Psychoneuroendokrinologie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Disziplin der Wissenschaft ist die Psychoneuroendokrinologie. Sie beschäftigt sich mit der Bedeutung von Hormonen für psychische Eigenschaften und Funktionen.

Dabei wird der wechselseitige Zusammenhang zwischen Erleben und Verhalten betrachtet, die wiederum den endokrinen Funktionen gegenübergestellt sind, also der Tätigkeit der Hormondrüsen, die ihr Produkt ins Blut abgeben. Somit hat diese Disziplin auch Bedeutung für andere Gebiete der Psychologie und ist mit diesen wechselseitig verknüpft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Psychoneuroendokrinologie?

Psychoneuroendokrinologie
Die Psychoneuroendokrinologie beschäftigt sich mit der Bedeutung von Hormonen für psychische Eigenschaften und Funktionen.

Hormone steuern im menschlichen Organismus viele physische und psychische Vorgänge. Dazu zählen die Ernährung, der Stoffwechsel, das Wachstum, die Entwicklung, Fortpflanzung, Reifung und Leistung.

Im Zusammenhang dieser Vorgänge stehen Schmerz, Emotion, Sexualität, Hunger oder Schlafbedürfnis, daher untersucht die Psychoneuroendokrinologie Mechanismen umweltbedingter oder genuiner Änderungen im Befinden und Verhalten des Menschen, Reaktionen, Persönlichkeitsunterschiede und die darauf erfolgenden Reaktionsmuster in Charakter und Stimulanz.

Der am besten untersuchte Regelkreis dieses Fachs ist die Stressachse, in der Fachsprache nach ihren drei Stationen als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bezeichnet. Bewertet das Gehirn eine Situation als bedrohlich, gibt der Hypothalamus einen Botenstoff ab, der die Hypophyse veranlasst, das Hormon ACTH ins Blut auszuschütten; dieses wiederum regt die Nebennierenrinde zur Bildung von Kortisol an. Das Kortisol wirkt anschließend auf Hypothalamus und Hypophyse zurück und drosselt die eigene Produktion, sodass sich das System nach überstandener Belastung wieder herunterregelt. Diese Rückkopplung ist der eigentliche Kern des Regelkreises: Nicht der einzelne Wert ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, nach einer Auslenkung in den Ausgangszustand zurückzufinden.

Parallel dazu läuft ein zweiter, deutlich schnellerer Weg über das vegetative Nervensystem, an dessen Ende die Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin freisetzen. Er sorgt binnen Sekunden für einen erhöhten Puls, eine gesteigerte Aufmerksamkeit und eine bessere Durchblutung der Muskulatur, während der hormonelle Weg über Minuten wirkt und den Stoffwechsel längerfristig umstellt. Erst das Zusammenspiel beider ergibt das, was umgangssprachlich Stressreaktion heißt. Beide Systeme sind auf kurzfristige Belastungen ausgelegt; problematisch wird es, wenn sie über lange Zeiträume aktiviert bleiben, weil dann Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Schlaf und Abwehr gleichermaßen betroffen sind.

Die Wurzeln des Fachs liegen in der Stressforschung des 20. Jahrhunderts. Der amerikanische Physiologe Walter Cannon beschrieb in den 1910er und 1920er Jahren die rasche Alarmreaktion des Organismus und prägte den Begriff der Homöostase, also des inneren Gleichgewichts, das der Körper aufrechtzuerhalten sucht. Der in Wien geborene und in Kanada tätige Mediziner Hans Selye veröffentlichte 1936 die Beobachtung, dass ganz unterschiedliche Belastungen bei Versuchstieren dasselbe körperliche Reaktionsmuster hervorrufen, und beschrieb dieses Muster als allgemeines Anpassungssyndrom mit den Phasen Alarm, Widerstand und Erschöpfung. Auf ihn geht auch die Übertragung des Wortes Stress aus der Werkstoffkunde auf den Organismus zurück. Als eigenständiges Fachgebiet trat die Psychoneuroendokrinologie in den 1970er Jahren hervor; aus dieser Zeit stammt mit der Zeitschrift Psychoneuroendocrinology auch ein eigenes internationales Fachorgan.

Das Fach arbeitet an der Schnittstelle mehrerer Disziplinen. Es greift auf die Endokrinologie zurück, wenn es um die Hormone selbst geht, auf die Neurowissenschaften, wenn deren Wirkung im Gehirn beschrieben wird, und auf die Methoden der empirischen Psychologie, wenn Erleben und Verhalten erfasst werden sollen. Eng benachbart ist die Psychoneuroimmunologie, die dieselbe Fragestellung auf das Immunsystem bezieht; da Stresshormone unmittelbar auf Abwehrzellen wirken, überschneiden sich beide Gebiete erheblich, und viele Untersuchungen erheben Hormon- und Immunwerte gemeinsam. In der Fachliteratur werden sie deshalb häufig in einem Band dargestellt.

