Pinta
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Pinta handelt es sich um eine Infektionskrankheit der Haut. Sie tritt ausschließlich in tropischen Regionen auf. Aufgrund verbesserter hygienischer Bedingungen sind die Erkrankungszahlen jedoch stark gesunken.
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Was ist Pinta?
Ihren Namen erhielt die Krankheit von dem spanischen Wort „pinta“, welches Fleck bedeutet. In Kolumbien trägt sie auch den Namen Carate.
Pinta ist eine nichtvenerische sowie endemische Treponematose. Übertragen wird sie durch den Erreger Treponema carateum.Als Treponema bezeichnet man eine Gattung gramnegativer Bakterien. Sie gehören zu den Spirochaeten. Diese Bakterienart setzt sich aus eigenartigen, schraubenförmigen und sehr beweglichen Zellen zusammen. Sie haben eine Geißel, mit der sie sich schnell fortbewegen können. Man nennt sie auch Schraubenbakterien.
Der bekannteste Erreger dieser Gattung ist jener der Syphilis, der bereits 1905 entdeckt wurde. Der Erreger der Pinta wurde dagegen erst 1938 erstmalig beschrieben. Das Bakterium, welches die Pinta auslöst, ähnelt dem der Syphilis sehr. Serologisch sind beide Erkrankungen nicht voneinander zu unterscheiden.
Ursachen
Bei Pinta handelt es sich um eine ausschließlich bakterielle Infektionskrankheit. Der Erreger der Pinta-Krankheit ist nur in den Tropen heimisch. Jedoch war sie vor wenigen Jahrzehnten noch epidemieartig über das Land verbreitet. Hierzu zählen vor allem Mexiko sowie weitere Gebiete in Mittel- und Südamerika. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit den 1980er-Jahren nur noch vereinzelt gesicherte Fälle gemeldet; die Pinta gilt heute als weitgehend verschwunden.
Das Schraubenbakterium überträgt sich durch direkten Hautkontakt mit infizierten Personen. Offene, nässende Hautläsionen und schlechte hygienische Bedingungen begünstigen die Ansteckung und Verbreitung des Erregers. Betroffen sind vor allem kleine Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren sowie junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Eine Übertragung über sexuellen Kontakt kann weitestgehend ausgeschlossen werden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome der Pinta zeigen sich ausschließlich auf der Haut. Zunächst bilden sich Papeln auf der Haut – diese bezeichnet man als Primärläsion. Sie können im weiteren Verlauf mehrere Zentimeter groß werden. Die einzelnen Papeln gehen ineinander über und streuen sich zunehmend über größere Flächen. Die Papeln können sich bläulich verfärben.
Typisch ist eine Depigmentierung der betroffenen Hautareale. Auch ein einsetzender Gewebeschwund ist möglich. Im Vergleich zur artverwandten Syphilis treten bei Pinta keine Knochenläsionen auf. Nach heutigem Kenntnisstand bleibt die Pinta ausschließlich auf die Haut beschränkt: Eine Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems oder des Zentralnervensystems ist – anders als bei der Syphilis – nicht belegt.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Mit beginnender Infektion benötigt die Pinta-Erkrankung eine Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen. Der weitere Krankheitsverlauf wird in drei Phasen unterteilt:
- In der ersten Phase erscheinen auf der Haut rötliche Knötchen. Diese sind noch scharf voneinander abgegrenzt, leicht erhaben und wenig schuppend. Sie neigen nicht zu einer Geschwulstbildung oder einem Zerfall.
- Nach fünf bis zehn Monaten tritt die sekundäre Läsion auf, auch als Pintide bezeichnet. Diese gleicht der primären Läsion und tritt überwiegend an den Extremitäten und am Rumpf auf. Diese Papeln gehen in die tieferen Hautschichten und zeigen die typische beginnende Depigmentierung beziehungsweise eine bläuliche Verfärbung. Ebenso kommt es zu einer Schwellung der Lymphknoten. Erst wenn die Krankheit über mehrere Jahre bestehen bleibt, entwickelt sich eine dritte Phase.
- Hierbei verdickt sich die Epidermis – die obere Hautschicht - zunehmend. Diesen Vorgang nennt man auch Hyperkeratose. Weiterhin verstärken sich die benannten Pigmentierungsstörungen: diese können sich in einer Überpigmentierung (Hyperpigmentierung) oder zumeist einem starken Schwund an Hautpigmenten (Depigmentierung) zeigen.
Das Fehlen von Pigmenten in der Haut erinnert an die sogenannte Weißfleckenkrankheit Vitiligo, welche zu den Autoimmunerkrankungen zählt. Ältere Berichte über Herz-Kreislauf-Spätfolgen der Pinta gelten heute als nicht gesichert.
