Schrumpfniere

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Schrumpfniere

Die sogenannte Schrumpfniere, die im Endeffekt eine fortgeschrittene Nierenvernarbung darstellt, kann - bei Nichtbehandlung - für einen Verlust der Nierenfunktion sorgen. Im Endstadium kommt es zu einer Harnvergiftung. Bei der Schrumpfniere handelt es sich um eine Erkrankung, die oft lange Zeit unbemerkt bleibt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schrumpfniere?

Schrumpfniere
Mediziner stellen die Schrumpfniere oftmals im Rahmen einer Routineuntersuchung fest. Dabei bemerkt der Mediziner veränderte Werte, die durch eine Urinuntersuchung festgestellt werden können.
© Rasi – stock.adobe.com

Wird die Niere immer kleiner, spricht man von einer sogenannten Schrumpfniere. Die Schrumpfniere wiegt durchschnittlich 80 Gramm; in vielen Fällen kann das Gewicht auch deutlich weniger betragen. Die Größe beläuft sich auf rund acht mal vier Zentimeter.

Damit Umfang und Struktur erkannt werden können, stehen verschiedene zuverlässige Methoden zur Verfügung, wobei sich die Mediziner vor allem auf das Ultraschallverfahren verlassen. Mitunter können - wenn eine Schrumpfniere diagnostiziert wurde - auch weitere Veränderungen festgestellt werden; in vielen Fällen verkleinert sich auch die Nierenrinde.

Die Schrumpfniere ist dabei kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern der Endzustand ganz unterschiedlicher Nierenerkrankungen. Welche Grunderkrankung zu ihr geführt hat, bestimmt daher maßgeblich Behandlung und Verlauf.

Ursachen

Eine Schrumpfniere kann durch Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, chronische Entzündungen (begünstigt durch Bakterien) oder auch durch nierenschädigende Medikamente oder Diabetes entstehen. Leidet der Patient unter extrem hohem Blutdruck, kommt es in weiterer Folge zu einer Schrumpfniere; die Schrumpfniere sorgt ebenfalls für einen Anstieg des Blutdrucks, sodass es zu erheblichen Kreislaufproblemen kommt.

In weiterer Folge kommt es zu einem ständigen Angriff der Niere. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der derartige Teufelskreis - so schnell wie möglich - unterbrochen wird. Eine besondere Position nimmt hingegen die „einseitige Schrumpfniere“ ein. Diese wird durch Gefäßverkalkungen hervorgerufen, wobei mitunter auch Bakterien, die eine chronische Entzündung auslösen können, eine einseitige Schrumpfniere begünstigen. Diese kann ebenfalls Bluthochdruck begünstigen, sodass auch die zweite Niere angegriffen wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Folgende Symptome sind für eine Schrumpfniere charakteristisch: Der Patient klagt über geschwollene Beine (Wassereinlagerungen), leidet an Appetitlosigkeit, ist abgeschlagen, klagt über Muskelkrämpfe und Sehstörungen, wird von einem starken Juckreiz heimgesucht und hat immer wieder Fieber sowie Kopfschmerzen.

Das erste Symptom, das auf eine geschädigte Niere hinweist, ist die Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. So sorgen Schrumpfnieren für Schwellungen der Augenlider, der Knöchel oder auch der Unterschenkel. Jene Schwellungen, die durch Wasseransammlungen hervorgerufen werden, deuten aber nicht sofort auf eine Schrumpfniere hin; es gibt zahlreiche andere Erkrankungen, welche ebenfalls derartige Symptome auslösen können.

Muss der Betroffene immer wieder die Toilette aufsuchen, wobei der nächtliche Harndrang besonders intensiv ist, kann man von einer fortgeschrittenen Nierenschädigung ausgehen. Werden jedoch nur sehr geringe Mengen an Urin ausgeschieden, kann dies mitunter bereits ein Hinweis sein, dass die Niere demnächst ihre Funktion verliert.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Mediziner stellen die Schrumpfniere oftmals im Rahmen einer Routineuntersuchung fest. Dabei bemerkt der Mediziner veränderte Werte, die durch eine Urinuntersuchung festgestellt werden können. Der Mediziner entdeckt Eiweiß und Blut im Urin; dabei handelt es sich um zwei Substanzen, die in der Regel nicht im Urin vorkommen dürfen.

Das Eiweiß sorgt für einen trüben Urin; die Blutbeimengungen lassen den Urin dunkelgelb bis rot werden. In weiterer Folge kommt es zu einer körperlichen Untersuchung. Zuerst klopft der Mediziner den Nierenbereich ab, wobei er mitunter bereits eingelagertes Wasser feststellen kann. Führt der Mediziner eine Blutuntersuchung durch, kann er - wenn eine Schrumpfniere vorliegt - hohe Kreatininwerte (Nierenwert) erkennen.

Damit der Arzt sicher sein kann, dass es sich um eine Schrumpfniere handelt, wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. In weiterer Folge können auch Gewebeproben der Nieren entnommen werden; jene Maßnahmen werden aber ausschließlich durch einen Facharzt der Nephrologie vorgenommen.

