Vogelgrippe
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Vogelgrippe oder aviäre Influenza ist eine Viruskrankheit, die weltweit verbreitet ist. Überwiegend sind hiervon Vögel bzw. Geflügel betroffen. Allerdings haben sich, vor allem in Asien, auch einige tausend Menschen mit der Vogelgrippe angesteckt.
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Was ist Vogelgrippe?
Die Vogelgrippe wird auch als aviäre Influenza bezeichnet und ist seit über 100 Jahren bekannt. Dabei existieren nur wenige, aber dafür sehr krankmachende Vogelgrippeviren. Gerade die Viren des Subtyps Influenza A/H5N1 können in der Nutzgeflügelhaltung schwere Schäden anrichten.
Viele Tiere können durch diese Infektion verenden. Aus diesem Grund wird diese schwere Form der Vogelgrippe bei Tieren auch als Geflügelpest bezeichnet. Besteht ein sehr enger Kontakt zwischen infiziertem Tier und Mensch, besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Mensch ansteckt. Von Mensch zu Mensch werden die Vogelgrippeviren dagegen nur ausnahmsweise weitergegeben; nahezu alle bekannten Erkrankungen gehen auf engen Kontakt zu infizierten Tieren zurück, meist zu Geflügel, seit 2024 in den Vereinigten Staaten auch zu Milchkühen. Nicht zu verwechseln ist die Vogelgrippe mit der Vogelhalterlunge: Diese ist keine Infektion, sondern eine allergische Entzündung der Lunge durch eingeatmeten Staub aus Federn und Vogelkot.
Ursachen
Treten Influenza-A-Viren bei einem Menschen auf, gehören diese in der Regel zu den Subtypen H1, H2 und H3. Oftmals sind die Subtypen H5 und H7 für den Ausbruch der Geflügelpest verantwortlich. Hierbei sind vor allem Wildvögel sowie Hausgeflügel wie Enten, Hühner und Puten betroffen. Wasser- und Zugvögel tragen die Viren über weite Strecken und bringen sie in die Geflügelbestände ein. Wesentlich seltener infizieren sich Schweine, Pferde, Katzen oder auch Menschen. Lange galten Säugetiere als kaum betroffen. Seit 2020 hat sich jedoch die H5N1-Untergruppe 2.3.4.4b weltweit unter Wildvögeln ausgebreitet und dabei zahlreiche Säugetierarten befallen, darunter Füchse, Robben und seit 2024 auch Milchkühe in den Vereinigten Staaten.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Von Vogelgrippe sind vornehmlich Hühner, Puten und Enten betroffen. Bei den Tieren äußert sich die Krankheit in Form von Fieber, Fressunlust, Durchfall und einer Schwarzfärbung des Kamms. Durch Mutation kann sich auch der Mensch mit der Vogelgrippe anstecken. Besonders gefährlich dabei sind die Viren H5N1 und H7N9. Erkrankungen des Menschen durch diese beiden Subtypen verlaufen häufig schwer; etwa die Hälfte der weltweit bestätigten H5N1-Fälle endete tödlich. Bei den seit 2022 in Europa und Nordamerika verbreiteten H5N1-Viren der Untergruppe 2.3.4.4b verliefen die bislang bekannten Erkrankungen des Menschen dagegen meist mild und äußerten sich oft nur durch eine Bindehautentzündung. Einzelne Erkrankungen verliefen jedoch auch hier schwer und tödlich.
Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis mehrere Tage. Die ersten Symptome beim Menschen treten blitzartig auf und ähneln einer Grippe. Der Betroffene erleidet hohes Fieber und bekommt starke Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen. Husten und Atemnot kommen hinzu. Seltener wird die Erkrankung durch Nasenbluten oder Schleimhautblutungen eingeleitet.
Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Vogelgrippe auf die Atemwege. Lungenentzündungen bis hin zum Versagen der Atemorgane sind die Folge. Bei den Patienten lässt sich eine Erhöhung der Leberwerte feststellen. Die weißen und roten Blutkörperchen nehmen ab und es kommt zu einer Anämie.
