Marasmus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Marasmus ist vor allem in den Entwicklungsländern eine sehr häufige Krankheit und die Folge von chronischer Unterernährung. Durch lang andauernde Fehlernährung ist der Ernährungszustand gestört. Welche Folgen hat diese Erkrankung und wie kann sie bekämpft werden?
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Was ist Marasmus?
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Marasmus tritt vor allem bei Kindern im Säuglingsalter bis zum fünften Lebensjahr, die in Entwicklungsländern leben, auf. In den Industrieländern ist Marasmus eine Folge von Essstörungen. Das Protein-Energie-Mangelsyndrom entsteht durch eine dauerhaft ungenügende Zufuhr von Kalorien. Nach und nach baut der Körper die Energie- und Eiweißreserven ab. Der Protein- und Energiemangel kann bis zum Tod führen, wenn sich die Ernährung der betroffenen Menschen nicht ändert.
Es können zwei Arten von Marasmus unterschieden werden. Beim alimentären Marasmus handelt es sich um eine erhebliche Mangelernährung. Kommen zum Energiemangel deutliche Zeichen des Eiweißmangels wie Wassereinlagerungen im Gewebe hinzu, so wird vom Kwashiorkor-Marasmus gesprochen. Davon abzugrenzen ist der Kwashiorkor: Bei ihm steht der Eiweißmangel im Vordergrund und die Betroffenen fallen durch Ödeme auf, während beim Marasmus der Mangel an Energie und Eiweiß zu einer starken Abmagerung führt.
Ursachen
Die betroffenen Kinder leiden an einem Mangel an Verdauungsenzymen und Gallensäuren, wodurch die Aufnahme von Fetten über den Darm behindert wird. Andere Ursachen für die Erkrankung an Marasmus können Tumorkrankheiten, Erkrankungen des Verdauungssystems oder konsumierende Infektionskrankheiten wie Tuberkulose sein.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Das häufigste und sichtbarste Zeichen einer Mangelernährung spiegelt sich in der Gewichtsabnahme wider. Der Körper hat keine ausreichenden Fettreserven, aus denen Energie gewonnen werden könnte. Der Abbau der Muskelmasse erfolgt schneller, da der Körper Proteine benötigt, um zu überleben. Auffällig sind der aufgeblähte Bauch und das älter wirkende, eingefallene Gesicht der Kinder. Die Betroffenen leiden unter Durchfällen und Analprolaps (die Analschleimhaut tritt vor den Schließmuskel).
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Energiemangel greift die Stoffwechselvorgänge gravierend an und Verdauungssäfte, Urin und Hormone können nicht ausreichend produziert werden. Durch den Nahrungsmangel ist auch das Immunsystem nicht so widerstandsfähig und die Leistung wird stark herabgesetzt. Der Patient ist anfälliger für zahlreiche Infektionen, die auch tödlich verlaufen können. Das Gehirn nimmt an Leistungsfähigkeit ab und Halluzinationen können eintreten.
Der Mensch wird apathisch und neigt dazu, das Bewusstsein zu verlieren. Herzrhythmusstörungen, die eine Folge des Energiemangels des Herzens sind, führen zu elektromechanischer Entkopplung. Dies stellt eine häufige Todesursache dar. Beschwerden beim Kwashiorkor sind eine Brüchigkeit der Haare und Haarausfall sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit. Es zeigen sich Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) im Gewebe.
Komplikationen
Die Betroffenen leiden dabei vor allem an einem aufgeblähten Bauch und weiterhin auch an Durchfällen. Die Lebensqualität wird durch den Marasmus deutlich eingeschränkt. Ebenso sinkt die Belastbarkeit der Betroffenen und es kommt zu einer starken Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Kinder können dabei durch einen Marasmus auch an Störungen der Entwicklung leiden, sodass es zu Komplikationen im Erwachsenenalter kommen kann.
Ebenso wirkt sich die Unterernährung negativ auf das Herz aus, sodass es zu einem Herztod kommen kann. Nicht selten leiden die Patienten auch an Haarausfall und an Halluzinationen. Die Behandlung des Marasmus erfolgt durch Therapien und führt nicht in jedem Falle zu einem Erfolg. Der Erfolg der Behandlung hängt in der Regel von der Dauer der Unterernährung und von den vorliegenden Schäden ab. Nicht selten ist durch diese Krankheit daher auch die Lebenserwartung des Patienten deutlich verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Menschen, die über eine lange Zeit bewusst oder aufgrund der Umstände zu wenig Nahrung aufgenommen haben, müssen grundsätzlich einer intensiven ärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Durch die geringe Aufnahme von Lebensmitteln entstehen Schäden des Organismus, die kontrolliert und bewertet werden müssen. Kommt es zu verschiedenen Mangelerscheinungen, einem Krankheitsgefühl oder einer inneren Schwäche, wird ein Arzt benötigt. Liegt der BMI unterhalb der empfohlenen Richtlinien, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein geringes Körpergewicht bei einem gleichzeitig stark gewölbten Bauch ist ein Hinweis auf bestehende Unregelmäßigkeiten, die untersucht und behandelt werden müssen.
