Laryngitis gastrica

Bei der Laryngitis gastrica handelt es sich um eine Kehlkopfentzündung, die durch einen Reflux von Magensäure verursacht wird. In der Regel tritt die Erkrankung daher als Symptom der Reflux-Krankheit auf. Zu Behandlung finden diätische Maßnahmen und medikamentöse Protonenpumpenhemmer Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Laryngitis gastrica?

Die Laryngitis ist eine Entzündung in den Schleimhäuten des Kehlkopfes. Diese Entzündung kann sowohl akut verlaufen oder chronisch vorliegen. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene können daran erkranken. In der Regel ist eine Laryngitis entweder bakteriell oder viral. Bei der Sonderform der Laryngitis gastrica sind aber weder Bakterien, noch Viren die Auslöser der Entzündung. Auch chemische Reize oder Stimmbelastungen sind bei der Larygitis gastrica nicht für die entzündeten Schleimhäute am Kehlkopf verantwortlich. Stattdessen wird der Kehlkopf bei dieser Erkrankung von rückfließendem Magensaft angegriffen.

Dieses Phänomen ist ein Symptom der Reflux-Krankheit, sodass die Laryngitis gastrica im Rahmen dieser Erkrankung in aller Regel als Begleitsymptom auftritt. Die Reflux-Krankheit ist wegen der Ernährungsgewohnheiten in einer Wohlstandsgesellschaft eine relativ häufige Erkrankung. Rund 20 Prozent der US-Amerikaner sind von einem Reflux bis in den Hals betroffen. Bei fast der Hälfte von ihnen lag bereits eine Laryngitis gastrica vor.

Ursachen

In der Speiseröhre sind Schließmuskeln vorhanden, die den Mageninhalt durch den sogenannten Ruhedruck vom Wiederaufsteigen in den Rachenraum abhalten. Nur beim Schlucken ist der untere Schließmuskel der Speiseröhre entspannt. Wenn dieser Schließmuskel beschädigt ist, entsteht ein Reflux. Wenn zusätzlich die Peristaltik gestört ist, kommt es zu einem übermäßig langen Kontakt zwischen Schleimhäuten und Magensäure. Das kann Entzündungen im Bereich des Kehlkopfes hervorrufen.

Die Ursachen dafür können verschiedener Art sein. Die Ess- und Trinkgewohnheiten der Patienten spielen zum Beispiel eine Rolle. Scharfe Speisen, fetthaltige Nahrungsmittel und Kaffee werden als Risikofaktoren für die Reflux-Krankheit beurteilt. Ebenso kann ein Zwerchfellbruch in eine Erschlaffung des Speiseröhrenschließmuskels und in Störungen der Speiseröhrenperistaltik münden. Auch Erkrankungen mit übermäßiger Magensäurebildung kommen als Ursache infrage, so zum Beispiel das Zollinger-Ellison-Syndrom. Ebenso denkbare Ursachen sind allgemeine Muskelschwächen, Medikamente oder Stress.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hauptsymptom einer Laryngitis gastrica sind Stimmstörungen. Heiserkeit gehört zu den wichtigsten Veränderungen, aber auch unreiner, belegter oder gar tonloser Stimmklang können sich einstellen. In aller Regel ruft eine Kehlkopfentzündung Schmerzen hervor. Diese Schmerzen reichen von einem allgemein wunden Gefühl im Hals bis hin zu einem unerträglichen Kratzen. Es besteht meist dauerhaft der Drang zu husten, wobei die Patienten vor allem von trockenem Husten berichten.

Manchmal stellt sich zusätzlich Fieber ein. In Extremfällen schwillt die Schleimhaut des Kehlkopfes stark an, drückt auf die Luftröhre und ruft Atemnot hervor. Im Mund breitet sich aufgrund der Magensäure ein bitterer Geschmack aus und Sodbrennen entsteht. Einige Patienten klagen zusätzlich über ein Globusgefühl, das sich während des Essens und Trinkens in Schluckstörungen bemerkbar macht.

Diese Schluckstörungen müssen nicht tatsächlich vorliegen, sondern können auch dem subjektiven Empfinden der Betroffenen zuschulden sein. Besonders in der Nacht stellen sich die Reflux-Symptome ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um die Diagnose Laryngitis gastrica zu stellen, wird neben einer Endoskopie und einer Magenspiegelung in der Regel eine 24h-pH-Metrie durchgeführt. Die dazu verwendeten Sonden haben einen Messpunkt im Hypopharynx, der den Reflux in der betroffenen Region erfasst. In einem lupenlaryngoskopischen Bild äußert sich diese Art der Kehlkopfentzündung in Hyperplasien der hinteren Kehlkopfschleimhäute.

Die Färbung der entzündeten Bereiche ist relativ hell und die Struktur ist gefältelt. Der Magensaft vermindert den Widerstand der Mucosabarriere. Schadstoffen dringen so leichter in tiefe Zellschichten vor. Auch Veränderungen Schleimhaut-Immunsystem stellen sich nach geraumer Zeit ein. Eine chronische Laryngitis gastrica kann daher zum Beispiel Kehlkopfkrebs begünstigen.

