Pericarditis constrictiva

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter einer Pericarditis constrictiva wird eine Komplikation der akuten Herzbeutelentzündung verstanden. Dabei kommt es zu einem narbigen Umbau des Herzbeutels.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pericarditis constrictiva?

Pericarditis constrictiva
Da bei der Pericarditis constrictiva die diastolische Ventrikelfüllung in Mitleidenschaft gezogen wird, hat dies Anzeichen einer Einflussstauung zur Folge. Als typisch für die Erkrankung gilt eine obere sowie eine untere Einflussstauung.
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In der Medizin trägt eine Pericarditis constrictiva auch die Bezeichnungen konstriktive Perikarditis oder Panzerherz. Gemeint ist damit eine Verdickung und Verhärtung des Herzbeutels (Perikards) aufgrund einer verstärkten Bindegewebsbildung (Fibrose). Dieser Vorgang ist oftmals die Folgeerscheinung einer akuten Herzbeutelentzündung (Perikarditis).

Durch die Verdickung kann sich das Herz während seiner Füllungsphase nicht mehr problemlos ausdehnen. Im Normalfall stellt der Herzbeutel einen bindegewebsartigen flexiblen Sack dar, von dem das menschliche Herz umgeben wird. Er erfüllt die Funktion, das Herz vor einer Überdehnung zu bewahren. Außerdem wird im Inneren des Herzbeutels ein schmaler Flüssigkeitsfilm gebildet, der das reibungslose Gleiten des wichtigen Organs ermöglicht.

Ursachen

Urheber einer Pericarditis constrictiva sind oftmals wiederholt auftretende Entzündungen. Dabei wird durch Keime wie Bakterien oder eine Immunreaktion des Organismus das Entstehen von Narben verursacht. Außerdem bildet sich zur gleichen Zeit verstärkt Bindegewebe.

Des Weiteren reichert sich Kalk im Herzbeutel an. Die mehrfach auftretenden Entzündungen bewirken im Laufe der Zeit das Verdicken des Herzbeutels, was sich wiederum negativ auf dessen Elastizität auswirkt. Weil der Herzbeutel sich kaum noch bewegen kann, ist das Herz wie in einem Panzer gefangen, was zur Bezeichnung „Panzerherz“ führte.

Dadurch kommt es zu Störungen der Herztätigkeit. Nicht immer lassen sich die Ursachen für die Herzbeutelentzündung finden. Bei rund 30 Prozent aller betroffenen Personen gilt jedoch die Tuberkulose als Auslöser für eine Pericarditis constrictiva. Diese Angabe stammt aus älteren Erhebungen. Nach heutigem Kenntnisstand ist die Tuberkulose in Deutschland und anderen Industrieländern nur noch selten der Auslöser; hier stehen vorangegangene virale oder ungeklärte Herzbeutelentzündungen, Operationen am Herzen und Bestrahlungen im Vordergrund. In Ländern mit hoher Tuberkuloselast bleibt die Tuberkulose dagegen die häufigste Ursache.

Weitere mögliche Gründe sind Tumorerkrankungen, eine Bestrahlung des Brustkorbs, chronische Nierenleiden wie eine urämische Perikarditis sowie Autoimmunkrankheiten wie Lupus erythematodes. Auch vorangegangene Operationen am Herzen kommen als mögliche Auslöser für die Entzündungen in Betracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da bei der Pericarditis constrictiva die diastolische Ventrikelfüllung in Mitleidenschaft gezogen wird, hat dies Anzeichen einer Einflussstauung zur Folge. Als typisch für die Erkrankung gilt eine obere sowie eine untere Einflussstauung. Weitere Symptome können Wasseransammlungen im Körper (Ödeme) und eine Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie) sein, die nicht selten mit einem Wasserbauch (Aszites) verbunden ist.