Zeigt sich bei einer Nahrungszufuhr nach einer längeren Zeit der Abstinenz ein sofortiges Erbrechen oder starker Durchfall, ist eine medizinische Versorgung notwendig. Bei Abgeschlagenheit, starker Müdigkeit und einem Verlust der Kräfte sollte ein Arztbesuch erfolgen. Unregelmäßigkeiten des Darmausgangs sind von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Bemerkt der Betroffene, dass sich die Analschleimhaut außerhalb des Schließmuskels befindet, sollte er unverzüglich einen Arzt konsultieren. Eine chronische Unterernährung zeigt sich häufig über stark gealterte Gesichtszüge und eine eingefallene Haut. Unterhalb der oberen Hautschicht kann am gesamten Körper keine Fettschicht ertastet werden. Eine ärztliche Betreuung ist notwendig, da es andernfalls zu Komplikationen sowie einem vorzeitigen Ableben kommen kann. Kommt es zu Bewusstlosigkeit, Unterkühlung oder Krampfanfällen, liegt ein Notfall vor: Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
Wird Marasmus diagnostiziert, erfolgt eine Behandlung nach dem von der WHO entwickelten Schema in zehn Schritten: Aufgrund des hohen Verlustes des Fettgewebes sind die Patienten stark unterkühlt. Wichtig ist dadurch eine Erwärmung und Beobachtung der Körpertemperatur. Die niedrigen Blutzuckerwerte werden mit der oralen oder intravenösen Gabe einer Zuckerlösung (Glucose) wieder ins Gleichgewicht gebracht. Das Kind wird mindestens einen Tag lang alle zwei Stunden mit der Glucoselösung gefüttert. Durch diese Therapie wird einer weiteren Hypoglykämie vorgebeugt.
Die Dehydration kann als einzige Krankheitserscheinung nicht nach dem Standard-WHO-Schema therapiert werden. Durch die unzureichende Ernährung sind die betroffenen Kinder stark herzinsuffizient. Bei einer Gabe einer oralen Rehydrationslösung ist die Menge an Natrium sehr hoch. Bei Zufuhr einer zu hohen Natriummenge würde das Herz zu stark belastet werden. Daher wird eine modifizierte Rehydrationslösung verabreicht, die wenig Natrium enthält, dafür aber sehr kaliumreich ist.
Weiterhin müssen den Patienten wichtige Vitamine und Spurenelemente zugeführt werden. Das Immunsystem ist so stark geschwächt, dass Infektionen als solche sehr schwer erkennbar sind. Durch die Verabreichung eines Breitspektrumantibiotikums werden auch nicht sichtbare Infektionen behandelt.
Spurenelemente werden in der Dosis täglich gesteigert, bis in der zweiten Woche der Behandlung auch Eisen verabreicht wird. In der zweiten Therapiewoche muss die Protein- und Kalorienzufuhr so weit gesteigert werden, dass ein für das Alter normales Körpergewicht erreicht werden kann. Kinder, die unter Marasmus litten, zeigen eine Verminderung des Wachstums und es wirkt sich auch negativ auf ihre Intelligenz im Erwachsenenalter aus.
Um erste Hinweise auf einen Marasmus zu erhalten, kann von der entsprechenden Person ein Selbsttest durchgeführt werden. Hat die Person in letzter Zeit ungewollt Gewicht verloren oder weniger Nahrung zu sich genommen? Bei den ersten Anzeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden, der in einem Gespräch die Symptome abklärt. Bei einer stattfindenden Untersuchung kann mithilfe des Nutritional Risk Screenings (NRS 2002) ein Verdacht bestätigt werden.
Der Arzt stellt danach den Schweregrad der Erkrankung fest und klärt die Ursache für die Unterernährung. Die Lebenserwartung von unterernährten Personen ist stark eingeschränkt. Wird der Mensch nicht rechtzeitig behandelt, verändern sich die Organe des Körpers, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.
