Noma (Wasserkrebs)

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Noma, auch Wasserkrebs oder Wangenbrand genannt, ist eine schwere Infektionskrankheit der Wangenschleimhäute, die von Bakterien der Mundschleimhaut ausgeht und sich unbehandelt auf das umliegende Weich- und Knochengewebe ausweitet. Von Noma sind in erster Linie Kinder in Entwicklungsländern betroffen, da dort Umweltfaktoren wie Mangelernährung, mangelhafte hygienische Verhältnisse sowie ungenügend therapierte Infektionskrankheiten vorliegen, die die Entwicklung einer Noma begünstigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Noma?

Als Noma wird eine schwere Form einer progredienten (fortschreitenden) Wangenschleimhautentzündung bezeichnet, die durch eine bakterielle Infektion durch Borrelien und Fusobakterien hervorgerufen wird.

Noma manifestiert sich bei ungenügenden hygienischen Verhältnissen sowie einem allgemein schlechten Gesundheitszustand des Betroffenen, weshalb die Erkrankung in der Regel bei Kindern mit einer gestörten Immunabwehr infolge von Infektionskrankheiten oder Mangelernährung in Entwicklungsländern auftritt.

Hierbei geht Noma zu Beginn mit Geschwüren der Mundschleimhaut einher, die sich mit Fortschreiten der Erkrankung ausbreiten, das körpereigene Gewebe zersetzen, die Gesichtsknochen schädigen und somit die für Noma charakteristischen Symptome wie faulig riechender Mundgeruch, nekrotische Bereiche in Gesichts- und Schleimhaut, Schmerzen sowie Fieber hervorrufen.

Darüber hinaus zieht Noma infolge der größer werdenden nekrotischen Areale im fortgeschrittenen Stadium eine Beeinträchtigung der Sinnesorgane und des Sprachapparates nach sich.

Ursachen

Noma wird durch für den menschlichen Organismus im Normalfall ungefährliche Bakterien (Borrelien, Fusobakterien) hervorgerufen, die typischerweise im menschlichen Mundbereich vorzufinden sind. Wird die Immunabwehr durch schlechte hygienische Verhältnisse, Infektionskrankheiten wie Masern, Scharlach, Röteln oder Meningitis sowie durch eine Mangelernährung (v.a. Mangel an Proteinen, Vitaminen, Elektrolyten) geschwächt, können sich die Bakterien, insbesondere bei Kindern von bis zu sechs Jahren, in der Mundschleimhaut vermehren, von wo aus sie sich auf das umliegende Gewebe ausbreiten (Haut, Schleimhaut und Gesichtsknochen) und Noma auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Noma (Wasserkrebs) ist eine schwerwiegende Erkrankung von unterernährten Kindern in Entwicklungsländern, die unbehandelt zum Tod oder trotz Behandlung zur Entstellung des Gesichts führt. Die Erkrankung nimmt ihren Ausgang an einer kleinen Wunde in der Mundschleimhaut und führt zum großflächigen Absterben von Gewebe und Knochenteilen im Gesicht.

Durch die Unterernährung ist das Immunsystem der Kinder sehr geschwächt. Dazu kommen noch die katastrophalen hygienischen Zustände in diesen Ländern. Das kann zu dieser katastrophalen Infektion mit oft ansonsten recht harmlosen Bakterien führen. Die Erkrankung beginnt oft mit Zahnfleischbluten und fauligem Mundgeruch.

An einer kleinen Wunde in der Mundschleimhaut bildet sich zunächst ein rotbläulicher Knoten, der sich schnell auf die Wangen und die Lippen ausbreitet. Es kommt zu Schwellungen an den entzündeten Stellen, wobei der betroffene Bereich hart und dick wird. Des Weiteren bildet sich verstärkt Eiter mit einem zunehmend unerträglichen Geruch. Die Patienten leiden außerdem unter starken Schmerzen und Fieber.

An der Stelle der Schwellung kommt es in einem weiteren Stadium dann zur Nekrose des Gewebes. Das abgestorbene Gewebe färbt sich schwarz. Dieser Bereich ist von einer weißen Linie umgeben, die als Grenzlinie das weitere Voranschreiten der Gewebszersetzung anzeigt. Der Allgemeinzustand verschlechtert sich drastisch und ist von Durchfällen und Fieber begleitet. Im Endstadium der Erkrankung kann es zur Zerstörung fast aller Gesichtsteile kommen. Der Tod tritt bei unbehandelten Personen durch Lungenentzündung, Blutvergiftung oder die blutigen Durchfälle ein.

