Eagle-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Eagle-Syndrom ist eine Erkrankung, die im Bereich des Rachens und der Zunge verschiedene Beschwerden verursacht. Der Grund hierfür ist zum Beispiel ein atypisch geformter und gelagerter Processus styloideus (Griffelfortsatz). Die Krankheit tritt vor allem bei Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Eagle-Syndrom?

Eagle Syndrom
Eine der häufigsten Beschwerden beim Eagle-Syndrom sind Halsschmerzen. Als sehr unangenehm wird das Fremdkörpergefühl, das bei vielen Betroffenen auftritt, empfunden.
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Das Eagle-Syndrom ist ein seltenes Krankheitsbild, das durch das Wachstum von verkalkten (kalzifizierten) Geweben im Bereich des Halses verursacht wird. Diese Gewebe können sich so vergrößern, dass sie auf Nerven und Blutgefäße drücken und Schmerzen und andere Symptome verursachen.

Die genauen Ursachen des Eagle-Syndroms sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass bestimmte Infektionen und Verletzungen im Halsbereich das Risiko erhöhen können. Es wird meistens durch eine Kombination aus Bildgebungsverfahren und einer neurologischen Untersuchung diagnostiziert und kann durch eine Operation behandelt werden, um die betroffenen Gewebe zu entfernen.

Das Leiden wurde zum ersten Mal im Jahr 1937 von Watt Weems Eagle, einem HNO-Arzt, beschrieben. Daher stammt auch der Name. Das Eagle-Syndrom führt häufig zu dumpfen, neuralgieartigen Schmerzen im Bereich der seitlichen Region des Rachens und der Zunge, die in den Hals sowie zum Ohr hin ausstrahlen.

Das Eagle-Syndrom ist demzufolge durch Schmerzen in der Kehle, im Mund, im Kopf, Nacken und Gesicht gekennzeichnet. Beim Schlucken können die Beschwerden verstärkt werden. Die Patienten mit einem Eagle-Syndrom berichten, dass es sich wie ein Fremdkörper im Rachen anfühlt, der mit einem Räusper- und Schluckzwang einhergeht.

Ursachen

Beim Eagle-Syndrom werden die Nerven zwischen dem Griffelfortsatz und dem Zungenbein mechanisch gereizt. Häufig liegt zudem eine Entzündung, meistens eine Knochenhautentzündung, vor. Folgende Faktoren können zur Reizung führen:

  • Zu langer Zungenbeinknochen
  • Verlängerter Knochenfortsatz unterhalb des Ohres
  • Insertionstendopathie (Schmerzzustände, die durch eine Reizung der Sehnenansätze bedingt sind)
  • Verkalkte Bänder (Gewebeverhärtungen)

Ein Eagle-Syndrom tritt meist nach Verletzungen, Operationen oder nach einem Trauma im Nacken auf. Auch aus Erkrankungen am Griffelfortsatz resultieren ein immer wiederkehrender Druck auf die Halsnerven und eine Einklemmung der Halsblutgefäße. Als Ursache für das Eagle-Syndrom wird auch die Entfernung der Mandeln vermutet.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Eagle-Syndrom ist durch eine Deformität des Schläfenbeins gekennzeichnet. Der Griffelfortsatz ist in diesem Fall mehr als 30 Millimeter lang. Eine der häufigsten Beschwerden sind Halsschmerzen. Als sehr unangenehm wird das Fremdkörpergefühl, das bei vielen Betroffenen auftritt, empfunden. Auch Schmerzen im Rachen sowie ein drückender Schmerz in der Fossa tonsillaris (Mandelnische) treten häufig auf.

