Miller-Fisher-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter dem Miller-Fisher-Syndrom wird eine seltene Autoimmunerkrankung des Nervensystems beschrieben, die meist wenige Wochen nach einem Infekt auftritt und welche einerseits den Bewegungsablauf stört und andererseits auch das Sprechen beeinträchtigen kann. Die Nerven sowie Nervenwurzeln werden im Rahmen des Miller-Fisher-Syndroms entzündlich geschädigt; manche Betroffene sind daher vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Miller-Fisher-Syndrom?

Miller Fisher Syndrom
Der Betroffene kann weder die Augenbewegung steuern, noch können Impulse, die vom Hirnstamm über die Nerven direkt in die Augenmuskeln fließen, weitergeleitet werden.
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Der Mediziner bezeichnet als Miller-Fisher-Syndrom eine selten auftretende Erkrankung, die vorwiegend das periphere Nervensystem betrifft. Im Regelfall greift das Syndrom die Hirnnerven des Patienten an. Die Krankheit wurde nach Charles Miller Fisher, einem kanadischen Neurologen, benannt.

Zu berücksichtigen ist, dass das Miller-Fisher-Syndrom eine Variante des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms darstellt. Je nach Krankheitsverlauf orientiert sich die Therapie; oftmals klingen die Beschwerden innerhalb weniger Wochen bis Monate wieder ab, mitunter kann es aber vorkommen, dass eine Rehabilitationszeit notwendig ist, um alle Einschränkungen loszuwerden.

Nicht zu verwechseln ist das Miller-Fisher-Syndrom mit dem gleich klingenden Miller-Dieker-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Gehirns durch einen Chromosomendefekt, die mit dem Miller-Fisher-Syndrom nichts zu tun hat.

Ursachen

Bislang stehen die Mediziner vor einem ungeklärten Rätsel, weshalb das Miller-Fisher-Syndrom auftreten kann. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Miller-Fisher-Syndrom eine Autoimmunerkrankung ist, welche nach einem Infekt auftreten kann. Die Gründe, warum und weshalb, sind nicht bekannt.

Der Entstehungsmechanismus ist inzwischen jedoch weitgehend geklärt. Als Auslöser gelten neben Virusinfekten vor allem Darminfektionen mit dem Bakterium Campylobacter jejuni: Bestandteile seiner Hülle ähneln dem Gangliosid GQ1b auf den Hirnnerven, sodass die gebildeten Abwehrstoffe sich anschließend gegen die körpereigenen Nerven richten. Dieses Prinzip wird als molekulare Mimikry bezeichnet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Charakteristisch für das Miller-Fisher-Syndrom ist eine Trias aus der Lähmung der Augenmuskeln (Ophthalmoplegie), der Gangunsicherheit durch gestörte Zielbewegungen (Ataxie) und dem Fehlen der Muskeleigenreflexe (Areflexie).

Während das Guillain-Barré-Syndrom die gesamte Körpermuskulatur lähmt, äußert sich das Miller-Fisher-Syndrom zu Beginn noch mit Augenbewegungsstörungen. Mitunter kann aber auch ein Reflexverlust der Muskulatur (Areflexie) festgestellt werden. Auf Grund der Störungen, die vorwiegend die Augenbewegungen betreffen, klagt der Patient über Doppelbilder.

Der Betroffene kann weder die Augenbewegung steuern, noch können Impulse, die vom Hirnstamm über die Nerven direkt in die Augenmuskeln fließen, weitergeleitet werden. Auch wenn der Verlust der Muskeleigenreflexe bemerkt wird, entsteht keine typische Beeinträchtigung, welche den Patienten einschränkt oder dazu führt, dass ein Krankheitswert auftritt.

Der Betroffene klagt in weiterer Folge über Störungen der Zielbewegungen seiner Beine und Arme beziehungsweise auch des Rumpfes, sodass mitunter auch Gleichgewichtsstörungen auftreten können. Laut Statistik leidet jeder sechste Patient unter Blasenfunktionsstörungen. Die Schwere der Störungen der Zielbewegungen spielt eine wesentliche Rolle im Rahmen einer Therapie.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Treten Augenmuskelstörungen auf, muss der Mediziner auch etwaige andere Erkrankungen des Hirnstamms unter Berücksichtigung nehmen. So sind neben dem Miller-Fisher-Syndrom auch Schlaganfälle, Botulismus oder etwa Durchblutungsstörungen möglich. Aus diesem Grund konzentriert sich der behandelnde Arzt zu Beginn auf die Schichtuntersuchung des Hirnstamms. Dabei verwendet er ein Computertomogramm (CT) oder ein Kernspintomogramm (MRT).