Komplikationen

Eine Schrumpfniere führt fast immer zu einer Niereninsuffizienz. Zunächst ruft die Erkrankung Bluthochdruck und weitere Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzkammerflimmern hervor. Dies kann im Extremfall zum Herzinfarkt oder zum plötzlichen Herztod führen. Eine Nierentransplantation birgt langfristig Gesundheitsrisiken.

In der Folge des Eingriffs kommt es häufig zu chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes mellitus und Virus-Infektionen. Auch begünstigt eine Transplantation die Entstehung von Tumoren wie zum Beispiel Haut- oder Nierenkrebs. Auch das Nierentransplantat selbst kann erkranken – es kommt zur chronischen Allograftnephropathie, die oft noch nach Jahren zum Organversagen führt. Auch klassische Abstoßungsreaktionen wie etwa Fieber und Schmerzen sind bei einer Nierentransplantation nicht unwahrscheinlich.

Bei der Dialyse können ebenfalls Komplikationen auftreten. Möglich sind beispielsweise Infektionen des operativ gelegten Gefäßzugangs sowie Blutdruckabfälle und die Entstehung von Blutgerinnseln. In Folge einer Thrombose muss der Eingriff abgebrochen und der Zugang erneut geöffnet werden - oft mit weiteren Schmerzen und Stress für den Patienten verbunden. Eine erhöhte Eiweiß- und Kaliumzufuhr kann im Rahmen der Blutwäsche zu lebensbedrohlichen Stoffwechselstörungen führen. Ein erhöhter Phosphat-Gehalt kann Gefäßschäden wie Arteriosklerose begünstigen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Schrumpfniere muss immer durch einen Arzt behandelt werden. Bei dieser Krankheit kann es nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene immer auf eine medizinische Behandlung angewiesen ist. Wird die Schrumpfniere nicht behandelt, kann es im schlimmsten Fall zu einer Insuffizienz der Nieren und damit zum Tod des Betroffenen kommen. Je früher die Schrumpfniere erkannt wird, desto besser ist auch der weitere Verlauf dieser Beschwerde. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an angeschwollenen Beinen leidet.

Die Beine schwellen ohne einen besonderen Grund an und der Betroffene leidet auch an Wassereinlagerungen. Ebenfalls können starke und vor allem plötzliche Sehbeschwerden oder starke Kopfschmerzen und Fieber auf die Schrumpfniere hindeuten. Die meisten Patienten leiden auch an einem nächtlichen Harndrang und an angeschwollenen Augenlidern. Treten diese Beschwerden auf, so sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Die Schrumpfniere kann durch einen Internisten behandelt werden. Bleibt sie dagegen unbehandelt, drohen schwere Komplikationen bis hin zum vollständigen Nierenversagen.

Bei Luftnot, die sich im Liegen verstärkt, bei Herzstolpern mit Muskelschwäche in den Beinen, bei zunehmender Bewusstseinstrübung oder wenn die Urinausscheidung plötzlich versiegt, besteht dagegen unmittelbare Lebensgefahr. In diesen Fällen ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Der Mediziner entscheidet sich erst dann für eine Therapie, wenn er die exakte Bestimmung der Erkrankung in Erfahrung bringen konnte. Hat der Mediziner die Schrumpfniere im früheren Stadium festgestellt, werden zu Beginn nur die Urin- und Blutwerte kontrolliert. Liegt jedoch eine bakterielle Infektion vor, muss der Patient mit Antibiotika behandelt werden.

Resultiert die Schrumpfniere aus einer Störung des Immunsystems, werden spezielle Medikamente verabreicht, die in weiterer Folge das Immunsystem unterdrücken, sodass es nicht „gegen sich selbst“ arbeiten kann. Wassereinlagerungen werden - im Zuge der Symptombehandlung - durch entwässernde Medikamente behandelt. In weiterer Folge erhalten die Patienten auch blutdrucksenkende Mittel, da die Schrumpfniere für Bluthochdruck verantwortlich ist. Die konsequente Senkung des Blutdrucks ist dabei die wichtigste Maßnahme überhaupt, um das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verzögern; sie ist zugleich derjenige Faktor, den der Patient gemeinsam mit seinem Arzt am besten beeinflussen kann.

Liegt bereits eine schwere Einschränkung der Nierenfunktion vor, besteht akute Lebensgefahr, sodass der Patient - mehrmals pro Woche - zur sogenannten Blutwäsche (Dialyse) muss. Am Ende gibt es, sofern sich der Patient im letzten Stadium der Erkrankung befindet, keine Heilung mehr. Die letzte Rettung stellt eine neue Niere dar.

Beide Verfahren ersetzen die verlorene Nierenfunktion, ohne die Nieren selbst wiederherzustellen. Mit einer Dialyse oder einer Nierentransplantation können Betroffene auch im Endstadium viele Jahre leben; wie gut die Aussichten im Einzelfall sind, hängt vor allem vom Alter, von Begleiterkrankungen und von der zugrunde liegenden Nierenerkrankung ab.


