Dermatochalasis

Letzte Aktualisierung am 27. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Hängende Augenhaut beziehungsweise mit Fett gefüllte Augenlider sind nicht nur ein optisches Problem, sondern können auch die Sicht behindern. Die Rede ist von der Dermatochalasis, welche auf Grund einer Erkrankung oder auch familiär bedingt auftreten kann. In fast allen Fällen muss der Betroffene operativ behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dermatochalasis?

Unter einer Dermatochalasis bezeichnet der Mediziner eine Veränderung des Bindegewebes. Die Veränderung tritt altersbedingt auf, wobei mitunter auch familiäre Häufungen beobachtet wurden. Der Begriff der Dermatochalasis kommt nicht nur in der Augenheilkunde, sondern auch im Bereich der Dermatologie vor.

Charakteristisch sind schlaffe, große und unelastische Falten, welche nichts anderes als eine „herunterhängende Haut“ sind, die an unterschiedlichen Körperstellen auftreten kann. Vor allem beklagen Betroffene die hängende Haut an den Augen beziehungsweise sind Patienten oftmals von Tränensäcken oder auch hängenden Augenlidern betroffen. Die Dermatochalasis ist - streng genommen - eine altersbedingte Fehlstellung des Lids.

Ursachen

Auf Grund der Tatsache, dass das Bindegewebe mit dem Alter erschlafft, entsteht der Prozess, dass sich in den Gewebeschichten Fett einlagert. In weiterer Folge wölbt sich die Haut nach vorne, die Haut beginnt zu hängen. Mögliche Ursachen sind etwa vererbungsbedingte (sogenannte hereditäre) Erkrankungen des Bindegewebes, wobei Mediziner hier auch von einem Cutis-laxa-Syndrom sprechen.

Aber auch idiopathisch rezidivierende Schwellungen der Oberlider (Blepharochalasis) sowie altersbedingte Gründe (Cutis laxa senilis) können eine Dermatochalasis auslösen. Mitunter können auch entzündliche Hautkrankheiten (Dermatitis) eine Dermatochalasis begünstigen. In der Schwangerschaft kann eine Dermatochalasis ebenfalls auftreten; vor allem, wenn die Schwangere Penicillamin einnimmt (Cutis laxa acquisita).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Erschlaffung des Bindegewebes sorgt in erster Linie dafür, dass die Haut des Oberlids nicht mehr straff ist und mitunter die überschüssige Haut, welche sich auf Grund der Fetteinlagerung gebildet hat, über den Lidrand ragt. Der Betroffene klagt nicht nur über ästhetische Probleme, sondern kann mitunter auch - wenn er das Auge öffnen möchte - einen stärkeren Widerstand verspüren.

In weiterer Folge plagen den Betroffenen Kopfschmerzen; jener Zustand wird etwa dadurch ausgelöst, dass eine deutlich höhere Kraftanstrengung erforderlich ist, wenn der Patient das Auge öffnen möchte. Mitunter kann aber auch eine enorme Einschränkung des Gesichtsfelds entstehen, wenn das Lid „immer größer“ wird. Tritt jener Fall ein, wandelt sich das kosmetische zu einem medizinischen Problem, wobei im Regelfall der Augenarzt für derartige Behandlungen und Diagnosen zuständig ist.

Spätestens dann, wenn die Sichteinschränkung als störend empfunden wird, sollte daher sofort ein Mediziner aufgesucht werden, der sich die Dermatochalasis ansieht beziehungsweise behandelt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Augenarzt kann - im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung - die Diagnose Dermatochalasis stellen. Wichtig ist, dass jedoch eine Differenzialdiagnose erfolgt, sodass der Verdacht der Dermatochalasis auch bestätigt werden kann.

Wichtig ist, dass Krankheiten wie das Williams-Beuren-Syndrom, das Ehlers-Danlos-Syndrom, Progerie (auch als Hutchinson-Gilford-Syndrom bekannt), das Barber-Say-Syndrom, das Costello-Syndrom, das Kabuki-Syndrom, Pseudoxanthoma elasticum oder das Kardio-fazio-kutanes Syndrom ausgeschlossen werden können.

Im Rahmen der Diagnose muss deshalb genau auf die Lider geachtet werden, sodass vor allem die Stellung der Lidkante von Relevanz ist. Ist der Lidrand des Patienten jedoch unverändert beziehungsweise wird jener bloß durch die Haut überdeckt, handelt es sich um eine Dermatochalasis; eine Ptosis kann dadurch ausgeschlossen werden. Der Mediziner führt auch eine Messung des Gesichtsfelds durch, sodass etwaige Gesichtsfeldausfälle beurteilt werden können.

