Diabetologie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Diabetologie ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit der Diagnose und der Therapie des Diabetes mellitus beschäftigt. Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die mit Überzuckerungen einhergeht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Diabetologie?

Diabetologie
Die Diabetologie ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit der Diagnose und der Therapie des Diabetes mellitus beschäftigt.

Bis zum Jahr 2003 war die Diabetologie keine anerkannte Facharztrichtung, sondern konnte nur in privatrechtlichen Ausbildungsgängen erlernt werden. Seit 2003 gibt es jedoch in einigen Bundesländern die Möglichkeit, sich zum diabetologisch qualifizierten Hausarzt fortzubilden.

Den Zusatz Diabetologie dürfen alle Ärzte führen, die mindestens anderthalb Jahre in diesem Fachbereich tätig waren und zudem eine Prüfung vor der Ärztekammer abgelegt haben. Zusammengefasst gibt es derzeit drei verschiedene Gruppen von Diabetologen: Internisten mit der Facharztbezeichnung Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie (lange Zeit war dies ein Schwerpunkt innerhalb der Inneren Medizin, nach der neueren Weiterbildungsordnung ist es eine eigene Facharztbezeichnung), Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie und Diabetologen nach DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft). Gleich ist jedoch allen, dass sie sich vornehmlich mit der Behandlung des Diabetes mellitus befassen.

Behandlungen & Therapien

Der Diabetes mellitus, auch als Zuckerkrankheit bezeichnet, ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zu erhöhten Blutzuckerspiegeln kommt. Im Wesentlichen kann man bei der Erkrankung zwei Typen unterscheiden. Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 liegt durch eine Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse ein absoluter Insulinmangel vor.

Beim Diabetes mellitus Typ 2 ist in der Regel noch Insulin vorhanden. Dieses kann aber aufgrund einer Insulinresistenz nicht mehr seine Funktionen erfüllen. Ohne Insulin kann Glukose aus dem Blut nicht mehr in die Körperzellen aufgenommen werden. Es kommt zu einer Überzuckerung. Der Schwangerschaftsdiabetes wurde früher auch als Typ-4-Diabetes bezeichnet; heute spricht man vom Gestationsdiabetes. Es handelt sich dabei um eine Glucose-Toleranzstörung. Bei den meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes reguliert sich der Zuckerstoffwechsel aber nach der Geburt wieder.

Typisch für die Erstmanifestation des Typ-1-Diabetes ist eine starke Gewichtsabnahme. Innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen verlieren die Betroffenen mehrere Kilogramm Gewicht. Dazu leiden sie unter ständigem Durst, häufigem Wasserlassen, Erbrechen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen.

Viele Typ-2-Diabetiker haben über Jahre oft überhaupt keine Symptome. Da die Patienten oft übergewichtig sind, fallen kleine Gewichtsabnahmen kaum auf. Nur bei massiv erhöhten Blutzuckerspiegeln kommt es zu vermehrtem Durst oder vermehrtem Wasserlassen. Vor allem zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome oft sehr uncharakteristisch. Es kommt zu Müdigkeit, Schwäche, erhöhter Infektanfälligkeit und Sehstörungen.

Durch die erhöhten Blutzuckerspiegel werden verschiedene Strukturen des Körpers geschädigt, sodass verschiedene Begleit- und Folgeerkrankungen beim Diabetes mellitus auftreten können. Bei der Behandlung des Diabetes mellitus ist deshalb meist ein Netzwerk verschiedener Ärzte nötig. Mehr als 80 % aller Diabetiker leiden unter Bluthochdruck. Grund dafür ist zum einen die Schädigung der Gefäßinnenwand durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die auch die Neubildung und die Reparatur von Blutgefäßen behindert; zum anderen treten Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck häufig gemeinsam auf, weil ihnen dieselben Risikofaktoren zugrunde liegen. Diese Gefäßschäden wirken sich negativ auf viele Organe aus.

