Exogene allergische Alveolitis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als exogene allergische Alveolitis wird eine allergisch bedingte Entzündung der Alveolen (Lungenbläschen) bezeichnet. Sie entsteht durch das wiederholte Einatmen organischer Stäube, auf die der Körper mit einer Überempfindlichkeitsreaktion antwortet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine exogene allergische Alveolitis?

Exogene allergische Alveolitis
Die akute Form setzt etwa 4 bis 12 Stunden später ein, nachdem der Patient den Auslöser eingeatmet hat. Dabei kommt es zu Symptomen wie Reizhusten, Atemnot im Ruhezustand, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und hohem Fieber.
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Bei der exogenen allergischen Alveolitis (EAA) oder exogen-allergischen Alveolitis handelt es sich um eine Alveolenentzündung, die allergisch bedingt ist. Die Alveolen sind Lungenbläschen, die durch das Einatmen feiner organischer Stäube in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei kann es sich um Schimmelpilzsporen, Bestandteile von Vogelfedern und Vogelkot, Bakterien oder auch um chemische Stoffe handeln.

Wird der schädliche Stoff im Rahmen einer Berufstätigkeit eingeatmet, lässt sich die exogene allergische Alveolitis zu den Berufskrankheiten rechnen. In der Gesamtbevölkerung ist die EAA selten; von den Personen jedoch, die regelmäßig mit den auslösenden Stoffen umgehen, erkranken etwa 5 bis 15 Prozent. Am häufigsten zeigt sich die Entzündung der Alveolen bei Taubenzüchtern und Landwirten.

Ursachen

Ursächlich für eine exogene allergische Alveolitis ist das wiederholte Einatmen von organischem Staub. Gelangt dieser in die Lunge, kommt es im Körper zu einer allergischen Überreaktion. Von besonderer Bedeutung sind dabei Immunreaktionen von Typ III und IV. Die Immunkomplexe bewirken das Aktivwerden des Komplementsystems. Außerdem werden Botenstoffe mit Entzündungszellen gebildet. Zytotoxische T-Lymphozyten haben die Ausprägung von Granulomen innerhalb des Alveolarraums zur Folge.

Anders als beim allergischen Asthma handelt es sich damit nicht um eine Allergie vom Soforttyp: Die Reaktion setzt erst mit mehreren Stunden Verzögerung ein. Genau deshalb bringen viele Betroffene ihre Beschwerden zunächst nicht mit dem auslösenden Stoff in Verbindung.

Je nachdem, wie groß das Ausmaß der Allergenexposition ist und wie lange sie anhält, bildet sich dabei eine akute Pneumonitis. Durch kleinere pneumonitische Schübe besteht zudem die Gefahr einer sich weiterentwickelnden Lungenfibrose. Bei der exogenen allergischen Alveolitis ist die Erkrankungsgefahr unterschiedlich. Ein erhöhtes Risiko besteht besonders bei Atopikern. Verantwortlich für eine exogen-allergische Alveolitis sind unterschiedliche Antigene, die eine Überreaktion des Körpers auslösen.

Zu den etwa 300 bekannten Antigenen zählen unter anderem Chemikalien, tierische Proteine, Bakterien sowie Pilze und Pilzsporen. Nicht selten hängt die EAA auch mit der beruflichen Tätigkeit des Patienten zusammen. Eine Form der exogenen allergischen Alveolitis ist die sogenannte Vogelzüchterlunge. Sie entsteht durch Vogelfedern oder Vogelkot. Eine andere Variante stellt die Farmerlunge dar, die von Schimmelpilzsporen in Getreide oder Heu hervorgerufen wird.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die exogene allergische Alveolitis lässt sich in eine akute und eine chronische Form unterteilen. Die akute Form setzt etwa 4 bis 12 Stunden später ein, nachdem der Patient den Auslöser eingeatmet hat. Dabei kommt es zu Symptomen wie Reizhusten, Atemnot im Ruhezustand, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und hohem Fieber.

Außerdem verspüren die Betroffenen ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die chronische EAA macht sich in der Regel durch eine allmähliche Leistungsabnahme, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Gewichtsabnahme bemerkbar. Bei Belastung leiden die Patienten zunehmend unter Atembeschwerden und Husten.

