Onchocerca volvulus

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Beim Onchocerca volvulus handelt es sich um einen Fadenwurm, der in den Tropen vorkommt. Der schädliche Parasit kann bei Menschen die Flussblindheit hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Onchocerca volvulus?

Onchocerca volvulus
Eine Erkrankung, die vom Onchocerca volvulus verursacht wird, ist die Onchozerkose, auch Flussblindheit genannt. Von ihr betroffen sind vorwiegend Einwohner der tropischen Gebiete Afrikas; in Südamerika ist sie inzwischen weitgehend zurückgedrängt.
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Die Bezeichnung „Onchocerca“ setzt sich aus den griechischen Wörtern für „Haken“ (onkos) und „Schwanz“ (kerkos) zusammen. Mit dem lateinischen Begriff „Volvulus“ ist „rollen“ oder „drehen“ gemeint. Der Onchocerca volvulus gehört den Filarien an, die eine Überfamilie der Fadenwürmer (Nematoden) bilden. Er gilt als Parasit, der Menschen befällt und Erkrankungen auslöst.

Die Geschichte des Onchocerca volvulus lässt sich bis 1890 zurückverfolgen. In diesem Jahr erhielt der deutsche Helminthologe und Zoologe Rudolf Leuckart (1822-1898) aus dem afrikanischen Ghana ein Gebilde von Würmern, um diese an seinem Institut in Leipzig zu identifizieren. Die Proben stammten aus dem Körper von zwei afrikanischen Patienten und stellten taubeneigroße Tumore dar. In diesen Geschwülsten waren Fadenwürmer enthalten, deren weibliche Exemplare um ein Vielfaches länger ausfielen als die Männchen. Darüber hinaus befand sich eine Vielzahl an Embryos in der Nähe der Knotenhöhle.

Ohne die Entdeckung publik zu machen, schickte Leuckart eine eigene Probe und Beschreibung an den britischen Tropenmediziner Patrick Manson (1844-1922), der 1891 auf einem Londoner Kongress von dem Fadenwurm berichtete. 1893 erschien auch eine schriftliche Berichterstattung in einem tropenmedizinischen Lehrbuch. Daher gelten die Jahre 1891 bzw. 1893 als Entdeckungszeitraum des Onchocerca volvulus.

Seinen Namen erhielt der Wurm allerdings erst 1910 von Railliet und Henry, die mit der griechisch-lateinischen Wortkombination einen „drehenden Hakenschwanz“ bezeichneten.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Der Onchocerca volvulus kommt in erster Linie in den tropischen Gefilden von Westafrika bis hin nach Angola vor. Außerdem ist der Fadenwurm in Ostafrika, Zentralafrika sowie in einzelnen Regionen im Jemen zu finden. In süd- und mittelamerikanischen Ländern wie Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guatemala und Mexiko war er ebenfalls verbreitet. Mexiko, Guatemala, Kolumbien und Ecuador hat die Weltgesundheitsorganisation zwischen 2013 und 2016 jedoch für frei von der Onchozerkose erklärt; in Amerika besteht heute nur noch ein Herd im Grenzgebiet von Venezuela und Brasilien. Dabei lebt der Parasit bevorzugt in feuchten Regionen an Flüssen, die schnell fließen.

Zu den typischen Merkmalen des Onchocerca volvulus gehört seine fadenförmige schmale Gestalt. Sein Durchmesser liegt unterhalb eines Millimeters. Während die Männchen etwa 2 bis 5 Zentimeter lang werden, können die weiblichen Exemplare bis zu 70 Zentimeter erreichen. Die Larven, die auch als Mikrofilarien bezeichnet werden, weisen eine Länge zwischen 220 und 280 Mikrometern auf. In der Haut des Menschen ist der Fadenwurm in der Lage, 15 bis 17 Jahre zu überleben.