Insbesondere beim Schlucken und bei Bewegungen des Halses entsteht das Schmerzempfinden. Atypische Gesichtsschmerzen sind weitere häufige Symptome. Es gibt aber auch viele Betroffene, die keine merklichen Beschwerden haben. Zu den typischen Symptomen des Eagle-Syndroms gehören:

  • Einseitige Schmerzen im Bereich des Rachens und Schlunds
  • Geschmacksstörungen
  • Schluckstörungen mit einem Druckgefühl oder Schmerzen im Bereich der Brust und des Oberbauchs
  • Gefühl, dass sich im Schlundbereich ein Fremdkörper befindet
  • Geschwollene Lymphknoten (Kinn, Kiefer oder Hals)
  • Leicht geschwollener Hals oberhalb des Zungenbeins
  • Beim Schlucken einseitiges Knacken im Hals
  • Kieferschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Rheumatische Beschwerden
  • Veränderte Stimme
  • Husten
  • Schwindel und Gleichgewichtssymptome
  • Appetitveränderungen

Diagnose & Verlauf

Die Symptome, die beim Eagle-Syndrom auftreten, verschieben sich zum Teil über Monate und manchmal schwächen sie sich etwas ab. Das Krankheitsbild kann jedoch sehr hartnäckig sein, sodass es eine wirkliche Beschwerdefreiheit nur selten gibt. Das Eagle-Syndrom endet zudem häufig in chronischen dauerhaften Schmerzen.

Die Diagnose stellt meistens ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, doch nicht immer wird die Erkrankung sofort erkannt, da die Symptome auch auf verschiedene Erkrankungen zutreffen können. Nicht selten vergehen Jahre, in denen die Beschwerden als Kiefergelenksproblem, als Nervenschmerz oder als seelisch bedingt gedeutet werden. Die Abtastung der Tonsillenloge (Bereich der Mandeln), eine Computertomographie und eine Röntgenuntersuchung sind dabei erste Maßnahmen, die sich zur Diagnose des Eagle-Syndroms eignen. Als aussagekräftigstes Verfahren gilt heute die Computertomographie mit dreidimensionaler Rekonstruktion, die Länge und Verlauf des Griffelfortsatzes genau darstellt; eine einfache Röntgenaufnahme reicht dafür meist nicht aus.

Beim Eagle-Syndrom zeigt sich in der bildgebenden Diagnostik ein Griffelfortsatz, der atypisch gelagert, ungewöhnlich lang, medial oder lateral abgeknickt ist. Der Griffelfortsatz ragt über die als normal geltende Länge von 30 Millimetern hinaus. Die Untersuchungsmethoden decken möglicherweise eine Kalkbildung auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn die typische Deformität des Schläfenbeins bemerkt wird, sollte dies auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Bei Gesichtsschmerzen, Geschmacksstörungen, Schwellungen im Halsbereich und anderen typischen Symptomen des Eagle-Syndroms ist ebenfalls ein Arztbesuch zu empfehlen. Sollten sich Komplikationen wie Schwindel und Gleichgewichtssymptome, Appetitveränderungen oder rheumatische Beschwerden einstellen, so muss dies rasch abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.

Besonders gefährdet sind Personen, die bereits einmal an einer Knochenhautentzündung erkrankt sind. Auch nach Verletzungen, Operationen oder einem schweren Trauma kann ein Eagle-Syndrom auftreten. Auf wen diese Risikofaktoren zutreffen, der sollte mit den genannten Symptomen rasch zum Hausarzt gehen.

Weitere Ansprechpartner sind der HNO-Arzt, verschiedene Internisten und Fachärzte für die jeweiligen Symptome. Im medizinischen Notfall sollte der ärztliche Notdienst kontaktiert werden bzw. muss der Betroffene umgehend in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Eine umfassende ärztliche Behandlung und Nachsorge ist beim Eagle-Syndrom grundsätzlich erforderlich. Begleitend dazu muss unter Umständen auch ein Physiotherapeut hinzugezogen werden.

