Subclavian-Steal-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Subclavian-Steal-Syndrom beschreibt einen vorübergehenden oder chronischen Teilverschluss oder völligen Verschluss der Arterien, die für die Durchblutung des Hirns und der oberen Extremitäten verantwortlich sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Subclavian-Steal-Syndrom?

Subclavian Steal Syndrom
Das Subclavian-Steal-Syndrom ist sowohl durch neurologische als auch durch armbetonte Symptome gekennzeichnet. Die gesamte Symptomatik ist jedoch abhängig vom Ausmaß der Abnahme des Blutflusses durch die hirnversorgenden Arterien.
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Bei dem Subclavian-Steal-Syndrom handelt es sich um eine verminderte Durchblutung der Arterien, die für die Blutversorgung der oberen Extremitäten und des Hirns zuständig sind.

Linksseitig ist der obere Bereich der Schlüsselbeinarterie, die sogenannte Arteria subclavia, betroffen. Dieser Fall tritt häufiger auf. Rechtsseitig kommt es zu Durchblutungsstörungen im Truncus brachiocephalicus. Die Durchblutungsstörung wird durch vorübergehende Verschlüsse oder starke Verengungen der Arterie hervorgerufen.

Der Name der Erkrankung erklärt sich aus dem Strömungsverlauf: Sitzt die Engstelle in der Arteria subclavia vor dem Abgang der Wirbelarterie (Arteria vertebralis), so fließt das Blut in dieser Wirbelarterie rückwärts, also vom Gehirn zum Arm. Der Arm zieht dem Gehirn auf diesem Weg einen Teil seiner Blutversorgung ab (englisch to steal: stehlen). Deshalb treten die Beschwerden vor allem dann auf, wenn der betroffene Arm arbeitet und dadurch besonders viel Blut benötigt.

Infolgedessen kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen, weshalb das Subclavian-Steal-Syndrom unbedingt behandelt werden muss. Bestenfalls beugt man mit einem gesunden Lebensstil den Erkrankungen, die zu einem Subclavian-Steal-Syndrom führen, vor.

Ursachen

Wenn es zu einem Subclavian-Steal-Syndrom kommt, kann dies mehrere Ursachen haben. Zum einen kann ein Subclavian-Steal-Syndrom durch Arteriosklerose hervorgerufen werden.

Arteriosklerose bezeichnet eine Erkrankung, bei der es zu Ablagerungen von Blutfetten, Bindegewebe, Thromben und geringen Kalkmengen in den Schlagadern kommt. Im Volksmund wird die Arteriosklerose daher auch als Arterienverkalkung bezeichnet.

Eine weitere mögliche Ursache für das Subclavian-Steal-Syndrom ist die Takayasu-Arteriitis, eine Autoimmunerkrankung, die eine Entzündung der Aorta nach sich zieht, die im schlimmsten Fall in einer Zerstörung der Gefäßwände endet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Subclavian-Steal-Syndrom ist sowohl durch neurologische als auch durch armbetonte Symptome gekennzeichnet. Die gesamte Symptomatik ist jedoch abhängig vom Ausmaß der Abnahme des Blutflusses durch die hirnversorgenden Arterien. Es gibt asymptomatische, anfallsartige und kontinuierliche Verlaufsformen der Erkrankung.

Wenn die Strömungsdynamik in der Arteria vertebralis normgerecht ist, treten keine Symptome auf. In den Fällen von kurzfristiger Unterbrechung des Blutflusses kommt es zu einer plötzlichen Symptomatik, die bei Armbewegungen einsetzt. Bei einem Teil der Patienten ist der Blutfluss durch die hirnversorgenden Arterien dauerhaft verringert. Das führt zu chronischen Beschwerden.

Die neurologischen Symptome zeichnen sich unter anderem durch anfallsartigen Schwindel und anfallsartige Bewusstlosigkeit aus. Plötzliche Sturzattacken bei vollem Bewusstsein sind ebenfalls möglich. Dabei findet ein Tonusverlust der unteren Extremitäten statt. Im Rahmen der neurologischen Ausfälle werden auch Sehstörungen, Ohrgeräusche, Sensibilitätsstörungen, Koordinationsstörungen der Bewegung oder Sprach- und Schluckstörungen beobachtet.

