Qigong

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Qigong

Die Wurzeln des Qigong liegen in Asien. Die leicht und anmutig erscheinenden Bewegungen sollen dazu dienen, den Körper und die Seele in Einklang zu bringen. Qigong betreiben auch immer mehr Menschen in den westlichen Industriestaaten, um das Potenzial dieser Bewegungskunst für die geistige und körperliche Gesunderhaltung zu nutzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Qigong?

Die leicht und anmutig erscheinenden Bewegungen im Qigong sollen dazu dienen, den Körper und die Seele in Einklang zu bringen.

Uns sind vor allem die Bilder aus China bewusst, die Menschen aus allen Altersgruppen zeigen, die sich in einem Park zum gemeinsamen Ausüben von Qigong treffen. Heute gibt es dies auch in Europa und Amerika, das Menschen mit fließenden Bewegungsabläufen das Qi in ihrem Körper aktivieren. So ist jedenfalls die Sichtweise der Anhänger des Qigong. Als Qi wird in Asien die Energie bezeichnet, die das Leben ermöglicht.

Qi wird auch mit „Lebenshauch“ übersetzt. Der Begriff „Gong“ bedeutet üben und eine Arbeit leisten. Mit Arbeit ist gemeint, dass sich der Mensch in seinem Leben bemühen sollte, sich zu vervollkommnen. Durch Qigong wird das Qi, die Lebensenergie, in Bewegung gebracht und damit die eigene mentale und gesundheitliche Weiterentwicklung angestoßen.

Die Bewegungskunst Qigong stellt eine Mischung aus Elementen aus dem Kampfsport und meditativen Bewegungen dar. Qigong als meditative Übung zeigt sich sehr sichtbar in den Bewegungsabläufen, die verlangsamt wie in Zeitlupe ausgeführt werden. Um diese Bewegungskunst perfekt zu beherrschen, bedarf es regelmäßiger Übung und einer ausgezeichneten Körperbeherrschung.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Bewegungsabläufe des Qigong werden bereits seit mehreren Tausend Jahren von Menschen durch stetige Wiederholung geübt. Die Wortschöpfung „Qigong“ stammt jedoch aus neuerer Zeit. Im Taoismus und Buddhismus gehören Kampfsport und Meditation zu den klösterlichen Traditionen. Aus den Wegen zur Vervollkommnung in beiden Disziplinen entwickelten sich Vorläufer des Qigong.

Noch älter ist die medizinische Anwendung für die Gesundwerdung und die Gesunderhaltung von Menschen. Schamanen haben Kranken und Gesunden heilsame Bewegungsabläufe beigebracht. Heute wird Qigong dem breiten Spektrum der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zugeordnet. Qigong beinhaltet nicht nur Bewegung in der Stille. Zu der Technik gehören auch Atemübungen und der Einsatz der Stimme. Die Bewegungen werden im Stehen, im Sitzen oder im Liegen ausgeführt.

Durch die innere Konzentration auf die Ausführung der langsamen Bewegungen und den Einsatz einer sehr bewussten Atemtechnik beruhigen sich die Seele und der Geist. Qigong wird in den westlichen Ländern gern dafür benutzt, um eine tiefe Entspannung zu erreichen. Das Nervensystem beruhigt sich, Stressempfindungen werden abgebaut. Qigong sollte im Freien ausgeführt werden. Nur dort ist der Mensch mit der Natur direkt verbunden und kann mehr Sauerstoff aufnehmen. Die Auswirkungen auf den Organismus sind messbar.

Wer regelmäßig Qigong praktiziert, bei dem können sich die Blutdruckwerte normalisieren, die Muskulatur wird gestärkt und der Gleichgewichtssinn wird trainiert. Durch die tiefe Atmung wird die Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff und damit die Erfüllung ihrer Funktion verbessert. Das hat positive Auswirkungen auf die lebenswichtigen inneren Organe. In der Traditionellen Chinesischen Medizin würden diese gesundheitlichen Effekte der Lösung von Blockaden im Fluss des Qi zugeschrieben.

Im Qigong gibt es festgelegte Übungsabläufe, die bildhafte Namen tragen: „Das Spiel der fünf Tiere“, „Die Affen abwehren“ und „Der Fliegende“ sind nur einige davon. Immer ist damit eine kleine Geschichte verbunden. Das Qigong besteht aus einem ständigen Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Wichtig ist, die Bewegungsabläufe so häufig und exakt zu trainieren, dass sie in Fleisch und Blut übergehen. Erst wenn der Qigong Praktizierende nicht mehr darüber nachdenken muss, welche Bewegung die nächste ist, ist er in der Lage, die zu der Bewegungskunst parallel gehörenden Konzentrationsübungen in den Ablauf mit einzufügen.

Übungen wie die „Atemblume“ sind einfach und doch effektiv. Sie besteht aus acht ineinanderfließenden Bewegungen. Diese Qigongübung empfindet das Werden, das Leben und das Vergehen einer Blume nach. Allein durch die Dynamik dieser einen Übung kann die Atmung vertieft und beruhigt werden. Außerdem trägt sie zur Dehnung von Muskeln und Sehnen bei.


Risiken & Gefahren

Risiken birgt das Qigong nicht, stattdessen bewirkt es bei gesunden Menschen, dass die Abwehrkräfte gestärkt werden. Chronisch kranke Menschen berichten immer wieder, dass durch das praktizierte Qigong sich ihre Lebensqualität erhöht. Auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen können sich die seelischen Verstimmungen durch die Übungen des Qigong bessern. Hierbei spielt auch das Element der Visualisierung von positiv besetzten Bildern als Teil des Qigong eine wichtige Rolle.

Hierbei wird ganz bewusst Einfluss auf die eigene geistige Haltung und die Eigenwahrnehmung genommen. Das hat starke Auswirkungen auf den Körper und auf die körperliche und geistige Gesundheit. Das Qigong kann nicht notwendige Therapiemaßnahmen vollständig ersetzen. Doch die körperlichen und mentalen Übungen sind ein sehr guter Weg, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Eine ganze Reihe von gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen deshalb für ihre Mitglieder Qigong-Kurse.

Neben Erkrankungen der Seele wie depressiven Phasen und bei Angstzuständen ist das Praktizieren von Qigong bei einer ganzen Reihe von chronischen Krankheiten sinnvoll. Einige Beispiele dafür sind Herz- und Kreislaufschwächen, Beschwerden im Bereich der Hals- und Rückenwirbel, Multiple Sklerose oder Stoffwechselerkrankungen. Auch Krebspatienten berichten immer wieder von einer Verbesserung ihrer Lebenssituation durch die regelmäßigen Übungen.

Quellen

  • Bißwanger-Heim, T. et al.: Asiatische Heilkunde. Stiftung Warentest, Berlin 2011
  • Federspiel, F., Herbst, V. : Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005
  • Hecker, H.-U. et al.: Handbuch Traditionelle chinesische Medizin. Haug, Stuttgart 2003

Das könnte Sie auch interessieren