Aussicht & Prognose
Marasmus betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Diese leben vorwiegend in ärmlichen Verhältnissen. Risikogebiete befinden sich in Asien, Afrika und Lateinamerika. Internationale Organisationen bezifferten die Zahl der jährlichen Toten auf fünf Millionen. Neuere Schätzungen gehen von rund drei Millionen Kindern aus, die jedes Jahr an den Folgen von Unterernährung sterben. Marasmus kommt in den westlichen Industrienationen selten vor. Dort geht es meist auf schwere anderweitige Erkrankungen und psychische Störungen zurück.
Es bestehen eigentlich hinreichend Therapieansätze, um Marasmus zu bekämpfen. Problematisch erscheinen allerdings Fälle, in denen die Erkrankung über Jahre hinweg unbemerkt vorgelegen hat. Die Normalisierung des Körperhaushaltes durch Therapien kann dann lange Zeit in Anspruch nehmen. Entwicklungsdefizite lassen sich nicht immer vollständig beheben. Schwere organische Störungen sind unter Umständen irreparabel. Gerade in den Ländern, in denen die Unterernährung von einer Lebensmittelknappheit herrührt, stehen unzureichende Versorgungssysteme bereit. Dort ergibt sich eine schlechte Perspektive, wie aus der hohen Todesanzahl hervorgeht.
Die Unterernährung kann ebenso durch Infektionen oder Tumore ausgelöst werden. Die Heilungsaussichten hängen dann davon ab, inwiefern Ärzte die Ursprungskrankheit beseitigen können. Auch Essstörungen führen zu Marasmus. In diesem Fall begründet den Behandlungserfolg die Bereitschaft zur Lebensumgestaltung. Unbehandelt führt Marasmus zu einer stark verkürzten Lebenserwartung.
Vorbeugung
Um ein Ausbrechen von Marasmus zu vermeiden, ist es vor allem in den Industrieländern wichtig, die Menschen zu informieren und aufzuklären. Unterernährung ist nicht nur ein Problem, das in den ärmeren Ländern der Welt besteht. Den Menschen muss ein Zugang zu einer ausgewogenen und ausreichenden Ernährung ermöglicht werden. Bei Personen, die sich nicht selbst ernähren können, muss der Ernährung mehr Beachtung geschenkt werden, denn vor allem im Alter oder bei schwer kranken Patienten ist Unterernährung ein weit verbreitetes Problem.
Nachsorge
Durch den Marasmus kommt es in erster Linie zu einem schnellen und starken Gewichtsverlust der Betroffenen. Durch den Gewichtsverlust befindet sich der Körper in einem allgemeinen ungesunden Zustand. Aus diesem Grund sollten Betroffene in der Nachsorge mit dem behandelnden Arzt versuchen, den Gewichtsverlust auszugleichen und die allgemeine Belastbarkeit zu stärken. Die Lebensqualität von Betroffenen wird erheblich eingeschränkt. Die Hilfe von Angehörigen und Freunden im Alltag ist unverzichtbar. Betroffene leiden unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil fördern die Genesung. Die Behandlung von Marasmus führt nicht in jedem Fall zu einer Besserung oder Heilung der Krankheit. Die Besserung hängt von dem Schweregrad der Schädigungen sowie der Dauer der Unterernährung ab. In vielen Fällen vermindert sich deswegen die Lebenserwartung von Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Liegt ein Marasmus vor, muss der Betroffene umgehend zu einem Arzt gebracht werden. Die von der Weltgesundheitsorganisation entwickelte Behandlung kann durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden.
Zunächst muss eine etwaige Dehydration ausgeglichen werden, indem der Patient ausreichend trinkt. Durch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch durch eine vollwertige Ernährung, die dem Betroffenen sehr langsam zugeführt werden muss, kann ein Nährstoffmangel ausgeglichen werden. Wird nach langem Hungern zu schnell wieder ernährt, kann es zum lebensgefährlichen Refeeding-Syndrom kommen; der Kostaufbau gehört deshalb in ärztliche Hand. Da das Immunsystem bei der Erkrankung meist stark geschwächt ist, muss sich die betroffene Person schonen. Ideal sind einige Tage Bettruhe, unterstützt durch regelmäßige Arztbesuche.
Durch eine ausgewogene und vollwertige Diät kann eine erneute Mangelernährung verhindert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Umstände für den Marasmus erkannt und behoben werden. Hierzulande bieten Organisationen wie die Tafel oder die Gemeindekirchen kostenlose oder günstige Lebensmittel an. Betroffene können sich außerdem an die Ämter wenden und Unterstützung beantragen. Sollte es aus anderen Umständen, etwa während einer Reise oder durch eine Erkrankung, zu einer Mangelernährung kommen, muss auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Der Nährstoffmangel muss so schnell wie möglich ausgeglichen werden, um Langzeitfolgen zu verhindern.
Quellen
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin. Reisemedizin – Globale Gesundheit.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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