Die hormonellen Funktionen und die menschliche Psyche wirken wechselseitig aufeinander. Sobald hormonelle Veränderungen stattfinden, findet eine psychische Reaktion statt. Das Gleiche geschieht in umgekehrter Richtung. Auf dem Gebiet der Psychoneuroendokrinologie gibt es zwei Wege, Erkenntnisse in diesen Bereichen zu gewinnen. Einmal untersucht sie die Manipulation von Hormonen, zum anderen die der psychischen Prozesse.

Manipuliert werden Hormone durch Stimulation, Applikation und Blockaden. Sobald eine Veränderung stattfindet, müssen die Auswirkungen auf den psychischen Prozess untersucht werden. Das wird auch anhand von Tierversuchen erforscht, um z. B. physikalische oder chemische Inaktivierungen solcher Nervenbahnen vorzunehmen, die für die Hormonregulation zuständig sind. Die umgekehrte Richtung, z. B. Stress, psychische Belastung, Leistungsstreben, Schlaf-, Sexual- oder Essverhalten, ebenfalls positive Gefühle und Stimulationen, können in der hormonellen Veränderung erfasst und darüber ein Zusammenhang hergestellt werden.

Behandlungen & Therapien

Solche Untersuchungen ergaben Beispiele wie das Aufwachsen von Kindern in einem belastenden Elternhaus, deren Entwicklung und Verhalten stark gestört waren, darunter waren solche Kinder u. a. kleinwüchsig oder litten an völliger Apathie. Eine Theorie besagt, dass das Kind durch die Umstände und Belastung im Elternhaus an Schlaflosigkeit leidet.

Die fehlenden Tiefschlafphasen wiederum führen zu einer fehlenden oder zu geringen Ausschüttung an Wachstumshormonen. Daran zeigt sich, dass jede Art von Belastung auf den Hormonspiegel Einfluss hat, darunter auch Sinnesschwellen, Tiefschlafphasen, allgemeines Schlafverhalten und Leistungsdruck.

Unterschieden wird in einen spezifisch organisierten Einfluss aller Hormone in der Entwicklung des menschlichen Organismus und in einen aktivierend-mobilisierenden Einfluss, der immer im Verlauf des Lebens Wirkung zeigt. Ebenso gibt es neben den stattfindenden Experimenten auch Untersuchungen der Zusammenhänge auf korrelativer Basis in Hinsicht auf Befinden und Verhalten des Menschen.

So haben neben verschiedenen Tageszeiten auch Zyklusphasen von Frauen oder Schwangeren, Lebensumstände oder die allgemeine Gesundheit einen Einfluss auf den Hormonspiegel, auch unterscheiden sich Menschen, die psychische Störungen aufweisen, von Gesunden. Sie leiden an Ängsten, Depressionen oder Impulskontrollstörungen und weisen dabei einen veränderten Hormonspiegel auf. Psychologische Prozesse und die Entwicklung des Menschen regeln die Hormonsekretion, die Hormone wiederum steuern die Wahrnehmung und das Verhalten. Gerade im Bereich des Suchtverhaltens spielen neuroendokrine Systeme eine Rolle. So kann Stress z. B. Alkoholabhängigkeit und Rückfälle bedingen oder das Rauchverhalten beeinflussen bzw. steigern.

Die Psychoneuroendokrinologie untersucht die Belastungen und Stressreaktionen nach bestimmten Stimulationen und teilt sie in Stressart, Vorhersagbarkeit, Neuigkeit und Kontrollierbarkeit ein. Verglichen werden das Verhalten der Hormone und das Stressbewältigungserleben des Menschen, um daraus Veränderungen im Hormonsystem herauszukristallisieren. Dazu werden Experimente mit z. B. Übungen im Kopfrechnen oder dem Halten eines Vortrags, dem Zeigen erregender Filme oder physischen Stressfaktoren wie Anstrengung, Kälte, Hitze oder Schmerz durchgeführt. Die Hormonmuster ähneln dabei einander häufig, insbesondere sichtbar als Hormonanstieg bei stärkeren Stressfaktoren. Dagegen löst z. B. Ekel keinen Anstieg aus.