Der Onchocerca volvulus stellt einen Parasiten dar, dessen einziger Endwirt der Mensch ist. In den betroffenen Endemieregionen kann in stark betroffenen Dörfern nahezu die gesamte erwachsene Bevölkerung infiziert sein. Als Zwischenwirt benutzt der Fadenwurm die Weibchen von Kriebelmücken der Gattung Simulium, in Westafrika vor allem der Simulium-damnosum-Gruppe. Diese nimmt die Mikrofilarien beim Stechvorgang in sich auf. Innerhalb der Mücke findet eine Häutung der Larven statt, die anschließend ein infektiöses Stadium erreichen. Beim erneuten Stechen überträgt die Kriebelmücke den Onchocerca volvulus auf den Menschen.

Innerhalb des Organismus wandern die Onchocercen in einem Zeitraum von zwei Jahren durch das Binde- oder Fettgewebe. In manchen Fällen ziehen ihre Larven auch durch die Augen, wenn sie die Kopfregion erreichen.

Nach ungefähr einem Jahr bilden die Fadenwürmer Knäuel oder Knoten, die Onchozerkome genannt werden. Auf diese Weise legen sie im Unterhautbindegewebe oder tieferen Gewebsschichten ihre Larven ab. Von den weiblichen Onchocercen werden Mikrofilarien in Hautknoten und Gewebespalten abgesetzt. Von diesen Stellen aus können sie zu anderen Hautpartien gelangen. Im Anfangsstadium befallen die Larven die Beine des Menschen. Einige Jahre später wandern sie weiter in die oberen Abschnitte des Körpers wie Augen und Kopf.


Krankheiten & Beschwerden

Eine Erkrankung, die vom Onchocerca volvulus verursacht wird, ist die Onchozerkose, auch Flussblindheit genannt. Von ihr betroffen sind vorwiegend die tropischen Gebiete Afrikas; in Südamerika ist sie inzwischen weitgehend zurückgedrängt. Schätzungen zufolge leben weltweit rund 200 Millionen Menschen in Gebieten, in denen eine Infektion mit dem Fadenwurm droht; als tatsächlich infiziert gelten etwa 20 Millionen. Bei ungefähr jedem zwanzigsten Infizierten kommt es zu einer dauerhaften Sehschädigung bis hin zur Erblindung.

Die Bezeichnung Flussblindheit lässt sich auf den Umstand zurückführen, dass die Erkrankung in den meisten Fällen in der Nähe von Flüssen auftritt. So wachsen dort die Larven der Kriebelmücken auf, die dem Onchocerca volvulus als Zwischenwirt dienen.

Zu den typischen Symptomen der Onchozerkose gehört das Auftreten von schmerzfreien Knoten innerhalb der Unterhaut. Später verursachen die Mikrofilarien Hautentzündungen, die sich durch starken Juckreiz bemerkbar machen. Außerdem werden die elastischen Anteile des Bindegewebes zerstört, was wiederum die Entstehung von sogenannter Greisenhaut oder Papierhaut zur Folge hat. Möglich ist weiterhin die Ausprägung eines Leopardenfellmusters aufgrund einer Hyperpigmentierung.

Subkutane Onchozerkome sind in der Regel im Beckenkammbereich, am Kreuzbein, den Rippen sowie an Schultern, Hals und Kopf zu finden. Größere Knoten erreichen einen Umfang von 10 Zentimetern und lassen sich auf der Haut erkennen.

Es dauert Jahre, bis die Mikrofilarien das Auge erreichen. Dann drohen jedoch von ihnen hervorgerufene Sehbehinderungen und sogar eine Erblindung. Als Hinweise gelten eine sklerosierende Keratitis und eine Trübung der Hornhaut.

Festgestellt wird eine Onchozerkose vom Arzt in der Regel durch eine Hautbiopsie. Bei diesem Vorgang entfernt der Mediziner 2 bis 3 Millimeter Gewebe von der Haut und nimmt eine mikroskopische Untersuchung vor. Treten die Mikrofilarien aus der Hautprobe aus, ist der Befund positiv. Ergänzend stehen heute serologische Schnelltests auf Antikörper gegen das Wurmantigen OV-16 sowie molekularbiologische Nachweise (PCR) zur Verfügung.

