Uveitis (Entzündung der Gefäßhaut)


Medizinische Qualitätssicherung am 23. September 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Bei einer anhaltenden Verminderung der Sehschärfe, die mit dem Tränen sowie einer Rötung eines oder beider Augen einhergeht, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden, um ein Uvetitis auszuschließen. Diese Entzündung der Gefäßhaut kann Patienten unabhängig vom Lebensalter treffen und sollte umgehend behandelt werden um dauerhafte Schäden am Auge zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Uveitis?

Eine Uveitis ist eine Entzündung der Gefäßhaut des Auges. Der Augapfel ist eine Struktur, die mit drei Gewebeschichten ausgekleidet ist, wobei die in der Mitte liegende Schicht die Gefäßhaut (Uvea) bezeichnet. Die Entzündung kann bestimmte Bereiche der Uvea betreffen.

Daraus ergibt es eine Unterscheidung zwischen vorderer, intermediärer und hinterer Uvetits, wobei die vordere Uvetitis die häufigste Form der Entzündung der Gefäßhaut darstellt und auch als Irititis oder Entzündung der Regenbogenhaut bezeichnet wird. Die Erkrankung kann einmalig auftreten oder chronisch verlaufen. Altersgrenzen bestehen bei den betroffenen Patienten nicht.

Zu den auftretenden Beschwerden zählen dumpfe Schmerzen am Auge, die bis in die Stirn ausstrahlen können. Das Auge ist gerötet und tränt. Die Sehschärfe ist meist vermindert und es besteht eine Lichtempfindlichkeit. Bei einer chronischen Uvetitis bestehen oft weniger Beschwerden. Die Erkrankung kann auf einem Auge oder auch beidseitig auftreten.

Ursachen

Ursächlich für eine Uvetitis können Baktieren sowie Viren, Pilze und Parasiten sein. Zu den Viren zählen Herpes oder Varizellen. Auch während einer Tuberkulose oder Borreliose kann die Entzündung auftreten.

Sie ist häufig eine Folge einer bereits überstandenen anderen Krankheit wie etwa einer bakteriell durch Yersinien ausgelösten Durchfallerkrankung. Verschiedene Autoimmunerkrankungen begünstigen eine Uvetitis ebenfalls. Dazu zählen die chronischen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie rheumatische Erkrankungen wie die juvenile Arthritis, Morbus Bechterew und Sarkoidose, multiple Sklerose oder bestimmte Nierenentzündungen.

Oft lassen sich jedoch keine Ursachen für das Auftreten der Erkrankung finden. Es wird vermutet, dass es sich in diesen Fällen um eine Immunreaktion des Körpers auf bestimmte Eiweißstrukturen des Auges handelt, die als körperfremd angesehen werden und damit die Uvetitis auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Uveitis kann akut oder chronisch auftreten. Bei den chronischen Formen der Erkrankungen sind jedoch akute Schübe mit symptomfreien Intervallen möglich. Wichtigstes Zeichen stellt eine sich plötzlich oder langsam entwickelnde Sehverschlechterung dar. Die Betroffenen sehen zunehmend verschwommen. Dabei nimmt die Sehschärfe ab.

Zusätzlich treten oft starke Schmerzen auf. Sehr selten kann die Regenbogenhaut unterschiedlich gefärbt sein. In Abhängigkeit davon, wo die Gefäßhaut entzündet ist, kann es auch zu einer deutlichen Rötung des Auges mit starkem Tränenfluss und einer erhöhten Empfindlichkeit gegen Licht (Blenden) kommen. Das gilt vor allem, wenn der vordere Teil des [Augenentzündung|Auges entzündet ist]].

Grundsätzlich wird zwischen drei Formen der Uveitis unterschieden. So gibt es eine vordere, mittlere und hinter Uveitis. Die hintere Uveitis ist meist lediglich von einem verschwommenen und unklaren Sehen geprägt. Schmerzen, Rötung der Augen und Tränen kommen hier in der Regel nicht vor. Meist ist eine Uveitis sehr gut behandelbar.

In einigen Fällen kann sie jedoch chronisch werden. Dann treten später öfter Rezidive auf. Mitunter sind auch Verwachsungen der Regenbogenhaut mit der Linse oder dem Kammerwinkel möglich. Sehbehinderungen durch Glaskörpertrübungen, grauem Star oder Glaukom kommen auch vor. Wenn Netz- oder Aderhaut beteiligt sind, kann die Retina zerstört werden, was zur Nachtblindheit oder gar zur völligen Erblindung führen kann.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose der Uvetitis stellt der Augenarzt. Über die Befragung des Patienten erhält er bereits erste Hinweise auf eine mögliche Gefäßhautentzündung. Über eine gründliche Untersuchung des Augenhintergrundes lässt sich die Diagnose sichern. Eventuell sind auch Blutuntersuchungen notwendig um weitere Infektionen, die der Gefäßhautentzündung möglicherweise zugrunde liegen, zu erkennen.