Neben den neurologischen Ausfällen kommt es häufig auch zu armbetonten Symptomen, die meist nur einseitig in Erscheinung treten. Diese betreffen die Arme und zeigen sich dort in Form von Parästhesien (Kribbeln, Taubheitsgefühle), Blässe, Kältegefühle sowie Schmerzen. Meist tritt nur ein Teil der Beschwerden auf. Nur bei schweren Formen der Erkrankung leidet der Patient dauerhaft unter allen Symptomen. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Armbewegungen.

Diagnose & Verlauf

Wenn das Subclavian-Steal-Syndrom mit einer kurzzeitig andauernden Unterbrechung der Blutzufuhr einhergeht, kommt es in der Regel nur zu zeitweiligen Auffälligkeiten, die eine Diagnose des Subclavian-Steal-Syndroms erschweren.

Wenn es jedoch zu einem dauerhaften Subclavian-Steal-Syndrom kommt, erhärten vor allem neurologische Ausfälle wie plötzlicher Schwindel bis hin zu Ohnmachtsanfällen, Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen und kleinere Schlaganfälle den Verdacht auf das Subclavian-Steal-Syndrom.

In den Armen kommt es außerdem zu einem leichten Kribbeln oder Taubheitsgefühl bis hin zu starken Schmerzen. Die Arme verlieren zusätzlich oft an Farbe und fühlen sich kalt an. Wenn diese Symptome auftreten und der Verdacht auf das Subclavian-Steal-Syndrom besteht, kann ein Arzt durch eine umfassende Anamnese mit einer anschließenden ausgiebigen körperlichen Untersuchung das Subclavian-Steal-Syndrom diagnostizieren.

Blutdruck und Puls sowie Strömungsgeräusche geben erste Hinweise. Wegweisend ist dabei der Vergleich beider Arme: Ein um mehr als 20 mmHg niedrigerer oberer Blutdruckwert auf der betroffenen Seite und ein abgeschwächter Puls am selben Arm sprechen für eine Verengung der Arteria subclavia. Mit bildgebenden Verfahren wie einer Duplexsonographie oder einer Angiografie kann das Subclavian-Steal-Syndrom anschließend eindeutig festgestellt werden. Wenn das Subclavian-Steal-Syndrom nicht behandelt wird, kann es zu kleineren bis schweren Schlaganfällen kommen, die tödlich enden können.

Selbst wenn es durch eine Nicht-Behandlung des Subclavian-Steal-Syndroms nicht zum Tod kommt, so sind jedoch schwere Schädigungen und Behinderungen möglich, wenn das Gehirn infolge der Durchblutungsstörungen zu lange nicht ausreichend mit Blut und damit auch mit Sauerstoff versorgt wird. Bei den leichtesten Anzeichen für ein Subclavian-Steal-Syndrom sollte daher unbedingt ein Arzt konsultiert werden, damit dieser das Subclavian-Steal-Syndrom entweder ausschließen oder sofort mit einer entsprechenden Behandlung beginnen kann.

Komplikationen

Das Subclavian-Steal-Syndrom kann beim Betroffenen im schlimmsten Fall zum Tod führen. Dieser Fall tritt allerdings erst dann auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an starken Schwindelgefühlen und weiterhin auch an einer Bewusstlosigkeit. Es kommt zu Ohrgeräuschen und ebenfalls zu verschiedenen Sehstörungen, die allerdings nur temporär auftreten.

Auch Störungen der Sensibilität und Lähmungen können beim Subclavian-Steal-Syndrom auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Es kommt weiterhin auch zu Schmerzen und zu einer Blässe beim Betroffenen. Die Betroffenen selbst frieren beim Subclavian-Steal-Syndrom häufig und leiden ebenso an einem Kribbeln in den Extremitäten. Falls die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt wird, können das Gehirn und die Muskulatur des betroffenen Armes dauerhaft geschädigt werden.

