Pilozytisches Astrozytom


Medizinische Qualitätssicherung am 23. März 2020 von Dr. med. Nonnenmacher

Bei einem pilozytischen Astrozytom handelt es sich um einen meist gutartigen Hirntumor bei Kindern und Jugendlichen. Betroffen kann unter anderem Großhirn, Zwischenhirn, das Rückenmark oder der Sehnerv sein. Nach einer vollständigen Operation kommt es nicht mehr zu Rezidiven.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das pilozytischen Astrozytom?

Die Symptome eines pilozytischen Astrozytoms sind auch davon abhängig, wo der Tumor lokalisiert ist. Die gesundheitlichen Beschwerden werden hauptsächlich durch die Verdrängung des benachbarten Hirngewebes verursacht.
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Das pilozytische Astrozytom ist ein gutartiger Hirntumor, der durch eine langsame Vermehrung von Stützzellen des zentralen Nervensystems, den sogenannten Gliazellen, gekennzeichnet ist. Er gehört daher auch zu den Gliomen. Die Tumoren des Nervensystems werden nach der WHO-Klassifikation in Grade ihrer Gefährlichkeit eingeteilt.

Als gutartiger Tumor wurde dem pilozytischen Astrozytom der Grad I zugeordnet. Dieser Tumor befällt hauptsächlich Kinder und Jugendliche. In dieser Altersgruppe gilt er mit circa 30 Prozent Anteil als häufigster Hirntumor. Dabei werden Optikus- und Hirnstammgliome unterschieden.

Optikusgliome befallen die Nerven der Sehbahn und sind häufig mit der erblich bedingten Neurofibromatose Typ 1 vergesellschaftet. Das pilozytische Astrozytom ist durch das Auftreten derber und knolliger Tumoren gekennzeichnet, die häufig auch zystische Anteile besitzt. Es ist ein astrozytärer Tumor mit einer sehr niedrigen Mitoserate.

Die Ausgangszellen bilden feine fibrilläre Fortsätze aus, die an Haare erinnern. Sie werden daher auch als Haarzellen (Pilozyten) bezeichnet und sind so namensgebend für diesen Tumor. Der Tumor ist scharf gegen das benachbarte Hirngewebe abgegrenzt. Dieses wird vom Tumor nicht infiltriert, sondern nur verdrängt.

Ursachen

Das pilozytische Astrozytom ist nur eine Form eines Astrozytoms. Die genauen Ursachen von Astrozytomen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Beim benignen pilozytischen Astrozytom wird ein genetischer Zusammenhang vermutet. So ist es auffällig, dass Optikusgliome besonders häufig in Verbindung mit einer Neufibromatose vom Typ 1 vorkommen.

Neurofibromatosen sind eine Gruppe genetisch bedingter Erkrankungen, die über einen autosomal-dominanten Erbgang weitergegeben werden. Bei der Neurofibromatose vom Typ 1 handelt es sich beispielsweise um einen Gendefekt des NF1-Gens, welches auf Chromosom 17 lokalisiert ist. Dieses Gen ist verantwortlich für die Codierung von Neurofibromin.

Neurofibromin reguliert das Signaltransduktionsprotein RAS. Bei einem Defekt oder Mangel an Neurofibromin ist RAS ständig aktiv und fördert so die Bildung von Neoplasien. Bei einem Astrozytom ist zu über 50 Prozent auch das Tumorsuppressorgen p53 defekt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome eines pilozytischen Astrozytoms sind auch davon abhängig, wo der Tumor lokalisiert ist. Die gesundheitlichen Beschwerden werden hauptsächlich durch die Verdrängung des benachbarten Hirngewebes verursacht. Wenn das Kleinhirn betroffen ist, stehen besonders Gangunsicherheiten im Vordergrund.