Weiterhin treten Störungen der Nierenfunktion auf und der Patient erleidet Herzrhythmusstörungen. Beinahe die Hälfte aller mit Vogelgrippe in Krankenhäusern eingelieferten Patienten sterben an Lungenversagen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass es sich um einen für unser Abwehrsystem bislang unbekannten Erreger handelt.
Diagnose & Verlauf
Die Vogelgrippe äußert sich beim Menschen durch Symptome, die auch bei einer schweren Grippe auftreten. Als erstes Anzeichen tritt in der Regel hohes Fieber auf, das von Husten und Atemnot begleitet wird. Zudem kann es auch zu Durchfall kommen. Eher selten treten Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit auf. Gliederschmerzen, Kopfschmerzen sowie Halsschmerzen kommen dagegen nicht in allen Fällen vor. In sehr schweren Fällen kann sogar eine Lungenentzündung entstehen.
Besteht der Verdacht auf eine Vogelgrippe, erfolgt die Diagnose durch einen Erregernachweis. Dabei sind zuverlässige Testverfahren verfügbar, mit denen innerhalb weniger Stunden Vogelgrippe-Viren nachgewiesen werden können. Als weiteres Material für Tests kann auch ein Rachen- oder Nasenabstrich sowie ein abgehustetes Bronchialsekret dienen. Der Verdacht auf eine Vogelgrippe ergibt sich dann, wenn die betreffende Person nach dem Kontakt mit einem bereits infizierten Tier grippeähnliche Symptome zeigt.
Der Verlauf einer Vogelgrippe kann bei einem Menschen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Spanne reicht von gar keinen Beschwerden über leichte Erkältungssymptome bis hin zu einer schweren Lungenentzündung. In diesem Fall ist auch ein tödlicher Verlauf der Vogelgrippe möglich. Wie schwer der Verlauf ausfällt, hängt stark vom beteiligten Virustyp ab.
Durch die gleichzeitige Erkrankung eines Menschen an einer normalen Grippe und einer Vogelgrippe kann es zu einer Mischung sowie Veränderung des Erbmaterials der unterschiedlichen Viren kommen. Dies stellt ein hohes Risiko dar, denn diese gemischten Viren wären leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die Vogelgrippe-Viren. So kann im weiteren Verlauf eine Epidemie ausgelöst werden.
Komplikationen
Zu den möglichen Folgeerscheinungen der Vogelgrippe zählt der sogenannte Zytokinsturm (Hyperzytokinämie). Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Immunsystem-Entgleisung. Infolgedessen kommt es zu einer Rückkoppelung zwischen Immunzellen und Zytokinen. Die adaptive Immunantwort versagt und es entsteht eine Überreaktion des Abwehrsystems.
So werden von Abwehrsystemzellen wie Makrophagen oder T-Zellen erhebliche Zytokinmengen ausgeschüttet, was eine ausgeprägte Entzündung zur Folge hat. Im weiteren Verlauf droht eine schwere Lungenentzündung (Influenzapneumonie). Ebenso ist ein Versagen der Organe sowie ein akutes Lungenversagen denkbar. In solchen Fällen bedarf der Patient einer intensivmedizinischen Therapie sowie einer künstlichen Beatmung.
Im Rahmen einer Vogelgrippe drohen zusätzliche Beschwerden wie ein Mangel an weißen Blutkörperchen, ein Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie), ein septischer Schock oder eine Anämie (Blutarmut). Bei einigen Patienten kommt es außerdem zu einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche). Im Extremfall versagen die Nieren komplett.
Zu den schwersten Folgeerscheinungen der Vogelgrippe zählt der toxische Schock. Grund dafür ist die deutlich radikalere Abwehrreaktion des Körpers auf Vogelgrippeviren im Unterschied zu den gewöhnlichen Grippeviren. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Multiorganversagen, das den Tod des Patienten nach sich zieht.