Diagnose & Verlauf

Mundgeruch sollte vom Zahnarzt untersucht werden.

Noma wird in der Regel anhand der charakteristischen Symptome und der entsprechenden Begleitumstände wie geschwächtes Immunsystem infolge einer vorangegangenen Infektionskrankheit oder Mangelernährung sowie ungenügende hygienische Verhältnisse diagnostiziert.

Die für Noma typische Symptome sind Geschwüre in der Mundschleimhaut, die einen fauligen Mundgeruch verursachen und sich sukzessiv auf die Weich- und Knochenteile des Gesichts ausbreiten und somit die Sinnesorgane und den Sprechapparat nachhaltig beeinträchtigen.

Im fortgeschrittenen Stadium können Teile der Gesichtsknochen freiliegen und eine Sepsis (Blutvergiftung) oder eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. In Entwicklungsländern nimmt Noma in vielen Fällen einen schweren Verlauf, da in diesen Gebieten oftmals ungenügende Therapiemöglichkeiten vorhanden sind.

Etwa 90 Prozent der von Noma betroffenen Kinder sterben in diesen Gebieten, obgleich die Prognose bei frühzeitigem Therapiebeginn gut ist. Dagegen weisen die Überlebenden schwere Entstellungen im Bereich des Gesichtes infolge der Erkrankung mit Noma auf.

Komplikationen

Noma (Wasserkrebs) führt unbehandelt immer zu tödlichen Komplikationen. In den Frühstadien der Erkrankung bestehen noch sehr gute Heilungschancen. Wenn jedoch zu Beginn der Erkrankung keine Ernährungsumstellung mit ausreichender Versorgung mit Proteinen und Vitaminen erfolgt, steigt die Anzahl der Bakterien im Mundbereich so stark an, dass es zur Zersetzung des dortigen Gewebes kommt.

Der Endzustand ist von einer tödlichen Sepsis, weiteren Gewebezerfall im Mundbereich, Lungenentzündung oder schweren blutigen Durchfällen gekennzeichnet. Über 90 Prozent der von Noma betroffenen Kinder überleben die Krankheit nicht. Auch nach einer medizinischen Behandlung können noch langfristige Folgen und Komplikationen auftreten. Zu diesen Folgen zählen unter anderem ein stark vernarbtes Gesicht.

Manchmal zersetzt sich sogar das Gewebe der Lippen, Wangen oder Augenhöhlen völlig. Das Gesicht ist dann für immer entstellt. Die Folgen der Entstellung sind besonders schlimm für die Betroffenen, denn die Narben und Verstümmelungen führen häufig zu lebenslangen Belastungen und Behinderungen des Menschen. Am meisten leiden die Betroffenen dann an den psychischen Problemen.

Sie werden häufig aufgrund ihrer Entstellungen diskriminiert und geraten dadurch in Einsamkeit und gesellschaftliche Isolierung. In den betroffenen Familien werden die erkrankten Kinder oftmals verstoßen, wodurch sie völlig verwahrlosen. Sie zeigen sich nicht öffentlich, sondern leben versteckt. So werden sie von der normalen Entwicklung ausgeschlossen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Infektionen in Mund und Gesicht, Geschwüre und andere Anzeichen einer schweren Erkrankung auftreten, muss ein Arzt konsultiert werden. Der Mediziner kann Noma diagnostizieren und durch eine rasche Behandlung zu einer schnellen Genesung beitragen. Deshalb sollten bereits Erstsymptome abgeklärt werden. Wer in schlechten Hygieneverhältnissen lebt oder an Mangelernährung leidet, ist besonders anfällig für eine Infektion. Auch HIV-, AIDS- und Typhus-Patienten sowie Menschen mit einer Erkrankung des Immunsystems zählen zu den Risikogruppen und sollten mit genannten Beschwerden zum Hausarzt gehen.