Zur Behandlung der Onchozerkose erhält der Patient Antiparasitika in erster Linie Ivermectin. Diese rufen den Zerfall der Larven hervor und führen zum Freisetzen von Antigenen. Lange Zeit wurde auch Diethylcarbamazin gegeben; wegen schwerer Entzündungsreaktionen bis hin zu bleibenden Augenschäden wird es bei der Onchozerkose heute nicht mehr eingesetzt. Hinzugekommen sind Doxycyclin, das die im Wurm lebenden Wolbachia-Bakterien abtötet und die Weibchen unfruchtbar macht, sowie der 2018 zugelassene Wirkstoff Moxidectin.

Die Kriebelmücke als Überträger

Die Kriebelmücken bilden eine eigene Familie kleiner, gedrungener Zweiflügler mit buckelig gewölbtem Rücken. Nur die Weibchen saugen Blut, und sie tun es anders als Stechmücken: Sie stechen nicht in ein Gefäß, sondern raspeln mit kurzen, kräftigen Mundwerkzeugen die Haut auf und nehmen das Blut auf, das sich in der entstehenden kleinen Wunde sammelt. Diese Art des Saugens erklärt, warum die Stiche vergleichsweise schmerzhaft sind und lange nachbluten können. Sie erklärt zugleich, warum die Mikrofilarien mitaufgenommen werden: Sie halten sich in der Haut auf und kreisen nicht im Blut, würden also von einem Insekt, das ein Gefäß ansticht, gar nicht erreicht.

Der entscheidende Punkt für die Verbreitung der Krankheit liegt jedoch bei den Larven der Mücke. Sie leben im Wasser und heften sich mit einem Haftorgan an Steinen, Pflanzen oder Holz fest. Ihre Nahrung filtern sie mit zwei fächerförmigen Borstenapparaten am Kopf aus der Strömung. Dafür brauchen sie schnell fließendes, sauerstoffreiches Wasser; in stehenden Gewässern können sie nicht leben. Die Brutplätze der Kriebelmücken sind deshalb an Stromschnellen, Wehre und Wasserfälle gebunden, und deshalb tritt die Onchozerkose gerade dort auf, wo Menschen in der Nähe solcher Flussabschnitte siedeln – an Stellen also, die für Ackerbau und Wasserversorgung besonders günstig sind. In stark betroffenen Gegenden hat das dazu geführt, dass fruchtbare Talböden aufgegeben und Dörfer in größerer Entfernung vom Fluss angelegt wurden.

Die erwachsenen Mücken bleiben nicht am Gewässer. Sie legen erhebliche Strecken zurück und werden zudem vom Wind verfrachtet, sodass auch Orte in einiger Entfernung vom Brutgewässer betroffen sein können. In Afrika trägt eine Gruppe eng verwandter, äußerlich kaum unterscheidbarer Arten die Übertragung; in Mittelamerika waren andere Arten daran beteiligt. Diese Unterschiede haben praktische Folgen, weil sich die Arten in ihren Brutgewässern, ihrer Flugweite und ihrer Bereitschaft, Menschen zu stechen, voneinander unterscheiden.

Wolbachia – Bakterien im Inneren des Wurms

Im Körper des Onchocerca volvulus leben Bakterien der Gattung Wolbachia. Sie finden sich in allen Entwicklungsstadien des Wurms und werden über die Eizellen von der Mutter an die Nachkommen weitergegeben. Es handelt sich nicht um eine zufällige Besiedelung, sondern um eine feste Lebensgemeinschaft: Ohne diese Bakterien entwickeln sich die Würmer nicht normal, und die Weibchen bringen keine lebensfähigen Nachkommen mehr hervor.

Für den erkrankten Menschen sind die Bakterien in doppelter Hinsicht bedeutsam. Zum einen tragen sie zur Entzündung bei. Wenn Mikrofilarien absterben, werden auch Bestandteile der Bakterien frei, und das Immunsystem reagiert darauf heftig. Ein erheblicher Teil der Gewebeschäden, besonders an der Hornhaut, wird auf diese Reaktion zurückgeführt und nicht auf den Wurm allein.

