Epstein-Barr-Virus

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Epstein-Barr-Virus, kurz EBV wird in der Medizin auch als Humanes Herpesvirus 4 bezeichnet. Es gehört zur Gruppe der Herpesviren und wurde von Michael Epstein und Yvonne Barr erstmals 1964 beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Epstein-Barr-Virus?

Epstein Barr Virus
Das Epstein-Barr-Virus befällt vor allem bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, sowie Schleimhautzellen des Rachens. Bei einer Erkrankung können außerdem Leber und Milz mitbetroffen sein.
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Beim Epstein-Barr-Virus handelt es sich um einen Erreger, der Auslöser für das Pfeiffersche Drüsenfieber, also einer fieberhaften Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen, ist. Das Virus wird vor allem über den Speichel, seltener auch per Tröpfcheninfektion übertragen, was der Krankheit im Volksmund den Namen „Kusskrankheit“ eingebracht hat.

Eine akute Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus lässt sich über entsprechende Blutuntersuchungen (entweder per Direktnachweis des Virus oder serologische Antikörperbestimmungen) eindeutig feststellen.

Bedeutung & Funktion

Die Ansteckung mit dem Epstein-Barr-Virus kann über das Blut, Schleimhautkontakte oder den Speichel erfolgen. Aus diesem Grund ist eine Ansteckung nicht nur beim Küssen, sondern auch bei normalen Haut- und Handkontakten möglich. Die Viren können auch außerhalb des menschlichen Körpers eine begrenzte Zeit überleben, abhängig vom jeweiligen Umgebungsmilieu. Trocknet der Speichel ein, verliert das Virus seine Ansteckungsfähigkeit rasch. Als Haupteintrittspforten für den Erreger kommen die Nasen- und Augenschleimhäute sowie der Mund in Frage. An diese Stellen gelangen sie in der Regel über die Hände des Betroffenen.

Grundsätzlich lässt sich die Erkrankung mit dem Epstein-Barr-Virus in einen akuten und einen chronischen Zustand unterteilen. Gegenüber der akuten Erkrankung ist der serologische Antikörperbefund bei der chronischen Verlaufsform vielfach weniger eindeutig. Häufig sind bei der chronischen Form nur geringe Mengen einzelner Langzeitantikörper im Serum des Blutes vorhanden, die auch nach einer akuten Infektion dauerhaft im Blut enthalten sind.

Sehr viel aussagekräftiger als der übliche Antikörpertest ist der Direktnachweis der Viren im Blut des Betroffenen. Hierdurch lässt sich eine chronische Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus zuverlässig diagnostizieren. Da nahezu alle Erwachsenen das Virus lebenslang in sich tragen, beweist ein positiver Virusnachweis für sich genommen allerdings noch keine behandlungsbedürftige Erkrankung; ausschlaggebend ist die Höhe der Viruslast im Zusammenhang mit dem Beschwerdebild.

Die aktuelle Immunlage des Körpers ist entscheidend dafür, ob und wie stark der Betroffene nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus Krankheitssymptome zeigt. Somit muss eine Infektion bei einem intakten und starken Immunsystem keineswegs zwangsläufig zu einer Erkrankung führen. Sollte das Immunsystem des Betroffenen jedoch bereits geschwächt sein, können die Epstein-Barr-Viren ohne große Gegenwehr einzelne Körperregionen oder auch den gesamten Körper des Betroffenen befallen, wodurch sich verschiedene Symptome erklären lassen.


Biologische Eigenschaften

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehört zur Familie der Herpesviridae und wird als Humanes Herpesvirus 4 (HHV-4) klassifiziert. Es zählt zur Unterfamilie der Gammaherpesvirinae und zur Gattung Lymphocryptovirus. EBV ist weltweit verbreitet und infiziert bevorzugt B-Lymphozyten, kann aber auch Epithelzellen betreffen.

Morphologisch besitzt EBV eine ikosaedrische Kapsidstruktur, die aus 162 Kapsomeren besteht. Das Virus ist etwa 120–180 nm groß und von einer Lipidmembran umhüllt, die virale Glykoproteine enthält, die für die Zellfusion und den Eintritt in Wirtszellen notwendig sind. Die Vermehrung erfolgt im Zellkern der infizierten Zellen, wobei EBV zwischen einer lytischen und einer latenten Phase wechseln kann. Während der latenten Phase bleibt das Virus in B-Zellen verborgen und kann lebenslang persistieren.

Das EBV-Genom ist doppelsträngige DNA mit einer Länge von etwa 172 kbp. Es enthält mehrere Gene, darunter EBNA (Epstein-Barr Nuclear Antigens) und LMP (Latent Membrane Proteins), die für die Zelltransformation und Immunevasion entscheidend sind. Eine Besonderheit des Genoms ist seine Fähigkeit, als episomale DNA im Zellkern zu verbleiben, wodurch es die Zelle langfristig beeinflussen und onkogene Prozesse auslösen kann, insbesondere bei Immunsuppression oder genetischer Prädisposition.