Auch eine Nierenstauung ist möglich, bei der sich in den Gliedmaßen Wasser anlagert. Der Nierenstau führt dazu, dass über den Urin Eiweiß verloren geht; der daraus entstehende Mangel an Eiweiß begünstigt die Wassereinlagerungen zusätzlich. Zu den häufig auftretenden Beschwerden gehören außerdem Atemnot, Leistungsschwäche, ein starkes Hervortreten der Halsvenen und eine bläuliche Verfärbung der Lippen.

Grund für die Stauung ist die Unbeweglichkeit des Perikards, wodurch die Herzkammern nicht mehr genügend Blut erhalten und sich das venöse Blut anstaut. Die verringerte Füllung in den Herzkammern bewirkt, dass der Körper nur noch unzureichend Sauerstoff erhält. Durch den abrupten Stopp der Kammerfüllung schlägt das Herz oft in einem bestimmten Galopprhythmus.

Außerdem kann ein Pulsus paradoxus vorkommen. Ein weiteres typisches Merkmal der Pericarditis constrictiva stellen die Anzeichen einer Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche) dar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf eine Pericarditis constrictiva, ist eine Untersuchung beim Arzt empfehlenswert. Im Rahmen der Untersuchungen nimmt der Mediziner ein EKG vor. Mit dessen Hilfe lässt sich die konstriktive Perikarditis durch unspezifische Veränderungen feststellen.

Auffällig sind in erster Linie Negativierungen der T-Welle. Im Falle einer umfangreichen Vernarbung kann zudem eine Niedervoltage vorliegen. Beim Abhören der Herztöne nimmt der Arzt meist einen dritten zusätzlichen Ton wahr. Durch diesen entsteht der Eindruck eines Galopprhythmus. Verantwortlich für diesen Herzton ist der abrupte Füllungsstopp innerhalb der Herzkammern.

Mit einer Echokardiographie ist ein verstärktes Echo an den vernarbten Arealen des Herzbeutels feststellbar. Auch eine reduzierte Herzbeweglichkeit lässt sich im Rahmen einer Echtzeitbeobachtung ermitteln. Dabei kommt es zu einem verfrühten Anhalten der Ventrikelfüllung innerhalb der Diastole.

Durch eine Röntgenuntersuchung besteht die Möglichkeit, Verkalkungen zu erfassen. Weitere hilfreiche Untersuchungsmethoden stellen die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) dar. So lässt sich bei einer Computertomographie die Dicke des Herzbeutels ermitteln, während die Kernspintomographie Aufschlüsse über die Veränderungen im Perikard liefert.

Weil die Beschwerden – Bauchwasser, gestaute Halsvenen und Wassereinlagerungen in den Beinen – denen einer Rechtsherzschwäche oder einer Lebererkrankung stark ähneln, wird die Pericarditis constrictiva häufig zunächst verkannt und über längere Zeit als Leberleiden behandelt. Lässt sich die Erkrankung mit den bildgebenden Verfahren nicht sicher von einer restriktiven Kardiomyopathie unterscheiden, kann zusätzlich eine gleichzeitige Druckmessung im rechten und linken Herzen mittels Herzkatheter Klarheit schaffen.

Der Verlauf der Pericarditis constrictiva hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt ein operativer Eingriff erfolgt. Wird dieser zu spät vorgenommen und ist die Krankheit schon weit fortgeschritten, gilt die Prognose eher als negativ.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich bei der Pericarditis constrictiva schon direkt um eine Komplikation. Diese kann im schlimmsten Falle ohne Behandlung allerdings zum Tode des Betroffenen führen. Die Betroffenen leiden aufgrund der Pericarditis constrictiva in erster Linie an starken Wassereinlagerungen. Diese können an unterschiedlichen Stellen auftreten und verringern weiterhin auch die Ästhetik des Patienten.