Sollte der Tumor im Bereich des Zwischenhirns lokalisiert sein, treten vor allem Störungen auf, die mit dem Hypothalamus im Zusammenhang stehen. Der Hypothalamus reguliert unter anderem die Körpertemperatur, den Blutdruck, die Nahrungs- sowie Wasseraufnahme, den Biorhythmus oder die Steuerung des Sexualverhaltens. Tumoren im Bereich der Sehbahn können Sehstörungen und in extremen Fällen sogar Erblindung hervorrufen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Insgesamt lassen sich Astrozytome sehr gut durch bildgebende Verfahren wie MRT oder CT darstellen. Mithilfe der Computertomografie (CT) sind außerdem Kalzifikationen (Verkalkungen) hervorragend nachweisbar. Einen weiteren Hinweis für ein pilozytisches Astrozytom liefert das Verhalten des Kontrastmittels.

Dieses wird im Zentrum des Tumors gleichmäßig angereichert, während an dessen Rand ein zystisches Erscheinungsbild vorliegt. Abgesichert werden kann die Verdachtsdiagnose durch eine Biopsie. Manchmal kann aber erst nach einer chirurgischen Tumorentfernung das erkrankte Gewebe untersucht werden, wobei erst dann die genaue Art des Tumors feststeht. Oft wird jedoch schon aufgrund der typischen Lokalisation des Tumors und des Alters der Patienten die richtige Verdachtsdiagnose gestellt.

Komplikationen

Das pilozytische Astrozytom ist ein gutartiger Hirntumor, der chirurgisch leicht entfernt werden kann. Komplikationen hinsichtlich einer möglichen bösartigen Entartung treten so gut wie nicht auf. Bei ungünstiger Lage des Tumors kann es jedoch vorkommen, dass seine vollständige Entfernung nicht möglich ist. Dann ist mit Rezidiven zu rechnen.

Schwerwiegender wirkt sich aber die allmähliche Raumforderung des Tumors im Gehirn aus. Durch die Verdrängung benachbarter Hirnstrukturen kann es manchmal zu erheblichen Komplikationen kommen, die im Extremfall auch tödlich enden. Durch den Druck auf bestimmte Blutgefäße im Gehirn ist sogar die Entwicklung eines Schlaganfalls möglich. Die Auswirkungen des Schlaganfalls richten sich nach der Schwere der auslösenden Hirnblutung.

Neben leichten Symptomen, die nach der Behebung der Ursachen des Schlaganfalls (Entfernung des Hirntumors) wieder verschwinden, können selbstverständlich auch bleibende Schäden zurückbleiben oder gar der Tod durch Absterben bestimmter Bereiche des Hirns eintreten. Als weitere Komplikation eines pilozytischen Astrozytoms ist die Entstehung eines Wasserkopfes (Hydrozephalus).. Diese kann dann beim Kind auftreten, wenn die Raumforderungen des Hirntumors den Liquorabfluss innerhalb des Gehirns verlegen.

Bei Säuglingen oder Föten vergrößert sich der Kopf dann ballonartig, weil die Schädelknochen noch weich und verformbar sind. Bei späterem Auftreten kann der Hirndruck so stark ansteigen, dass es zu schweren Kopfschmerzen, Erbrechen und Krampfanfällen kommt. Unbehandelt entwickelt sich häufig eine lebensbedrohliche Hirneinklemmung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das pilozytische Astrozytom gehört wie jeder Gehirntumor in die Behandlung eines Arztes, der auch die Diagnose sichert. Daher ist der Gang zum Arzt dann notwendig, wenn der Patient Symptome verspürt, die auf ein Astrozytom hindeuten könnten. Der Arztbesuch dient dazu, entweder eine frühzeitige Behandlung einzuleiten oder den Patienten zu beruhigen, da hinter den Symptomen vielleicht eine vergleichsweise deutlich harmlosere Erkrankung steckt. Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt, der bei Bedarf zum Radiologen oder Neurologen überweisen kann.

Auch nach abgeschlossener Behandlung sind bei einem pilozytischen Astrozytom Arztbesuche Pflicht. Sie dienen in erster Linie dazu, ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen und zeitnah zu behandeln. Auch Folgen von Therapien können den Arztbesuch erforderlich machen. Strahlen- und Chemotherapie können Müdigkeit oder eine Störung der Immunabwehr bewirken. Für manche Patienten ist auch die Diagnose pilozytisches Astrozytom so belastend, dass sie psychologische Unterstützung benötigen. Hier sind Psychologen, Psychotherapeuten und Psychoonkologen die geeigneten Ansprechpartner.