In der Netzhaut führen sie beispielsweise zur diabetischen Retinopathie, einer Erkrankung der Netzhaut. Die diabetische Retinopathie ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für Erblindungen im erwerbsfähigen Alter. Rund ein Viertel aller Diabetiker leidet unter Neuropathien, also Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Diese äußern sich beispielsweise in Empfindungsstörungen, Missempfindungen oder Schmerzen. In der Diabetologie wird besonders auf Neuropathien geachtet. Sind auch die Nerven betroffen, die das Herz versorgen, verlaufen Herzinfarkte bei Diabetikern oft stumm und werden deshalb nicht bemerkt.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Zur Diagnosestellung erfolgt in der Diabetologie ein Blutzuckertest. Dabei wird dem nüchternen Patienten Blut aus der Vene entnommen. Der Nüchternblutzucker sollte nicht bei 126 mg/dl oder darüber liegen. In einer zufälligen Blutabnahme, also auch im nicht nüchternen Zustand, darf der Blutzuckerwert nicht bei 200 mg/dl oder darüber liegen.

Damit die Diagnose Diabetes mellitus gestellt werden darf, muss entweder mindestens bei zwei Blutabnahmen ein erhöhter Blutzuckerwert (nüchtern oder Zufall) oder ein pathologischer oraler Glukosetoleranz-Test vorliegen. Beim Glukosetoleranz-Test trinkt der Patient eine bestimmte Menge Glukose, welche in Wasser gelöst ist. Anschließend wird dem Patienten nach 60 Minuten und nach 120 Minuten Blut entnommen. Übersteigen die gemessenen Blutzuckerwerte die Normwerte, so ist von einem Diabetes mellitus auszugehen. Zur Langzeitkontrolle wird der HbA1C-Wert im Blut bestimmt. Dieser gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten acht Wochen. Lange Zeit diente er allein der Verlaufskontrolle; heute kann er unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Diagnosestellung herangezogen werden.

Aufgrund der gefährlichen Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus ist das Ziel der Diabetologie die optimale Blutzuckereinstellung der Patienten. Allen Diabetikern wird eine Diabetes-Schulung angeboten. Hier erlernen sie, wie sie ihre Zuckerwerte mit Ernährung und Bewegung beeinflussen können. Auch Fußpflege steht auf dem Programm.

Füße sind beim Diabetes mellitus besonders gefährdet. Aufgrund der schlechten Blutversorgung beim Diabetes heilen kleine Verletzungen an den Füßen nur schlecht. Durch die Polyneuropathie nehmen die Patienten diese Verletzungen oft kaum wahr, sodass es schnell zu einer Ausbreitung der Entzündung kommt. Die Folge ist der gefürchtete diabetische Fuß. Die Schulungsteilnehmer erlernen auch, wie sie ihre Blutzuckerwerte richtig kontrollieren und was zu tun ist, falls es zu einer Über- oder einer Unterzuckerung kommt.

Natürlich ist auch die medikamentöse Einstellung der Diabetiker Aufgabe der Diabetologie. Wichtigster Wirkstoff bei der Therapie des Diabetes-Typ-2 ist nach wie vor Metformin. Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, hemmt die Zuckerproduktion in der Leber und vermindert die Zuckeraufnahme aus dem Darm ins Blut. Auch die Zuckerverwertung wird durch Metformin verbessert. Lange Zeit war Metformin praktisch das einzige Mittel der ersten Wahl; heute kommen daneben vor allem SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten zum Einsatz, die zusätzlich Herz und Nieren schützen können.

Typ-1-Diabetiker sind ein Leben lang darauf angewiesen, Insulin von außen zuzuführen. Ein- bis zweimal täglich spritzen die Patienten sich selber mit einem Insulinpen oder einer Spritze ein sogenanntes Verzögerungsinsulin oder ein lang wirkendes Insulinanalogon als Grundversorgung. Zu den Mahlzeiten kommt zusätzlich ein kurz wirksames Insulin hinzu. Alternativ kann das Insulin über eine Insulinpumpe fortlaufend abgegeben werden.

