Transkutane Elektrische Nervenstimulation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die transkutane elektrische Nervenstimulation, besser unter dem Namen TENS bekannt, hilft mittels elektrischer Impulse bei einer Vielzahl von akuten oder chronischen Schmerzen. Die Impulse werden mit Hilfe von Elektroden, die auf die Haut geklebt werden, gleichmäßig auf die schmerzenden Stellen verteilt. Diese Stimulation der Nerven wird in zahlreichen Schmerzkliniken und auch in Praxen für Physiotherapie angeboten. Mittlerweile gibt es sogar hochwertige Geräte, die man auch wunderbar zu Hause anwenden kann.
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Was ist die Transkutane Elektrische Nervenstimulation?
Eingesetzt wird die transkutane elektrische Nervenstimulation vor allem bei Schmerzen, die den Bewegungsapparat betreffen. Vor allem Schmerzen der Muskeln und Gelenke werden mit diesem beliebten Gerät behandelt. Daher wird die Stimulation der Nerven mit dem TENS-Gerät in allen guten Praxen für Physiotherapie angeboten.
Immer mehr Praxen leihen ihre Geräte auch an die Patienten aus, so dass diese zu Hause selbst bestimmen können, wann sie die Behandlung durchführen möchten. Die transkutane elektrische Nervenstimulation kann von jedem Arzt, speziell natürlich vom Orthopäden, verschrieben werden. Die Miete eines TENS Gerätes für den häuslichen Gebrauch wird von einigen Krankenkassen sogar übernommen; allerdings muss man vorher einen Antrag stellen. Die Zuzahlung für den Mietzeitraum beträgt dann für den Patienten maximal zehn Euro. Wer sich dieses Gerät nicht ausleihen möchte, kann es auch im Sanitätsfachhandel oder im Onlinehandel kaufen.
Der Name beschreibt das Verfahren genau: Der Strom wird durch die Haut hindurch – transkutan – an Nerven herangeführt, ohne dass etwas eingebracht oder verletzt wird. Damit gehört TENS zur Elektrotherapie, einem Zweig der physikalischen Medizin, der mit Strömen unterschiedlicher Form, Stärke und Frequenz arbeitet. Von den übrigen Verfahren dieses Zweigs unterscheidet sich TENS durch sein Ziel: Es geht nicht darum, Muskeln zum Zusammenziehen zu bringen, die Durchblutung zu steigern oder Wirkstoffe durch die Haut zu schleusen, sondern allein darum, die Weiterleitung und die Verarbeitung von Schmerzsignalen zu beeinflussen.
Die Grundlage dieses Gedankens stammt aus dem Jahr 1965. Damals stellten die Schmerzforscher Ronald Melzack und Patrick Wall die Vorstellung vor, dass Schmerzsignale auf ihrem Weg zum Gehirn im Rückenmark eine Art Tor durchlaufen, dessen Durchlässigkeit davon abhängt, welche anderen Reize gleichzeitig eintreffen. Signale aus dicken, schnell leitenden Nervenfasern, wie sie Berührung, Druck und eben auch ein feines elektrisches Kribbeln erzeugen, schließen dieses Tor ein Stück weit und verringern, was von den dünnen, langsam leitenden Schmerzfasern durchkommt. Wer sich eine gestoßene Stelle reibt, macht sich unbewusst denselben Mechanismus zunutze. Aus dieser Vorstellung entstanden binnen weniger Jahre die ersten tragbaren Reizstromgeräte, zunächst als Prüfmittel vor dem Einbau von Schmerzschrittmachern, bald darauf als eigenständige Behandlung.
Ein TENS-Gerät ist im Sinne des Medizinprodukterechts ein Medizinprodukt und muss eine CE-Kennzeichnung tragen. Für die Versorgung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen ist außerdem maßgeblich, dass ein Gerät im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet ist; dort sind Elektrostimulationsgeräte mit ihren Anforderungen aufgeführt. Preisgünstige Geräte aus dem Versandhandel erfüllen diese Anforderungen nicht zwangsläufig, auch wenn sie äußerlich ähnlich aussehen.