Die Lebenserwartung wird dabei weniger durch das Syndrom selbst als durch die zugrunde liegende Gefäßerkrankung bestimmt. Auch die Behandlung ist nicht frei von Risiken: Beim Aufdehnen des Gefäßes und beim Einsetzen eines Stents kann sich ein Blutgerinnsel lösen und einen Schlaganfall auslösen, und die Verengung kann sich später erneut bilden. Mit Hilfe operativer Eingriffe können die Beschwerden gelindert werden. Auch eine anschließende Behandlung mit Hilfe von Medikamenten ist beim Subclavian-Steal-Syndrom meistens notwendig. Weiterhin wirkt sich eine gesunde Lebensweise sehr positiv auf die Erkrankung aus und kann weitere Beschwerden verhindern.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der Betroffene ist beim Subclavian-Steal-Syndrom auf jeden Fall auf einen Besuch bei einem Arzt angewiesen. Es kann bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung kommen, wobei sich unbehandelt die Beschwerden deutlich verschlechtern und im schlimmsten Fall auch zum Tod des Betroffenen führen können. Daher sollte schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen des Subclavian-Steal-Syndroms ein Arzt aufgesucht werden, um weitere Komplikationen zu verhindern.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an einem plötzlichen starken Schwindel leidet. Dabei kann es sogar zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Weiterhin deuten auch Störungen der Sensibilität oder Beschwerden beim Schlucken auf das Subclavian-Steal-Syndrom hin und sollten umgehend von einem Arzt untersucht werden. Auch eine starke Blässe oder ein dauerhaftes Kältegefühl deuten nicht selten auf diese Krankheit hin. Bei vielen Betroffenen kommt es auch zu plötzlichen Sehbeschwerden.

Das Subclavian-Steal-Syndrom selbst wird in der Regel geplant im Krankenhaus behandelt; ein Notarzt wird nur bei akuten Ausfällen benötigt. Der Betroffene sucht daher zunächst einen Allgemeinarzt oder einen Kardiologen auf, der die weitere Abklärung veranlasst. Wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, hängt vor allem davon ab, wie gut die zugrunde liegende Gefäßerkrankung behandelt wird.

Treten dagegen plötzlich Sprach- oder Schluckstörungen, einseitige Lähmungen, Sehausfälle, ein Sturz ohne erkennbaren Grund oder eine Bewusstlosigkeit auf, handelt es sich um Zeichen eines Schlaganfalls. Dann wird sofort über die Notrufnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert; bis zu dessen Eintreffen bleibt der Betroffene liegen und erhält nichts zu essen und zu trinken.

Behandlung & Therapie

Ein Subclavian-Steal-Syndrom wird abhängig von den jeweiligen Begleiterscheinungen behandelt. Eine leichte Gefäßverengung kann durch eine sogenannte Angioplastie behoben werden. Dabei werden die Gefäße durch sogenannte Ballonkatheter, die häufig über die Leiste in die Gefäße eingeführt werden, wieder geweitet.

Zusätzlich werden hierbei oft sogenannte Stents in dem betroffenen Gefäß platziert. Diese dehnbaren Metall- oder Kunststoffröhrchen sorgen ebenfalls dafür, dass der Verschluss behoben wird und das Gefäß wieder ausreichend durchblutet werden kann. Bei schweren Gefäßverengungen hingegen muss oftmals ein chirurgischer Eingriff erfolgen, bei dem ein Bypass gesetzt wird. Hierbei handelt es sich um eine künstliche Umgehung des Gefäßabschnittes, in dem die Gefäßverengung vorliegt.


Vorbeugung

Um einem Subclavian-Steal-Syndrom vorzubeugen, muss sämtlichen Erkrankungen vorgebeugt werden, die einen arteriellen Verschluss nach sich ziehen können.

Besonders effektiv ist eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil. Insbesondere Rauchen kann zu Arterienverstopfungen führen, die Durchblutung stören oder ganz unterbrechen und zu einem Subclavian-Steal-Syndrom führen.

