Mitomycin C

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Mitomycin C, oft auch nur als Mitomycin bezeichnet, wird als zytotoxisches Antibiotikum eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der Mitomycine und ist aus dieser das einzige zugelassene Chemotherapeutikum.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mitomycin C?

Mitomycin C gehört sowohl zu den Antibiotika als auch zur Gruppe der Zytostatika. Nach der Verstoffwechslung entfaltet der Wirkstoff eine zellabtötende Wirkung.
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Das Antibiotikum Mitomycin wurde im Jahr 1958 aus Streptomyces caespitosus isoliert und ist gegenüber einigen Viren sowie gram-positiven Bakterien wirksam. Mittlerweile findet es nur noch als Zytostatikum bei der Behandlung von unterschiedlichen Karzinomen sowie bei der Vorbeugung von Blasenkrebs Anwendung.

Die Verabreichung von Mitomycin C erfolgt intravenös oder intravesikal (in die Blase). Der Wirkstoff hemmt das Wachstum beziehungsweise die Teilung von Tumorzellen.

Mitomycin ist ein blauviolettes, kristallines Pulver, welches zur Herstellung einer Injektions- beziehungsweise Infusionslösung genutzt wird. In Form von Monopräparaten ist es in Deutschland unter den Handelsnamen Amétycine®, Mitem®, Mito-medac® oder Urocin® erhältlich. Auch diverse Generika von Mitomycin sind sowohl in Deutschland als auch in Österreich erhältlich.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Mitomycin C gehört sowohl zu den Antibiotika als auch zur Gruppe der Zytostatika. Nach der Verstoffwechslung entfaltet der Wirkstoff eine zellabtötende Wirkung. Hierbei entsteht die eigentliche Wirksubstanz. Es kommt nach einer enzymatischen Aktivierung zur Hemmung der DNA-Synthese, wobei sich Mitocymin zwischen zwei DNA-Stränge einlagert. Dadurch werden diese fest miteinander verbunden, eine Trennung der DNA-Stränge ist nicht mehr möglich. Durch diesen Vorgang wird die Vermehrung von Tumorzellen unterbunden.

Die Gabe erfolgt intravenös. Danach kann in Herz, Nieren, Lunge, Muskel, Galle, Zunge und Urin eine hohe Konzentration Mitomycin C festgestellt werden. Es erfolgt allerdings eine schnelle Inaktivierung der Substanz durch Enzyme in Leber, Milz, Herz und Nieren.

Ausgeschieden wird Mitomycin vorrangig über die Niere. Im Rahmen der Anwendung von Mitomycin bei intravesikaler Chemotherapie kann die Wirksamkeit durch eine Urinalkalisierung optimiert werden.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Bei Krebserkrankungen ist Mitomycin C vielfältig einsetzbar. Es findet unter anderem Anwendung bei der Behandlung von Harnblasenkrebs, Brustkrebs, Krebs an Dick- und Enddarm, Leberzellkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Speiseröhrenkrebs, Kopf-Hals-Karzinomen, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Bronchialkrebs oder auch bei Osteosarkomen (bösartige Knochentumore) und Blutkrebs (Leukämie). Auch bei der hyperthermischen intraperitonealen Chemotherapie (HIPEC, Behandlung bei Tumorbefall des Bauchfells) findet Mitomycin C Anwendung.

Nicht angewendet werden darf Mitomycin bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei Blutungsneigung, bei einer verminderten Funktion des Knochenmarks, bei einem schlechten Allgemeinzustand, bei bestehender Blasenentzündung (sofern es in der Blase angewendet werden soll) und bei Schäden an Nieren, Lungen und Leber.

Die Therapie muss umgehend abgebrochen werden, wenn sich währenddessen Beschwerden der Lunge entwickeln, die nicht mit der Grunderkrankung einhergehen. Auch bei Blutarmut und Nierenfunktionsstörung muss die Behandlung beendet werden.

Frauen, die im geschlechtsreifen Alter sind, sollten während und bis zu 6 Monate nach der Behandlung mit Mitomycin C Maßnahmen zur Verhütung einer Schwangerschaft ergreifen. Aufgrund der nachgewiesenen Entstehung von Missbildungen beim ungeborenen Kind darf Mitomycin zudem nicht während der Schwangerschaft und der Stillzeit angewendet werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Auch bei der Gabe von Mitomycin C kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese können, müssen aber nicht auftreten. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente, weshalb die möglichen Nebenwirkungen nach Art der Häufigkeit unterschieden werden können.

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen bei der Anwendung von Mitomycin C gehören unter anderem Übelkeit und Erbrechen sowie eine Fehlfunktion des Knochenmarks in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und weißen Blutkörperchen.

Häufige Nebenwirkungen sind Husten, Kurzatmigkeit, Atemnot, Lungenentzündung, örtlicher oder allergischer Hautausschlag, Rötung von Hand- und Fußflächen, Kontaktdermatitis, einem Anstieg von Kreatinin im Blut, einer Funktionsstörung der Nieren oder auch einer Erkrankung der Filterkörperchen in der Niere.

Wird Mitomycin in der Blase angewendet, können Blasenentzündungen, Probleme beim Urinieren, sehr häufiges Urinieren, nächtlicher Harndrang und eine örtliche Reizung der Blasenwand Nebenwirkungen sein. Durch die Einspritzung in Gewebe kann es außerdem zu einer Entzündung der Zellen oder Gewebstod kommen.

Haarausfall, Entzündungen der Schleimhäute und der Mundschleimhaut, Fieber oder auch Durchfall sind gelegentliche Nebenwirkungen von Mitomycin.

Zu den seltenen bis sehr seltenen Nebenwirkungen zählen erhöhte Enzym-Werte im Blut, Leberfunktionsstörungen, Appetitlosigkeit, Gelbsucht, Blutarmut, Blutvergiftung, Lungenhochdruck, Herzmuskelschwäche, schwere allergische Reaktionen oder auch das Absterben von Blasengewebe bei einer Anwendung in der Blase.

Werden gleichzeitig andere Medikamente oder Substanzen eingenommen, kann sich die Wirkung von Mitomycin verändern. So ergänzen sich bei der gleichzeitigen Einnahme von Substanzen, die das Knochenmark schädigen, die negativen Wirkungen. Wird Mitomycin in Kombination mit Vinca-Zytostatika (z. B. Vincristin) oder dem Antibiotikum Bleomycin eingenommen, verstärkt sich die schädliche Wirkung von Mitomycin auf die Lunge.

Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte aufgrund des geschwächten Immunsystems während der Einnahme von Mitomycin C nicht erfolgen, da es ansonsten zu Infektionen kommen kann. Außerdem kann Mitomycin die Schädlichkeit von Adriamycin für das Herz verstärken.

Mityomycin C darf grundsätzlich nur von Ärzten mit Erfahrung in der Krebstherapie verabreicht werden. Das Einspritzen ist ausschließlich in die Blutgefäße vorgesehen, in das umliegende Gewebe darf es nicht gelangen. Kommt es zu Übelkeit und Erbrechen aufgrund der Anwendung von Mitomycin, kann es zu einer Veränderung des Reaktionsvermögens kommen. Das Autofahren oder die Bedienung von Maschinen wird dann zur Gefahr.

Auch bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol ist das Reaktionsvermögen eingeschränkt. Sollten Patienten Nebenwirkungen feststellen, die nicht hier aufgeführt sind, muss umgehend der behandelnde Arzt aufgesucht werden.

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