Eine einmalige Uvetitis heilt meist ohne weitere Folgen für den Patienten aus. Tritt die Infektion jedoch erneut auf und entwickelt sich eine chronische Entzündung, ist mit Schäden am Auge zu rechnen, die die Sehschärfe dauerhaft einschränken.

Komplikationen

Je nach Art der Uveitis können verschiedenen Komplikationen auftreten. Eine typische Komplikation der vorderen Uveitis sind Entzündungen im vorderen Abschnitt der Gefäßhaut, die mit Sehstörungen und gelegentlich auch mit Vernarbungen und einer dauerhaften Beeinträchtigung der Sehkraft verbunden sind. Zudem können die Regenbogenhaut und die Linse verkleben. In Folge einer Erhöhung des Augeninnendrucks kommt es zum sogenannten grünen Star.

Bei einer mittleren Uveitis kann sich Flüssigkeit auf der Netzhaut sammeln und manchmal zu einem Einreißen der Netzhaut führen. Auch ein grauer oder grüner Star kann auftreten. Bei einer Entzündung der hinteren Uveitis wird häufig auch die Netzhaut geschädigt – es kommt zu Sehstörungen, die chronisch verlaufen können.

Weitere mögliche Komplikationen sind eine Eintrübung der Augenlinse (Katarakt) und die Einlagerung von Kalzium in die Hornhaut. Bei Säuglingen und Kleinkindern nimmt eine Uveitis häufig einen schweren Verlauf und ruft bleibende Schädigungen am Auge hervor. Bei einer Operation kann es zu Verletzungen am Auge kommen. Außerdem können Infektionen auftreten oder das Auge verheilt nach dem Eingriff nicht richtig und entzündet sich erneut. Die Lasertherapie birgt ähnliche Risiken.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden im Bereich der Augen sollte ein Arzt konsultiert werden. Tränende Augen, Rötungen und Reizungen weisen auf Unstimmigkeiten hin, die kontrolliert und behandelt werden müssen. Kommt es zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens, Schmerzen oder einer erhöhten Unfallgefahr, wird ein Arzt zur Abklärung der Ursache benötigt. Leidet der Betroffene unter einer Empfindlichkeit gegenüber Lichteinflüssen, einem unscharfen sehen oder Schwindel, ist ein Arztbesuch anzuraten. Wird eine Nachtblindheit bemerkt oder stellen sich regelmäßig Kopfschmerzen ein, sollte eine Ursachenforschung betrieben werden.

Plötzliche Veränderungen der gewohnten Sehkraft gelten als besorgniserregend. Sie sollten schnellstmöglich ärztlich untersucht werden. Störungen des Tränenkanals, Schwellungen im Bereich der Augen oder ein Juckreiz sind ebenfalls einem Arzt vorzustellen. Da es unbehandelt zu einer vollständigen Erblindung kommen kann, sollte bereits bei den ersten Unregelmäßigkeiten ein Arztbesuch erfolgen. Zudem empfiehlt sich grundsätzlich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt, wenn im Alltag im unmittelbaren Vergleich zu Menschen aus dem sozialen Umfeld ein Unterschied des Sehvermögens wahrgenommen wird.

Gangunsicherheiten, Auffälligkeiten des Verhaltens oder Stimmungsschwankungen deuten auf gesundheitliche Beeinträchtigungen hin, die mit einem Arzt besprochen werden sollten. Häufig treten aufgrund der Funktionsstörungen des Auges parallel psychische Unregelmäßigkeiten auf, da die emotionale Belastung für den Betroffenen sehr stark ist.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Uvetitis richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Der Augenarzt wählt Medikamente aus, um die Entzündung zu lindern und langfristige Schäden am Auge zu vermeiden. Bei einer bakteriellen Ursache werden Antibiotika verordnet, bei einem ursächlichen Pilzbefall ein Medikament gegen Pilze. Meist wird zur Entzündungshemmung eine Kortisonsalbe verschrieben.

