Marasmus

Marasmus ist vor allem in den Entwicklungsländern eine sehr häufige Krankheit und die Folge von chronischer Unterernährung. Durch lang andauernde Fehlernährung ist der Ernährungszustand gestört. Welche Folgen hat diese Erkrankung und wie kann sie bekämpft werden?

Inhaltsverzeichnis

Was ist Marasmus?

Marasmus tritt vor allem bei Kindern im Säuglingsalter bis zum fünften Lebensjahr, die in Entwicklungsländern leben, auf. In den Industrieländern ist Marasmus eine Folge von Essstörungen. Das Protein-Energie-Mangelsyndrom entsteht durch eine dauerhaft ungenügende Zufuhr von Kalorien. Nach und nach baut der Körper die Energie- und Eiweißreserven ab. Der Protein- und Energiemangel kann bis zum Tod führen, wenn sich die Ernährung der betroffenen Menschen nicht ändert.

Unterscheiden können zwei Arten von Marasmus werden. Beim alimentären Marasmus handelt es sich um eine erhebliche Mangelernährung. Leidet der Betroffene unter einer Energie- und Eiweißmangelernährung, so wird vom Kwashiorkor-Marasmus gesprochen.

Ursachen

Wird der Körper dauerhaft mit Nahrung unterversorgt, können nicht ausreichend Kalorien, Vitamine, Fetten und Spurenelemente in den Organismus gelangen. In den Entwicklungsländern tritt die Erkrankung häuft erst dann auf, wenn die Kinder keine Muttermilch mehr erhalten und auf normale Nahrungszufuhr angewiesen sind. In Folge der Unterernährung ist auch der Verdauungsvorgang der aufgenommenen Nahrung gestört.

Die betroffenen Kinder leiden an einem Mangel an Verdauungsenzymen und Gallensäuren, wodurch die Aufnahme von Fetten über den Darm behindert wird. Andere Ursachen für die Erkrankung an Marasmus können Tumorkrankheiten, Erkrankungen des Verdauungssystems oder konsumierende Infektionskrankheiten wie Tuberkulose sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das häufigste und sichtbarste Zeichen einer Mangelernährung spiegelt sich in der Gewichtsabnahme wieder. Der Körper hat keine ausreichenden Fettreserven, aus denen Energie gewonnen werden könnte. Der Abbau der Muskelmasse erfolgt schneller, da der Körper Proteine benötigt, um zu überleben. Auffällig sind der aufgeblähte Bauch und das älter wirkende, eingefallene Gesicht der Kinder. Die Betroffenen leiden unter Durchfällen und Analprolaps (die Analschleimhaut tritt vor den Schließmuskel).

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Energiemangel greift die Stoffwechselvorgänge gravierend an und Verdauungssäfte, Urin und Hormone können nicht ausreichend produziert werden. Durch den Nahrungsmangel ist auch das Immunsystem nicht so widerstandsfähig und die Leistung wird stark herabgesetzt. Der Patient ist anfälliger für zahlreiche Infektionen, die auch tödlich verlaufen können. Das Gehirn nimmt an Leistungsfähigkeit ab und Halluzinationen können eintreten.

Der Mensch wird apathisch und neigt dazu das Bewusstsein zu verlieren. Herzrhythmusstörungen, die eine Folge des Energiemangels des Herzens sind, führen zu elektromechanischer Entkopplung. Dies stellt eine häufige Todesursache dar. Beschwerden beim Kwashiorkor sind eine Brüchigkeit der Haare und Haarausfall sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit. Es zeigen sich Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) im Gewebe.

Komplikationen

In erster Linie kommt es durch den Marasmus zu einem sehr starken Gewichtsverlust. Ein Gewichtsverlust stellt für den Körper des Patienten in jedem Falle einen sehr ungesunden Zustand dar und sollte daher auf jeden Fall vermieden werden. Auf lange Sicht kann es dadurch zu irreversiblen Schäden an den inneren Organen und schließlich im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten kommen.

Die Betroffenen leiden dabei vor allem an einem aufgeblähten Bauch und weiterhin auch an Durchfällen. Die Lebensqualität wird durch den Marasmus deutlich eingeschränkt. Ebenso sinkt die Belastbarkeit der Betroffenen und es kommt zu einer starken Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Kinder können dabei durch einen Marasmus auch an Störungen der Entwicklung leiden, sodass es zu Komplikationen im Erwachsenenalter kommen kann.