Die Diagnose ist in den verseuchten Gebieten bereits optisch zu stellen. In Frühstadien wird die Diagnose mit Hilfe des Mikroskops oder über eine serologische Untersuchung gestellt. Im Anfangsstadium erinnert sie an die Frambösie oder im Spätstadium an die Vitiligo.
Auch erschweren die Ähnlichkeiten zu Lepra und Psoriasis eine eindeutige Diagnosestellung. Spätestens bei beginnender Blaufärbung und der hervortretenden Depigmentierung lässt sich eine Zuordnung zur Pinta stellen.
Komplikationen
Bei Nichtbehandlung kommt es anschließend zu einer Schwellung der Lymphknoten und in der Folge zur sogenannten Hyperkeratose, also einer Verdickung der oberen Hautschicht. Begleitend dazu treten Pigmentstörungen wie ein Schwund an Hautpigmenten oder Hyperpigmentierung auf. Die bleibende Fleckenbildung im Spätstadium ist die eigentliche Hauptkomplikation der Pinta: Sie ist zwar körperlich harmlos, führt aber häufig zu Ausgrenzung und seelischer Belastung.
Bei der Behandlung der Pinta können ebenfalls Komplikationen auftreten. So kann es im Rahmen der Antibiotikatherapie zu Neben- und Wechselwirkungen kommen; auch allergische Reaktionen auf Penicillin sind möglich. Wird eine Läsion operativ entfernt, kann dies Narben hinterlassen und zu Blutungen führen, die sich infizieren können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn es nach dem Aufenthalt in Mexiko oder einem zentral- oder südamerikanischen Land zu ungewöhnlichen Hautveränderungen kommt, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Pinta ist eine zumeist chronische Erkrankung, die einer langwierigen Behandlung bedarf. Wer die genannten Symptome bemerkt, konsultiert am besten den Hausarzt oder Dermatologen. Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit einer Immunschwäche sollten umgehend den Arzt aufsuchen, wenn die genannten Symptome auftreten. Zuständig ist der Allgemeinarzt, ein Hautarzt oder ein Facharzt für tropische Erkrankungen.
Ein schwerwiegender Verlauf, der sich unter anderem durch auffällig helle oder dunkle Hautstellen äußert, muss sofort fachärztlich untersucht werden. Während der Therapie, welche medikamentös erfolgt, sollte der Patient aufgrund des hohen Risikos für Nebenwirkungen stets Rücksprache mit dem zuständigen Mediziner halten. Sollte es zu Magen-Darm-Beschwerden oder Infektionen kommen, muss unter Umständen auf ein anderes Präparat gewechselt werden. Betroffene Personen legen idealerweise ein Beschwerdetagebuch an und führen Buch über den Krankheitsverlauf und die damit verbundenen Symptome.
Behandlung & Therapie
Es dauerte Jahrzehnte bis man den Erreger lokalisiert hatte. Heute ist bekannt, dass es sich bei dieser chronischen Infektionskrankheit um ein Bakterium handelt, welches sehr gut auf eine Antibiotikatherapie anspricht. Die Behandlung ähnelt jener, welche bei der Frambösie Anwendung findet. Hierfür wird zumeist eine Einmalgabe von Penicillin verabreicht.
Vor allem im Frühstadium zeigt sich eine schnelle klinische Heilung. Bei bestehender Penicillin-Unverträglichkeit stehen alternative Antibiotika – wie Doxycyclin oder Azithromycin – zur Verfügung. Doxycyclin darf allerdings weder in der Schwangerschaft noch bei Kindern unter acht Jahren angewendet werden, also gerade nicht in der am häufigsten betroffenen Altersgruppe; für sie kommt Azithromycin infrage. Bereits nach 24 Stunden gelten die Betroffenen als nicht mehr infektiös. Die im Spätstadium existenten Atrophien und Depigmentierungen sind jedoch irreversibel. Die serologischen Tests können lebenslang positiv bleiben, obwohl die Infektion ausgeheilt ist und keine Erreger mehr vorhanden sind. Ein positiver Test allein beweist deshalb keine bestehende Erkrankung.
Aussicht & Prognose
Pinta ist eine seltene Hautkrankheit, die unbehandelt eine relativ schlechte Prognose bietet. Das Hautleiden verläuft dann zumeist chronisch und kann über Jahre bestehen bleiben. In schweren Fällen leiden die Betroffenen ein Leben lang an Pinta und müssen im Zuge dessen verschiedene gesundheitliche Einbußen hinnehmen. Die Lebensqualität wird etwa durch den schweren Juckreiz und die auffälligen Pigmentstörungen eingeschränkt. Die Behandlung birgt ebenfalls Risiken. Zumeist wird Pinta mit Benzylpenicillin therapiert, welches bei den Patienten zu Kopfschmerzen, allergischen Reaktionen und anderen Beschwerden führen kann.