Die akute Form der exogen-allergischen Alveolitis kommt normalerweise durch eine massive Zufuhr von Antigenen zustande. Dazu gehört unter anderem das Reinigen eines Taubenschlages oder das Umlagern von verschimmeltem Heu. Die Symptome weisen Ähnlichkeit mit einer Infektionserkrankung auf, werden jedoch nicht durch eine Infektion ausgelöst. Oftmals heilt die akute EAA schon nach wenigen Tagen von selbst wieder ab. Ein wichtiger Hinweis auf die Erkrankung ist deshalb, dass sich die Beschwerden am Wochenende oder im Urlaub bessern und nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz oder zu den Tieren wiederkehren. Nur schwer zu entdecken ist die chronische Form der EAA. Sie führt im Laufe der Zeit zu einer Zerstörung des Lungengewebes, auch Lungenfibrose genannt.

Diagnose & Verlauf

Nur mit einem einzigen Befund kann eine exogen-allergische Alveolitis nicht diagnostiziert werden. Aus diesem Grund setzt sich die Diagnostik aus dem Ausschluss von anderen Erkrankungen zusammen. Des Weiteren kommen unterschiedliche Diagnoseverfahren zur Anwendung. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Symptomatik der Krankheit.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung nimmt der Arzt beim Abhören häufig ein knisterndes Rasseln wahr. Mitunter lässt sich auch durch eine Röntgenuntersuchung eine milchige, glasige Trübung entdecken. Bei etwa einem Drittel aller Patienten tritt sie allerdings nicht auf. Liegt eine chronische Form vor, können zunehmende Vernarbungen ermittelt werden, die sich jedoch auch bei anderen Lungenkrankheiten zeigen.

Sicher nachweisen lässt sich eine exogene allergische Alveolitis durch eine hochauflösende Computertomographie (HR-CT). Sogar Frühformen, die auf dem Röntgenbild unerkannt bleiben, können mit ihrer Hilfe diagnostiziert werden. Durch eine Blutuntersuchung ist der Nachweis von speziellen Antikörpern gegen die Verursacher möglich.

Nicht selten wird die EAA erst spät erkannt. Dies kann eine verspätete Behandlung des Patienten nach sich ziehen, wodurch wiederum die Gefahr einer Lungenfibrose besteht. Infolgedessen bildet sich die Fibrose nur langsam oder sogar überhaupt nicht mehr zurück. Erfolgt jedoch eine rechtzeitige Behandlung, ist der Verlauf der Erkrankung in der Regel positiv.

Komplikationen

Die exogene allergische Alveolitis gehört zu einer Gruppe immunologisch bedingter Lungenerkrankungen. Durch das Einatmen verschiedener organischer Staubarten kann es zu einer entzündlichen Reaktion von Lunge, Bronchien und Atemwegen kommen. Gerade im Bereich der Tierhaltung und in klimatisierten Räumen ist die Erkrankung eher berufsbedingt.

Zuweilen wird die Erkrankung falsch gedeutet, da die Anzeichen sowie Verlaufsformen sich oft als grippaler Infekt äußern. Im Blutbild zeichnet sich jedoch deutlich eine Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen) ab, welche einer gründlichen ärztlichen Anamnese bedarf. Nachdem unter anderem der berufliche sowie private Hintergrund des Patienten betrachtet wurde, kann eine exogene allergische Alveolitis vermutet werden.

Sofern sich nicht das typische Knisterrasseln beim Abhorchen der Lunge vernehmen lässt, können bildgebende Verfahren und eine ganzheitliche Diagnostik den Befund sichern. Wird die Erkrankung verschleppt, treten unweigerlich Komplikationen auf, welche sich beruflich und lebenseinschränkend auf den Betroffenen auswirken. Neben immer wiederkehrenden Fieberschüben, Dauerhusten, einem permanenten Grippe- und Erschöpfungsgefühl kann die exogen allergische Alveolitis chronische Ausmaße annehmen.