Funktion, Wirkung & Ziele
- akute und chronische Schmerzen
- Außenknöchelbänderverletzung
- Ballenschmerzen
- Bänderüberdehnung
- Gelenkschmerzen aller Art
- Handgelenkinstabilität
- Hüftgelenksarthrose
- Schmerzen der Hüfte
- Ischiasschmerzen
- Kapselbandriss
- Knickfußbeschwerden
- Schäden am Meniskus
- Migräne oder Spannungskopfschmerzen
- Phantomschmerzen nach Amputationen
- Postoperative Schmerzen
- Prellungen/Verstauchungen
- Rheumatische Beschwerden
- Schleimbeutelentzündung
- Schulterschmerzen
- Schultersteife
- Sehnenerkrankungen
- Tennis- bzw. Golferellenbogen
Übrigens wird die Stimulation mit Reizstrom mittlerweile nicht nur zur Linderung von Schmerzen eingesetzt, auch im Fitnessbereich sind entsprechende Geräte sehr beliebt. Dort werden durch den Reizstrom die betroffenen Muskeln angesprochen und stimuliert; fachlich handelt es sich dabei allerdings um die elektrische Muskelstimulation (EMS) und nicht um TENS. Bei der TENS beeinflusst der Strom dagegen die Nervenbahnen, die zum Gehirn führen und welche für die Schmerzleitung verantwortlich sind. Weiterhin soll die Behandlung mit dem TENS Gerät die Endorphinausschüttung verstärken; diese körpereigenen Botenstoffe dämpfen die Schmerzempfindung.
Nicht jeder Schmerz spricht gleich gut an. Am ehesten erprobt ist die Anwendung bei umschriebenen Schmerzen, die sich einem Körperabschnitt zuordnen lassen, sowie bei Nervenschmerzen wie nach einer Gürtelrose oder bei einer Polyneuropathie. Bei weit ausgebreiteten Schmerzen ohne fassbaren Ort ist der Nutzen geringer, weil sich kaum eine sinnvolle Stelle für die Elektroden finden lässt. Wichtig ist außerdem, was das Verfahren nicht leistet: Es beeinflusst die Wahrnehmung des Schmerzes, nicht seine Ursache. Ein Bandscheibenvorfall, eine Arthrose oder eine Entzündung bestehen unverändert fort, und die Abklärung neu aufgetretener oder sich verändernder Schmerzen darf durch die Anwendung nicht aufgeschoben werden. Gerade bei lang bestehenden Beschwerden liegt der Wert deshalb weniger in der Schmerzfreiheit als darin, dass Betroffene wieder in Bewegung kommen und ein Mittel in der Hand haben, mit dem sie selbst etwas ausrichten können. Diese Selbstwirksamkeit gilt in der Schmerzbehandlung als eigener Wirkfaktor, weil sie dem Rückzug aus Bewegung und Alltag entgegenwirkt, der ein Schmerzgedächtnis entstehen lässt. Ein TENS-Gerät kann dafür ein niedrigschwelliger Einstieg sein.
Die Anwendung eines solchen TENS Gerätes ist denkbar einfach und kann nach Einweisung durch den Arzt auch vom Patienten alleine zu Hause bedient werden. Das Gerät selbst ist nicht viel größer als ein Mobiltelefon; an ihm sind zwei bis vier Elektroden befestigt, die von alleine an der Haut haften bleiben. Entsprechend der Lage von bestimmten Schmerz- und Akupunkturpunkten werden diese auf der Haut befestigt. Nicht nur Akupunkturpunkte, auch Triggerpunkte werden gerne ausgewählt, um die Elektroden zu befestigen. Bei einer mittleren Stromstärke und Frequenzen zwischen 50 und 150 Hertz werden nun die Stromstöße gesendet; vor allem bei akuten Schmerzen soll dies sehr hilfreich sein.
Wer hingegen eine höhere Stromstärke und niedrige Frequenzen zwischen fünf und zehn Hertz wählt, kann diese schmerzlindernde Wirkung noch verlängern. Zwar setzt die Schmerzlinderung bei dieser niedrigen Frequenz nicht sofort ein, hält aber dafür umso länger an. Der Strom ist selbstverständlich nicht schmerzhaft, lediglich ein leichtes Kribbeln wird von einigen Patienten empfunden. Hierbei handelt es sich um Wechselstrom; Mediziner sprechen auch von sogenannten Rechteckimpulsen, weil die einzelnen Stromimpulse einen rechteckigen Verlauf haben.