Die Aussicht und Prognose orientiert sich an der Schwere der Erkrankung. Sie wird von einem Internisten gestellt, der hierzu verschiedene Untersuchungen durchführt und außerdem den bisherigen Krankheitsverlauf betrachtet. Die Lebenserwartung wird durch Pinta nicht reduziert. Allerdings kann es infolge von Begleiterkrankungen zu weiteren gesundheitlichen Beschwerden kommen, welche die Lebenserwartung reduzieren können. Dazu zählen beispielsweise Infektionen, die unter Umständen zu einer Blutvergiftung führen können.
Die Aussicht auf eine Genesung ist gut, wenn das Leiden frühzeitig erkannt wird, idealerweise im Frühstadium der ersten Hautveränderungen. Dann ist eine Behandlung oft möglich, bevor sich das Leiden zu einer chronischen Erkrankung entwickelt.
Vorbeugung
Der Erkrankung kann man vor allem vorbeugen, indem man grundlegende Hygienemaßnahmen einhält. Da es sich um ein empfindliches Bakterium handelt, welches ausschließlich über direkten Hautkontakt übertragen wird und außerhalb des Körpers rasch abstirbt, genügt es, jenen direkten Kontakt zu meiden. Weiterhin ist regelmäßiges, gründliches Händewaschen – hierzu zählt auch die Einhaltung einer Einwirkzeit der verwendeten Seifen und Desinfektionsmittel – zwingend notwendig.
Nachsorge
In den meisten Fällen sind die Maßnahmen der direkten Nachsorge bei Pinta relativ stark eingeschränkt. Dabei ist der Betroffene in erster Linie auf eine schnelle und vor allem auf eine frühzeitige Diagnose der Erkrankung angewiesen, damit keine weiteren Komplikationen oder Beschwerden mehr eintreten können. Je früher dabei ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist meist auch der weitere Verlauf der Erkrankung, sodass der Betroffene schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen einen Arzt aufsuchen sollte.
Die meisten Betroffenen sind bei Pinta auf die vom Arzt verordnete antibiotische Behandlung angewiesen, die den Erreger beseitigt. Dabei sollte der Betroffene immer auf eine richtige Dosierung und auch auf eine regelmäßige Einnahme achten und eine begonnene Antibiotikabehandlung nicht vorzeitig abbrechen. Bei der Einnahme von Antibiotika ist auch zu beachten, dass diese nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden sollten.
Bei Unklarheiten oder bei starken Nebenwirkungen sollte dabei immer zuerst ein Arzt konsultiert werden. In der Regel sind bei Pinta nach der Behandlung keine weiteren Maßnahmen einer Nachsorge mehr notwendig. Die Krankheit verringert dabei auch nicht die Lebenserwartung des Patienten, wobei nach vollständiger Antibiotikabehandlung kein Rückfall zu erwarten ist; bei fortbestehendem Kontakt zu Erkrankten ist allerdings eine erneute Ansteckung möglich.
Das können Sie selbst tun
Wenn der Verdacht auf Pinta besteht, sollte zunächst der Hausarzt konsultiert werden. Je nach Art und Ausprägung der Erkrankung können begleitend zur medizinischen Therapie eine Reihe von Tipps und Hausmitteln angewendet werden, um die Beschwerden zu reduzieren und den Genesungsprozess zu unterstützen.
Zunächst wird der Arzt eine strikte Körperhygiene empfehlen. Die betroffenen Stellen müssen sorgfältig gepflegt und mit einem medizinischen Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Dadurch wird eine weitere Ausbreitung des Bakteriums vermieden. Ebenso wichtig ist regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Die Hautveränderungen dürfen in den ersten Tagen nicht berührt oder aufgekratzt werden. Patienten müssen Kleidung wählen, die weder scheuert noch an den offenen Stellen festklebt.
Begleitend dazu gelten allgemeine Maßnahmen wie Sport, eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Wird zugleich noch Stress vermieden, unterstützt das die Genesung. Diese Maßnahmen ersetzen jedoch nicht die antibiotische Behandlung, ohne die die Pinta nicht ausheilt. Sollten die Beschwerden trotz der verordneten Therapie fortbestehen, muss der Arzt erneut aufgesucht werden. Womöglich liegt der Erkrankung eine andere Ursache zugrunde, die zunächst diagnostiziert werden muss. Der Mediziner kann zudem weitere Tipps geben und den Patienten gegebenenfalls an einen Facharzt für Tropenmedizin verweisen.
Quellen
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