Pinta

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei Pinta handelt es sich um eine Infektionskrankheit der Haut. Sie tritt ausschließlich in tropischen Regionen auf. Aufgrund verbesserter hygienischer Bedingungen sind die Erkrankungszahlen jedoch stark gesunken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pinta?

Ihren Namen erhielt die Krankheit von dem spanischen Wort „pinta“, welcher Fleck bedeutet. In Kolumbien trägt sie auch den Namen Carate. Pinta ist eine nichtvenerische sowie endemische Treponematose. Übertragen wird sie durch den Erreger Treponema carateum.

Als Treponema bezeichnet man eine Gattung gramnegativer Bakterien. Sie gehören zu den Spirochaeten. Diese Bakterienart setzt sich aus eigenartigen, schraubenförmigen und sehr beweglichen Zellen zusammen. Sie haben eine Geißel, mit der sie sich schnell fortbewegen können. Man nennt sie auch Schraubenbakterien.

Der bekannteste Erreger dieser Gattung ist jener der Syphilis. Entdeckt wurden die Treponema-Erreger erstmalig 1938 auf Kuba. Das Bakterium welches die Pinta auslöst ähnelt dem der Syphilis sehr. Serologisch sind beide Erkrankungen nicht voneinander zu unterscheiden.

Ursachen

Heute sind die Ursachen wissenschaftlich bestätigt. Jedoch war dies ein langer Prozess. Der Erregernachweis gestaltete sich als sehr schwierig. Die Suche nach dem Erreger glich einer Entdeckungstour wie sie Christoph Kolumbus vorgenommen hatte. In historischen Schriften lässt sich lesen, dass bereits zur Zeit der Azteken eine Krankheit dieser Art existent gewesen sein muss.

Bei Pinta handelt es sich um eine ausschließlich bakterielle Infektionskrankheit. Der Erreger der Pinta-Krankheit ist nur in den Tropen heimisch. Jedoch war sie vor wenigen Jahrzehnten noch epidemieartig über das Land verbreitet. Hierzu zählen vor allem Mexiko sowie weitere Gebiete in Mittel- und Südamerika.

Das Schraubenbakterium überträgt sich durch direkten Hautkontakt mit infizierten Personen. Offene, nässende Hautläsionen und schlechte hygienische Bedingungen begünstigen die Ansteckung und Verbreitung des Erregers. Betroffen sind vor allem kleine Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren sowie junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Eine Übertragung über sexuellen Kontakt kann weitestgehend ausgeschlossen werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Pinta zeigen sich ausschließlich auf der Haut. Zunächst bilden sich Papeln auf der Haut – diese bezeichnet man als Primärläsion. Sie können im weiteren Verlauf mehrere Zentimeter groß werden. Die einzelnen Papeln gehen ineinander über und streuen sich zudehmend über größere Flächen. Die Papeln können sich bläulich verfärben.

Typisch ist eine Depigmentierung der betroffenen Hautareale. Auch ein einsetzender Gewebeschwund ist möglich. Im Vergleich zur artverwandten Syphillis treten bei Pinta keine Knochenläsionen auf. Auch das Herz-Kreislauf-System sowie das Zentralnervensystem werden von dem Erreger meist nicht angegriffen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Mit beginnender Infektion benötigt die Pinta-Erkrankung eine Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen. Der weitere Krankheitsverlauf wird in drei Phasen unterteilt:

  • In der ersten Phase erscheinen auf der Haut rötliche Knoten. Diese sind noch scharf voneinander abgegrenzt, leicht erhaben und wenig schuppend. Sie neigen nicht zu einer Geschwulstbildung oder einem Zerfall.
  • Nach fünf bis zehn Monaten tritt die sekundäre Läsion auf, auch als Pintide bezeichnet. Diese gleicht der primären Läsion und tritt überwiegend an den Extremitäten und am Rumpf auf. Diese Papeln gehen in die tieferen Hautschichten und zeigen die typische beginnende Depigmentierung beziehungsweise eine bläuliche Verfärbung. Ebenso kommt es zu einer Schwellung der Lymphknoten. Erst wenn die Krankheit über mehrere Jahre bestehen bleibt, entwickelt sich eine dritte Phase.
  • Hierbei verdickt sich die Epidermis – die obere Hautschicht - zunehmend. Diesen Vorgang nennt man auch Hyperkeratose. Weiterhin verstärken sich die benannten Pigmentierungsstörungen: diese können sich in einer Überpigmentierung (Hyperpigmentierung) oder zumeist einem starken Schwund an Hautpigmenten (Depigmentierung) zeigen.

Das Fehlen von Pigmenten in der Haut erinnert an die sogenannte Weißfleckenkrankheit Vitiligo, welche zu den Autoimmunerkrankungen zählt. In sehr seltenen Fällen kann die Pinta-Krankheit zu Herz-Kreislauf-Spätfolgen führen.

Die Diagnose ist in den verseuchten Gebieten bereits optisch zu stellen. In Frühstadien wird die Diagnose mit Hilfe des Mikroskops oder über eine serologische Untersuchung gestellt. Im Anfangsstadium erinnert sie an die Frambösie oder im Spätstadium an die Vitiligo.

Auch erschweren die Ähnlichkeiten zu Lepra und Psoriasis eine eindeutige Diagnosestellung. Spätestens bei beginnender Blaufärbung und der hervortretenden Depigmentierung lässt sich eine Zuordnung zur Pinta stellen.

