Ophthalmia neonatorum
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter einer Ophthalmia neonatorum wird eine Bindehautentzündung des Auges bei Babys verstanden. Sie ist auch als Neugeborenenkonjunktivitis bekannt.
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Was ist Ophthalmia neonatorum?
Bei einer Ophthalmia neonatorum kommt es in den ersten Lebenswochen eines neugeborenen Kindes zu einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung) des Auges. In den meisten Fällen sind beide Augen betroffen. Die Bindehautentzündung kann durch verschiedene Erreger hervorgerufen werden, zu denen in erster Linie Bakterien gehören. Die Inkubationszeit der Ophthalmia neonatorum liegt zwischen zwei Tagen und zwei Wochen. Beschwerden und Verlauf der Neugeborenenkonjunktivitis hängen von ihrem Verursacher ab.
Ursachen
Diese gramnegativen Bakterien sind die Ursache für bis zu 73 Prozent aller Bindehautentzündungen bei Babys. Als weitere Verursacher kommen Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonaden oder Viren wie Herpesviren infrage. Ebenso können jedoch auch unterschiedliche Umwelteinflüsse eine Bindehautentzündung bei Babys hervorrufen.
Die Medizin differenziert grundsätzlich zwischen einer ansteckenden und einer nicht ansteckenden Neugeborenenkonjunktivitis. Während die infektiöse Ophthalmia neonatorum von Bakterien und Viren ausgelöst wird, entsteht die nicht-infektiöse Form durch eine chemische Reizung des Auges. Klassisches Beispiel dafür ist die Silbernitratlösung, die früher allen Neugeborenen vorbeugend eingeträufelt wurde. Weitere mögliche Urheber der Augenkrankheit sind Chemikalien und Fremdkörper. Eine allergisch bedingte Bindehautentzündung, wie sie bei älteren Kindern und Erwachsenen vorkommt, spielt in den ersten Lebenstagen dagegen keine Rolle.
Die ansteckende Form kann wiederum mit einer Erkältung verbunden sein. Nicht selten findet die Übertragung der Keime beim Geburtsvorgang statt, indem sie beim Durchtritt durch den Geburtskanal in die Augen des Kindes gelangen. Ebenso denkbar ist eine Schmierinfektion nach der Geburt von einem Baby zum anderen. Ein weiterer Umstand, der zum Entstehen einer Neugeborenenkonjunktivitis führen kann, ist die noch nicht vollständige Funktionstüchtigkeit der tränenabführenden Gänge. Dadurch kommt es zum Anstau von überschüssiger Tränenflüssigkeit, die nicht richtig abfließen kann.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome der Ophthalmia neonatorum können je nach Erreger einen unterschiedlichen Verlauf nehmen. Bei einer Infektion durch Gonokokken sprechen Ärzte von einer Gonoblennorrhoe. Sie ist gekennzeichnet durch eine starke Ansammlung von Eiter. Außerdem schwellen die Augenlider des Babys an, wodurch es beim Öffnen der Augen zum Hervortreten von Eiter kommt.
Weil die Gonoblennorrhoe Geschwüre auf der Hornhaut verursacht, gilt sie als besonders gefährliche Form der Ophthalmia neonatorum. So zeigt sich das Entstehen von Löchern. Im schlimmsten Fall droht sogar Blindheit. Im Falle einer Chlamydienblennorrhoe schwellen die Augen des Babys an und es erfolgt eine schleimige Eiterbildung.
In den Bindehautzellen sind charakteristische sogenannte Einschlusskörperchen zu erkennen. In der Medizin trägt die Krankheitsform deswegen auch die Bezeichnung Einschlusskörperchenkonjunktivitis. Lösen Herpesviren die Ophthalmia neonatorum aus, macht sich dies durch eine geschwollene und gerötete Bindehaut bemerkbar. Außerdem bilden sich am Augenlid Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Eine Bindehautentzündung durch Viren gilt als besonders ansteckend.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Besteht bei einem Baby Verdacht auf eine Bindehautentzündung, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Für seine Untersuchung verwendet der Arzt eine spezielle Spaltlampe, mit deren Hilfe er die unterschiedlichen Augenstrukturen vergrößert betrachten kann. Zur Untersuchung der inneren Augenlider werden diese umgeklappt.