Etwaige Ultraschall-Untersuchungen der Arterien, welche das Gehirn versorgen, können ebenfalls einen Aufschluss geben, ob das Miller-Fisher-Syndrom vorliegt. Mittels neurophysiologischer Untersuchungen werden in weiterer Folge die Funktionen des Hirnstamms untersucht. Dabei können die speziellen Nervenbahnen auf ihr Potential überprüft werden. In weiterer Folge untersucht der Mediziner das Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis).

Jenes zeigt eine enorme Zunahme des Eiweiß-Gehaltes, jedoch nur eine geringe Zunahme der nachweisbaren Zellen, sodass von einer zytoalbuminären Dissoziation gesprochen werden muss. Im Blut können des Weiteren auch spezielle Antikörper nachgewiesen werden. So können beim Miller-Fisher-Syndrom Antikörper gegen das sogenannte GQ1b-Gangliosid nachgewiesen werden.

Die Prognose ist insgesamt günstig; die Krankheitsverläufe können jedoch derart unterschiedlich sein, dass bereits nach wenigen Wochen alle Beschwerden verschwunden sind, jedoch auch die Problematik auftreten kann, dass tatsächlich anhaltende Schäden bleiben. Der Patient muss sich jedoch bewusst sein, dass er in manchen Fällen eine lange Rehabilitation in Anspruch nehmen muss, damit alle Störungen, die im Rahmen des Miller-Fisher-Syndroms aufgetreten sind, wieder abgebaut werden können.

Komplikationen

Durch das Miller-Fisher-Syndrom kommt es zu Lähmungen in verschiedenen Regionen des Körpers. In den meisten Fällen sind dabei in erster Linie die Augen betroffen, sodass die Betroffenen diese nicht mehr bewegen können. Ebenso kommt es zu anderen Sehbeschwerden, zu Doppelbildern und zum sogenannten Schleiersehen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch das Miller-Fisher-Syndrom deutlich verringert und eingeschränkt.

Durch die Gangunsicherheit sind Stehen und Gehen häufig stark beeinträchtigt, während die Kraft in den Beinen meist erhalten bleibt; im Alltag führt das dennoch zu deutlichen Einschränkungen. Weiterhin treten auch Störungen des Gleichgewichts und der Koordination auf, sodass die Betroffenen nicht selten auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen sind. Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen sind dagegen keine Folge des Syndroms, sondern müssen bei der Diagnose lediglich davon abgegrenzt werden.

Gefährlich wird es, wenn sich die Lähmung auf die Atemmuskulatur ausweitet. Treten Atemnot, eine flache Atmung oder Schluckstörungen auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen, denn dann ist eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich.

In seltenen Fällen bleiben Beschwerden des Miller-Fisher-Syndroms dauerhaft bestehen. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere des Verlaufs und kann den Krankheitsverlauf deutlich abkürzen. Nicht selten sind auch psychologische Behandlungen notwendig, um Depressionen und andere Verstimmungen vorzubeugen oder zu behandeln. Ob es durch das Miller-Fisher-Syndrom zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann nicht im Allgemeinen vorausgesagt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein allgemeines Unwohlsein, ein Krankheitsgefühl und eine Abnahme der inneren Kräfte weisen auf eine gesundheitliche Unstimmigkeit hin. Halten die Beschwerden an oder kommt es zu weiteren Störungen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Auffälligkeiten der Augenbewegungen oder Besonderheiten des Sehvermögens sind untersuchen und behandeln zu lassen. Kommen Atemnot oder Schluckstörungen hinzu, ist umgehend der Notruf 112 zu wählen. In vielen Fällen kommt es zur Wahrnehmung von Doppelbildern oder einem verminderten Sehvermögen. Ein Reflexverlust der Muskulatur ist alarmierend und sollte unverzüglich einem Arzt vorgestellt werden. Können die Augenbewegungen nicht mehr willentlich reguliert werden oder stellt sich ein Verlust der Eigenreflexe ein, muss ein Arzt aufgesucht werden. Unregelmäßigkeiten der allgemeinen Bewegungsabläufe sind ebenfalls besorgniserregend und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Hat der Betroffene keine Kontrolle über die Willkürbewegung von Armen und Beinen, benötigt er medizinische Hilfe. Ist die Fortbewegung erschwert oder gibt es Störungen der Motorik, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Steigt aufgrund der Unstimmigkeiten der Bewegungsabläufe das allgemeine Unfall- und Verletzungsrisiko, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr wie gewohnt erfüllt werden, stellt sich eine verminderte Lebensqualität ein oder sinkt das Wohlbefinden, ist ein Arzt zu konsultieren. Gangunsicherheiten und Störungen des Gleichgewichts sind weitere Hinweise einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Verhaltensauffälligkeiten, Stimmungsänderungen und ein Rückzugsverhalten sind ebenfalls mit einem Arzt zu besprechen.