Aus den beiden beschriebenen Einstellungen ergeben sich die zwei gebräuchlichen Reizarten, die auch unterschiedliche Namen tragen. Die hochfrequente, schwach dosierte Form heißt konventionelle TENS; sie erzeugt ein deutliches, aber angenehmes Kribbeln ohne sichtbares Muskelzucken und beruht auf dem beschriebenen Torschluss im Rückenmark. Die niederfrequente, kräftigere Form wird als akupunkturähnliche TENS bezeichnet, weil sie rhythmische Muskelzuckungen auslöst und man ihre länger anhaltende Wirkung auf körpereigene schmerzdämpfende Botenstoffe und auf absteigende hemmende Bahnen aus dem Hirnstamm zurückführt. Als dritte Form bieten viele Geräte einen Mischbetrieb an, bei dem hochfrequente Impulse in kurzen Paketen abgegeben werden; er soll die schnelle Wirkung der einen mit der Dauerwirkung der anderen Form verbinden.
Welche Einstellung im Einzelfall die richtige ist, lässt sich nicht vorhersagen, sondern nur ausprobieren. Üblich ist deshalb, die Stärke so weit zu erhöhen, dass die Empfindung deutlich, aber nie schmerzhaft ist, und die übrigen Größen bei ausbleibender Wirkung schrittweise zu verändern, statt sie unverändert weiterlaufen zu lassen. Auch die Lage der Elektroden wird dabei versetzt: Nicht selten wirkt eine Anordnung, die den schmerzenden Bereich zwischen sich einschließt, besser als eine unmittelbar auf dem Schmerzpunkt.
Eine Sitzung mit dem TENS Gerät sollte etwa zwischen 20 und 50 Minuten dauern, wobei auch mehrere Anwendungen am Tag durchaus möglich sind. Optimal sind zwei Anwendungen von einer Dauer von 45 Minuten am Tag. Eine längere Stimulation ist nicht zu empfehlen, da dann der sogenannte Gewöhnungseffekt eintritt. Wer unter akuten Schmerzen leidet, kann diese mit Hilfe der elektrischen Stimulation der Nerven bereits nach wenigen Sitzungen deutlich lindern. Bei chronischen Schmerzen hingegen ist eine länger andauernde Behandlung zu empfehlen. Da die elektrische Nervenstimulation bei Beachtung der Gegenanzeigen risikoarm ist, kann man ein TENS Gerät über Wochen oder sogar Monate benutzen.
Vor der ersten eigenständigen Anwendung steht in jedem Fall eine Einweisung. Wer das Gerät verordnet, prüft, ob Gegenanzeigen bestehen, wählt Reizart und Elektrodenlage aus, lässt den Patienten die Bedienung selbst durchführen und vereinbart, woran der Erfolg gemessen werden soll – etwa an der Schmerzstärke im Tagesverlauf, an der Gehstrecke oder am Schlaf. Ein solcher Probelauf über einige Wochen ist auch der übliche Weg zur Kostenübernahme: Erst wenn sich eine Erleichterung zeigt, wird über eine dauerhafte Versorgung entschieden. Bleibt die Wirkung aus, wird das Gerät zurückgegeben, statt es ungenutzt liegen zu lassen.
Dass viele Patienten eine deutliche Erleichterung berichten, sich der Nutzen in Gruppenvergleichen aber schwerer nachweisen lässt, hat mehrere Gründe. Eine überzeugende Scheinbehandlung ist kaum herzustellen, weil das Kribbeln spürbar ist und ein abgeschaltetes Gerät sofort auffällt. Die verglichenen Untersuchungen verwenden zudem sehr unterschiedliche Einstellungen, Elektrodenlagen und Anwendungshäufigkeiten, sodass sie sich nur begrenzt zusammenfassen lassen. Und schließlich wirkt die Behandlung, während der Strom fließt, und eine Weile darüber hinaus – ein Messzeitpunkt Wochen später erfasst davon wenig. Wo TENS eingesetzt wird, gilt es deshalb als begleitende Maßnahme neben Bewegungstherapie, Aufklärung über den Schmerz und gegebenenfalls Medikamenten und nicht als deren Ersatz. Wie weit die Leitlinien diese Einordnung mittragen, hängt allerdings von der Erkrankung ab: Für den nicht-spezifischen Kreuzschmerz rät die Nationale VersorgungsLeitlinie ausdrücklich von der Anwendung ab, weil sich kein Wirksamkeitsnachweis fand und eine passive Behandlung dem Ziel entgegensteht, die Betroffenen wieder in Bewegung zu bringen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Für alle anderen Patienten kommt ein Versuch mit der transkutanen elektrischen Nervenstimulation in Betracht. Diese Anwendung ist bei Beachtung der genannten Gegenanzeigen gut verträglich und nebenwirkungsärmer als eine medikamentöse Schmerztherapie. Am häufigsten treten Hautreizungen unter den Klebeelektroden auf, die nach einem Wechsel der Elektrodenposition meist wieder abklingen. Besonders beliebt ist das mobile TENS Gerät für zu Hause, denn mit diesem kann man sich seine Zeit frei einteilen und ist nicht an die Öffnungszeiten von Schmerzklinik oder Physiotherapie gebunden. Alles in allem ist die elektrische Stimulation der Nerven eine gute Ergänzung zu Massagen, Krankengymnastik oder anderen physikalischen Therapien.