Weitere Formen der Zuckerkrankheit

Neben den beiden Hauptformen und dem Schwangerschaftsdiabetes kennt die Diabetologie eine Reihe weiterer Krankheitsbilder, die zwar seltener sind, für die Behandlung aber einen Unterschied machen. Ein Teil der Erwachsenen, bei denen zunächst ein Typ-2-Diabetes vermutet wird, hat in Wirklichkeit eine langsam verlaufende Form des Autoimmundiabetes; sie wird als LADA bezeichnet und führt im Verlauf zu einer Insulinbehandlung. Umgekehrt gibt es erblich bedingte Formen, die schon in jungen Jahren auftreten, ohne dass eine Autoimmunreaktion vorliegt; sie werden unter der Abkürzung MODY zusammengefasst und lassen sich genetisch abklären.

Der Zuckerstoffwechsel kann außerdem in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Bauchspeicheldrüse selbst geschädigt ist. Nach einer schweren oder wiederholten Bauchspeicheldrüsenentzündung, nach Operationen an dem Organ oder bei Mukoviszidose kann ein Insulinmangel entstehen, der sich in seiner Behandlung am Typ-1-Diabetes orientiert. Schließlich können Medikamente den Blutzucker anheben; am bekanntesten ist Kortison, das über längere Zeit und in höherer Dosierung eingenommen den Stoffwechsel belasten kann. Auch Erkrankungen mit vermehrter Hormonbildung fallen in dieses Feld, weshalb die Endokrinologie und die Diabetologie eng zusammengehören. Die genaue Einordnung ist keine Formsache: Von ihr hängt ab, ob eine Behandlung mit Tabletten überhaupt aussichtsreich ist oder ob von Beginn an Insulin gebraucht wird.

Das Behandlungsteam

Die laufende Betreuung von Menschen mit Typ-2-Diabetes liegt in Deutschland überwiegend beim Hausarzt. Bei komplizierten Verläufen, bei Typ-1-Diabetes, in der Schwangerschaft oder wenn Folgeerkrankungen auftreten, erfolgt die Überweisung an eine diabetologische Schwerpunktpraxis oder eine Klinikambulanz. Dort arbeiten Diabetologinnen und Diabetologen mit eigens qualifizierten Fachkräften zusammen: Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen führen die Schulungen durch, üben den Umgang mit Messgeräten und Pens ein und begleiten Betroffene über längere Zeit. Für Ernährungsfragen wird häufig die Diätassistenz hinzugezogen, die den individuellen Bedarf berechnet und die Ernährungsberatung übernimmt.

Weil der Diabetes viele Organe betrifft, gehören weitere Fachrichtungen zum Netzwerk. Augenärzte beurteilen den Augenhintergrund, die Nephrologie übernimmt die Betreuung, wenn die Nierenfunktion nachlässt, und im äußersten Fall die Dialyse. Die Podologie leistet die medizinische Fußpflege, die bei gefährdeten Füßen ausdrücklich nicht in kosmetische Hände gehört. Bei bereits bestehenden Wunden am Fuß erfolgt die Behandlung in spezialisierten Fußambulanzen, in denen Diabetologie, Gefäßmedizin und Chirurgie zusammenarbeiten, um Amputationen zu vermeiden. Für die strukturierte Langzeitbetreuung bieten die Krankenkassen zudem Behandlungsprogramme an, in die sich Betroffene einschreiben können; sie sehen regelmäßige Kontrolltermine, Schulungen und eine Dokumentation des Verlaufs vor.

Ernährung, Bewegung und Lebensstil

Vor und neben jeder Tablette steht in der Diabetologie die nichtmedikamentöse Behandlung. Beim Typ-2-Diabetes gilt eine Änderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten als Grundlage der gesamten Therapie und wird auch dann fortgeführt, wenn Medikamente hinzukommen. Empfohlen wird üblicherweise eine ausgewogene Kost mit reichlich Gemüse, Ballaststoffen und hochwertigen Fetten, während zuckerhaltige Getränke als besonders ungünstig gelten, weil sie den Blutzucker rasch ansteigen lassen, ohne zu sättigen. Eine eigene "Diabetikerkost" mit Spezialprodukten wird heute nicht mehr empfohlen.

