Transarterielle Chemoembolisation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) stellt im Rahmen der Radiologie ein minimalinvasives Verfahren dar, welches zur Behandlung von nicht mehr operierbarem Leberkrebs angewendet wird. Heilen kann es das Leberkarzinom nicht. Allerdings trägt es zur Lebensverlängerung des Patienten bei.
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Was ist die transarterielle Chemoembolisation?
Mithilfe der transarteriellen Chemoembolisation (TACE) können inoperable Leberkarzinome (HCC) minimalinvasiv behandelt werden. Das Verfahren eignet sich auch zur Behandlung von Lebermetastasen anderer Tumoren, insbesondere von neuroendokrinen Tumoren. Als Verfahren der Wahl gilt die TACE beim hepatozellulären Karzinom im mittleren Stadium (Stadium B der Barcelona-Klassifikation): also bei mehreren Tumorknoten, die auf die Leber begrenzt sind, ohne Einbruch in die Gefäße und ohne Absiedlungen außerhalb der Leber, bei noch ausreichender Leberfunktion und gutem Allgemeinzustand.
Der Begriff "Transarterielle Chemoembolisation" deutet bereits auf die Funktionsweise dieses Verfahrens hin. Die den Krebs versorgenden Arterien werden mittels kleiner Teilchen zeitweise verstopft (Embolisation), um die Blutzufuhr zu verlangsamen. Gleichzeitig wird das Karzinom gezielt mit Chemotherapeutika behandelt. Sowohl der Sauerstoffmangel durch die Embolisation als auch die gezielte Injektion von Chemotherapeutika sollen den Krebs zum Absterben bringen. Erst das Zusammenspiel beider Wirkprinzipien macht das Verfahren aus: Das Embolisat hält das Chemotherapeutikum im Tumor zurück und schneidet ihn zugleich von der Sauerstoffversorgung ab.
In der Regel kann das Leberkarzinom jedoch nicht mehr geheilt werden, denn es entwickelt sich meist in einer Leber, die bereits von Leberzirrhose stark beeinträchtigt ist. Eine Heilung ist mit der TACE allein nicht zu erreichen; liegen lediglich einzelne kleine Knoten vor, kommen dafür die operative Entfernung, die Radiofrequenzablation oder die Lebertransplantation infrage. In den weitaus meisten Fällen besitzt diese Behandlung jedoch palliative Bedeutung. Sie dient zur Verlängerung des Lebens. Des Weiteren kann die transarterielle Chemoembolisation auch als Brückentherapie bis zur erfolgreichen Lebertransplantation angewendet werden.
Das Verfahren ist aus zwei älteren Ansätzen zusammengewachsen. Auf der einen Seite stand die Embolisation: Seit den 1970er Jahren wurde erprobt, die einen Tumor versorgenden Gefäße gezielt zu verschließen, um ihn auszuhungern. Auf der anderen Seite stand die arterielle Chemotherapie, bei der das Zellgift nicht in eine Armvene, sondern über einen Katheter unmittelbar in die zuführende Arterie gegeben wird, um am Tumor eine hohe Konzentration zu erreichen und den übrigen Körper zu schonen. In den 1980er Jahren wurden beide Gedanken vor allem in Japan zusammengeführt. Erst die Verbindung machte das Verfahren wirksam, und in dieser Form ist es seither mehrfach in kontrollierten Studien geprüft worden.
Das Leberzellkarzinom, für das die TACE in erster Linie eingesetzt wird, entsteht in den allermeisten Fällen in einer bereits vorgeschädigten Leber. Diese Vorschädigung bestimmt die Behandlung mit: Sie begrenzt, wie viel Lebergewebe geopfert werden darf, und sie ist selbst lebensbegrenzend, unabhängig vom Tumor. Deshalb genügt es nicht, die Ausdehnung des Tumors zu bestimmen. Ebenso wichtig sind die verbliebene Leistung der Leber und der allgemeine körperliche Zustand des Patienten. Genau diese drei Größen führt die Barcelona-Klassifikation zusammen, an der sich die Zuordnung zu den Behandlungsverfahren orientiert: Im frühen Stadium stehen die Verfahren mit Heilungsabsicht im Vordergrund, im mittleren die örtliche Behandlung über die Gefäße, im fortgeschrittenen die medikamentöse Behandlung des ganzen Körpers und im Endstadium die Linderung der Beschwerden.
