Uhrglasnägel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Uhrglasnägel (auch: hippokratische Nägel, Unguis hippocraticus) an Fingern oder Zehen sind das Symptom einer Hypoxie im Bindegewebe des Nagelbettes. Damit stehen die Nagelveränderungen vor allem mit Herz- und Lungenerkrankungen in ursächlichem Zusammenhang. Mit der Behandlung der primären Erkrankung bessert sich in diesem Zusammenhang auch das Symptom der Uhrglasnägel.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Uhrglasnägel?

Uhrglasnaegel
In den meisten Fällen sind Uhrglasnägel mit Trommelschlegelfingern verbunden, die die Nägel durch eine Verdickung der Fingerendglieder in Kolbenform auftreiben.
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Hypertrophien entsprechen einer Vergrößerung bestimmter Gewebe oder Organe bei gleichbleibender Zellzahl. Sogenannte Uhrglasnägel liegen bei einer Hypertrophie von Bindegewebe im Nagelbett vor. Es handelt sich um eine Form krankhaft veränderter Fingernägel. Seltener sind die Zehennägel betroffen.

In den meisten Fällen sind Uhrglasnägel mit Trommelschlegelfingern vergesellschaftet, die die Nägel durch eine Verdickung der Fingerendglieder in Kolbenform auftreiben. Ein Uhrglasnagel ist größer, meist rundlich geformt und stärker nach außen gewölbt als ein normaler Fingernagel. In aller Regel sind die Nagelanomalien das Symptom einer übergeordneten Erkrankung.

Symptomatisch sind die Anomalien vor allem mit solchen Erkrankungen assoziiert, die mit Sauerstoffmangel und damit einer Zyanose, also der bläulichen Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten, einhergehen. Die betroffenen Finger- oder Zehennägel sind in Längs- und Querrichtung stark gewölbt. Von den krankhaften Veränderungen des Nagelbetts betroffen sein können alle Finger und Zehen oder ein einziges Finger- beziehungsweise Zehenglied.

Ursachen

Uhrglasnägel sind als Symptom übergeordneter Erkrankungen zu verstehen. Die mit der Anomalie assoziierten Erkrankungen rufen in der Regel eine Hypoxie in bestimmten Geweben hervor. Die Gewebshypoxie bildet den Nährboden für Uhrglasnägel. Es kommt zu einer vermehrten Bildung von Wachstumsfaktoren, die das Bindegewebe innerhalb des Nagelbetts hypertrophieren lassen. Bindegewebe liegt im Nagelbett zwischen dem Knochen und der Nagelmatrix.

Die hypoxisch bedingte Neubildung von Gefäßen wie Kapillaren wird als ursächlicher Faktor für die vermehrte Produktion der Wachstumsfaktoren angenommen. Diese Neubildung von Kapillaren betrifft vor allem die Fingerendglieder. Wenn Uhrglasnägel gemeinsam mit Trommelschlegelfingern auftreten, liegt dem meist eine Herz- oder Lungenkrankheit zugrunde.

Diese Erkrankungen rufen oft eine lokale oder systemische Gewebshypoxie hervor, also einen Sauerstoffmangel im Gewebe. Kapillares Blut transportiert Sauerstoff. Da Gewebe zur Überlebensfähigkeit auf eine Versorgung mit Sauerstoff angewiesen ist, erfolgt kompensatorisch zum Sauerstoffmangel die Neubildung von Kapillaren.

Damit sind Uhrglasnägel meist die Folge chronischer Lungen- oder Herzerkrankungen wie des Lungenemphysems, der Lungenfibrose oder des Rechts-Links-Shunts. Wenn Uhrglasnägel einzeln auftreten, liegen dem Phänomen oft lokale Gefäßveränderungen zugrunde, so zum Beispiel ein Aneurysma oder arteriovenöse Fisteln.


Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Bei Patienten mit Uhrglasnägeln sind einzelne oder alle Finger- beziehungsweise Zehennägel krankhaft verändert. In den meisten Fällen leiden die Patienten zusätzlich an Trommelschlegelfingern in Form einer auffällig rundlichen Auftreibung von Fingerendgliedern, die mit Weichteilverdickungen einhergeht.

Die Uhrglasnägel der Patienten werden in diesem Fall durch die Verdickung der Fingerendglieder in Kolbenform aufgetrieben. Auch die Form der Nägel ist abnormal. Die betroffenen Nägel wirken ungewöhnlich groß, rundlich geformt und vor allem nach außen gewölbt. Abhängig von der primären Ursache sind Uhrglasnägel mit weiteren Symptomen vergesellschaftet.

Da es sich bei der primären Ursache in der Regel um Herz-Lungen-Erkrankungen handelt, liegen häufig Durchblutungsstörungen vor, die sich in einer bläulichen Verfärbung verschiedener Gewebe äußern. Diese sogenannte Zyanose liegt an einer verringerten Sauerstoffsättigung des Bluts, wie sie für viele Herz-Lungen-Erkrankungen charakteristisch ist. Hinzu kommen lokale Herz- oder Lungensymptome wie Atemnot oder Herzrhythmusstörungen.

Uhrglasnägel werden per Sichtdiagnose erkannt. Das Symptom wird im Rahmen der Diagnostik auf eine primäre Erkrankung zurückgeführt, was umfangreiche Untersuchungen des Herzens und der Lunge erforderlich macht. In den meisten Fällen wird das Symptom erkannt und der Arzt wird davon zur Ursachenforschung bewegt.

Seltener liegt bereits vor der Erkennung von Uhrglasnägeln die Diagnose einer Herz-Lungen-Erkrankung vor, auf die das eingetretene Symptom zurückzuführen ist. So kann zum Beispiel eine akute Schädigung von Lungengewebe diagnostiziert worden sein, die erst 14 Tage später Uhrglasnägel entstehen lässt. Die Prognose hängt für Patienten mit Uhrglasnägeln von der Ursache der primären Hypoxie und ihrer Behandelbarkeit ab.

Komplikationen

Uhrglasnägel entstehen infolge von verschiedenen Lungenerkrankungen wie beispielsweise einer Überblähung der Lunge (Emphysem). Die Lungenbläschen können im Verlaufe platzen und die Luft in den Pleuraspalt entweichen. Dies kann zu einem Kollabieren der Lunge führen (Pneumothorax). Gepaart mit einer chronischen Bronchitis, die häufig durch Rauchen entsteht, wird von einer COPD (chronic obstructive pulmonary disease) gesprochen, welche die Lebenserwartung stark senkt.

Eine Überblähung führt zudem zu einer Erhöhung des Blutdrucks im Bereich der Lungenarterien. Das rechte Herz, welches Blut in den Lungenkreislauf pumpt, wird dadurch überlastet und es kann sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ausbilden. Diese Herzschwäche kann Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) verursachen. Ein Vorhofflimmern birgt die Gefahr eines Schlaganfalls, während ein Kammerflimmern unmittelbar in einen Herztod führen kann. Eine Lungenembolie geht dagegen in aller Regel auf Blutgerinnsel aus den Bein- oder Beckenvenen zurück und nicht auf das Vorhofflimmern.

Ein Asthma ruft dagegen keine Uhrglasnägel hervor; treten sie bei Asthmakranken auf, steckt eine andere Erkrankung dahinter. Gefürchtete Komplikation des Asthmas ist der Status Asthmaticus, ein Zustand, der auf die übliche medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend anspricht und intensivmedizinisch überwacht werden muss. Dieser kann bis hin zur Bewusstlosigkeit führen.