Andere Risikofaktoren, die das Subclavian-Steal-Syndrom begünstigen und daher vermieden werden sollten, sind eine übertrieben fettreiche Ernährung und Übergewicht, Bluthochdruck und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Eine fettarme Ernährung mit ausreichend Bewegung sind daher ebenfalls ein gutes Mittel, um dem Subclavian-Steal-Syndrom vorzubeugen.

Nachsorge

Da dem Subclavian-Steal-Syndrom eine im Laufe des Lebens erworbene Verengung der Schlagader zugrunde liegt, kann es in der Regel nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen. Betroffene sind daher auf die Untersuchung und die Behandlung durch einen Arzt angewiesen.

Eine frühzeitige Diagnose kann das Auftreten von weiteren Beschwerden und Komplikationen verhindern. Das Subclavian-Steal-Syndrom selbst wird nicht vererbt, sodass eine genetische Untersuchung und Beratung hier nichts beitragen kann; erblich sein können allenfalls einzelne Risikofaktoren wie eine familiäre Fettstoffwechselstörung, die sich behandeln lässt. Die Behandlung des Subclavian-Steal-Syndroms erfolgt nicht durch Physiotherapie oder Krankengymnastik, sondern durch die Aufdehnung des verengten Gefäßes mit Ballonkatheter und Stent oder durch einen Bypass.

Nach einem solchen Eingriff wird das behandelte Gefäß in regelmäßigen Abständen mit Ultraschall kontrolliert, weil sich eine Verengung erneut bilden kann. Es sind auch regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt sehr sinnvoll, um die Beschwerden dauerhaft zu überwachen. Das Subclavian-Steal-Syndrom selbst schränkt die Lebenserwartung des Betroffenen in der Regel nicht ein; entscheidend ist, wie gut die zugrunde liegende Arteriosklerose behandelt wird. Auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Krankheit kann sehr sinnvoll sein, da es dabei zu einem Austausch an Informationen kommen kann, welcher den Alltag des Betroffenen erleichtert.

Das können Sie selbst tun

Das Subclavian-Steal-Syndrom muss meist invasiv behandelt werden. Die Betroffenen können jedoch auch selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die zugrunde liegenden Durchblutungsstörungen zu lindern.

Wichtig ist zunächst die Umstellung des Lebensstils. Patienten dürfen nicht rauchen, sollten auf Alkohol verzichten und müssen sich fettarm und ausgewogen ernähren. Wichtig ist es auch, regelmäßig Sport zu treiben und dadurch die Durchblutung anzuregen. Solange die Engstelle nicht behandelt ist, sollten stärkere Belastungen des betroffenen Armes – Überkopfarbeit, Krafttraining – allerdings mit dem Arzt besprochen werden, weil sie Schwindel oder Sturzattacken auslösen können. Bei Taubheitsgefühlen oder anderen Anzeichen von Durchblutungsstörungen sollte der Arzt informiert werden. Nach einem Eingriff, bei welchem beispielsweise ein Bypass gelegt oder das Leiden invasiv entfernt wird, gelten Ruhe und Schonung. Der Patient spricht am besten mit dem behandelnden Arzt über die wichtigen Maßnahmen. Sollten sich erneut Beschwerden zeigen, die auf weitere Durchblutungsstörungen hindeuten, muss der Arzt informiert werden.

Das Risiko für einen Arterienverschluss lässt sich durch regelmäßige Bewegung sowie durch die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten senken. Massagen können verspannte Muskeln lockern, auf das Risiko eines Arterienverschlusses haben sie jedoch keinen Einfluss. Da es sich bei dem Subclavian-Steal-Syndrom jedoch um ein schweres Leiden handelt, ist immer auch eine engmaschige ärztliche Überwachung vonnöten. Die Patienten müssen Rücksprache mit dem Hausarzt und einem Internisten halten, insbesondere, wenn ein Bypass gelegt wurde.

Quellen

  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471

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