Um die Erreger bestimmen zu können, wird zumeist ein Abstrich entnommen. Ein Hinweis auf eine Chlamydien-Infektion sind die Einschlusskörperchen in den abgeschabten Zellen der Bindehaut. Chlamydien und Gonokokken lassen sich zudem mit molekularbiologischen Verfahren aus dem Abstrich nachweisen. Wird ein Erreger gefunden, der beim Geburtsvorgang übertragen wird, sollte auch die Mutter untersucht werden.
Wird die Ophthalmia neonatorum einer fachgerechten Behandlung unterzogen und zeigen sich keine Komplikationen, nimmt die Augenentzündung meist einen günstigen Verlauf. Die Beschwerden sind dann nach ungefähr 14 Tagen wieder vorüber. Eine Verzögerung des Heilungsprozesses kann jedoch durch den Einfluss von Staub, Sonnenlicht oder Zigarettenrauch erfolgen.
Komplikationen
Die Augen selbst sind angeschwollen und die Betroffenen leiden an verschiedenen Sehbeschwerden. In vielen Fällen weinen die Kinder aufgrund der Ophthalmia neonatorum übermäßig, da sie dabei auch an Augenschmerzen leiden. Weiterhin kann es auch zur Ausbildung von Geschwüren auf der Hornhaut selbst kommen. Sollte die Entzündung der Bindehaut von Viren verursacht worden sein, so kann sich diese auch auf andere Menschen übertragen.
Die Behandlung der Ophthalmia neonatorum erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Dabei kommt es durch die Gabe von Antibiotika in der Regel relativ schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne Komplikationen. Vor allem bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung der Erkrankung können die Beschwerden relativ gut gelindert werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird von der Ophthalmia neonatorum nicht beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da die mit Eiterbildung verbundene Ophthalmia neonatorum nur bei Neugeborenen auftritt, ist der Arzt in den meisten Fällen sofort zur Stelle. Die oft beidseits auftretende infektiöse Bindehautentzündung an den Augen Neugeborener tritt meist in den ersten 14 Lebenstagen auf. Mit Glück ist die Mutter des Kindes dann noch in der Geburtsklinik. Andernfalls sollte sie umgehend einen Kinderarzt konsultieren.
Der sofortige Arztbesuch ist notwendig, weil die Ophthalmia neonatorum meistens durch Chlamydien, Gonokokken, Herpesviren, Staphylokokken oder Streptokokken sowie Pseudomonaden ausgelöst wird. Je nach Auslöser treten die ersten Symptome der Infektion binnen weniger Stunden oder erst nach mehreren Tagen auf.
Es ist außerdem möglich, dass zwei der Auslöser an der eitrigen Infektion der Augen beteiligt sein können. Schnelles Handeln ist notwendig, weil einige Erreger eine Erblindung auslösen können. Der neugeborene Patient sollte umgehend behandelt werden. Eine Prophylaxe unmittelbar nach der Geburt richtet sich in erster Linie gegen die Erreger der Gonorrhoe; eine Povidon-Iod-Lösung erfasst zusätzlich Chlamydien. Einer Chlamydien-Infektion des Kindes lässt sich dagegen vor allem dadurch vorbeugen, dass eine Infektion der Mutter schon während der Schwangerschaft erkannt und behandelt wird.
In einigen Fällen ist es durch die infizierte Mutter zu einer Schmierinfektion bei der Geburt gekommen. In diesem Fall muss auch die Mutter sich einer medizinischen Behandlung unterziehen. Bei einer Infektion mit Chlamydien sollten sogar beide Elternteile behandelt werden. Als besonders gefährlicher Auslöser der Ophthalmia neonatorum gilt die Gonoblennorrhö.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Ophthalmia neonatorum richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser der Augenerkrankung. Im Falle einer Gonoblennorrhoe muss das Kind umgehend im Krankenhaus behandelt werden. Mittel der Wahl ist das Antibiotikum Ceftriaxon, das in die Vene oder in den Muskel gegeben wird; bei Neugeborenen mit Gelbsucht wird stattdessen Cefotaxim verwendet; ergänzend wird das Auge mit steriler Kochsalzlösung gespült. Augentropfen allein reichen bei dieser Form nicht aus.