Behandlung & Therapie

Nach dem Krankheitsverlauf richtet sich auch die Therapie des Miller-Fisher-Syndroms. Bei schweren Fällen behandelt der Mediziner den Patienten mit Immunglobulinen oder Plasmapherese. Unter der Plasmapherese-Behandlung wird eine Art Blutwäsche verstanden; dabei werden die Immunglobuline und auch jene Antikörper, welche für das Miller-Fisher-Syndrom verantwortlich sind, aus dem Blut gewaschen.

Im Regelfall erhält der Betroffene zwei bis vier Behandlungen; danach sollte das Blut vom Antikörper gereinigt sein. Nach der ursächlichen Behandlung folgt die Therapie; hat der Patient Schwierigkeiten mit seinen Bewegungen, müssen jene derart therapiert und trainiert werden, dass ein selbständiges Leben wieder möglich ist und mitunter auf etwaige Hilfsmittel - wie etwa den Rollstuhl - auf lange Sicht verzichtet werden kann.

Die Therapie ist dann effektiv, wenn sich ein Team aus Ärzten, Ergotherapeuten, Logopäden sowie Krankengymnasten sowie Psychologen und Sozialarbeitern findet, welches den Patienten betreut. Denn nach dem Miller-Fisher-Syndrom ist oftmals eine Rehabilitation notwendig, wobei im Mittelpunkt die Ataxie - die Störung der Zielbewegungen - steht. Mittels Krankengymnastik lernt der Patient, dass er seine Bewegungen wieder genau durchführen kann.

Im Rahmen der Physiotherapie lernt der Patient wieder etwaige Störungen beim Gehen oder Stehen zu beheben. Die Ergotherapie befasst sich hingegen vorwiegend mit feinmotorischen Störungen. Wichtig ist, dass im Rahmen der Therapien eine genaue Abstimmung zwischen den Gruppen erfolgt. So sollten die Krankengymnasten sehr wohl in Kenntnis gesetzt werden, welche Einheiten vom Ergotherapeuten durchgeführt wurden.

Der Ergotherapeut kümmert sich vorwiegend darum, dass der Patient - nach sehr schweren Fällen - wieder das selbständige Waschen, Essen sowie Anziehen schafft und wird in seinen Alltagssituationen unterstützt. Am Ende der Rehabilitation sind die meisten Patienten wieder beschwerdefrei; einzelne behalten leichte Restbeschwerden zurück. Je nach Krankheitsbild können auch noch weitere therapeutische Maßnahmen gesetzt werden.


Aussicht & Prognose

Die Prognose bei einem Miller-Fisher-Syndrom ist in der Regel sehr gut. Da die auslösende Infektion zum Zeitpunkt der Beschwerden meist schon abgeklungen ist, kommt auch die fehlgeleitete Abwehrreaktion von selbst wieder zum Erliegen, sodass sich die Nerven allmählich erholen. Die ausgefallenen oder eingeschränkten Körperfunktionen können binnen weniger Monate zurückkehren, wobei weitere Schäden oder anderweitige Folgen nicht zu erwarten sind.