Vorkommen & Verbreitung

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist ein weltweit verbreitetes Virus und infiziert einen Großteil der menschlichen Bevölkerung. Schätzungen zufolge tragen etwa 90–95 % der Erwachsenen das Virus latent in sich. EBV kommt ausschließlich im Menschen vor und hat kein freies Umweltreservoir, da es auf lebende Zellen angewiesen ist, um zu überleben und sich zu vermehren.

Die Hauptübertragungswege sind der Speichelkontakt (z. B. Küssen, gemeinsames Benutzen von Besteck oder Gläsern) sowie selten Bluttransfusionen oder Organtransplantationen. Die Erstinfektion erfolgt häufig im Kindesalter und verläuft meist asymptomatisch. Bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann sie jedoch Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose) auslösen.

In der Umwelt ist EBV nicht stabil, da es eine Lipidmembran besitzt, die außerhalb des Körpers schnell durch Austrocknung oder Desinfektionsmittel zerstört wird. Anders als einige Bakterien oder Pilze ist EBV kein Bestandteil der natürlichen Darmflora und spielt keine direkte Rolle in mikrobiellen Ökosystemen. Dennoch kann es durch seine lebenslange Persistenz im menschlichen Körper und seine Fähigkeit, das Immunsystem zu modulieren, indirekt die Zusammensetzung der mikrobiellen Flora beeinflussen.

In ökologischer Hinsicht ist EBV ein klassisches Beispiel für ein koevolutionäres Virus, das sich an seinen menschlichen Wirt angepasst hat, um eine langfristige, meist symptomfreie Koexistenz zu ermöglichen.

Krankheiten

Das Epstein-Barr-Virus befällt vor allem bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, sowie Schleimhautzellen des Rachens. Bei einer Erkrankung können außerdem Leber und Milz mitbetroffen sein. Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt vor allem von der Abwehrlage des Betroffenen ab. Aus diesem Grund lassen sich bei Betroffenen entweder permanent dieselben Beschwerden beobachten oder bestimmte Phasen, in denen sich der Erkrankte deutlich besser fühlt.

Im Umfeld einer angenommenen chronischen Epstein-Barr-Virus-Infektion wird eine Vielzahl von Beschwerden beschrieben. Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Virus ist für die meisten von ihnen nicht belegt:

  • Schwindel (Infektion des Hör- und Gleichgewichtsnervs oder des Gleichgewichtsorgans)
  • epileptische Anfälle (Infektion verschiedener Gehirnbereiche)
  • psychische Beeinträchtigungen (Infektion von verschiedenen Gehirnbereichen)
  • eine leicht erhöhte Körpertemperatur, die teilweise bis 38 Grad ansteigen kann (besonders bei Kindern; das Fieber entsteht durch die Reaktion des Immunsystems auf die Infektion)
  • mehr oder weniger ausgeprägte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Chronische Müdigkeit und dauerhafte Erschöpfung
  • Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen oder Herzschmerzen (Infektion des Herzmuskels oder des Reizleitungssystems)
  • Funktionsstörungen der Leber mit Ausscheidungsstörungen für Umweltgifte und Stoffwechselendprodukt (entweder mit oder ohne erhöhte Leberwerte)
  • Vergrößerung der Milz
  • rheumaähnliche Beschwerden der Gelenke
  • Veränderungen im Blutbild (Zerstörung von verschiedenen Blutkörperchen; in Extremfällen kann es auch zu einer Verminderung aller Blutkörperchen kommen)
  • Schmerzen in den Eierstöcken

Selbstverständlich können alle oben aufgeführten Symptome grundsätzlich auch mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Aus diesem Grund ist eine eindeutige Diagnose des Epstein-Barr-Virus von großer Bedeutung, um geeignete Therapiemaßnahmen in die Wege leiten zu können. Vielfach haben betroffene Personen bereits eine wahre Ärzteodyssee hinter sich bringen müssen, ehe die richtige Diagnose gestellt werden konnte.

Nach heutigem Kenntnisstand ist eine chronisch aktive Epstein-Barr-Virus-Infektion allerdings sehr selten; viele der oben genannten Beschwerden lassen sich bei anhaltenden Symptomen nicht ursächlich auf das Virus zurückführen. Gut belegt ist dagegen ein Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose: Eine große Kohortenstudie aus dem Jahr 2022 ergab ein um ein Vielfaches erhöhtes Erkrankungsrisiko nach einer EBV-Infektion, sodass das Virus heute als wichtigster bekannter Risikofaktor dieser Erkrankung gilt.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) existiert derzeit nicht. Die Behandlung richtet sich hauptsächlich nach den Symptomen und der Krankheitsform. Bei einer milden Infektion wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber erfolgt die Therapie symptomatisch mit Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmitteln (z. B. Paracetamol, Ibuprofen) und Fiebersenkern. Antibiotika sind wirkungslos, da es sich um ein Virus handelt.