Von der Behandlung zu unterscheiden ist die Credé-Prophylaxe. Bei dieser Methode träufelt der Arzt dem Neugeborenen kurz nach der Geburt vorbeugend eine Silbernitratlösung in die Augen. Sie wirkt gegen Gonokokken, nicht jedoch gegen Chlamydien. In Deutschland war sie bis 1986 als Teil der Vorsorgeuntersuchung U1 gesetzlich vorgeschrieben; seither ist sie freiwillig und nur mit Einwilligung der Eltern zulässig und wird heute nur noch selten durchgeführt; als verträglichere Alternativen gelten antibiotische Augensalben oder eine 2,5-prozentige Povidon-Iod-Lösung.
Ist eine Chlamydien-Infektion für die Neugeborenenkonjunktivitis verantwortlich, verabreicht der Arzt dem Baby in der Regel Antibiotika. Diese werden über den Mund gegeben, weil eine örtliche Behandlung allein nicht ausreicht: Chlamydien können auch die Atemwege des Kindes befallen. Darüber hinaus kann das Baby eine Augensalbe oder Augentropfen erhalten, die in den Bindehautsack einzubringen sind.
Nicht selten verklebt sich das Auge des Kindes mit Tränensekret. Dieses lässt sich mit einem weichen Waschlappen und warmem Wasser auswaschen. Zusätzlich werden gelegentlich homöopathische Mittel eingesetzt, was jedoch mit dem Arzt besprochen werden sollte. Häufig genannt wird dabei Augentrost (Euphrasia), der als Globuli, als Tablette oder als Augentropfen angeboten wird. Ein Wirksamkeitsnachweis für solche Mittel liegt nicht vor. Sie dürfen die antibiotische Behandlung eines Neugeborenen keinesfalls ersetzen oder verzögern.
Juckreiz und Brennen am Auge können durch das Auflegen von kühlen Kompressen gelindert werden. Dies ist besonders wichtig, weil das Baby nicht an seinen Augen reiben darf. Außerdem sollte das Kind einige Tage lang keinem hellen Licht und Sonnenschein ausgesetzt werden.
Hausmittel gehören dagegen nicht in das Auge eines Neugeborenen. Ungeeignet ist insbesondere das Einträufeln einer Honiglösung: Honig ist nicht keimfrei und darf Säuglingen im ersten Lebensjahr wegen der Gefahr eines Säuglingsbotulismus ohnehin nicht gegeben werden.
Aussicht & Prognose
Die Neugeborenen-Konjunktivitis (Ophthalmia neonatorum) ist eine behandlungspflichtige Entzündung der Bindehaut am Auge Neugeborener. Die Prognose ist bei schnell einsetzender Behandlung mit Antibiotika positiv, sofern der Erreger bzw. Auslöser ausgemacht werden kann.
Die symptomatische Behandlung erfolgt ursachenbezogen. Die Prognose kann ebenfalls davon beeinflusst werden, welcher Verursacher für die Ophthalmia neonatorum vorliegt. Bei einer Infektion des Auges durch Chlamydien erholt sich das befallene Auge in den meisten Fällen vollständig. Es kann jedoch sein, dass weitere Therapiemaßnahmen notwendig werden, da Chlamydien hartnäckig sind. Bei einem kleineren Teil der befallenen Babys ist die Prognose für eine vollständige Heilung weniger gut.
Bei bakteriellen Infektionen des kindlichen Auges ist die Prognose positiv. Die verursachenden Bakterien sprechen fast immer auf die Behandlung an. Diese muss allerdings zeitnah und mit angemessenen Therapeutika erfolgen. Unbehandelt bleibende Ophthalmia neonatorum-Infektionen können zu bleibenden Schädigungen am Auge der Neugeborenen - und manchmal auch zum Tod des Kindes führen. Der Grund liegt im Mangel an einem ausgebildeten Immunsystem.
Bei Ophtalmia neonatorum-Betroffenen, die eine virusbedingte Augenentzündung haben, ist die Prognose schlechter. Das Sehvermögen kann dauerhaft Schaden erleiden. Die systemischen Folgen können ebenfalls fatal ausfallen. Durch chemische Irritationen ausgelöste Bindehautentzündungen geben sich binnen 24 bis 36 Stunden nach Ende der Exposition.