Die Folgen sind Kurzatmigkeit, unerklärliche Gewichtsabnahme, Uhrglasnägel, Trommelschlegelfinger und eine chronisch fortschreitende Lungen-Fibrosierung. Ist die Fibrosierung mit Vernarbung der Lungenbläschen eingetreten, kann diese kaum mehr ausgeheilt werden. Bei rechtzeitigem Erkennen der Erkrankung werden Glucocorticoide eingesetzt; sie lindern die Entzündung, ersetzen die konsequente Allergenkarenz aber nicht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Diese Erkrankung sollte von einem Arzt untersucht werden. Sie muss zwar nicht sofort zu Komplikationen oder zu schwerwiegenden Beschwerden führen, kann allerdings auf lange Dauer die inneren Organe beschädigen. Der Betroffene sollte einen Arzt dann aufsuchen, wenn er an starker Atemnot oder an Reizhusten leidet. Dieser kann auch mit blutigem Auswurf auftreten.

Sollte der Patient aufgrund der Erkrankung das Bewusstsein verlieren, so ist sofort der Notarzt zu rufen. Atmet der Bewusstlose normal, wird er in die stabile Seitenlage gebracht; atmet er nicht oder nicht normal, ist unverzüglich mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Weiterhin sollte auch dann eine Behandlung eingeleitet werden, wenn der Betroffene an hohem Fieber oder an Kopfschmerzen und Schüttelfrost leidet.

Weiterhin können auch eine dauerhafte Müdigkeit oder Appetitlosigkeit Symptome der Erkrankung darstellen. Die Atembeschwerden und der Husten nehmen in der Regel mit der Zeit zu und verschlechtern sich. Die erste Diagnose und Behandlung kann bei einem Allgemeinarzt erfolgen; die weitere Abklärung übernimmt ein Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologe). Je früher die Diagnose stattfindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes. Die weitere Behandlung richtet sich allerdings nach der Ausprägung der Beschwerden und eventuell auch nach der Beschädigung der inneren Organe.

Behandlung & Therapie

Um eine exogen-allergische Alveolitis erfolgreich zu behandeln, muss die betroffene Person das auslösende Allergen unbedingt meiden. So lässt sich ohne eine konsequente Allergenkarenz keine wirksame Behandlung vornehmen. Für die Therapie stellt der Arzt fest, ob möglicherweise eine Berufskrankheit vorliegt. Vermeidet der Patient das auslösende Allergen, verschwinden die Beschwerden normalerweise nach einigen Tagen wieder.

Damit die Entzündungsreaktion bei einer akuten EAA erfolgreich bekämpft wird, erhält der Patient in hohen Dosen Glukokortikoide. Bei manchen Betroffenen besteht zudem eine Superinfektion, die ebenfalls einer medizinischen Therapie bedarf. Leidet der Patient unter einer chronischen exogenen allergischen Alveolitis, erhält er zusätzlich Immunsuppressiva. Durch diese Mittel kann das Fortschreiten der Lungenfibrose gebremst werden; eine bereits eingetretene Vernarbung bildet sich dagegen nicht mehr zurück.

Ist die Fibrose allerdings schon weiter fortgeschritten, besteht die Gefahr von schwerwiegenden Komplikationen wie einer Rechtsherzinsuffizienz oder einer pulmonalen Hypertonie. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten weiter, kommen Therapieoptionen wie eine Langzeit-Sauerstofftherapie oder eine Lungentransplantation in Betracht.

Aussicht & Prognose

Die Prognose der exogenen allergischen Alveolitis ist unter der Einhaltung bestimmter Vorgaben günstig. Wird das auslösende Allergen konsequent gemieden, tritt in der Regel Beschwerdefreiheit ein. Wenngleich eine bereits eingetretene Vernarbung der Lunge nicht mehr rückgängig zu machen ist, kann der Betroffene dennoch durch die Regulierung seiner Verhaltensweisen eine Linderung der Beschwerden erzielen. Die Umgebung ist von Staub in regelmäßigen engmaschigen Abständen zu säubern. Gelingt die Reinigung in einem ausreichenden Maß, treten keine weiteren Unannehmlichkeiten ein. Dafür sind die beruflichen wie die privaten Räumlichkeiten zu optimieren.

In schweren Fällen nimmt die exogene allergische Alveolitis einen ungünstigen Verlauf. Es kann zu einer Störung des Herz-Kreislaufs kommen. Die Herztätigkeit ist bei einigen Patienten derart geschwächt, dass schwerwiegende und lebensbedrohliche Komplikationen eintreten. Eine Langzeittherapie ist notwendig, damit das vorzeitige Ableben des Patienten vermieden wird.