Behandlung & Therapie

Um ein Eagle-Syndrom zu behandeln, werden in erster Linie nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt. Dies dient dem Ziel, akute Schmerzen zu beseitigen. Magenschonender und zudem entzündungshemmend sind die so genannten COX-2 Inhibitoren. Lange galten sie deshalb als besonders verträgliche Alternative. Heute werden sie zurückhaltender eingesetzt, weil sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können. Mittel zur Entspannung der Muskeln (Muskelrelaxanzien) wie Baclofen können als Ergänzung ebenso hilfreich sein.

Diese Therapien lindern die Beschwerden in vielen Fällen, die zugrunde liegende Veränderung des Griffelfortsatzes bleibt dabei jedoch bestehen. Starke Schmerzen können zum Teil nur durch zentral – also im Gehirn oder Rückenmark – wirkende Analgetika wie Tramadol gelindert werden. Durch eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Mitteln gegen eine Depression, die teilweise auch bei Schmerzen wirksam sind, können oftmals Schmerzmittel eingespart werden.

Bei allen Medikamenten muss stets auf die Gefahr einer Gewöhnung oder sogar Abhängigkeit von den Schmerzmitteln geachtet werden. In schweren, hartnäckigen Fällen, wenn die Behandlung keine Wirkung zeigt oder die Beschwerden chronisch werden, muss die Spitze des Griffelfortsatzes manchmal chirurgisch entfernt werden. Auch weiterführende multimodale Behandlungskonzepte, die in einer speziellen Schmerzklinik erfolgen, bringen häufig gute Erfolge.

Hier kommen zum Beispiel eine Akupunktur sowie eine physikalische Therapie wie T.E.N.S., Wärme- oder Kälteanwendungen zum Einsatz. Dabei gilt grundsätzlich: Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Wenn die Schmerzen jedoch bereits längerfristig bestehen, kann davon ausgegangen werden, dass bereits die Chronifizierungsgrade II, wenn nicht sogar III vorliegen.

In diesen Fällen ist eine nur auf den Körper bezogene Behandlung oftmals nicht mehr ausreichend, sodass zusätzlich noch eine psychotherapeutische Intervention erfolgen sollte. Solche Behandlungen sind leider ambulant häufig nicht möglich, da nur sehr wenige, niedergelassene Psychotherapeuten über eine entsprechende Weiterbildung in Bezug auf eine spezielle Schmerzpsychotherapie verfügen.

Aussicht & Prognose

Obwohl das Eagle-Syndrom auf einen verlängerten Processus styloideus ossis temporalis zurückzuführen ist, leiden nur ca. vier bis zehn Prozent der Menschen mit einem solchen verlängerten Fortsatz wirklich unter Beschwerden. Die Symptome sind sehr vielfältig und bei den einzelnen Personen auch unterschiedlich ausgeprägt. Daher richtet sich die Prognose der Erkrankung nach den vorherrschenden Beschwerden.

Es handelt sich nicht um eine schwerwiegende, aber teilweise sehr belastende Erkrankung. Schwerwiegende Komplikationen sind selten. In seltenen Fällen drückt der verlängerte Fortsatz jedoch auf die Halsschlagader; dann können Schwindel, kurze Ohnmachtsanfälle und in Einzelfällen sogar ein Schlaganfall auftreten. Allerdings wird die Lebensqualität der Betroffenen durch die dauerhaften Schmerzzustände und Schluckbeschwerden oft stark eingeschränkt. Eine einfache Schmerztherapie ist meist erfolglos. Gute Erfolge werden oft durch die Behandlung mit einer Kombination aus nichtsteroidalen Antirheumatika und Muskelrelaxantien erzielt. Wenn die Schmerzen jedoch sehr stark sind, müssen zentral wirkende Schmerzmittel wie Tramadol eingesetzt werden.