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt auf mehreren Wegen: Arbeitende Muskulatur nimmt Zucker auch unabhängig von Insulin auf, und Ausdauerbewegung verbessert die Empfindlichkeit des Gewebes für das körpereigene Insulin. Welche Belastung angemessen ist, hängt vom Alter, vom Trainingszustand und von Begleiterkrankungen ab und wird ärztlich besprochen; bei bestehenden Augen-, Nerven- oder Herzschäden gelten Einschränkungen. Für Menschen mit Übergewicht und Adipositas ist eine Gewichtsabnahme eines der wirksamsten Mittel, die Stoffwechsellage zu verbessern. Ein Verzicht auf das Rauchen wird nachdrücklich angeraten, weil Nikotin die ohnehin gefährdeten Gefäße zusätzlich schädigt. Der Umgang mit Alkohol ist deshalb ein eigenes Schulungsthema, weil Alkohol die Gegenregulation des Körpers bei niedrigen Zuckerwerten beeinträchtigen kann.

Selbstkontrolle und technische Hilfsmittel

Ein großer Teil der Behandlung liegt in den Händen der Betroffenen selbst, und die Diabetologie stellt dafür die Technik und das Wissen bereit. Klassisch erfolgt die Selbstkontrolle über einen Tropfen Blut aus der Fingerbeere, der auf einen Teststreifen aufgetragen und von einem Messgerät ausgewertet wird. Daneben haben sich Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung verbreitet: Ein kleiner Sensor im Unterhautfettgewebe misst fortlaufend den Zuckergehalt der Gewebeflüssigkeit und überträgt die Werte an ein Lesegerät oder ein Mobiltelefon. Solche Systeme zeigen nicht nur einzelne Momentaufnahmen, sondern auch den Verlauf und die Richtung der Veränderung, und sie können vor drohend niedrigen Werten warnen.

Für die Zufuhr von Insulin stehen Pens zur Verfügung, die die Handhabung gegenüber der klassischen Spritze vereinfachen, sowie Insulinpumpen, die über einen dünnen Schlauch fortlaufend kleine Mengen abgeben. Werden Sensor und Pumpe gekoppelt, kann die Pumpe die Abgabe teilautomatisch an die gemessenen Werte anpassen. Welche Technik im Einzelfall sinnvoll und erstattungsfähig ist, entscheidet sich nach Diabetestyp, Behandlungsform und Alltag der Betroffenen. Zur Selbstkontrolle gehört auch die Dokumentation, ob in einem Heft oder digital, denn die Aufzeichnungen sind die Grundlage des Gesprächs beim nächsten Termin.

Akute Entgleisungen

Neben den langfristigen Folgeschäden kennt die Diabetologie akute Notfälle in beide Richtungen. Die Unterzuckerung tritt vor allem bei Behandlung mit Insulin oder mit bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten auf, etwa wenn eine Mahlzeit ausfällt, ungewohnt viel Bewegung hinzukommt oder Alkohol im Spiel ist. Betroffene bemerken Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger, Konzentrationsstörungen oder Gereiztheit; bei weiterem Absinken drohen Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. Wer über Jahre erkrankt ist, nimmt diese Warnzeichen mitunter kaum noch wahr, was die Hypoglykämie besonders gefährlich macht. Wie im Ernstfall zu handeln ist und was Angehörige tun können, ist deshalb fester Bestandteil jeder Schulung.