Ein Gehirntumor kann Ausfälle im motorischen und sprachlichen Bereich bewirken, die auch nach seiner Entfernung noch auftreten können. Hier ist der Arzt ebenfalls die richtige Adresse. Er wird die Verbindung zwischen Ausfällen und Grunderkrankung erkennen und an medizinisches Fachpersonal überweisen. Logopäden, Krankengymnasten und Ergotherapeuten sind in diesem Zusammenhang die richtige Adresse für den Patienten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie eines pilozytischen Astrozytoms ist von seiner Lage und den auftretenden Symptomen abhängig. Bei günstiger Lage sollte der Tumor auf jeden Fall entfernt werden. Hier besteht auch eine große Chance auf seine vollständige Exstirpation. Wenn das gelingt, heilt die Erkrankung vollständig aus. Manchmal liegt der Tumor jedoch so ungünstig, dass eine Operation nicht möglich ist. Das betrifft häufig Hirnstammgliome. Hier ist die Bestrahlung das Mittel der Wahl. Auf jeden Fall sollten inoperable Tumoren durch ständige MRT-Untersuchung überwacht werden. Das Gleiche gilt auch für Tumoren, die keine Symptome verursachen.

Bei manchen Tumoren reicht es lange Zeit aus, die flüssigkeitsgefüllten Zysten zu punktieren. Oft haben die ausgedehnten Zysten den größten Raumbedarf und wirken sich störend auf das benachbarte Gewebe aus. Obwohl der Tumor gutartig ist, sollte er bei Möglichkeit langfristig doch entfernt werden, weil er bei weiterer Ausdehnung irreparable Schäden am Nachbargewebe verursachen kann.

Die Prognose des pilozytischen Astrozytoms ist von mehreren Faktoren abhängig. Zu diesen Faktoren gehören die Lage, die Wachstumsgeschwindigkeit, der Allgemeinzustand des Patienten und die Möglichkeit einer vollständigen Exstirpation. Nach vollständiger Entfernung des Tumors ist ein Rezidiv ausgeschlossen. Eine maligne Entartung ist bei dieser Tumorart nur extrem selten zu erwarten.

Wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann, kommt es jedoch zu einem erneuten Wachstum des Resttumors. Aber auch dieser wächst sehr langsam, sodass selbst in diesen Fällen die Langzeitüberlebensrate sehr hoch ist. Nur bei nicht operierbaren Hirnstammgliomen ist die Prognose schlecht mit einer Fünfjahresüberlebensrate von maximal 30 Prozent.

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Aussicht & Prognose

Das Pilozytische Astrozytom ist ein Gehirntumor, der grundsätzlich engmaschiger Kontrolle bedarf, egal, ob er entfernt wurde oder nur beobachtet wird. Es handelt sich um einen gutartigen Tumor mit langsamen Wachstum, der in der Regel eine deutlich bessere Prognose hat als bösartige Hirntumoren.

Dennoch gibt es Komplikationen, die die Aussicht negativer gestalten können. Dazu gehört ein Wachstum über Jahrzehnte, das dazu führen kann, dass die Raumforderung allmählich zu groß werden kann. Deshalb ist die Entfernung des oft gut abgrenzten Tumor im Hinblick auf die Aussichten oft die beste Option, wenn die Lage des Hirntumors dieses erlaubt.

Die Prognose beim piloyzytischen Astrozytom hängt von der Lage entscheidend ab. Kann der Tumor entfernt werden, ohne wichtige Strukturen beeinträchtigt werden, ist die Prognose oft sehr gut. Umgekehrt sind die Aussichten etwas ungünstiger. Die Prognose ist auch davon abhängig, ob es nach einer Operation zu einem Rezidiv kommt.