Ein dauerhafter Erfolg stellt sich aber bei medikamentöser Behandlung nur selten ein. Deshalb sollte auch bei schwer behandelbaren und chronischen Schmerzen eine chirurgische Verkürzung des Griffelfortsatzes in Erwägung gezogen werden. Der chirurgische Eingriff ist die einzige Möglichkeit, eine vollständige Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Da diese Operation jedoch mit Risiken wie Gesichtslähmung oder Verletzung der Halsschlagader verbunden sein kann, wird sie meist nur in Fällen mit schwerer Schmerzbelastung durchgeführt. Die medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln muss jedoch dauerhaft erfolgen, da die Schmerzen nach deren Absetzung sofort wieder auftreten. Das kann allerdings zu Medikamentenabhängigkeit führen.


Vorbeugung

Da die Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind, ist auch eine gezielte Vorbeugung nicht möglich. Im Allgemeinen ist es ratsam, das Immunsystem zu stärken, um Erkrankungen abzuwehren.

Nachsorge

Die Maßnahmen und Möglichkeiten einer Nachsorge sind beim Eagle-Syndrom in den meisten Fällen sehr stark eingeschränkt. Der Betroffene ist daher in erster Linie auf eine schnelle Diagnose und Behandlung dieser Krankheit angewiesen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt. Es kann beim Eagle-Syndrom auch nicht zu einer Selbstheilung kommen, da sich die knöcherne Veränderung des Griffelfortsatzes nicht von selbst zurückbildet.

In den meisten Fällen sind die Betroffenen beim Eagle-Syndrom auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Dabei sollten immer die Anweisungen des Arztes befolgt werden, wobei die Medikamente richtig und regelmäßig einzunehmen sind.

Im Zweifelsfalle oder bei Fragen und Unklarheiten sollte dabei auch immer ein Arzt kontaktiert werden. Da das Eagle-Syndrom auch zu psychischen Verstimmungen und zu Depressionen führen kann, sollte dabei auch begleitend eine psychologische Behandlung durchgeführt werden. Dabei sind auch Gespräche mit den Freunden oder mit der eigenen Familie sehr sinnvoll, um solche Beschwerden dauerhaft zu lindern. In vielen Fällen kann dabei auch der Kontakt zu anderen Betroffenen dieser Krankheit sinnvoll sein.

Das können Sie selbst tun

Der Patient kann sich im Alltag durch die Anwendung von Entspannungstechniken helfen. Diese dienen dazu, den Stress zu lindern und dem Schmerzempfinden entgegenzutreten. Durch verschiedene Methoden wie Meditation, Yoga oder autogenes Training gelingt es den Patienten oftmals, ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Die Entspannung fördert das Wohlbefinden, was für den Aufbau neuer Ressourcen im Kampf gegen die Erkrankung wichtig ist.

Auch wenn der Patient unter einer Appetitlosigkeit leidet, sollte er sich zur Stärkung des eigenen Abwehrsystems gesund und ausgewogen ernähren. Die Nahrungsaufnahme ist essentiell, um keine weiteren Beschwerden aufzubauen. Die Zufuhr von ausreichender Flüssigkeit ist ebenso wichtig und notwendig. Im Alltag sind zusätzliche Stressoren zu vermeiden. Anfallende Tätigkeiten gilt es umzuverteilen, damit genug Ruhe und Schonung erfolgen kann.

Hilfreich kann für den Patienten eine seelische Unterstützung oder ein emotionaler Beistand sein. Der Erkrankte sollte seiner Umwelt mitteilen, was für ihn wichtig ist, wie es ihm geht, und sobald es notwendig ist, Hilfe in Anspruch nehmen.

Trotz der Krankheit und der Beeinträchtigungen im Alltag ist der Lebenssinn nicht aus den Augen zu verlieren. Eine ausreichende Motivation für die Genesung und eine positive Grundeinstellung für eine Verbesserung der vorhandenen Lebensqualität sollten bewahrt bleiben oder gegebenenfalls immer wieder neu aufgebaut werden.

Quellen

  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783642211300
  • Strutz, J., Mann, W., Arndt, O. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
    ISBN: 9783132454606
  • Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
    ISBN: 9783131630841
  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
    ISBN: 9783132410961
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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