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Haut unter den Elektroden. Sie sollte sauber, trocken und frei von Cremes und Ölen sein, weil Fettreste den Kontakt ungleichmäßig machen und der Strom sich dann auf eine kleine Fläche zusammenzieht. Rötungen nach dem Abnehmen der Elektroden bilden sich in der Regel von selbst zurück; bleiben sie bestehen, jucken sie oder bilden sich Bläschen, kann eine Kontaktallergie gegen das Klebegel vorliegen, und es wird auf ein anderes Elektrodenmaterial gewechselt. Klebeelektroden sind zur Anwendung durch eine einzelne Person bestimmt und werden nicht weitergegeben; sie verlieren mit der Zeit ihre Haftkraft und leiten dann ungleichmäßig, was der häufigste Grund für ein plötzlich unangenehmes Stechen ist.
Einige weitere Punkte der Handhabung ergeben sich aus den genannten Gegenanzeigen. Das Gerät wird nicht in Badewanne oder Dusche verwendet und nicht im Schlaf laufen gelassen, weil eine ungewollte Veränderung der Einstellung dann unbemerkt bliebe. Auch während des Autofahrens oder beim Bedienen von Maschinen wird es ausgeschaltet, da ein unerwarteter Reiz erschrecken kann. Die Elektroden werden nur auf unverletzte Haut geklebt und nicht über frische Operationsnarben, Hautausschläge oder Bereiche mit vermindertem Gefühl, weil dort eine zu hohe Stromdichte nicht rechtzeitig bemerkt wird. Für Träger implantierter elektrischer Geräte gilt die oben genannte Zurückhaltung; ob im Einzelfall überhaupt etwas anderes in Betracht kommt, lässt sich nicht allgemein, sondern nur für das jeweilige Modell und nur von der Stelle beurteilen, die das Implantat betreut.
Ein eigenes Anwendungsfeld ist die Geburtshilfe. In manchen Kreißsälen wird TENS zur Linderung der Wehenschmerzen angeboten; die Elektroden liegen dabei am unteren Rücken, die Frau bedient das Gerät selbst und kann die Stärke im Rhythmus der Wehen verändern. Dass die Anwendung in der Schwangerschaft ärztlicher Rücksprache bedarf und der Unterbauch ausgespart bleibt, gilt dabei unverändert; unter der Geburt erfolgt sie unter geburtshilflicher Betreuung. Auch bei Regelschmerzen wird das Verfahren eingesetzt, hier mit Elektroden am unteren Rücken oder oberhalb des schmerzenden Bereichs.
Abgebrochen wird die Anwendung, wenn der Strom trotz niedriger Einstellung schmerzt, wenn die Haut unter den Elektroden anhaltend gereizt bleibt oder wenn sich der Schmerz nach Beginn der Behandlung verstärkt. Auch ein Schmerz, der seinen Charakter ändert, an eine neue Stelle wandert oder von Fieber, Lähmungen oder Gefühlsstörungen begleitet wird, gehört ärztlich abgeklärt und nicht mit dem Gerät behandelt. Bleibt die erhoffte Erleichterung nach mehreren Versuchen mit verschiedenen Einstellungen und Elektrodenlagen aus, ist das kein persönliches Versagen: Das Verfahren spricht nicht bei jedem an, und in diesem Fall wird gemeinsam nach einem anderen Weg gesucht.
Quellen
- Diener, H.-C., Baron, R., Maier, C. (Hrsg.): Die Schmerztherapie.
ISBN: 9783437215421
- Geber, C., Gierthmühlen, J., Klinger, R., Rittner, H. (Hrsg.): Praktische Schmerzmedizin.
ISBN: 9783662736074
- Seidel, E. J., Best, N. (Hrsg.): Physikalische und rehabilitative Medizin.
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- Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
ISBN: 9783662490341
- Diemer, F., Lowak, H., Sutor, V., Baierle, T.: Leitfaden Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie.
ISBN: 9783437452130