Auch Komplikationen sind in die Prognose einzubeziehen. Wenn der Tumor zu Ausfallerscheinungen geführt haben, sind diese nach der Operation nicht immer vollständig reversibel. Auch die Operation kann zu Einschränkungen, zum Beispiel bei Motorik und Sprache, führen. Hier ist für die weiteren Aussichten auch eine gute therapeutische Betreuung, zum Beispiel durch Physiotherapeuten oder Logopäden, hilfreich für den Patienten.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einem pilozytischen Astrozytom ist nach heutiger Kenntnis nicht möglich. Die Erkrankung ist erblich bedingt. Wenn die Erkrankung in der Familie oder Verwandtschaft bereits aufgetreten ist, kann im Rahmen einer humangenetischen Beratung das Risiko einer Vererbung auf die Nachkommen abgeklärt werden.

Nachsorge

Nachsorge und Rehabilitation gehören zu den unverzichtbaren Bestandteilen einer Behandlung des pilozytischen Astrozytoms. Zu den primären Aufgaben der Tumornachsorge gehört es, ein erneutes Auftreten des Hirntumors frühzeitig zu erkennen beziehungsweise abzuwenden. Darüber hinaus sollen denkbare Folge- oder Begleiterscheinungen festgestellt und entsprechend behandelt werden.

Schließlich bietet die Nachbehandlung nicht nur Unterstützung bei körperlichen Beschwerden, sondern auch bei psychischen oder sozialen Problemen, die durch die Krankheit oder ihre Behandlung entstehen. Eine wichtige Rolle im Rahmen der Nachsorge spielen die Kontrolluntersuchungen.

Spätestens drei Monate nach Ende der Therapie wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Die weiteren Kontrolluntersuchungen finden im Abstand von sechs bis zwölf Monaten statt. Nach drei Jahren erfolgt alle zwei Jahre eine weitere Nachuntersuchung. Falls erforderlich, können außerdem endokrinologische, klinisch-neurologische oder augenärztliche Untersuchungen vorgenommen werden.

Für den Fall, dass das pilozytische Astrozytom bei der Operation nicht komplett entfernt werden konnte, wächst der restliche gutartige Tumor erneut, was jedoch sehr langsam geschieht. Aus diesem Grund ist die Langzeitüberlebensrate relativ hoch. Gelingt es jedoch, das Astrozytom vollständig herauszuoperieren, tritt in der Regel kein Rezidiv auf.

Viele Patienten profitieren bei der Nachsorge von den regelmäßigen Besuchen einer Selbsthilfegruppe. Dort erhalten sie die Gelegenheit, Informationen mit anderen Betroffenen auszutauschen, was oft eine große Hilfe darstellt. Eine Kontaktaufnahme zu einer Selbsthilfegruppe ist bereits während der Behandlungszeit möglich.

Das können Sie selbst tun

Das pilozytische Astrozytom als gutartiger Hirntumor wird durch eine Operation als erste Wahl entfernt, wenn die Lage hierfür günstig ist. Dennoch kann auch der Patient durch Selbsthilfe im Alltag zu seinem Wohlbefinden beitragen. Das gilt zum einen für die Nachsorge, in der eine Stabilisierung im körperlichen Bereich angestrebt wird, aber auch die psychische Situation kann durch Maßnahmen verbessert werden. Beides soll im Folgenden beispielhaft erläutert werden.

Im körperlichen Bereich ist nach einer Operation eine Nachsorge der Wundverhältnisse in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten wichtig. Lag das pilozytische Astrozytom in einem Areal, das durch das Tumorwachstum oder die Operation geschädigt wurde, gibt es Maßnahmen zur bestmöglichen Regeneration, an denen der Patient aktiv im Alltag mitarbeiten kann. Wenn die Motorik eingeschränkt ist, können beispielsweise vom Krankengymnasten angeleitete Übungen auch zu Hause durchgeführt werden. Das Gleiche gilt für Sprachübungen, die die Logopäde bei Sprachstörungen empfohlen hat.

Generell ist auch eine gesunde Lebensweise mit genügend Schlaf, ausreichender Trinkmenge und dosierter körperlicher Aktivität für die Steigerung des Allgemeinbefindens anzuraten. Wenn der Patient psychologische Unterstützung benötigt, etwa weil die Diagnose Hirntumor schlecht verarbeitet werden kann, ist der Gang in eine Selbsthilfegruppe häufig von Nutzen. Auch psychologische Beratung oder Gespräche mit Freunden und Familie können helfen.

Quellen

  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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