Zum anderen eröffnet die Abhängigkeit einen Ansatz, der sich von der üblichen Wurmbehandlung grundlegend unterscheidet: Ein Antibiotikum, das gegen die Bakterien gerichtet ist, trifft den Wurm auf dem Umweg über seine Untermieter. Die betroffenen Weibchen stellen die Larvenproduktion ein, und die erwachsenen Würmer sterben über längere Zeit hinweg ab. Der Nachteil liegt in der vergleichsweise langen Behandlungsdauer über mehrere Wochen, weshalb sich dieses Vorgehen für Massenbehandlungen bislang nicht durchgesetzt hat.

Nicht alle Fadenwürmer beherbergen Wolbachia. Dem Augenwurm Loa loa etwa fehlen sie, sodass er für diesen Ansatz unzugänglich ist.

Sowda und weitere Verlaufsformen

Die Onchozerkose verläuft nicht bei allen Betroffenen gleich. Neben der verbreiteten Form, bei der sich die Mikrofilarien über weite Teile der Haut verteilen, ist eine zweite, örtlich begrenzte Verlaufsform beschrieben worden, die vor allem aus dem Jemen und dem Sudan bekannt ist und dort mit dem arabischen Wort für „schwarz“ als Sowda bezeichnet wird. Betroffen ist meist nur ein Bein oder ein Arm. Die Haut ist dort verdickt, dunkel verfärbt und juckt heftig, und die zugehörigen Lymphknoten sind geschwollen.

Das Bemerkenswerte an dieser Form ist, dass sich in der Haut nur sehr wenige Mikrofilarien nachweisen lassen, obwohl die Beschwerden stark sind. Erklärt wird das mit einer besonders kräftigen Abwehrreaktion: Das Immunsystem tötet die Larven ab, doch gerade diese Reaktion verursacht die Hautveränderungen. Damit steht die Sowda am einen Ende einer Bandbreite, an deren anderem Ende Menschen stehen, die trotz hoher Larvenzahl über lange Zeit kaum Beschwerden haben.

Zu den weiteren Folgen einer langjährigen Infektion gehören Veränderungen der Lymphbahnen. Bei ausgeprägtem Befall kann die Haut der Leistengegend erschlaffen und sackartig herabhängen; darin liegen vergrößerte Lymphknoten. Auch eine allgemeine Schwächung, eine Abnahme des Körpergewichts und ein Rückgang des Unterhautfettgewebes werden bei langem Verlauf beobachtet.

Nachweis

Neben der Hautbiopsie stehen weitere Verfahren zur Verfügung. Bei Verdacht auf einen Befall des Auges wird der vordere Augenabschnitt mit der Spaltlampe untersucht. Die beweglichen Mikrofilarien lassen sich dort unter Umständen unmittelbar erkennen, ebenso die charakteristischen kleinen Trübungen, die sich um abgestorbene Larven herum bilden.

Tastbare Knoten unter der Haut können entnommen und untersucht werden; in ihnen finden sich die zusammengeknäuelten erwachsenen Würmer. Weil ein Teil der Knoten jedoch tief liegt und von außen nicht zu tasten ist, sagt ihre Zahl wenig über das Ausmaß der Infektion aus.

Früher wurde außerdem ein Verfahren angewandt, bei dem eine geringe Menge eines wurmwirksamen Mittels verabreicht wurde. Setzte danach starker Juckreiz mit Hautausschlag ein, galt das als Hinweis auf eine Infektion. Weil diese Reaktion heftig ausfallen kann, wird der Test heute nicht mehr durchgeführt.

Die Suche nach Antikörpern im Blut hat den Vorteil, dass sie ohne Eingriff auskommt, und den Nachteil, dass sie eine frühere von einer bestehenden Infektion nicht sicher unterscheidet. In Gebieten, in denen die Übertragung beendet werden soll, wird sie deshalb vor allem bei Kindern eingesetzt: Finden sich bei ihnen keine Antikörper, spricht das dafür, dass keine neue Übertragung mehr stattfindet.