Diese Zuordnung ist ein Rahmen und keine starre Regel. In der Praxis wird jeder Fall in einer Tumorkonferenz besprochen, an der Radiologen, Gastroenterologen oder Hepatologen, Onkologen, Chirurgen und Pathologen teilnehmen. Dort wird auch entschieden, ob die TACE für sich allein, in Verbindung mit einem anderen örtlichen Verfahren oder als Überbrückung bis zu einer Transplantation eingesetzt wird. Durchgeführt wird der Eingriff von interventionellen Radiologen an einer Angiographieanlage, also einem Röntgengerät, das den Verlauf der Gefäße während der Behandlung fortlaufend darstellt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Eine gesunde Leber wird zu 75 Prozent über die Pfortader und zu 25 Prozent über die Leberarterie ernährt. Leberkarzinome und Metastasen in der Leber sind jedoch von der Pfortader abgekoppelt. Sie werden zu 95 Prozent über die Leberarterie versorgt. Das erfolgt über kleine arterielle Gefäße, die sich von der Leberarterie abzweigen. Innerhalb dieser arteriellen Blutgefäße soll bei der TACE der Blutfluss durch Verstopfen zeitweise gestoppt werden, während das Chemotherapeutikum wirkt. Um das zu erreichen, wird über die Leistenarterie (Arteria femoralis) ein sogenannter Sondierungskatheter bis zum Abgang der Leberarterie vorgeschoben.
Mithilfe von Kontrastmitteln können der Tumor und die Position der Katheterspitze sichtbar gemacht werden. Nun wird über den Sondierungskatheter ein Katheter in die Leberarterie geschoben und an der richtigen Position zum Tumor platziert. Je näher der Katheter am Karzinom liegt, desto besser lässt sich dieses bekämpfen. Eine nähere Positionierung ermöglicht eine aggressivere lokale Chemotherapie. Es gibt auch Katheter, die noch tiefer in kleine Arterien, welche den Tumor versorgen, geschoben werden können. Wenn der Katheter zu weit entfernt vom Tumor platziert wird, besteht die Gefahr, dass auch die Blutversorgung von Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm unterbrochen wird. Bis heute gibt es keine allgemeingültigen Standards hinsichtlich der Wahl der Embolisate und der Chemotherapeutika.
Als Embolisate werden häufig Lipiodol® oder kugelförmige Gelatine- beziehungsweise Plastikpartikel verwendet. Lipiodol® ist eine jodhaltige ölige Flüssigkeit, welche die Blutgefäße durch Tröpfchenbildung vorübergehend blockiert. Sowohl die Öltröpfchen als auch die Plastik- oder Gelatinepartikel können den Blutfluss verlangsamen. Dabei wird der Tumor mit Sauerstoff unterversorgt. Gleichzeitig wird auch das Chemotherapeutikum über den Katheter injiziert. Als Chemotherapeutika werden vor allem die Wirkstoffe Doxorubicin, Epirubicin, Cisplatin oder Mitomycin C eingesetzt. Neben der herkömmlichen Technik mit Lipiodol® hat sich inzwischen die Verwendung von mit dem Chemotherapeutikum beladenen Mikrosphären (DEB-TACE) etabliert, die den Wirkstoff über Stunden bis Tage vor Ort abgeben; ein eindeutiger Überlebensvorteil gegenüber der herkömmlichen TACE ließ sich in Studien allerdings bislang nicht belegen.
Nach dieser Behandlung erfolgt eine weitere Embolisation. Die transarterielle Chemoembolisation besteht in der Regel aus der Kombination von Embolisation mit Chemotherapie. In einzelnen Fällen wird die Embolisation auch ohne Chemotherapie oder die lokale Chemotherapie ohne Embolisation durchgeführt. Durch die Kombination beider Verfahren wurden jedoch die besten Langzeiterfolge erzielt. Es wird empfohlen, die TACE-Behandlung je nach Therapieerfolg mehrmals zu wiederholen, um so viele Krebszellen wie möglich zu bekämpfen. In Studien konnte festgestellt werden, dass die Zweijahresüberlebensrate gegenüber nicht behandelten Patienten deutlich ansteigt.