Eine Hepatitis kann, wenn sie chronisch verläuft, in eine Leberzirrhose münden, welche schließlich auch in einen Leberkrebs (Leberkarzinom) übergehen kann. Bei der Leberzirrhose kommt es häufig zu Ödemen und Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites). Zudem hat der Betroffene Gerinnungsstörungen. Nicht selten kommt es ebenfalls zu einer Vergrößerung der Milz und damit zusätzlichen Schmerzen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Uhrglasnägel treten häufig in Verbindung mit kolbenartigen Fingerkuppen auf, den sogenannten Trommelschlegelfingern. Wenn die Kolbenfinger angeboren sind und keine drastische Veränderung aufzeigen, ist ein Arztbesuch nicht nötig. Sobald eine Veränderung in der Form eintritt, dass sich die Fingernägel wie ein Uhrglas wölben, ist es als Signal zu verstehen.

Uhrglasnägel weisen in den meisten Fällen auf eine Erkrankung innerer Organe hin. Daher ist das Aufsuchen eines Arztes ratsam, sobald Atemnot oder Husten hinzukommen oder die Leistungsfähigkeit des Patienten abnimmt. Uhrglasnägel geben auch Hinweise auf Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes oder der Leber. Ebenso können Uhrglasnägel ein Anzeichen dafür sein, dass es aufgrund einer Lungen- oder Herzerkrankung zu einer Sauerstoffmangelversorgung gekommen ist.

Lungenkrebs ist die häufigste Ursache für Uhrglasnägel. Sie können jedoch auch ein Hinweis auf eine Lungen-Tuberkulose oder eine andere Lungenerkrankung sein. Eine chronische Herzschwäche oder eine Leberzirrhose sind ebenfalls mögliche Ursachen für Uhrglasnägel.

Der Arzt führt nach der Erfassung der Krankheitsgeschichte des Patienten eine Brustkorbuntersuchung durch. Des Weiteren wird mit Hilfe eines Blutbildes nach Anhaltspunkten für einen Sauerstoffmangel gesucht, etwa nach einer vermehrten Bildung roter Blutkörperchen. Den Sauerstoffgehalt des Blutes selbst bestimmen heute vor allem die Pulsoxymetrie und die Blutgasanalyse. Auch die im Blut enthaltenen Nieren-, Leber- und Schilddrüsenwerte werden untersucht. Eine Lungenspiegelung oder eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens helfen ebenfalls dabei, der Erkrankung, die den Uhrglasnägeln zugrunde liegt, auf die Spur zu kommen. Am Anfang der bildgebenden Abklärung steht heute meist eine Computertomographie des Brustkorbs.

Behandlung & Therapie

Uhrglasnägel werden in der Regel nicht symptomatisch behandelt. Eine symptomatische Behandlung macht schon deshalb keinen Sinn, weil die Nagelveränderungen für sich kein gesundheitliches Risiko darstellen. Die primäre Ursache der Veränderungen kann jedoch mit einem mehr oder weniger ernstzunehmenden Gesundheitsrisiko assoziiert sein. Daher steht die ursächliche Behandlung bei Uhrglasnägeln im Vordergrund.

Eine ursächliche arteriovenöse Fistel wird soweit wie möglich entfernt. Ursächliche Aneurysmen werden, wenn möglich, operativ oder über einen Katheter ausgeschaltet. Diese Maßnahmen stellen die Durchlässigkeit der Gefäße wieder her. Die Sauerstoffversorgung im Gewebe normalisiert sich und die Uhrglasnägel bilden sich wieder zurück.

Wenn Herz- oder Lungenerkrankungen vorliegen, werden diese Erkrankungen mittels invasiv operativer und medikamentöser Behandlungen zu einer Besserung gebracht. Sobald sich in der Folge die Sauerstoffversorgung bessert, geht auch das Hypoxie-Symptom der Uhrglasnägel zurück.

Schwerere Lungen- und Herzerkrankungen sind ursächlich nur durch eine Transplantation zu beheben. In diesen Fällen bleiben die abnormen Nägel also so lange bestehen, bis der Patient ein Spenderorgan erhält. Das ist vor allem bei größeren Gewebeschädigungen im Lungen- und Herzbereich der Fall.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen weisen Uhrglasnägel auf eine starke chronische Erkrankung hin. Sollten diese auftreten, so muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Die Uhrglasnägel selbst verursachen in der Regel keine Beschwerden; Schmerzen in den Fingerendgliedern gehen vielmehr auf eine begleitende Reaktion der Knochenhaut zurück. Diese können zwar mit Schmerzmitteln eingedämmt werden, allerdings sollten Schmerzmittel nicht über einen langen Zeitraum eingenommen werden.