Hält der Kontakt mit dem auslösenden Stoff an, können sich zudem Organschäden entwickeln. Bei Schädigungen der Lunge kann es zu einer dauerhaften Störung der Atmung und Atemknappheit kommen. Eine künstliche Beatmung sichert das Leben des Betroffenen. Eine Organtransplantation ist in diesen Fällen angezeigt, damit eine Verbesserung der Gesundheit ermöglicht wird. Der operative Eingriff ist mit zahlreichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Wird das Spenderorgan nicht vom Organismus angenommen, droht der Tod des Patienten.


Vorbeugung

Als beste Vorbeugemaßnahme gegen die EAA gilt das konsequente Vermeiden des auslösenden Allergens. So dürfen zum Beispiel Patienten, die unter einer Vogelzüchterlunge leiden, keinen Kontakt zu Ziervögeln und anderen Vogelarten haben. Wird der Kontakt dagegen fortgesetzt, droht eine Lungenfibrose, die sich nicht mehr zurückbildet. Medikamente können die Karenz dabei nicht ersetzen.

Nachsorge

Dem Betroffenen stehen bei dieser Krankheit in der Regel keine besonderen Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist der Patient in erster Linie auf eine schnelle und vor allem auf eine frühzeitige Diagnose angewiesen. Nur dadurch können weitere Komplikationen und Beschwerden verhindert werden. Es kommt ohne Behandlung dieser Krankheit in der Regel zu einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden, sodass eine Behandlung durch einen Arzt unabdingbar ist.

Bei dieser Krankheit ist der Betroffene in erster Linie auf das konsequente Meiden des auslösenden Stoffes angewiesen; ergänzend kann die Einnahme von Medikamenten notwendig sein. Dabei ist auf eine richtige Dosierung mit einer regelmäßigen Einnahme zu achten, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern. Sollte es zu Fragen oder zu Unklarheiten kommen, sollte der Betroffene immer zuerst einen Arzt kontaktieren.

Weiterhin sollte der Betroffene seinen Körper nicht unnötig belasten und starke Anstrengungen vermeiden, um das Herz nicht zu belasten. Dabei sind auch die Hilfe und die Pflege durch die eigene Familie oder durch Freunde sehr wichtig. Auch eine psychologische Pflege ist dabei sehr wichtig, um psychische Verstimmungen oder Depressionen zu verhindern. Durch diese Krankheit kann es auch zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen kommen.

Das können Sie selbst tun

Eine akute exogene allergische Alveolitis zeigt sich meist einige Stunden nach dem Einatmen des Allergens. Meidet der Patient die allergieauslösenden Stoffe, verschwinden die Beschwerden normalerweise nach wenigen Tagen von selbst wieder. Die beste Selbsthilfemaßnahme besteht deshalb darin, die Allergene zu identifizieren und den Kontakt zu vermeiden.

Das ist nicht immer ganz einfach. Sofern bezüglich des Auslösers kein Verdacht besteht, sollte der Betroffene ein Allergie-Tagebuch führen. Darin wird detailliert aufgezeichnet, was der Patient tut und welche Symptome wann beobachtet werden. Ein solches Tagebuch kann den behandelnden Arzt dabei unterstützen, gezielte Allergietests durchzuführen.

Sofern der Patient auf einen Stoff allergisch reagiert, mit dem er beruflich regelmäßig zu tun hat, muss er seine Tätigkeit in der Regel aufgeben und sich eine andere Beschäftigung suchen. Häufig ist eine Umschulung erforderlich. Da die exogene allergische Alveolitis in diesen Fällen oftmals als Berufskrankheit eingestuft wird, sind die Patienten relativ gut abgesichert.

Die Betroffenen sollten sich aber auf jeden Fall rechtzeitig entweder durch ihre Gewerkschaft, durch ihren Betriebsrat oder durch einen Fachanwalt für Sozialrecht beraten lassen, um die finanziellen Konsequenzen der Krankheit so gering wie möglich zu halten.

Quellen

  • Kroegel, C., Costabel, U. (Hrsg.): Klinische Pneumologie.
    ISBN: 9783131297518
  • Lorenz, J., Bals, R.: Checkliste Pneumologie.
    ISBN: 9783131770240
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., Dietel, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
    ISBN: 9783132452091

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