Dabei tritt der Tod entweder durch Lungenversagen oder Nierenversagen ein. Als besonders gefährlich gilt die Vogelgrippe, wenn Vogelgrippeviren und gewöhnliche Grippeviren aufeinander treffen. So lassen sich diese Virus-Mischformen leichter von einem Menschen zum anderen übertragen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Verschlechtert sich der allgemeine Gesundheitszustand innerhalb weniger Stunden oder mehrerer Tage, ist dies als Warnsignal zu deuten. Es besteht Handlungsbedarf, da bei einer Vogelgrippe ein schwerer Krankheitsverlauf möglich ist. Zur Klärung der Ursache der Befindlichkeit und Stellung einer Diagnose wird ein Arzt benötigt. Kopfschmerzen, Unregelmäßigkeiten im Bereich des Halses oder Beschwerden der Muskulatur sind erste Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung.
Klagt der Betroffene über plötzliches Nasenbluten oder Störungen der Schleimhäute, sollte er die wahrgenommenen Veränderungen mit einem Arzt besprechen. Kommt es zu Beeinträchtigungen der Atemtätigkeit, einem allgemeinen Unwohlsein oder einem Krankheitsgefühl, ist die Abklärung eines Arztes anzuraten.
Ein inneres Schweregefühl, Schlafstörungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Mattigkeit oder Abgeschlagenheit sind weitere Beschwerden, die von einem Arzt näher untersucht werden sollten. Husten, Auswurf oder Schweißausbrüche sollten ebenfalls von einem Arzt begutachtet werden. Kommt es zu Atemnot, einer Blaufärbung der Lippen oder einer Eintrübung des Bewusstseins, wählen Angehörige sofort den Notruf 112.
Zur Vermeidung von Komplikationen und der Verringerung von weiteren Risiken sind die Anweisungen des Rettungsdienstes bis zur Ankunft des Notarztes umzusetzen. Da eine Übertragung von Mensch zu Mensch in seltenen Fällen nicht auszuschließen ist, sollten Menschen, die engen Kontakt zu einem Erkrankten hatten, vorsorglich ihren eigenen Gesundheitszustand überprüfen lassen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie bei einer Vogelgrippe zielt darauf ab, dass die Viren bekämpft und die Beschwerden gelindert werden. Gegen die Viren kommen dann entsprechende virushemmende Medikamente zum Einsatz; sie töten die Viren nicht ab, sondern bremsen ihre Vermehrung. Diese werden auch als Virostatika bezeichnet. Zur Linderung der Beschwerden sind Schmerzmittel und fiebersenkende Medikamente geeignet. Verwendet werden vor allem Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir. Sie wirken am besten, wenn die Behandlung möglichst früh nach Beginn der Beschwerden einsetzt. Ein schwerer Verlauf wird im Krankenhaus behandelt, bei Bedarf auf einer Intensivstation.
Vorbeugung
Indem jeglicher Kontakt zu infizierten Tieren vermieden wird, kann einer Vogelgrippe vorgebeugt werden. Allerdings ist das Ansteckungsrisiko auch bei einem Kontakt mit infizierten Tieren sehr gering. Die Weltgesundheitsorganisation hat seit 2003 rund 1.000 bestätigte Erkrankungen des Menschen durch H5N1 erfasst, dazu rund 1.570 durch H7N9, überwiegend zwischen 2013 und 2017. Gemessen an den mittlerweile mehreren hundert Millionen betroffenen Vögeln bleibt das Risiko für den Menschen damit gering.
Trotz des geringen Risikos sollten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Hierzu gehört vor allem die Vermeidung des Kontaktes mit infizierten Tieren. Sollte trotzdem Kontakt bestehen, sollte auf eine gründliche Handhygiene geachtet werden. Des Weiteren sollten Geflügel sowie auch Eier lange gekocht oder gebraten werden.