Oftmals kann der Mediziner bereits auf Grundlage der optischen Untersuchung den Verdacht äußern, dass es sich um eine Dermatochalasis handelt. Der Verlauf beruht auf ihrer Ursache. Im Regelfall muss der Betroffene, wenn die Dermatochalasis nicht nur ästhetische, sondern auch medizinische Probleme verursacht, mit der Zeit operativ behandelt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ob und was der Patient selbst zur Besserung seines Befindens beitragen kann, hängt davon ab, worauf die Dermatochalasis zurückzuführen und wie ausgeprägt das Leiden ist. Im Frühstadium kann der Patient versuchen, die Störung mithilfe von speziellen gymnastischen Übungen für das Gesicht und das Auge zu bekämpfen. Auch Bindegewebsmassagen können einen positiven Effekt haben.

Werden die hängenden Augenlider durch eine Dermatitis oder andere entzündliche Hautkrankheiten verursacht, können wechselwarme Augenduschen oder kalte Kompressen helfen. Sofern die Oberlider stark geschwollen sind, hilft das Auflegen von Eiswürfeln, die hierzu in ein Papiertaschentuch eingewickelt werden. Hilfreich ist auch das Betupfen mit Augentrosttee, der zuvor für einige Zeit ins Gefrierfach gestellt wurde. Auch das Auflegen eiskalter Gurkenscheiben führt oftmals zu einem Abschwellen der Lieder.

Sofern die Störung auf eine Allergie zurückzuführen ist, muss das Allergen identifiziert und gemieden werden. Bei diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann eine generelle Umstellung der Ernährung sinnvoll sein. In der Naturheilkunde wird dies in der Regel als Therapiemethode für chronisch geschwollene Augenlider empfohlen.

In schweren Fällen, insbesondere wenn die Dermatochalasis genetisch bedingt oder auf das Alter zurückzuführen ist, hilft nur eine Operation. Da der Eingriff nur mit überschaubaren Risiken verbunden ist, sollten sich Patienten, die unter der Störung körperlich oder seelisch leiden, zeitnah über die Möglichkeit einer chirurgischen Behandlung informieren.

Komplikationen

In den meisten Fällen treten bei der Dermatochalasis sowohl kosmetische als auch physische Komplikationen auf. Neben einer reduzierten Ästhetik wird auch die Sicht des Patienten aufgrund der vergrößerten Augenlider verhindert. Der Patient muss dabei einen erhöhten Aufwand leisten, um das Auge zu öffnen. Aufgrund der erhöhten Kraft kommt es oft auch zu Kopfschmerzen.

Diese können sich dabei in die benachbarten Regionen ausbreiten, sodass auch Zähne oder Ohren von Schmerzen betroffen sind, obwohl an diesen Regionen keine ursächliche Beschwerde liegt. Ebenso ist die Sicht stark eingeschränkt, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen führen kann. Die Diagnose der Dermatochalasis kann erfolgen und muss in der Regel auch sofort behandelt werden.

Sollte es sich um einen akuten und schwerwiegenden Zustand handeln, kann ein operativer Eingriff erfolgen. Diese verläuft meist ohne Komplikationen. Falls kein Eingriff erfolgen muss, kann auch die Grunderkrankung mit physiologischen Methoden behandelt werden. Auch hierbei kommt es zu keinen weiteren Komplikationen und zu einem positiven Krankheitsverlauf. Nach der Operation bleiben am Auge oft kleine Narben zurück. Die Lebenserwartung wird durch die Dermatochalasis nicht verringert.

Therapie & Behandlung

Im Rahmen der Behandlung muss der Mediziner die Ursache berücksichtigen. Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Therapieansätze; einerseits gibt es konservative Möglichkeiten, die etwa Gymnastik, Bindegewebsmassagen oder Kalt-Warm-Duschen einschließen, jedoch auch operative Behandlungen. Dazu zählt etwa die Blepharoplastik. Ratsam ist, dass - wenn eine Grunderkrankung vorliegt, die eine Dermatochalasis verursacht hat - vorwiegend nur die Symptome beziehungsweise die Ursache - im Sinne der Grunderkrankung - behandelt wird.

Entscheidet sich der Mediziner für die gängigste Variante - also für den operativen Eingriff - entfernt er die überschüssige Haut. Der Patient wird mittels örtlicher Betäubung versorgt; die Korrektur dauert rund 45 Minuten (für beide Augen). Dabei entfernt der Mediziner erstmals die überschüssige Haut und in zweiter Linie das überschüssige Fettgewebe, welches sich gebildet hat. Nach fünf bis sechs Tagen entfernt der Arzt sodann die Nähte. Blutergüsse, die sehr wohl entstehen können, sind nach rund ein bis zwei Wochen verheilt.

Der Eingriff hinterlässt eine sehr feine und sanfte Narbe, welche direkt in der Lidfalte liegt und nicht sichtbar ist. Vor dem Eingriff muss natürlich ein ausführliches Aufklärungsgespräch erfolgen, bei welchem der Patient nicht nur seine Wünsche äußert, sondern gleichzeitig der Mediziner auch über Risiken und sonstige Nebenwirkungen berichtet, die im Rahmen eines operativen Eingriffs - zumindest theoretisch - möglich sind.