Komplikationen

Aufgrund der Laryngitis gastrica leiden die Betroffenen in erster Linie an Heiserkeit. Diese ist dabei nicht mit einer Grippe oder einer Erkältung verbunden und bleibt in der Regel auch dauerhaft. Weiterhin kann sich auch die Stimme des Patienten verändern, wobei diese nicht selten auch an Schmerzen leiden. Diese Schmerzen können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten.

Auch ein Husten tritt in der Regel auf und verringert weiterhin die Lebensqualität des Betroffenen. Aufgrund der Entzündung leiden die Patienten weiterhin auch an Fieber und im schlimmsten Falle an einer Atemnot. Nicht selten kann die Atemnot dabei zu einem Bewusstseinsverlust führen, bei welchem sich die Betroffenen auch verletzen können. In der Regel führt die Laryngitis gastrica auch zu Sodbrennen und weiterhin auch zu Schluckbeschwerden.

Eine gewöhnliche Einnahme von Flüssigkeiten und Nahrung ist für den Betroffenen dabei nicht mehr möglich, sodass es in vielen Fällen zu Mangelerscheinungen oder zu einer Unterernährung kommt. Die Laryngitis gastrica kann mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. In der Regel ist allerdings auch eine Behandlung der Grunderkrankung notwendig, damit die Beschwerden nicht nochmals auftreten. Bei der Behandlung kommt es meistens zu keinen Komplikationen. Allerdings sind die Patienten auch auf eine strenge Diät angewiesen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf eine Kehlkopfentzündung sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Wer plötzlich eine Heiserkeit oder Schmerzen im Rachenraum bemerkt, konferiert bestenfalls direkt mit dem Hausarzt. Wird Laryngitis gastrica frühzeitig behandelt, klingen die Symptome meist schnell wieder ab. Spätestens, wenn zu den Stimmstörungen und Schmerzen Fieber hinzukommt, muss medizinischer Rat eingeholt werden. Starkes Sodbrennen, Atemnot und Schluckstörungen sind weitere Warnzeichen, die abzuklären sind.

Personen, die sich ungesund ernähren oder an einer Erkrankung leiden, die mit einer übermäßigen Magensäurebildung einhergeht, sind besonders gefährdet. Treten die Beschwerden im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten auf, wird am besten der zuständige Arzt informiert. Wenn Stress als Ursache vermutet wird, sollte außerdem ein Therapeut aufgesucht werden. Weitere Anlaufstellen für Menschen mit Laryngitis gastrica sind der Gastroenterologe oder ein Hals-Nasen-Ohrenarzt. Kinder sind bei Heiserkeit und Schmerzen beim Schlucken zunächst dem Kinderarzt vorzustellen. Eine Kehlkopfentzündung muss während der Genesung sorgfältig überwacht werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Laryngitis gastrica richtet sich nach den Ursachen und der Schwere des Befunds. Eine Ernährungsumstellung kann unter Umständen Sinn machen. Auch der Verzicht auf Nikotin kann sich lohnen, da Nikotin die Magensaftproduktion anregt. Davon abgesehen wird den Patienten häufig geraten, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen. Schwer verdauliche Mahlzeiten kurz vor dem Schlafengehen werden vom Speiseplan gestrichen.

Übergewichtigen Patienten wird außerdem eine Reduktion des Übergewichts empfohlen. Wenn Stimmstörungen vorliegen, wird nach einer Verbesserung des Schleimhautbilds zusätzlich eine Stimmtherapie angeraten. Als medikamentöse Behandlung gilt eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern als Behandlung der Wahl. Diese Medikamente sollen die Bildung von Magensäure hemmen. Oft wird die Medikamentengabe versuchsweise und ohne weitere Diagnostik auf Basis der Anamnese durchgeführt. Dieses Vorgehen steht mittlerweile allerdings stark in der Kritik.

Bei Alarmsignalen sollte zum Beispiel keine medikamentöse Therapie stattfinden. Zu den wichtigsten Alarmsignalen gehören Blutarmut und Wucherungen in der Speiseröhre. Nur in seltenen Fällen wird bei der Laryngitis gastrica ein operativer Eingriff als primärer Behandlungsweg vorgeschlagen. Dieser Eingriff ist auch als Fundoplicatio bekannt und entspricht einem minimal-invasiven Verfahren zur Wiederherstellung der Schließfunktion in der Speiseröhre.

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Aussicht & Prognose

Im Normalfall hat die Entzündung des Kehlkopfes eine günstige Prognose. Die Erkrankung wird medikamentös therapiert. Unter optimalen Bedingungen findet innerhalb weniger Wochen eine Beschwerdefreiheit statt. Insbesondere bei einer akut auftretenden Laryngitis gastrica sollte eine medizinische Versorgung in Anspruch genommen werden, damit schnellstmöglich eine Verbesserung der Gesundheit erreicht wird.