Durch das Erhitzen bei 70 Grad Celsius werden die Viren getötet. Auf den Genuss von rohem oder auch halbgarem Geflügelfleisch sollte verzichtet werden. Wer kranke oder auch tote Wildvögel findet, sollte diese in keinem Fall berühren, sondern das zuständige Veterinäramt verständigen. Eine normale Grippeschutzimpfung hilft gegen die Vogelgrippe-Viren nicht. In der Europäischen Union sind Impfstoffe gegen H5-Vogelgrippeviren zugelassen. Sie sind für den Fall einer Pandemie vorgesehen und werden nicht allgemein verimpft; einzelne EU-Staaten haben sie 2024 für beruflich besonders gefährdete Personen beschafft. In Deutschland besteht bislang keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission.
Nachsorge
In den meisten Fällen sind die Betroffenen bei der Vogelgrippe auf eine schnelle und vor allem auf eine frühzeitige Behandlung durch einen Arzt angewiesen. Daher sollte schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Krankheit ein Arzt aufgesucht werden, damit sich das Risiko von Komplikationen im weiteren Verlauf verringert. Nach der akuten Erkrankung richtet sich die Nachsorge vor allem danach, wie schwer der Verlauf war.
In der Regel kann keine Selbstheilung bei einer Vogelgrippe-Erkrankung eintreten. Die Krankheit selbst wird dabei meistens durch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten behandelt. Dabei sollte der Betroffene auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf eine richtige Dosierung achten, um den Beschwerden richtig und dauerhaft entgegenzuwirken.
Bei Unklarheiten oder bei Fragen sollte zuerst ein Arzt konsultiert werden. Weiterhin empfiehlt sich Bettruhe, um den Körper nicht unnötig zu belasten. In einigen Fällen ist daher auch die Unterstützung und die Hilfe der eigenen Familie bei dieser Krankheit sehr wichtig, wodurch auch Depressionen und andere psychische Verstimmungen gelindert werden können. Auch bei bestmöglicher Behandlung kann die Vogelgrippe des Menschen tödlich verlaufen. Nach einem schweren Verlauf können zudem Schäden an der Lunge zurückbleiben, die eine weitere ärztliche Betreuung erfordern. Verdacht, Erkrankung und Tod durch eine zoonotische Influenza sind in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig; die Meldung an das Gesundheitsamt übernimmt der behandelnde Arzt. Der Ausbruch beim Geflügel ist als Geflügelpest darüber hinaus eine anzeigepflichtige Tierseuche.
Das können Sie selbst tun
Wenn nach dem Kontakt mit möglicherweise erkrankten Tieren typische Vogelgrippe-Symptome wie Husten, Atemnot oder Unwohlsein auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Der Mediziner ist über den Verdacht zu informieren, damit die notwendigen Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet werden können.
Patienten, die an Vogelgrippe erkrankt sind, müssen die ärztlichen Vorgaben einhalten. In der Regel ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Nach der Entlassung gelten Schonung und Bettruhe. Symptome wie Fieber und Magen-Darm-Beschwerden können noch einige Tage bestehen bleiben. Es gelten die üblichen Allgemeinmaßnahmen, wie Schonkost, viel Schlaf und die Vermeidung von Stress. Die körperlichen Warnsignale müssen beobachtet werden. Im Zweifelsfall ist der Arzt zu informieren, da die Gefahr einer Verschleppung der Erkrankung besteht.
Bei einem milden Verlauf sollte die Vogelgrippe nach ein bis zwei Wochen vollständig abgeklungen sein. Im Rahmen der ärztlichen Kontrolluntersuchung können etwaige Rückstände des H5N1-Erregers festgestellt werden. Ist der Erreger nicht mehr nachweisbar, sind keine weiteren Maßnahmen notwendig. Der Auslöser der Erkrankung sollte ermittelt werden, damit andere Menschen vor einer Ansteckung bewahrt werden. Begleitend dazu müssen zudem Gesundheitsamt und Seuchenschutzbehörde eingeschaltet werden.
Quellen
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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