Abgrenzung zu anderen Fadenwürmern des Menschen

Onchocerca volvulus gehört zu einer Gruppe von Fadenwürmern, die alle von blutsaugenden Insekten übertragen werden und deren Larven im Gewebe oder im Blut leben. Sie werden leicht miteinander verwechselt, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten.

Der Augenwurm Loa loa kommt in den Regenwaldgebieten Zentral- und Westafrikas vor und wird von tagaktiven Bremsen übertragen. Seine erwachsenen Würmer wandern im Unterhautgewebe und gelegentlich sichtbar unter der Bindehaut des Auges hindurch, seine Larven kreisen im Blut, und zwar bevorzugt zur Tageszeit. Darin liegt der wesentliche Unterschied zu Onchocerca volvulus, dessen Larven in der Haut bleiben.

Die Erreger der lymphatischen Filariose werden von Stechmücken übertragen und siedeln sich in den Lymphgefäßen an. Ihre Larven finden sich ebenfalls im Blut, bei den wichtigsten Arten vorwiegend nachts – ein Rhythmus, der der Stechzeit der übertragenden Mücken folgt und der für den Zeitpunkt der Blutentnahme bei der Diagnose eine Rolle spielt.

Praktisch bedeutsam wird die Unterscheidung bei Massenbehandlungen. In Gebieten, in denen beide Würmer vorkommen, kann die Behandlung gegen Onchocerca volvulus bei Menschen mit sehr hoher Larvenzahl von Loa loa schwere Reaktionen des Nervensystems auslösen. Programme in solchen Regionen bestimmen deshalb vorab, wie stark die Bevölkerung mit Loa loa befallen ist, und richten ihr Vorgehen danach aus.

Bekämpfungsprogramme

Die Onchozerkose gehört zu den Krankheiten, gegen die über Jahrzehnte hinweg großangelegte Programme geführt wurden, und sie ist eines der Beispiele, an denen sich der Wandel solcher Strategien ablesen lässt.

Das erste große Vorhaben begann 1974 in Westafrika und setzte am Überträger an: Aus Flugzeugen und Hubschraubern wurden Mittel gegen die Mückenlarven in die Brutgewässer ausgebracht, über Jahre hinweg und über ein weites Gebiet. Das Vorgehen war aufwendig und musste ohne Unterbrechung fortgeführt werden, weil schon eine Saison ohne Behandlung zur Wiederbesiedlung der Flüsse geführt hätte.

Mit der Verfügbarkeit eines gut verträglichen Mittels gegen die Larven im Menschen verschob sich der Ansatz. Ab 1995 arbeitete ein Nachfolgeprogramm für Afrika mit Behandlungen, die einmal jährlich in den betroffenen Dörfern stattfanden und von den Gemeinden selbst organisiert wurden: Ausgewählte Bewohner erhielten eine Einweisung, verteilten das Mittel und führten die Listen. Dieses Verfahren erreichte Orte, zu denen kein Gesundheitsdienst regelmäßig gelangt, und ist später auf andere Krankheiten übertragen worden. Möglich wurde es dadurch, dass der Hersteller das Mittel seit Ende der 1980er Jahre für diesen Zweck unentgeltlich zur Verfügung stellt.

In Amerika verfolgte ein eigenes Programm seit Anfang der 1990er Jahre ein weitergehendes Ziel. Weil die betroffenen Gebiete dort klein und klar abgegrenzt waren, wurde nicht nur behandelt, um Erblindungen zu verhindern, sondern mit häufigeren Behandlungsrunden versucht, die Übertragung ganz zu unterbrechen. In mehreren Ländern ist das gelungen.

Wo eine solche Unterbrechung erreicht scheint, folgt eine mehrjährige Überwachung. Geprüft wird dabei sowohl der Mensch – vor allem über Untersuchungen bei Kindern, die nach dem Ende der Übertragung geboren wurden – als auch die Mücke: Gefangene Kriebelmücken werden darauf untersucht, ob sie noch Larven des Wurms enthalten.

Quellen

  • Mehlhorn, H.: Die Parasiten des Menschen.
    ISBN: 9783662653142
  • Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
    ISBN: 9783662548615
  • Löscher, T. et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
    ISBN: 9783642171574

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