Wenn die Symptome nach dem Aufenthalt in einem der Risikoländer auftreten, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Selbiges gilt bei fortgeschrittenen Erkrankungen, die womöglich schon auf die inneren Organe übergegriffen haben. So muss mit Hautblutungen, Bluthusten und starken Magen-Darm-Beschwerden umgehend das nächste Krankenhaus aufgesucht werden. Neben dem Hausarzt kann ein Internist oder ein Dermatologe in die Behandlung der Noma involviert werden. Kinder sollten bei Anzeichen einer Noma-Infektion umgehend dem Kinderarzt vorgestellt werden.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen werden bei Noma durch das vorliegende Erkrankungsstadium bedingt und konzentrieren sich auf die Eindämmung und Beseitigung der Infektion, der Verhinderung von Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung) sowie die Behandlung der Begleitsymptome. So genügen im Frühstadium (Stadium I) einer Erkrankung mit Noma therapeutische Maßnahmen, die auf eine Beseitigung der Mangelernährung, vor allem durch eine zusätzliche Zufuhr von Eiweißen, Vitaminen und Elektrolyten, und eine Eingrenzung des Infektionsherdes durch antiseptische Mundspülungen mit Chlorhexidin und Metronidazol zielen.

Im zweiten Erkrankungsstadium wird zur Bestimmung des spezifisch vorliegenden Bakterienstammes sowie des zur Behandlung einzusetzenden Antibiotika-Mixes ein Abstrich aus dem betroffenen Bereich genommen, während weiterhin Mundspülungen zum Einsatz kommen. Im späteren Verlauf der Noma (Stadium III) wird zusätzlich zur Antibiotikatherapie eine künstliche Ernährung zum Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytmangels erforderlich.

Sollte die Noma weiter fortschreiten, so dass bereits eine Ablösung des nekrotischen (abgestorbenen) Gewebes vorliegt (Stadium IV), ist eine plastische Rekonstruktion zur Wiederherstellung der geschädigten Gesichtspartien im Rahmen eines operativen Eingriffs angezeigt. Derartige operative Maßnahmen liegen in den Entwicklungsländern oftmals außerhalb der medizinischen Versorgungsmöglichkeiten und die betroffenen Kinder müssen lebenslang mit Gesichtsnarben und -entstellungen leben, was eine zusätzliche psychologische Betreuung der von Noma betroffenen Kinder notwendig macht.

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Vorbeugung

Noma kann durch ausreichende hygienische Maßnahmen und eine umfassende medizinische Versorgung vorgebeugt werden. Entsprechend ließe sich die Erkrankung in den Entwicklungsländern durch eine Verbesserung der Lebensumstände und -qualität der Kinder vermeiden. Insbesondere eine Minimierung der Unter- bzw. Mangelernährung, eine Verbesserung der hygienischen Verhältnisse sowie eine frühzeitige und umfassende medizinische Behandlung von Infektionskrankheiten sowie entsprechende Schutzimpfungen können zu einer geringeren Erkrankungsrate mit Noma in Entwicklungsländern beitragen.

Das können Sie selbst tun

Um Noma (Wasserkrebs) gut behandeln zu können, muss sich der Allgemeinzustand der Patienten – es sind meist Kinder in Entwicklungsländern - stabilisieren. Dazu gehören regelmäßige Mahlzeiten mit erhöhtem Eiweißanteil, Vitaminen und Elektrolyten ebenso wie viel Trinken, ausreichend Ruhe und Schutz vor Sonnenlicht und/oder auch Insekten.

Dabei muss das Immunsystem des Patienten aufgebaut werden, damit es mit den Borrelien und Bakterien, die die Krankheit ausgelöst haben, fertig werden kann. Die Hygiene im Umfeld ist ebenfalls äußerst wichtig. Es muss möglich sein, dass sich der Patient täglich waschen und auch die betroffenen Areale reinigen und wundtechnisch versorgen kann. Am Anfang reichen antiseptische Mundspülungen, ist die Krankheit jedoch bereits fortgeschritten, müssen zusätzlich Antibiotika eingenommen werden. Die Einnahme der verordneten Medikamente sollte regelmäßig erfolgen und nicht frühzeitig abgebrochen werden.

Ist die Infektion überwunden, können noch Narben das Gesicht entstellen. Je nach Kulturkreis sind nicht immer korrigierende Operationen möglich. Dennoch müssen für die Patienten Möglichkeiten gefunden werden, mit ihren teils erheblichen Entstellungen zurechtzukommen. Am besten sind psychotherapeutische Begleitbehandlungen oder weitere Hilfestellungen, wie sie verschiedene Hilfsorganisationen vor Ort anbieten (siehe auch http://www.nonoma.org/).

Quellen

  • Bork, K., Burkdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016


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