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Aussicht & Prognose

Bei der Dermatochalasis kommt es in der Regel nicht zu einer Selbstheilung und nicht zu einer Verbesserung der Beschwerden, falls die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Betroffenen sind aus diesem Grund immer auf eine medizinische Behandlung angewiesen, um diese Krankheit zu behandeln.

Sollte die Dermatochalasis nicht behandelt werden, so leiden die Betroffenen an starken Fettablagerungen an den Augenlidern und weiterhin an Schwierigkeiten beim Öffnen und Schließen der Augen. Diese Beschwerden wirken sich negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und können diese verringern. Ebenso kommt es zu Einschränkungen im Gesichtsfeld und damit auch im Alltag. Häufig leiden die Betroffenen aufgrund der Dermatochalasis auch an Kopfschmerzen und an Sehbeschwerden.

Die Dermatochalasis kann meistens relativ einfach behandelt werden. Durch einen operativen Eingriff werden die Ablagerungen entfernt, sodass die Beschwerden vollständig gelöst werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Es verbleibt jedoch eine kleine Narbe. Ein operativer Eingriff ist dabei nicht immer notwendig, sodass die Dermatochalasis in einigen Fällen auch durch Massagen oder Kalt-Warm-Duschen behandelt werden kann. Auch dadurch kann es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommen.

Vorbeugung

Eine Dermatochalasis kann im Regelfall nicht vorgebeugt werden. Dies deshalb, da im überwiegenden Fall andere Krankheiten für die Dermatochalasis verantwortlich sind. Auch wenn die Dermatochalasis bereits in der Familie aufgetreten ist, gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen.

Nachsorge

Bei einer Dermatochalasis stehen dem Betroffenen in der Regel nur sehr wenige oder sogar keine Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge zu. Da die Krankheit in vielen Fällen auch nicht vollständig behandelt werden kann, ist der Betroffene in erster Linie auf die frühzeitige und schnelle Erkennung und auf die anschließende Behandlung der Erkrankung angewiesen.

Es kann dabei nicht zu einer selbstständigen Heilung der Dermatochalasis kommen, sodass eine Behandlung in jedem Fall notwendig ist. Je früher die Dermatochalasis dabei erkannt wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf dieser Krankheit. Die Behandlung erfolgt dabei in der Regel mit Hilfe von operativen Eingriffen.

Diese sollten schon möglichst früh durchgeführt werden. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene in der Regel immer ausruhen und seinen Körper auch weiterhin schonen. Dabei ist immer Bettruhe zu beachten. Auch von Anstrengungen oder von stressigen Aktivitäten ist dabei abzusehen.

Der Eingriff bei der Dermatochalasis erfolgt meistens ohne Komplikationen und führt zu einer fast vollständigen Heilung der Beschwerden. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird dadurch nicht verringert. Da die Krankheit nicht selten zu psychischen Verstimmungen oder zu Depressionen führen kann, empfiehlt sich eine begleitende, psychologische Behandlung.

Das können Sie selbst tun

Eine Dermatochalasis muss nicht immer medizinisch behandelt werden. Je nach Ursache gibt es verschiedene Therapien, die teilweise ohne ärztliche Unterstützung durchgeführt werden können. In leichten Fällen können die Hautveränderungen etwa durch Gymnastik oder Bindegewebsmassagen behandelt werden. Kalt-Warm-Duschen helfen vor allem bei Schwellungen der Oberlider und Hautveränderungen in Folge von entzündlichen Hautkrankheiten wie Dermatitis.

Ganz allgemein wird auch klassischen Gesichtsmasken mit Quark oder Gurken eine vorbeugende Wirkung zugesprochen. Homöopathische Mittel wie Heilerde oder die Schüssler-Salze Nr. 6 und Nr. 9 helfen bei einer allergiebedingten Dermatochalasis. Eine Dermatochalasis während der Schwangerschaft kann durch eine Umstellung der Medikation (meist ist das Medikament Penicillamin ursächlich) behandelt werden.

Sollte die Erschlaffung der Augenlider altersbedingt sein, muss die Dermatochalasis meist operativ entfernt werden. Eine Ernährungsumstellung oder Veränderungen im Lebensstil (z.B. mehr Schlaf oder weniger Genussmittel) beugen neuerlichen Hautveränderungen vor. Teilweise ist die Dermatochalasis allerdings genetisch bedingt, weshalb die Erschlaffung nicht immer verhindert werden kann. In schweren Fällen kann deshalb auch eine [Psychologe|psychologische Beratung]] sinnvoll sein. Welche Maßnahmen im Detail in Frage kommen, sollten Betroffene mit dem zuständigen Arzt besprechen.

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W. (Hrsg.): Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011


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