Die Veränderung des Nagels an sich stellt für den Körper keinen gefährlichen Zustand dar und wird daher auch nicht direkt behandelt. Die Uhrglasnägel gehen von selbst zurück, wenn die auslösende Erkrankung behandelt wurde.

Für viele Menschen gelten die Uhrglasnägel als unattraktiv und unästhetisch. Daher kann es in der Folge zu einem verminderten Selbstwertgefühl und zu psychischen Problemen kommen.

Sollten die Uhrglasnägel gleichzeitig mit einer Herzkrankheit oder einer Lungenkrankheit auftreten, so kann unter Umständen ein operativer Eingriff notwendig werden. Der Erfolg dieses Eingriffs hängt stark vom Zustand des Patienten und vom Eingriff selbst ab.

Eine Entfernung des Nagels ist dagegen nicht sinnvoll: Er wächst zwar wieder nach, nimmt aber die alte Form erneut an, solange die Grunderkrankung besteht. Allerdings muss in jedem Fall die zugrundeliegende Erkrankung, die zu den Uhrglasnägeln geführt hat, behandelt werden. Aus diesem Grund ist keine allgemeine Voraussage über den Verlauf dieses Symptoms möglich.


Vorbeugung

Uhrglasnägeln lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie Hypoxien des Nagelbett-Bindegewebes vorgebeugt werden kann. Durchblutungsfördernde Maßnahmen können weitestgehend als Vorbeugemaßnahmen verstanden werden. Ebenso sind prophylaktische Schritte zur Vermeidung von Herz- und Lungenerkrankungen im weitesten Sinne als Vorbeugemaßnahmen zu verstehen, so zum Beispiel Sport, ausgewogene Ernährung und der Abstand von Nikotinkonsum.

Das können Sie selbst tun

Mit Uhrglasnägeln sollte in jedem Fall zuerst zum Hausarzt gegangen werden. Abhängig von der Ursache kann die medizinische Behandlung durch einige Selbsthilfe-Tipps und Mittel aus Haushalt und Natur unterstützt werden.

Liegt den Beschwerden eine Herz- oder Lungenkrankheit zugrunde, bieten sich beispielsweise sportliche und diätetische Maßnahmen an. In Rücksprache mit dem Arzt kann etwa mit Krankengymnastik und Yoga begonnen werden. Auch der Verzicht auf schädliche Lebens- und Genussmittel sollte zunächst mit dem Hausarzt oder einem Ernährungsexperten besprochen werden, um Komplikationen zu vermeiden. Durch kosmetische Maßnahmen wie farblosen Nagellack lässt sich das Erscheinungsbild der Nägel etwas kaschieren. Hausmittel wie Olivenöl oder Zitronensaft können die Nägel geschmeidig halten – auf die Uhrglasnägel selbst haben sie jedoch keinen Einfluss.

Die ursächliche Behandlung der Beschwerden hat immer Priorität und sollte ganz automatisch zum Rückgang der Uhrglasnägel führen. Es empfiehlt sich, auch nach einem chirurgischen Eingriff einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Dadurch kann die Nagelgesundheit dauerhaft bewahrt werden. Geschädigte Nägel lassen sich durch verschiedene Mittel wie Teebaumöl, Melasse oder Apfelessig pflegen. Lebensmittel mit Vitamin E und Biotin tragen zusätzlich zur Gesundheit der Nägel bei.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
    ISBN: 9783132446069
  • Lorenz, J., Bals, R.: Checkliste Pneumologie.
    ISBN: 9783131150745
  • Füeßl, H. S., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443105

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