Vorbeugung
Einer Ophthalmia neonatorum vorzubeugen ist schwierig. So werden die verantwortlichen Erreger oft schon bei der Geburt übertragen. Der wichtigste Ansatzpunkt liegt deshalb in der Schwangerenvorsorge: Wird eine Infektion der Mutter mit Chlamydien oder Gonokokken rechtzeitig erkannt und behandelt, sinkt das Risiko für das Kind deutlich. In Deutschland gehört ein Chlamydien-Test aus dem Urin für alle Schwangeren zu den Untersuchungen nach den Mutterschafts-Richtlinien und wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Nachsorge
Nach der Behandlung einer Ophthalmia neonatorum ist eine Nachsorge für die Neugeborenen dringend erforderlich. Da die Babys mit Antibiotika behandelt worden sind, können durch die Medikamente eventuelle Komplikationen auftreten. Aus diesem Grund müssen Eltern mit den Kindern bis zu sechs Wochen lang regelmäßig zu Nachuntersuchungen gehen. Vor allem aber wird bei diesen Terminen kontrolliert, ob die Entzündung vollständig abgeklungen ist und die Hornhaut keinen Schaden genommen hat.
Wenn festgestellt wird, dass die Neugeborenen die Behandlung gut überstanden haben, sind keine weiteren Behandlungen mehr nach den sechs Wochen notwendig. Wird dagegen festgestellt, dass die Antibiotika Nebenwirkungen wie Fieber oder Atembeschwerden ausgelöst haben, müssen diese entsprechend mit anderen Medikamenten behandelt werden, um das Wohl des Kindes nicht zu gefährden.
Die Nachuntersuchung ist allerdings auch für die Eltern und Familienmitglieder notwendig, die mit dem erkrankten Kind in Berührung gekommen sind. Da es durch Schmierinfektion zu einer Übertragung von Krankheitserregern kommen kann, besteht bei jeder Person das Risiko, dass sie sich unbewusst bei dem Neugeborenen angesteckt hat. Antibiotika erhalten dabei vor allem die Mutter und ihr Partner, weil Chlamydien und Gonokokken sexuell übertragen werden. Eine vorsorgliche Antibiotikagabe an alle Familienmitglieder ist dagegen nicht üblich.
Wird nach einer erfolgreichen Behandlung der Ophthalmia neonatorum festgestellt, dass keine Rückstände von Krankheitserregern beim Neugeborenen oder den Familienmitgliedern mehr vorhanden sind, sind keine weiteren Schritte zur Nachsorge mehr nötig. Das Kleinkind kann dann ganz normal aufwachsen, sofern die Hornhaut durch die Entzündung nicht bereits geschädigt worden ist.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Ophthalmia neonatorum können Eltern die ärztliche Behandlung nur unterstützen, nicht ersetzen. Ein eitriges oder verklebtes Auge beim Neugeborenen gehört umgehend in ärztliche Hand; Abwarten ist hier nicht angebracht, weil einige Erreger die Hornhaut schon innerhalb weniger Tage zerstören können. Welche Behandlung nötig ist, hängt von der Ursache ab und legt der Arzt fest.
Eine durch chemische Reizung ausgelöste Bindehautentzündung verschwindet, sobald die Ursache beseitigt ist. Eine allergisch bedingte Bindehautentzündung kommt bei Neugeborenen dagegen praktisch nicht vor; Antihistaminika und Allergietests spielen in diesem Alter keine Rolle. Jede klebrige oder krustige Beschichtung der Augenlider oder Wimpern kann mit Watte und abgekochtem Wasser gereinigt werden – für jedes Auge mit einem frischen Tupfer, damit die Erreger nicht verschleppt werden.
Wenn die Hände regelmäßig gewaschen und keine Kissen oder Handtücher gemeinsam mit dem Säugling benutzt werden, lässt sich einer Ausbreitung vorbeugen. Der Kinderarzt überprüft, ob eine schwerwiegendere zugrunde liegende Ursache für die Symptome vorliegt. Bessern sich die Beschwerden unter der Behandlung nicht oder nehmen sie zu, ist umgehend erneut ärztlicher Rat einzuholen.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
ISBN: 9783132402997
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
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- Hübler, A., Jorch, G., Härtel, C. (Hrsg.): Neonatologie.
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- Mylonas, I.: Sexuell übertragbare Erkrankungen.
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- Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
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