Für solche Laboruntersuchungen hat sich ein Standardverfahren durchgesetzt, das 1993 von Clemens Kirschbaum, Karl-Martin Pirke und Dirk Hellhammer an der Universität Trier vorgestellt wurde und seither als Trierer Sozialer Stresstest bekannt ist. Die Versuchsperson erfährt, dass sie sich in einem fingierten Bewerbungsgespräch vorstellen soll, erhält eine kurze Vorbereitungszeit, hält dann vor einem betont unbeteiligt reagierenden Gremium eine freie Rede und muss anschließend im Kopf rechnen, wobei sie bei jedem Fehler von vorn beginnt. Wirksam ist dabei nicht die Aufgabe an sich, sondern die Verbindung aus Unkontrollierbarkeit und drohender sozialer Bewertung. Weil dieses Vorgehen bei den meisten Menschen zuverlässig einen Kortisolanstieg auslöst, lassen sich damit Gruppen miteinander vergleichen, etwa Menschen mit und ohne Depression oder Personen mit unterschiedlicher Belastung in der Kindheit.

Ebenso werden Ereignisse in die Untersuchungen miteinbezogen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken und kritische Lebensereignisse aufweisen, darunter langjährige Arbeitslosigkeit, Tod oder Krankheit von Angehörigen oder Beziehungsprobleme und Scheidungen.

Der Faktor Stress ist ein wichtiger Forschungsansatz im Sinne der Hormonausschüttung im Körper und der aufeinander bedingenden Reaktionsmuster zwischen psychischer oder physischer Reaktion und Hormonspiegel. Hormone wirken auf den neuronalen Schaltkreis, beeinflussen Denken, Verhalten und Emotionen. Eine stressreduzierende Reduktion der Hormone ist gleichzeitig eine energiesparende Reaktion. Erhöhte Stressbedingungen und starke körperliche Belastung wiederum führen zu einer hohen Ausschüttung an Stresshormonen wie Kortisol. Die Reproduktionshormone werden unter anhaltender Belastung dagegen vermindert ausgeschüttet, was sich bei Frauen etwa in Zyklusstörungen zeigen kann.

Positive Stimulanzen wiederum oder Gefühle, die aus solchen Erlebnissen hervorgehen, wurden noch nicht ausreichend erforscht. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine Verbindung zwischen hormonellen Reaktionen und angenehmen Gefühlen besteht. Auch körperliche Höchstleistung führt nicht nur zum Ausstoß von Endorphinen und löst Euphorie aus, sondern kann durch eben diesen Ausstoß auch einen analgetischen Effekt haben. Die Auswirkungen sind allerdings weitaus geringer als bei Belastungen und Stressgeschehen, weshalb sie wiederum schwieriger zu untersuchen sind.

Neben dem Kortisol rücken weitere Hormone in den Blick. Dem Oxytocin, das bei Geburt und Stillen sowie bei Körperkontakt ausgeschüttet wird, wird eine Rolle bei Bindung und Vertrauen zugeschrieben; die Befunde aus Versuchen mit äußerlicher Gabe sind allerdings uneinheitlich und lassen sich nicht auf die verbreitete Formel vom Kuschelhormon verkürzen. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen Antrieb und Stimmung so deutlich, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit Müdigkeit, Verlangsamung und gedrückter Stimmung einer Depression ähneln kann und vor einer psychiatrischen Diagnose ausgeschlossen werden sollte. Die Geschlechtshormone wirken sich auf Wahrnehmung, Gedächtnis und Stimmung aus, was sich an den hormonellen Übergängen des Lebens zeigt: an der Pubertät, an den Tagen vor der Regelblutung, in der Zeit nach einer Geburt und in den Wechseljahren. Das Melatonin schließlich verbindet die Hormonlage mit dem Tageslicht und damit mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus, dessen Störung bei nahezu allen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, welche Spuren frühe Belastungen hinterlassen. Untersuchungen an Menschen, die in der Kindheit Vernachlässigung, Gewalt oder den Verlust einer Bezugsperson erlebt haben, finden im Erwachsenenalter häufig eine veränderte Reaktionsbereitschaft der Stressachse; sie kann überschießend ausfallen oder auffallend abgeflacht sein. Als Erklärung wird erwogen, dass sich das Regelsystem in einer prägenden Lebensphase auf die Umstände einstellt, unter denen es heranwächst, und dass eine Einstellung, die unter widrigen Bedingungen sinnvoll ist, unter späteren Bedingungen Nachteile mit sich bringt. Belegt ist der Zusammenhang bislang vor allem als statistischer Befund über Gruppen hinweg. Ein Rückschluss von einem einzelnen Hormonwert auf die Lebensgeschichte einer bestimmten Person lässt sich daraus nicht ziehen.