Ebenso wirkt sich die Unterernährung negativ auf das Herz aus, sodass es zu einem Herztod kommen kann. Nicht selten leiden die Patienten auch an Haarausfall und an Halluzinationen. Die Behandlung des Marasmus erfolgt durch Therapien und führt nicht in jedem Falle zu einem Erfolg. Der Erfolg der Behandlung hängt in der Regel von der Dauer der Unterernährung und von den vorliegenden Schäden ab. Nicht selten ist durch diese Krankheit daher auch die Lebenserwartung des Patienten deutlich verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die über eine lange Zeit bewusst oder aufgrund der Umstände zu wenig Nahrung aufgenommen haben, müssen grundsätzlich einer intensiven ärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Durch die geringe Aufnahme von Lebensmitteln entstehen Schäden des Organismus, die kontrolliert und bewertet werden müssen. Kommt es zu verschiedenen Mangelerscheinungen, einem Krankheitsgefühl oder einer inneren Schwäche, wird ein Arzt benötigt. Liegt der BMI unterhalb der empfohlenen Richtlinien, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein geringes Körpergewicht bei einem gleichzeitig stark gewölbten Bauch sind Hinweise auf bestehende Unregelmäßigkeiten, die untersucht und behandelt werden müssen.

Zeigt sich bei einer Nahrungszufuhr nach einer längeren Zeit der Abstinenz ein sofortiges Erbrechen oder starker Durchfall, ist eine medizinische Versorgung notwendig. Bei Abgeschlagenheit, starker Müdigkeit und einem Verlust der Kräfte sollte ein Arztbesuch erfolgen. Unregelmäßigkeiten des Darmausgangs sind von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Bemerkt der Betroffene, dass sich die Analschleimhaut außerhalb des Schließmuskels befindet, sollte er unverzüglich einen Arzt konsultieren. Eine chronische Unterernährung zeigt sich häufig über stark veraltete Gesichtszüge und eine eingefallene Haut. Unterhalb der oberen Hautschicht kann am gesamten Körper keine Fettschicht ertastet werden. Eine ärztliche Betreuung ist notwendig, da es andernfalls zu Komplikationen sowie einem vorzeitigen Ableben kommen kann.

Therapie & Behandlung

Wird Marasmus diagnostiziert, erfolgt eine Behandlung nach dem von der WHO entwickelten Schema in zehn Schritten: Aufgrund des hohen Verlustes des Fettgewebes sind die Patienten stark unterkühlt. Wichtig ist dadurch eine Erwärmung und Beobachtung der Körpertemperatur. Die niedrigen Blutzuckerwerte werden mit der oralen oder intravenösen Gabe einer Zuckerlösung (Glucose) wieder ins Gleichgewicht gebracht. Das Kind wird mindestens einen Tag lang alle zwei Stunden mit der Glucoselösung gefüttert. Durch diese Therapie wird eine weitere Hypoglykämie vorgebeugt.

Die Dehydration kann als einzige Krankheitserscheinung nicht nach dem Standard WHO-Schema therapiert werden. Durch die unzureichende Ernährung sind die betroffenen Kinder stark herzinsuffizient. Bei einer Gabe einer oralen Rehydrationslösung ist die Menge an Natrium sehr hoch. Bei Zufuhr einer zu hohen Natriummenge würde das Herz zu stark belastet werden. Daher wird eine modifizierte Rehydrationslösung verabreicht, die wenig Natrium enthält, dafür aber sehr kaliumreich ist.

Weiteres müssen den Patienten wichtige Vitamine und Spurenelemente zugeführt werden. Das Immunsystem ist so stark geschwächt, dass Infektionen als solches sehr schwer erkennbar sind. Durch die Verabreichung eines Breitspektrumantibiotikums, werden auch nicht sichtbare Infektionen behandelt. Spurenelemente werden in der Dosis täglich gesteigert, bis in der zweiten Woche der Behandlung auch Eisen verabreicht wird. In der zweiten Therapiewoche muss die Protein- und Kalorienzufuhr so weit gesteigert werden, dass eine entsprechend normale Körpergröße für das entsprechende Alter erreicht werden kann. Kinder, die unter Marasmus litten, zeigen einer Verminderung des Wachstums und es wirkt sich auch negativ auf ihre Intelligenz im Erwachsenenalter aus.