Komplikationen

Die Pinta kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Bleibt die Hautkrankheit über einen längeren Zeitraum unbehandelt, nehmen die anfangs noch kleinen Papeln an Größe und Anzahl zu und gehen schließlich ineinander über. Dies führt zu Schmerzen, Juckreiz und weiteren Beschwerden. Mitunter kommt es zu einem Gewebeschwund und Vernarbungen der Haut. Selten sind auch Herz-Kreislauf- und Zentralnervensystem betroffen.

Bei Nichtbehandlung kommt es anschließend zu einer Schwellung der Lymphknoten und in der Folge zur sogenannten Hyperkeratose, also einer Verdickung der oberen Hautschicht. Begleitend dazu treten Pigmentstörungen wie ein Schwund an Hautpigmenten oder Hyperpigmentierung auf. Mögliche Spätfolgen der Pinta sind Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen, Kreislaufzusammenbruch oder Herzinfarkt. Auch können Folgeerkrankungen wie Syphilis oder Ulcus molle begünstigt werden.

Bei der Behandlung der Pinta können ebenfalls Komplikationen auftreten. So kann es im Rahmen der Antibiotikatherapie zu Neben- und Wechselwirkungen kommen, die aufgrund des geschwächten Immunsystems häufig besonders intensiv ausfallen. Die Entfernung der Papeln ist mit der Bildung von Narben verbunden und führt unmittelbar zu starken Blutungen, die sich häufig infizieren und zur Entstehung anderer Hauterkrankungen führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn es nach dem Aufenthalt in Mexiko oder einem Zentral- oder Südamerikanischen Land zu ungewöhnlichen Hautveränderungen kommt, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Pinta ist eine zumeist chronische Erkrankung, die einer langwierigen Behandlung bedarf. Wer die genannten Symptome bemerkt, konsultiert am besten den Hausarzt oder Dermatologen. Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit einer Immunschwäche sollten umgehend den Arzt aufsuchen, wenn die genannten Symptome auftreten. Zuständig ist der Allgemeinarzt, ein Hautarzt oder ein Facharzt für tropische Erkrankungen.

Ein schwerwiegender Verlauf, der sich unter anderem durch auffällig helle oder dunkle Hautstellen äußert, muss sofort fachärztlich untersucht werden. Während der Therapie, welche medikamentös erfolgt, sollte der Patient aufgrund des hohen Risikos für Nebenwirkungen stets Rücksprache mit dem zuständigen Mediziner halten. Sollte es zu Magen-Darm-Beschwerden oder Infektionen kommen, muss unter Umständen auf ein anderes Präparat gewechselt werden. Betroffene Personen legen idealerweise ein Beschwerdetagebuch an und führen Buch über den Krankheitsverlauf und die damit verbundenen Symptome.

Behandlung & Therapie

Es dauerte Jahrzehnte bis man den Erreger lokalisiert hatte. Heute ist bekannt, dass es sich bei dieser chronischen Infektionskrankheit um ein Bakterium handelt, welches sehr gut auf eine Antibiotikatherapie anspricht. Die Behandlung ähnelt jener, welche bei der Frambösie Anwendung findet. Hierfür wird zumeist eine Einmalgabe von Penicillin verabreicht.

Vor allem im Frühstadium zeigt sich eine schnelle klinische Heilung. Bei bestehender Penicillin-Unverträglichkeit stehen alternative Antibiotika – wie Doxycyclin – zur Verfügung. Bereits nach 24 Stunden gelten die Betroffenen als nicht mehr infektiös. Die im Spätstadium existenten Atrophien und Depigmentierungen sind jedoch irreversibel. Eine serologische Heilung ist ebenfalls unmöglich. Die Betroffenen tragen den Erreger zeitlebens.

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Vorbeugung

Der Erkrankung kann man vor allem vorbeugen, indem man grundlegende Hygienemaßnahmen einhält. Da es sich um ein widerstandfähiges Bakterium handelt, welches ausschließlich über Hautkontakt übertragen wird, sollte man jenen direkten Kontakt meiden. Weiterhin ist regelmäßiges, gründliches Händewaschen – hierzu zählt auch die Einhaltung einer Einwirkzeit der verwendeten Seifen und Desinfektionsmittel – zwingend notwendig.

Das können Sie selbst tun

Wenn der Verdacht auf Pinta besteht, sollte zunächst der Hausarzt konsultiert werden. Je nach Art und Ausprägung der Erkrankung können begleitend zur medizinischen Therapie eine Reihe von Tipps und Hausmitteln angewendet werden, um die Beschwerden zu reduzieren und den Genesungsprozess zu unterstützen.

Zunächst wird der Arzt eine strikte Körperhygiene empfehlen. Die betroffenen Stellen müssen sorgfältig gepflegt und mit einem medizinischen Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Dadurch wird eine weitere Ausbreitung des widerstandsfähigen Bakteriums vermieden. Ebenso wichtig ist regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Die Geschwülste dürfen in den ersten Tagen nicht berührt oder aufgekratzt werden. Patienten müssen Kleidung wählen, die weder scheuert noch an den offenen Stellen festklebt.

Begleitend dazu gelten allgemeine Maßnahmen wie Sport, eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Wird zugleich noch Stress vermieden, klingen die Beschwerden in aller Regel rasch wieder ab. Sollten diesen Maßnahme keine Wirkung zeigen, muss der Arzt aufgesucht werden. Womöglich liegt der Erkrankung eine andere Ursache zugrunde, die zunächst diagnostiziert werden muss. Der Mediziner kann zudem weitere Tipps geben und den Patienten gegebenenfalls an einen Heilpraktiker verweisen.

Quellen

  • Daschner, F. et al.: Praktische Krankenhaushygiene und Umweltschutz. Springer, Heidelberg 2006
  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010


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