Unmittelbare Behandlungsverfahren gehen aus der Psychoneuroendokrinologie nur selten hervor, denn sie erforscht in erster Linie Zusammenhänge, statt Behandlungen zu entwickeln. Ihre Ergebnisse wirken sich dennoch auf die Praxis aus. Sie liefern die Begründung dafür, bei anhaltender Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder ausgeprägten Stimmungsschwankungen auch die Hormonlage zu prüfen, etwa die Schilddrüsenwerte. Sie machen nachvollziehbar, warum Verfahren zur Belastungsverminderung, ausreichender Schlaf und regelmäßige Bewegung körperlich messbare Wirkungen haben und nicht bloß als Beruhigung anzusehen sind. Und sie erklären, weshalb eine Behandlung, die allein an der Stimmung ansetzt, zu kurz greifen kann, wenn eine hormonelle Erkrankung im Hintergrund steht. Umgekehrt gilt ebenso: Eine Hormonbehandlung ersetzt keine Psychotherapie, wenn die Beschwerden seelischen Ursprungs sind.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Über den alltäglichen Bereich hinaus dient die Psychoneuroendokrinologie aber auch der Grundlagenerforschung neurologischer und psychischer Erkrankungen. Die Lehre von den Hormonen und die inneren und äußeren Einflüsse bieten Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten bei Angstneurosen, affektiven Störungen, Schizophrenie, Demenz, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson und verschiedenen Schlafstörungen.

Als Beispiel wurden Erkenntnisse im Bereich der Schizophrenie gesammelt, dass sich die Hormonausschüttung in Bezug auf die Krankheit geschlechtsspezifisch unterscheidet, z. B. weibliche Sexualhormone den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

Bekannt ist, dass Schizophrenie bei Frauen später als bei Männern beginnt und nicht so viele Negativsymptome aufweist, ebenso selten strukturelle Abnormitäten im Hirn. Die Forschung im Bereich der Psychoneuroendokrinologie geht davon aus, dass diese Unterschiede wesentlich durch die weiblichen Sexualhormone bedingt sind, darunter der Einfluss der Östrogene, die modulierend in die Aktivität der Dopamin-Rezeptoren eingreifen. Östrogene beeinflussen die Funktion der N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren, weshalb ihnen ein antipsychotisch wirksamer Effekt zugeschrieben wird.

Wie sich Zusammenhänge zwischen Hormonlage und Befinden überhaupt messen lassen, hängt wesentlich an der Art der Probengewinnung. Der Kortisolspiegel lässt sich nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel bestimmen, was einen erheblichen Unterschied macht: Eine Speichelprobe kann die untersuchte Person selbst und ohne Nadel gewinnen, sodass sich Messungen im Alltag und in dichter Folge wiederholen lassen und die Blutentnahme nicht selbst zum Stressfaktor wird. Über einen längeren Zeitraum gemittelte Werte gewinnt man aus Haarproben, weil Hormone in das wachsende Haar eingelagert werden und sich damit rückblickend Monate abbilden lassen. Für die Frage, ob die Rückkopplung der Stressachse noch richtig arbeitet, dient ein Test, bei dem ein künstliches Nebennierenrindenhormon gegeben und anschließend geprüft wird, ob die körpereigene Kortisolausschüttung wie erwartet gedrosselt wird.

Eine Schwierigkeit begleitet alle diese Verfahren: Hormonwerte schwanken. Der Kortisolspiegel folgt einem ausgeprägten Tagesgang mit einem Anstieg in der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen und einem Tiefstand am Abend; hinzu kommen Einflüsse durch Mahlzeiten, Rauchen, körperliche Anstrengung, Schlafdauer, Zyklusphase und eine Reihe von Arzneimitteln. Ein einzelner Messwert sagt deshalb wenig aus. Aussagekräftig werden Befunde erst durch festgelegte Abnahmezeiten, durch mehrere Messungen je Person und durch Vergleichsgruppen, die unter denselben Bedingungen untersucht werden.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Einschränkung: Ein Zusammenhang zwischen Hormonlage und Befinden sagt noch nichts über die Richtung der Wirkung. Ein veränderter Wert kann Ursache einer Erkrankung sein, ihre Folge oder das Ergebnis eines dritten Umstands wie einer gestörten Nachtruhe. Aus diesem Grund taugen einzelne Hormonbestimmungen bislang nicht als Test auf eine psychische Erkrankung. Angebote, die aus einer Speichel- oder Haarprobe eine Diagnose, einen Erschöpfungsgrad oder einen Behandlungsplan ableiten wollen, überschreiten den gesicherten Stand deutlich; für die Beurteilung einer Belastungssituation bleiben Gespräch, Vorgeschichte und ärztliche Untersuchung maßgeblich.

Quellen

  • Allolio, B., Schulte, H. M. (Hrsg.): Praktische Endokrinologie.
    ISBN: 9783437593253
  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M. (Hrsg.): Referenz Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132408586
  • Schandry, R.: Biologische Psychologie.
    ISBN: 9783621288644
  • Pinel, J. P. J., Barnes, S. J., Pauli, P.: Biopsychologie.
    ISBN: 9783868944426
  • Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. F. (Hrsg.): Physiologie des Menschen.
    ISBN: 9783662564677

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