankungen stecken, die von Anfang an nicht von der Gallenblase ausgingen: Sodbrennen, ein Reizdarm oder ein Magengeschwür etwa. Anhaltende Beschwerden sind daher ein Anlass zur erneuten Untersuchung und nicht einfach als Operationsfolge hinzunehmen.

Wenn nicht operiert wird

Nicht in jedem Fall wird operiert. Bei Steinen ohne Beschwerden wird in der Regel abgewartet, weil das Risiko des Eingriffs dem Nutzen dann nicht gegenübersteht. Für einzelne Sonderfälle, etwa bei bestimmten Veränderungen der Gallenblasenwand, wird die Entfernung auch ohne Beschwerden erwogen; das ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung.

Sprechen Alter, Begleiterkrankungen oder der Allgemeinzustand gegen eine Operation, kann eine akute Gallenblasenentzündung zunächst mit Ruhigstellung, Flüssigkeit über die Vene und Antibiotika behandelt werden. Reicht das nicht aus, kann die Gallenblase vorübergehend über einen von außen eingebrachten Katheter entlastet werden, um die Lage zu beruhigen; die Entfernung kann dann später erfolgen.

Verfahren, die Steine auflösen oder zertrümmern sollen, statt die Gallenblase zu entfernen, wurden erprobt und kommen heute nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz. Der Grund ist einfach: Solange die Gallenblase im Körper bleibt, können sich neue Steine bilden. Genau darin liegt der Vorteil der Entfernung, dass die Steinbildung an dieser Stelle nicht wiederkehren kann.

Geschichte des Eingriffs

Die Entfernung der Gallenblase über einen Bauchschnitt gehört zu den älteren Operationen der Bauchchirurgie und wurde bereits im späten 19. Jahrhundert durchgeführt. Über ein Jahrhundert blieb der offene Zugang das übliche Vorgehen. Ende der 1980er Jahre kam die Entfernung über eine Bauchspiegelung hinzu und setzte sich anschließend rasch durch. Sie gilt heute als eines der Beispiele dafür, wie die minimalinvasive Technik einen chirurgischen Standardeingriff verändert hat: kleinere Wunden, geringere Schmerzen nach der Operation und eine kürzere Zeit im Krankenhaus. Die offene Operation ist damit nicht überholt, sondern behält ihren Platz für die Fälle, in denen die Schlüssellochtechnik an ihre Grenzen stößt.

Quellen

  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Schumpelick, V., Kasperk, R., Stumpf, M.: Operationsatlas Chirurgie.
    ISBN: 9783132438477
  • Messmann, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783131472526
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Debus, J., Delorme, S., Jenderka, K.-V.: Duale Reihe Sonografie.
    ISBN: 9783131519139

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