In die andere Richtung weist die Ketoazidose. Fehlt Insulin, kann der Körper Zucker nicht mehr verwerten und baut ersatzweise Fett ab; dabei entstehen saure Stoffwechselprodukte, die das Blut übersäuern. Typisch sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Erbrechen, Bauchschmerzen, eine tiefe Atmung und ein obstartiger Geruch der Ausatemluft. Die Ketoazidose betrifft vor allem den Typ-1-Diabetes und kann die Erstmanifestation der Erkrankung sein; unbehandelt führt sie in ein diabetisches Koma. Beim Typ-2-Diabetes tritt eher eine Entgleisung mit sehr hohen Zuckerwerten und ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel auf. Beide Zustände sind Notfälle und gehören unverzüglich in klinische Behandlung. Erhöhte Aufmerksamkeit ist auch bei fieberhaften Infekten und anderen Erkrankungen geboten, weil der Insulinbedarf dann steigen kann.

Kontrolluntersuchungen und Vorbeugung von Folgeschäden

Weil viele Folgeerkrankungen lange keine Beschwerden verursachen, arbeitet die Diabetologie mit einem festen Programm regelmäßiger Kontrollen. Dazu gehören die Untersuchung des Augenhintergrundes durch die Augenheilkunde, die Kontrolle der Nierenfunktion einschließlich der Bestimmung von Eiweiß im Urin als frühem Hinweis auf eine diabetische Nephropathie, die Messung des Blutdrucks und der Blutfette sowie die regelmäßige Inspektion der Füße mit Prüfung von Durchblutung und Empfindung. Ergänzend wird nach Anzeichen einer Polyneuropathie gesucht, etwa mit einer Stimmgabel oder mit einem Tastfilament.

Die Behandlungsziele werden dabei nicht schematisch, sondern gemeinsam mit den Betroffenen festgelegt: Alter, Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und die Gefahr von Unterzuckerungen fließen in die Entscheidung ein, wie streng die Blutzuckerwerte eingestellt werden sollen. Ebenso wichtig wie der Zucker selbst ist die Behandlung der übrigen Gefäßrisiken, also des Bluthochdrucks, der Fettstoffwechselstörung und des Rauchens; das Arterioskleroserisiko und damit die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall lassen sich so senken. Da Menschen mit Diabetes infektanfälliger sind, werden bestimmte Schutzimpfungen von den Fachgesellschaften ausdrücklich empfohlen; welche das sind, richtet sich nach den jeweils geltenden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.

Zur Geschichte des Faches

Die Zuckerkrankheit ist seit der Antike beschrieben; der süße Geschmack des Harns gab ihr den Namenszusatz mellitus. Über Jahrhunderte blieb die Behandlung auf strenge Kostformen beschränkt, und der Typ-1-Diabetes verlief tödlich. Die Wende kam in den 1920er Jahren mit der Gewinnung von Insulin aus tierischen Bauchspeicheldrüsen, die aus einer bis dahin nicht behandelbaren Erkrankung eine behandelbare machte. Später folgten gentechnisch hergestelltes Humaninsulin, veränderte Insulinanaloga mit kürzerer oder längerer Wirkdauer sowie die Entwicklung der oralen Antidiabetika.

Die Diabetologie als eigenes Arbeitsgebiet entstand aus dieser Entwicklung heraus, weil die Behandlung immer mehr Wissen und immer mehr Schulungsarbeit erforderte. Ihre heutige Ausrichtung unterscheidet sich deutlich von der früheren: Nicht mehr allein die Absenkung des Blutzuckers gilt als Maßstab, sondern die Vermeidung von Folgeerkrankungen, der Schutz von Herz und Nieren und der Erhalt der Lebensqualität. Dass moderne Wirkstoffgruppen wie die SGLT-2-Hemmer und die GLP-1-Rezeptoragonisten heute auch nach ihren Wirkungen auf Herz und Nieren ausgewählt werden, ist Ausdruck dieses veränderten Blicks.

Quellen

  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M. (Hrsg.): Referenz Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132408586
  • Loo, I. van de, Harbeck, B.: Facharztwissen Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783662588963
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Biesalski, H.-K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783131002952
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

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