Bei schweren Verläufen oder EBV-assoziierten Erkrankungen wie Posttransplantations-Lymphomen (PTLD) oder EBV-assoziierten Karzinomen werden Virostatika wie Ganciclovir, Aciclovir oder Valganciclovir eingesetzt. Diese zeigen jedoch nur begrenzte Wirksamkeit, da EBV hauptsächlich in latenter Form persistiert und in dieser Phase schwer angreifbar ist.

Eine Herausforderung besteht in der Behandlung von resistenten Stämmen oder EBV-assoziierten Tumoren, bei denen die Standardtherapie nicht ausreicht. In solchen Fällen werden monoklonale Antikörper (z. B. Rituximab gegen B-Zellen) oder Zytostatika zur Hemmung der infizierten Zellen eingesetzt.

Neue experimentelle Ansätze umfassen T-Zell-Therapien, bei denen patienteneigene Immunzellen modifiziert werden, um EBV-infizierte Zellen gezielt zu eliminieren. Zudem werden CRISPR-Cas9-basierte Methoden zur gezielten Inaktivierung des viralen Genoms erforscht. Auch EBV-spezifische Impfstoffe sind in der Entwicklung, um zukünftige Infektionen oder Reaktivierungen zu verhindern.

Epstein-Barr-Virus und seine Rolle bei Krebs

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist eines der wenigen bekannten Onkoviren, die direkt mit der Entstehung bestimmter Krebsarten in Verbindung gebracht werden. Durch seine Fähigkeit, in infizierten Zellen zu persistieren und das Immunsystem zu umgehen, kann EBV die Zellproliferation fördern und zur Tumorbildung beitragen. Besonders betroffen sind B-Zellen des Immunsystems, aber auch Epithelzellen können transformiert werden.

EBV-assoziierte Krebserkrankungen

EBV ist mit mehreren bösartigen Tumorerkrankungen assoziiert. Dazu gehören das Burkitt-Lymphom, ein aggressiver B-Zell-Tumor, der vor allem in Afrika auftritt, sowie das Hodgkin-Lymphom, das weltweit vorkommt. Besonders bei immungeschwächten Personen, wie AIDS-Patienten oder Empfängern von Organtransplantaten, kann EBV eine Rolle bei der Entstehung des posttransplantationsassoziierten Lymphoms (PTLD) spielen.

Darüber hinaus wird EBV mit bestimmten Karzinomen in Verbindung gebracht, insbesondere dem Nasopharynxkarzinom, das vor allem in Südostasien verbreitet ist. Auch einige Magenkarzinome (EBV-assoziiertes Magenkarzinom) weisen Spuren des Virus in den Tumorzellen auf. Der genaue Mechanismus der Krebsentstehung durch EBV ist noch nicht vollständig verstanden, jedoch spielen virale Proteine wie EBNA-1, LMP-1 und LMP-2 eine Rolle bei der unkontrollierten Zellteilung und der Hemmung des programmierten Zelltods (Apoptose).

Mechanismen der Krebsentstehung

EBV kann in infizierten Zellen in verschiedenen Latenzstadien verbleiben. Dabei verändert es die Expression viraler Gene je nach Zelltyp und Immunsystemstatus des Wirts. Die Proteine LMP-1 und LMP-2 wirken als Onkoproteine, indem sie Signalwege aktivieren, die das Zellwachstum fördern und das Immunsystem unterdrücken. EBNA-1 verhindert die Erkennung des Virus durch das Immunsystem und sorgt für die Aufrechterhaltung des viralen Genoms in der Wirtszelle.

Therapeutische Ansätze

Die Behandlung EBV-assoziierter Krebserkrankungen hängt vom Tumortyp ab. Standardtherapien wie Chemotherapie, Bestrahlung und monoklonale Antikörper (z. B. Rituximab) werden häufig eingesetzt. Neuere Ansätze konzentrieren sich auf Immuntherapien, die EBV-spezifische T-Zellen aktivieren, um infizierte Zellen gezielt zu zerstören. In der Forschung stehen auch CRISPR-Cas9-basierte Geneditierung und mRNA-Impfstoffe gegen EBV als vielversprechende Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung EBV-assoziierter Krebserkrankungen.