Darüber hinaus kann es zu einem chronischen Krankheitsverlauf kommen. Dies ist meist gegeben, wenn der Betroffene zusätzlich ein Übergewicht hat oder Störungen bei der Essensaufnahme vorhanden sind. In diesen Fällen sollten Therapien in Anspruch genommen werden, die auf eine gezielte Verbesserung der Lebensgewohnheiten hin arbeitet. Es findet eine Aufklärung über die Ursache der Beschwerden statt und darüber hinaus werden Trainings durchgeführt, die der Betroffene selbstständig außerhalb der Therapiezeit umsetzen kann. Auch bei diesen Krankheitsverläufen ist die Prognose günstig, da durch die Mitarbeit des Patienten eine Beschwerdefreiheit erreicht werden kann.

Werden Wucherungen in der Speiseröhre bemerkt, ist für die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit ein operativer Eingriff notwendig. Die Gewebeveränderungen müssen entfernt werden, damit eine Beschwerdefreiheit eintritt. Die Operation ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Dennoch handelt es sich in einer Vielzahl der Fälle um einen routinierten Eingriff, der ohne weitere Komplikationen verläuft. Meist wird der Patient nach der Wundheilung als genesen aus der Behandlung entlassen.

Vorbeugung

Der Laryngitis gastrica lässt sich durch eine angemessene Ernährung und den Verzicht aus Alkohol und Nikotin vorbeugen. Auch die Reduktion von Übergewicht kann als Vorbeugemaßnahme interpretiert werden.

Nachsorge

Da die Layryngitis gastrica durch den Reflux von Magensäure in den Kehlkopfbereich verursacht wird, ist in der Nachsorge vor allem darauf zu achten, das dies auf bestmögliche Art und Weise verhindert wird. Dies erfordert eine Umstellung der Ernährung durch den Patienten und somit dessen aktive Mitarbeit.

Die Portionen zu den Mahlzeiten sollten in diesem Zusammenhang kleiner werden. Lieber öfters am Tag kleine Mahlzeiten essen als wenig große, lautet die Devise, die auch dem Verdauungstrakt dient. Zudem haben saure, süße und scharfe Speisen die Tendenz, die Magensäureproduktion anzuregen und sind daher ebenfalls zu reduzieren.

Auch Alkohol und Nikotin können Reflux begünstigen und sind im Sinne einer gezielten Reduktion der Säureproduktion deutlich zu verringern oder ganz zu unterlassen. Zudem ist Nikotin für den gestressten Kehlkopfbereich in der Nachsorge der Laryngitis gastrica ohnehin zu vermeiden. Die Regeneration kann so deutlich optimiert werden.

Der Schlafhaltung kommt beim Reflux auch damit auch bei der Laryngitis gastrica eine besondere Bedeutung zu. Um einen Rückfluss von Magensäure in die sensiblen Bereiche von Kehlkopf und Rachen zu vermeiden, empfiehlt sich eine erhöhte Schlafposition des Oberkörpers. Zudem sind üppige Mahlzeiten vor dem Zubettgehen ungünstig und sollten daher unbedingt unterlassen werden. Auch Stress kann Reflux begünstigen und ist konsequent zu reduzieren.

Das können Sie selbst tun

Wurde eine Laryngitis gastrica diagnostiziert, sollte der Patient in erster Linie seine Ernährung umstellen. Es wird empfohlen, mehrere kleinen Mahlzeiten einzunehmen und schwer verdauliche Speisen vom Ernährungsplan zu streichen. Regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ist ebenso wichtig, damit die Schleimhäute stets gut befeuchtet sind und die Viren rasch ausgeschwemmt werden können. Zudem muss auf Genussmittel wie Nikotin, Alkohol und Koffein verzichtet werden, da diese den Magen und den Rachen weiter reizen und die Magensaftproduktion anregen. Übergewichtige Personen müssen langfristig ihr Gewicht reduzieren.

Grundsätzlich sollte bei einer Kehlkopfentzündung die Stimme geschont werden. Warme Getränke lindern die Schmerzen und fördern die Durchblutung. Halswickel haben einen ähnlichen Effekt und können mit Eukalyptussalbe, ätherischen Ölen und anderen Mitteln aus der Natur kombiniert werden. Ebenfalls hilfreich ist das Inhalieren mit Salzlösungen und Mitteln wie Salbei oder Eibisch. Ein Raumluftbefeuchter reguliert die Luft und unterstützt damit den Genesungsprozess.

Nach der akuten Krankheitsphase muss das Immunsystem gestärkt werden, sei es durch Bewegung an der frischen Luft, eine vitaminreiche Ernährung oder viel Schlaf und Bettruhe. Klingen die Symptome der Laryngitis gastrica nicht ab, sollte ein HNO-Arzt konsultiert werden.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Gürkov, R.: BASICS Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Urban & Fischer, München 2016
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 28. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Ölli kommentierte am 30.07.2016

Bei mir wurde heute beim Notarzt-HNO ein Reflux mit starken Kehlkopf-Entzündungssymptomen diagnostiziert und eine sechswöchige Pantoprazol Einnahme einmal 40mg täglich empfohlen. In ihrem Bericht steht, diese Therapie sei fraglich. Was soll ich machen? Magenspiegelung?