Um Marasmus zu diagnostizieren, kann von der entsprechenden Person ein Selbsttest durchgeführt werden. Hat die Person in letzter Zeit ungewollt Gewicht verloren, oder weniger Nahrung zu sich genommen? Bei den ersten Anzeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden, der in einem Gespräch die Symptome abklärt. Bei einer stattfindenden Untersuchung kann mithilfe des Nutritional Risk Screenings (NRS 2002) ein Verdacht bestätigt werden.

Der Arzt stellt danach den Schweregrad der Erkrankung fest und klärt die Ursache für die Unterernährung. Die Lebenserwartung an unterernährten Personen ist stark eingeschränkt. Wird der Mensch nicht rechtzeitig behandelt, verändern sich die Organe des Körpers, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

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Aussicht & Prognose

Marasmus betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Diese leben vorwiegend in ärmlichen Verhältnissen. Risikogebiete befinden sich in Asien, Afrika und Lateinamerika. Internationale Organisationen beziffern die Zahl der jährlichen Toten auf fünf Millionen. Marasmus kommt in den westlichen Industrienationen selten vor. Dort geht es meist auf schwere anderweitige Erkrankungen und psychische Störungen zurück.

Es bestehen eigentlich hinreichend Therapieansätze, um Marasmus zu bekämpfen. Problematisch erscheinen allerdings Fälle, in denen die Erkrankung über Jahre hinweg unbemerkt vorgelegen hat. Die Normalisierung des Körperhaushaltes durch Therapien kann dann lange Zeit in Anspruch nehmen. Entwicklungsdefizite lassen sich nicht immer vollständig beheben. Schwere organische Störungen sind unter Umständen irreparabel. Gerade in den Ländern, in denen die Unterernährung aus einer Lebensmittelknappheit rührt, stehen unzureichende Versorgungssysteme bereit. Dort ergibt sich eine schlechte Perspektive, wie aus der hohen Todesanzahl hervorgeht.

Die Unterernährung kann ebenso durch Infektionen oder Tumore ausgelöst werden. Die Heilungsaussichten hängen dann davon ab, inwiefern Ärzte die Ursprungskrankheit beseitigen können. Auch Essstörungen führen zu Marasmus. In diesem Fall begründet den Behandlungserfolg die Bereitschaft zur Lebensumgestaltung. Unbehandelt führt Marasmus zu einer stark verkürzten Lebenserwartung.

Vorbeugung

Um ein Ausbrechen von Marasmus zu vermeiden, ist es vor allem in den Industrieländern wichtig, die Menschen zu informieren und aufzuklären. Unterernährung ist nicht nur ein Problem, das in der Dritten Welt besteht. Den Menschen muss ein Zugang zu einer ausgewogenen und ausreichenden Ernährung ermöglicht werden. Bei Personen, die sich nicht selbst ernähren können, muss der Ernährung mehr Beachtung geschenkt werden, denn vor allem im Alter oder bei schwer kranken Patienten ist Unterernährung ein weit verbreitetes Problem.

Das können Sie selbst tun

Liegt ein Marasmus vor, muss der Betroffene umgehend zu einem Arzt gebracht werden. Die von der Weltgesundheitsorganisation entwickelte Behandlung kann durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden.

Zunächst muss eine etwaige Dehydration ausgeglichen werden, indem der Patient ausreichend trinkt. Durch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch durch eine vollwertige Ernährung, die dem Betroffenen sehr langsam zugeführt werden muss, kann ein Nährstoffmangel ausgeglichen werden. Da das Immunsystem bei der Erkrankung meist stark geschwächt ist, muss sich die betroffene Person schonen. Ideal sind einige Tage Bettruhe, unterstützt durch regelmäßige Arztbesuche.

Durch eine ausgewogene und vollwertige Diät kann eine erneute Mangelernährung verhindert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Umstände für den Marasmus erkannt und behoben werden. Hierzulande bieten Organisationen wie die Tafel oder die Gemeindekirchen kostenlose oder günstige Lebensmittel an. Betroffene können sich außerdem an die Ämter wenden und Unterstützung beantragen. Sollte es aus anderen Umständen, etwa während einer Reise oder durch eine Erkrankung, zu einer Mangelernährung kommen, muss auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Der Nährstoffmangel muss so schnell wie möglich ausgeglichen werden, um Langzeitfolgen zu verhindern.

Quellen

  • Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Heseker, H., Heseker, B.: Die Nährwerttabelle. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße 2010

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 1. Dezember 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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