So besteht für deutlich mehr Betroffene die Chance, durch die Verlängerung der Überbrückungszeit eine Lebertransplantation zur vollständigen Heilung durchführen zu lassen. Die TACE kann auch alternativ mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden. Dazu zählen die perkutane Ethanol-Injektionstherapie (PEI), die Radiofrequenzablation (RFA), die selektive interne Radiotherapie (SIRT) oder die zielgerichtete Behandlung mit Sorafenib. Bei der perkutanen Ethanol-Injektionstherapie wird eine 95-prozentige Ethanollösung über die Haut in den Tumor injiziert. Die Radiofrequenzablation funktioniert mit einem in das Gewebe eingebrachten Applikator, welcher durch Wärmeentwicklung das erkrankte Gewebe zerstört. Sie hat die Ethanol-Injektion inzwischen weitgehend abgelöst.
Sorafenib ist kein klassisches Chemotherapeutikum, sondern ein Tyrosinkinasehemmer; es wird als Tablette eingenommen. Diese Verfahren können zusammen mit der Embolisation angewendet werden. Das SIRT-Verfahren verwendet mit radioaktivem Yttrium versehene Kügelchen, die sowohl den Tumor durch Bestrahlung zerstören als auch gleichzeitig eine embolisierende Wirkung besitzen. Lange Zeit war Sorafenib das einzige zugelassene Medikament für das fortgeschrittene Leberzellkarzinom. Heute stehen mit Lenvatinib sowie mit der Kombination aus Immuntherapie und Antikörperbehandlung (Atezolizumab und Bevacizumab) weitere Erstlinientherapien zur Verfügung; die Kombination gilt inzwischen als Standard.
Vor dem Eingriff werden die Leber und ihre Gefäße mit einer Schnittbilduntersuchung dargestellt, um Zahl, Größe und Lage der Herde sowie den Verlauf der versorgenden Arterien zu kennen. Das ist mehr als eine Formsache, denn die Leberarterien sind in ihrem Verlauf ungewöhnlich vielgestaltig; bei einem beträchtlichen Teil der Menschen entspringen einzelne Äste nicht dort, wo es der Lehrbuchverlauf vorsieht. Wer das vorher weiß, findet den zuführenden Ast schneller, braucht weniger Kontrastmittel und übersieht seltener einen Tumoranteil, der von einem anderen Gefäß versorgt wird. Geprüft werden außerdem die Durchgängigkeit der Pfortader, die Gerinnungswerte, die Nierenwerte und die Leistung der Leber. Der Patient muss nüchtern sein, die Leistengegend wird vorbereitet, und in der Regel wird ein Antibiotikum gegeben.
Der Eingriff erfolgt im Wachzustand unter örtlicher Betäubung der Punktionsstelle, meist ergänzt durch ein beruhigendes und ein schmerzstillendes Mittel. Das Vorschieben des Katheters selbst ist nicht schmerzhaft, weil die Gefäßinnenwand keine Schmerzfasern besitzt; spürbar wird die Behandlung meist erst in dem Augenblick, in dem das Embolisat den Tumor erreicht. Je nach Zahl der Herde und Beschaffenheit der Gefäße dauert eine Sitzung etwa ein bis zwei Stunden. Angestrebt wird eine möglichst tumornahe Position: Über einen sehr dünnen Mikrokatheter, der durch den bereits liegenden Katheter geschoben wird, lassen sich einzelne Tumorgefäße ansteuern, so dass das gesunde Lebergewebe weitgehend verschont bleibt. Am Ende wird die Punktionsstelle in der Leiste verschlossen und mit einem Druckverband versorgt; anschließend ist für einige Stunden Bettruhe einzuhalten.
Die TACE ist keine einmalige Behandlung. Üblich sind mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen; wie viele es werden, richtet sich danach, wie der Tumor anspricht und wie gut die Leber die Behandlung verträgt. Ob eine weitere Sitzung sinnvoll ist, wird nach einer Kontrolluntersuchung entschieden, die einige Wochen nach dem Eingriff erfolgt. Deren Beurteilung folgt einer eigenen Logik: Nach einer Embolisation schrumpft der Tumor oft gar nicht, sondern stirbt von innen her ab. Die reine Größenmessung würde den Erfolg deshalb verkennen. Beurteilt wird stattdessen, welcher Anteil des Herdes noch Kontrastmittel aufnimmt und damit durchblutet ist. Ein Herd, der kein Kontrastmittel mehr aufnimmt, gilt als abgestorben, auch wenn er unverändert groß erscheint.