In einigen Fällen bleiben aber motorische Störungen bestehen. Diesen kann mit Physiotherapie oder Ergotherapie begegnet werden, was eine sehr hohe Aussicht auf Erfolg hat. Das Miller-Fisher-Syndrom geht nur sehr selten mit komplett irreparabel geschädigten Nerven einher.

Relevant ist, wie bei allen Syndromen oder Krankheiten, die die Nervenfunktionen betreffen, eine frühzeitige Diagnose. Diese führt zu einer frühzeitigen Behandlung. Wird die Symptomatik nicht richtig erkannt oder falsch eingeordnet, kann die Prognose sich aufgrund einer falschen Behandlung arg verschlechtern. In einigen wenigen Fällen kann das Miller-Fisher-Syndrom auch die Atmung betreffen, was die Prognose des Patienten sehr schlecht ausfallen lässt. Allerdings sind in solchen Fällen auch häufig noch andere Krankheiten der Nerven beteiligt.

Vorbeugung

Da bislang keine Ursache bekannt ist, welche Faktoren das Miller-Fisher-Syndrom begünstigen, können auch keine vorbeugenden Maßnahmen empfohlen werden. Dem Miller-Fisher-Syndrom kann daher nicht vorgebeugt werden.

Nachsorge

Das Miller-Fisher-Syndrom kann zu verschiedenen Komplikationen führen, die sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken können. Im Allgemeinen sollte daher schon frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, um eine weitere Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern. Die meisten Betroffenen leiden durch dieses Syndrom an Störungen der Augenbewegung.

Es kommt meist zu einer unkontrollierten Bewegung und oft auch zu einem Verlust der Kontrolle über die Augenmuskulatur. Betroffen sind überwiegend Erwachsene; Kinder erkranken nur selten. Die vorübergehende Hilflosigkeit und die Sorge um bleibende Schäden können jedoch in jedem Alter zu Depressionen oder anderen psychischen Verstimmungen führen.

Mitunter treten Störungen des Gleichgewichtes auf, wobei etwa jeder sechste Patient die Blase nicht richtig kontrollieren kann. Die Beine können dabei ebenfalls nicht zielgerecht bewegt werden, sodass es zu Einschränkungen in der Bewegung kommen kann. Breitet sich die Lähmung auf die Atemmuskulatur aus, besteht Lebensgefahr; in diesem Fall ist über den Notruf 112 sofort ärztliche Hilfe zu holen. Der weitere Verlauf hängt sehr stark von der Ursache der Krankheit ab, sodass eine allgemeine Voraussage nicht möglich ist.

Das können Sie selbst tun

Das Miller-Fisher-Syndrom bedarf in jedem Fall einer ärztlichen Diagnose und Behandlung. Die medizinische Therapie kann durch eine Reihe von Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden.

Als wichtigste Maßnahme sollte während und vor der Therapie auf Nikotin und Alkohol verzichtet werden, da diese Stoffe unter Umständen Probleme bei der Blutwäsche hervorrufen können. Der Arzt wird dem Patienten mitteilen, wie er sich vor der Plasmapherese-Behandlung ernähren muss und so eine beschwerdefreie Therapie ermöglichen. Nach der Behandlung ist eine umfassende Nachsorge vonnöten. Zudem muss der Patient regelmäßig krankengymnastische Übungen durchführen, um die Bewegungsabläufe zu verbessern und etwaige Störungen beim Stehen oder Gehen zu beheben. Im Rahmen der Ergotherapie werden hauptsächlich die feinmotorischen Störungen behandelt. Der Patient kann diese Maßnahmen zu Hause unterstützen, indem er vom Arzt oder Therapeuten empfohlene Übungen durchführt.

In schweren Fällen muss der Betroffene auch normale Abläufe und Tätigkeiten wie das Waschen oder Anziehen wieder erlernen. Hier sind vor allem die Angehörigen gefragt, die als unterstützende Hilfe zur Seite stehen müssen. Unter Umständen müssen Hilfsmittel wie zum Beispiel Krücken oder ein Rollstuhl sowie eine behindertengerechte Einrichtung organisiert werden.

Quellen

  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
    ISBN: 9783132410961
  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430365
  • Berlit, P., Biesalski, A.-S.: Basiswissen Neurologie.
    ISBN: 9783662717486
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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