Vorbeugung

Einer Schrumpfniere lässt sich bis zu einem gewissen Grad vorbeugen; dazu gehört unter anderem, ausreichend zu trinken. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die empfohlene Menge (zwei Liter Wasser am Tag) auch tatsächlich konsumiert wird. In weiterer Folge sollten Personen, die unter Bluthochdruck leiden, dagegen vorgehen, sodass es zu keiner weiteren Belastung für den Körper (und zu keiner weiteren Belastung für die Nieren) kommt.

Entscheidend für die Vorbeugung ist allerdings vor allem, die zugrunde liegenden Erkrankungen früh zu behandeln. Dazu zählen neben dem Bluthochdruck der Diabetes mellitus, wiederkehrende Nierenbeckenentzündungen und Harnabflussstörungen. Ebenso wichtig ist es, auf den dauerhaften Gebrauch nierenschädigender Schmerzmittel zu verzichten. Besteht die Nierenschädigung bereits, gibt der Arzt die tägliche Trinkmenge vor - dann kann auch zu viel Flüssigkeit schaden.

Nachsorge

Die Schrumpfniere hat in der Regel einen vollständigen Funktionsverlust des Organs zur Folge. Die Nachsorge konzentriert sich darauf, verordnete Medikamente zu prüfen und gegebenenfalls neu einzustellen. Außerdem muss die verbliebene Niere kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass diese weiterhin arbeitet. Darüber hinaus führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, bei dem das weitere Vorgehen besprochen wird.

Zudem muss geklärt werden, ob eine Nierentransplantation infrage kommt. Sollten beide Nieren geschädigt sein, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um zeitnah eine Transplantation zu ermöglichen. Chronische Beschwerden wie die Neuropathie oder eine Stauungslunge müssen auch nach der Nachsorge kontrolliert werden. Nach Komplikationen wie einer Niereninsuffizienz oder einer renalen Hypertonie sind auch therapeutische Maßnahmen Teil der Nachsorge.

Die körperlichen Beschwerden rufen bisweilen psychische Probleme hervor, etwa Angststörungen oder Verstimmungen, die es abzuklären gilt. Im Rahmen der Nachsorge erstellt der Arzt einen Abschlussbericht und gibt dem Patienten mitunter auch allgemeine Tipps. Die Nachsorge der Schrumpfniere erfolgt durch einen Facharzt für innere Medizin. Patienten leiden in der Regel an chronischen Erkrankungen, die regelmäßig abgeklärt werden müssen. Monatliche oder sogar wöchentliche Arztbesuche sind typisch und müssen dauerhaft beibehalten werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Schrumpfniere ist eine dauerhafte ärztliche Überwachung notwendig. In fortgeschrittenen Stadien müssen die Betroffenen in einem Krankenhaus behandelt werden, weil das Organ kurz vor dem vollständigen Funktionsverlust steht.

Die Selbsthilfe-Maßnahmen beschränken sich darauf, die Arzneimittel nach den Vorgaben des Arztes einzunehmen und die strenge Diät einzuhalten. Begleitend dazu sollte in jedem Fall auch eine Therapie in Anspruch genommen werden. Betroffene Personen konsultieren am besten eine Selbsthilfegruppe, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Bei Komplikationen wie einer Niereninsuffizienz ist eine sofortige Behandlung vonnöten. Die Erkrankten müssen notärztlich versorgt und anschließend im Krankenhaus beobachtet werden. Bei Bluthochdruck muss die Medikation angepasst werden. Personen, die an einer Schrumpfniere erkrankt sind, müssen ihre Notfallmedikamente mitführen, damit bei akuten Komplikationen sofort gehandelt werden kann. Ein Herzkammerflimmern führt dagegen binnen Sekunden zur Bewusstlosigkeit und zum Kreislaufstillstand. Umstehende müssen dann sofort den Notruf 112 wählen und unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen: kräftig und schnell in der Mitte des Brustkorbs, etwa 100- bis 120-mal pro Minute und ohne Unterbrechung, bis der Rettungsdienst eintrifft.

In einigen Fällen kann die Nierenfunktion teilweise wieder hergestellt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Ursachen der Schrumpfniere ermittelt werden. Die Patienten legen am besten ein Beschwerdetagebuch an, in welchem sie sämtliche Symptome und Beschwerden notieren. Der Arzt kann anhand dieser Informationen schneller einen Auslöser ermitteln und eine passende Therapie einleiten. Begleitend dazu werden verschiedene Mittel aus der Homöopathie, wie beispielsweise Arnika und Aloe Vera, gegen die Schmerzen angeboten. Eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit ist für homöopathische Mittel jedoch nicht belegt. Sie dürfen die ärztlich verordnete Behandlung keinesfalls ersetzen, weil eine unbehandelte Schrumpfniere zum Nierenversagen führt.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471
  • Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099
  • Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783131295545

Das könnte Sie auch interessieren