Es ist zudem wichtig, Verklebungen an der Regenbogenhaut zu vermeiden. Dazu muss die Pupille mit entsprechenden Augentropfen (Zykloplegika oder Mydriatika) weitgestellt werden. Bei Störungen des Immunsystems wird die Immunreaktion mit Kortison gedämpft. Je nach der Art der Entzündung werden die Medikamente als Augentropfen, in Tablettenform oder als Spritze verabreicht.

Bei den meisten Patienten wird mit der Gabe von Kortison eine Heilung der Uvetitis erreicht. Wenn sich die Entzündung nicht ausreichend zurückbildet, stehen weitere Medikamente zur Verfügung, die in den Entzündungsprozess der Gefäßhautentzündung eingreifen können und so deren Abheilung erreichen. Nur in besonders schweren Fällen ist bei einer Uvetitis eine Operation am Glaskörper des Auges notwendig.

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Vorbeugung

Es gibt keine wirksame Vorbeugung gegen eine Uvetitis, da diese Entzündungsreaktion viele Ursachen haben kann. Es ist jedoch notwendig, sofort einen Augenarzt aufzusuchen, wenn Beschwerden am Auge auftreten, die mit einer Minderung der Sehschärfe einhergehen, damit eine Uvetitis schnell festgestellt und behandelt werden kann. Dies ist vor allem für Patienten mit chronischen Grunderkrankungen wichtig.

Nachsorge

Um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollte an die Behandlung einer Uveitis eine umfassende Nachsorgebehandlung anschließen. Diese besteht aus regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen beim Augenarzt. Dieser misst die Sehschärfe, untersucht den Augenhintergrund, sowie Augenhaut, Aderhaut, Strahlenkörper und Iris und kontrolliert den Augeninnendruck und ergreift im Falle einer entstandenen Folgeerkrankung oder einer erneuten Uveitis rechtzeitig Gegenmaßnahmen.

Falls die Sehschärfe in Folge der Uveitis dauerhaft beeinträchtigt ist, können eine Brille oder Kontaktlinsen notwendig sein. Liegt in Folge der Uveitis eine Linsentrübung vor, muss diese außerdem behandelt werden. Hat sich der Augeninnendruck in Folge der Uveitis oder von deren Behandlung erhöht, muss dieser medikamentös gesenkt werden. Hierzu kommen spezielle Wassertabletten (Glaupax, Azemid) zum Einsatz, die den Augeninnendruck senken.

War eine Infektion mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten der Auslöser für die Uveitis, sollte außerdem auf eine erhöhte Körperhygiene geachtet werden. Vor allem das Reiben der Augen mit ungesäuberten beziehungsweise nicht desinfizierten Händen, sollte hierzu unterlassen werden. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, in deren Folge die Uveitis entstanden ist, muss diese gesondert therapiert werden, um die erneute Entstehung einer Uveitis, sowie die Entstehung von Folgeerkrankungen der Augen zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Zur Linderung von Juckreiz und Rötungen des betroffenen Auges sind auch Hausmittel gut geeignet. Kalte oder warme Umschläge sind als Sofortmaßnahme bewährt. Dazu sollte ein sauberes Tuch mit kaltem oder lauwarmem Wasser durchtränkt werden. Anschließend sollte diese Kompresse vorsichtig auf das geschlossene Auge gelegt werden. Die Kompresse hilft dabei, das betroffene Auge zu entspannen.

Die Infektion lässt sich aber damit nicht bekämpfen. Besser können Augenspülungen helfen. Auf diese Weise lässt sich Eiter aus dem Auge waschen. Eine Methode zur Augenspülung ist die Spülung mit einer Spritze ohne Kanüle, die mit lauwarmem Wasser aufgezogen wurde. Hierbei sollte das Wasser aber langsam mit nur leichtem Druck in das Auge getropft werden, damit keine Schädigung an der Hornhaut entsteht.

Auch Auflagen mit Kamillentee sind bei der Uveitis ein bewährtes Mittel zur Symptombesserung. Dazu sollte Wasser abgekocht werden und mit Kamillentee für fünf bis zehn Minuten ziehen. Wichtig ist aber, dass es kein Kamillentee aus dem Supermarkt ist, sondern reine Kamille aus der Apotheke oder einem Reformhaus. Für die Auflage sollte ein sauberes Tuch mit dem lauwarmen oder sogar kalten Kamillen-Sud getränkt werden. Diese feuchte Auflage sollte dann auf das betroffene Auge gelegt werden. So kann die Kamillen-Kompresse ihre heilende und wohltuende Wirkung entfalten.

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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