Spricht der Tumor nach mehreren Sitzungen nicht mehr an oder verschlechtert sich die Leberfunktion von Mal zu Mal, wird die Behandlung nicht endlos fortgeführt. Dann wird auf eine medikamentöse Behandlung des ganzen Körpers gewechselt oder, wenn auch diese nicht mehr in Betracht kommt, auf eine rein lindernde Behandlung. Diese Entscheidung fällt erfahrungsgemäß schwer, weil jede weitere Sitzung Leberleistung kostet, die der Patient an anderer Stelle braucht.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Kontraindiziert ist TACE auch bei starkem Tumorbefall der Leber oder bei der Tumorinfiltration in die Lebervenen, in die Pfortader sowie in benachbarte Organe. Selbstverständlich gilt das auch bei einer starken Leberinsuffizienz oder einem schlechten Allgemeinzustand. Es muss auch betont werden, dass die Erfolge des Verfahrens abhängig sind vom Stadium der Erkrankung. Je mehr Tumorherde vorhanden sind, desto aufwendiger wird die Behandlung. Manche Fälle stellen Grenzfälle dar, bei denen oft die Entscheidung schwerfällt, ob eine Behandlung überhaupt noch zielführend oder sogar schon kontraproduktiv ist.
Die häufigste Begleiterscheinung nach der Behandlung ist das sogenannte Postembolisationssyndrom. Es besteht aus Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und Fieber und beruht darauf, dass Tumorgewebe abstirbt und der Körper darauf mit einer Entzündungsreaktion antwortet. Fachlich gilt es weniger als Komplikation denn als erwartete Folge einer wirksamen Behandlung; es tritt bei einem großen Teil der Behandelten auf und klingt in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Behandelt wird es mit schmerz- und fiebersenkenden Mitteln sowie mit Flüssigkeit über die Vene. Wegen dieser Reaktion und wegen der notwendigen Überwachung wird die TACE üblicherweise stationär durchgeführt.
Die Leberwerte im Blut steigen nach dem Eingriff regelhaft an und fallen anschließend wieder ab. Bleibt dieser Rückgang aus, ist an eine bleibende Schädigung zu denken. Das Hauptrisiko des Verfahrens ist ein Versagen der Leber, wenn zu viel Gewebe auf einmal von der Blutzufuhr abgeschnitten wird oder wenn die Leber schon vorher zu stark geschädigt war. Aus diesem Grund wird bei ausgedehntem Befall in mehreren Sitzungen jeweils nur ein Teil der Leber behandelt, statt alles in einem Durchgang anzugehen.
Seltener, aber ernst zu nehmen sind ein Abszess in der Leber, der sich durch anhaltendes hohes Fieber bemerkbar macht, eine Entzündung der Gallenblase, wenn deren versorgende Arterie mit verschlossen wird, sowie Schäden an den Gallenwegen. Gelangt Embolisat über Nebenäste in benachbarte Organe, kann es dort zu Geschwüren im Magen oder im Zwölffingerdarm oder zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen. An der Punktionsstelle in der Leiste sind ein Bluterguss, eine Nachblutung oder eine Verletzung der Gefäßwand möglich. Das jodhaltige Kontrastmittel belastet die Nieren und kann bei entsprechender Veranlagung eine allergische Reaktion auslösen. Der Anteil des Chemotherapeutikums, der in den übrigen Kreislauf gelangt, ist gering, kann aber Haarausfall oder einen vorübergehenden Rückgang der Blutzellen bewirken.
Für die Zeit nach der Entlassung ist es hilfreich, wenn der Patient weiß, welche Beschwerden zum erwarteten Verlauf gehören und welche nicht. Schmerzen im rechten Oberbauch, Abgeschlagenheit und leicht erhöhte Temperatur in den ersten Tagen sind üblich. Hohes Fieber mit Schüttelfrost, das nach mehreren Tagen erneut auftritt, eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, zunehmende Bauchschmerzen oder eine rasche Zunahme des Bauchumfangs sind dagegen Anlass, sich in der behandelnden Klinik vorzustellen.
Quellen
- Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
ISBN: 9783662607473
- von Weizsäcker, F., Jonas, S., Lammert, F. (Hrsg.): Viszeralmedizin.
ISBN: 9783662634264
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
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- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J. (Hrsg.): Duale Reihe Radiologie.
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- Engelhardt, M., Reinhardt, H., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch.
ISBN: 9783662736135