Nachweis im Labor

Der Verdacht auf eine frische Infektion ergibt sich meist aus dem Beschwerdebild und dem Blutbild: Die Zahl der weißen Blutkörperchen ist erhöht, und unter dem Mikroskop fallen vergrößerte, unregelmäßig geformte Lymphozyten auf. Gesichert wird die Diagnose durch die Bestimmung von Antikörpern gegen verschiedene Bestandteile des Virus. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Wert, sondern das Muster mehrerer Werte zueinander.

Antikörper gegen das Kapsidantigen des Virus (abgekürzt VCA) aus der Klasse IgM treten früh auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder; sie sprechen für eine frische Ansteckung. VCA-Antikörper der Klasse IgG bleiben dagegen lebenslang nachweisbar. Antikörper gegen das Kernantigen EBNA-1 bilden sich erst mit deutlicher Verzögerung nach der Erstinfektion. Findet man VCA-IgG zusammen mit EBNA-1-Antikörpern, spricht das für eine länger zurückliegende, abgelaufene Infektion. Fehlen die EBNA-1-Antikörper bei positivem VCA-Befund, liegt die Ansteckung meist noch nicht lange zurück.

Daneben werden sogenannte heterophile Antikörper bestimmt, die sich mit einfachen Schnelltests nachweisen lassen. Sie richten sich nicht gegen das Virus selbst, sondern entstehen als Begleiterscheinung der Infektion. Solche Tests sind schnell und billig, aber unzuverlässig: Bei kleinen Kindern fallen sie häufig negativ aus, obwohl eine Infektion vorliegt, und sie können auch bei anderen Erkrankungen anschlagen.

Bei Menschen mit geschwächter Abwehr, etwa nach einer Organtransplantation, reicht die Antikörperbestimmung nicht aus, weil das Immunsystem oft keine verlässliche Antwort mehr bildet. Hier wird die Menge des Virusmaterials im Blut mit der Polymerase-Kettenreaktion gemessen und im Verlauf beobachtet; ein Anstieg gilt als Warnzeichen. In Gewebeproben aus Tumoren lässt sich das Virus über kurze virale Erbgutabschnitte darstellen, die in den Zellkernen befallener Zellen angefärbt werden. Erst dieser Nachweis zeigt, ob das Virus tatsächlich in den Tumorzellen sitzt oder nur zufällig im umgebenden Gewebe vorhanden ist.

Entdeckungsgeschichte

Am Anfang stand kein Virus, sondern ein Tumor. Der britische Chirurg Denis Burkitt beschrieb Ende der 1950er Jahre in Uganda eine bei Kindern auffallend häufige Geschwulst im Kieferbereich. Ihm fiel auf, dass diese Erkrankung nicht überall vorkam, sondern an bestimmte Landstriche gebunden war – an feuchte, warme Gebiete, in denen auch die Malaria verbreitet ist. Aus dieser geografischen Beobachtung entstand die Vermutung, ein übertragbarer Erreger könne beteiligt sein.

Burkitt trug seine Beobachtungen 1961 in London vor. Im Publikum saß der Pathologe Michael Anthony Epstein, der sich daraufhin Gewebeproben aus Uganda schicken ließ. Zusammen mit Yvonne Barr und Bert Achong gelang es ihm, Zellen aus solchen Tumoren im Labor über längere Zeit am Leben zu halten. 1964 fanden sie im Elektronenmikroskop in diesen Zellen Partikel, die dem Bau nach eindeutig zu den Herpesviren gehörten. Damit war zum ersten Mal ein Virus in menschlichem Tumorgewebe dargestellt worden – ein Befund, der zu jener Zeit keineswegs erwartet wurde, weil die Vorstellung von einem Zusammenhang zwischen Viren und Krebs beim Menschen als abwegig galt.

Dass dasselbe Virus auch das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst, kam wenige Jahre später eher zufällig heraus. Im Labor des Ehepaars Werner und Gertrude Henle in Philadelphia wurde mit dem neuen Erreger gearbeitet; als eine Mitarbeiterin an einer Mononukleose erkrankte, zeigten ihre zuvor negativen Blutproben anschließend Antikörper gegen das Virus. Damit war der Zusammenhang zwischen dem Erreger aus dem afrikanischen Tumor und einer weltweit verbreiteten fieberhaften Erkrankung hergestellt.

Das Krankheitsbild selbst war lange vorher bekannt. Der Wiesbadener Kinderarzt Emil Pfeiffer beschrieb es gegen Ende des 19. Jahrhunderts als „Drüsenfieber“; im deutschen Sprachraum trägt es bis heute seinen Namen. Die im übrigen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Mononukleose geht dagegen auf das Blutbild zurück, das den Ärzten bei dieser Erkrankung auffiel.

Quellen

  • Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809
  • Doerr, H. W., Gerlich, W. H. (Hrsg.): Medizinische Virologie.
    ISBN: 9783131139627
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  • Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
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  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
    ISBN: 9783642171574

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