Ebenso kommt es dabei nicht selten zu einer vergrößerten Leber, wobei die betroffene Region im Körper in der Regel auch schmerzt. Auch ein Wasserbauch tritt bei der Pericarditis constrictiva in der Regel auf. Weiterhin können durch die Krankheit die Nieren irreversibel geschädigt werden. Aufgrund der verringerten Versorgung mit Sauerstoff kommt es auch zu einer Blaufärbung der Haut und der Lippen und weiterhin zu einer Schädigung der inneren Organe, die in der Regel irreversibel ist.

Sollte die Pericarditis constrictiva nicht behandelt werden, so tritt eine Herzinsuffizienz auf, die in der Regel zum Tode des Patienten führt. Medikamente können die Stauungsbeschwerden lindern, beseitigen den narbig verhärteten Herzbeutel selbst jedoch nicht. In der Regel ist daher ein operativer Eingriff notwendig, um die Beschwerden dieser Erkrankung vollständig zu lösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Pericarditis constrictiva muss immer von einem Arzt behandelt werden. Sollte keine Behandlung eingeleitet werden, so kommt es in der Regel immer zum Tod des Patienten. Je früher die Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Heilung. In der Regel zeigt sich die Pericarditis constrictiva durch starke Wasseransammlungen im Körper.

Sollten diese Ansammlungen daher ohne einen besonderen Grund und relativ plötzlich eintreten, so ist immer ein Arzt aufzusuchen. Auch ein Wasserbauch oder eine starke Vergrößerung der Leber deuten auf die Pericarditis constrictiva hin und sollten von einem Mediziner untersucht werden. Weiterhin kommt es zu Atemnot und zu einem Mangel an Eiweiß. Die Betroffenen fühlen sich müde und geschwächt und können nicht mehr ohne Weiteres am Alltag teilnehmen.

Die Pericarditis constrictiva kann durch einen Internisten oder durch einen Kardiologen erkannt werden. Bei der weiteren Behandlung ist ein operativer Eingriff notwendig. Ob die Pericarditis constrictiva damit zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten führt, kann nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung einer Pericarditis constrictiva kommen oft Diuretika zur Anwendung. Durch die Einnahme dieser harntreibenden Medikamente lässt sich der Körper entwässern, wodurch eine Entlastung des Herzens möglich ist. Da jedoch die eigentliche Ursache der Erkrankung mit diesem Vorgehen unbehandelt bleibt, liegt nur eine begrenzte Wirkung vor.

Als sinnvoller gilt dagegen eine Operation, um das Herz aus dem vernarbten Herzbeutel zu befreien. Der Eingriff trägt die Bezeichnung Perikardektomie. In dessen Rahmen entfernt der Chirurg den größten Teil des Perikards. In der Regel kann die Perikardektomie ohne eine Herz-Lungen-Maschine vorgenommen werden.

Wichtig ist jedoch, dass die Operation stattfindet, bevor es zu einer unmittelbaren Schädigung des Herzmuskels kommt. Ferner ist auf irreversible Schäden an Leber und Nieren aufgrund der Stauung zu achten. Nach dem Eingriff muss der Patient noch einige Tage auf der Intensivstation bleiben, damit sich das Herz an die neuen Abläufe gewöhnen kann. Darüber hinaus besteht nach der Operation noch immer die Gefahr von Herzversagen.


Aussicht & Prognose

Bei der Pericarditis constrictiva ist der weitere Verlauf der Erkrankung sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose und Behandlung abhängig. Daher kann eine allgemeine Vorhersage und Prognose in der Regel nicht gemacht werden, sodass der Betroffene bei dieser Krankheit in aller erster Linie schon sehr früh einen Arzt aufsuchen sollte.

Wird die Pericarditis constrictiva jedoch nicht behandelt, so kann es auch nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen. Es kommt dabei zu Beschwerden am Herzen und im schlimmsten Falle auch zum Tode des Betroffenen durch ein Herzversagen oder durch ein anderes Problem mit dem Herzen. Aus diesem Grund ist bei dieser Krankheit immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig. In der Regel kann die Krankheit gut durch einen operativen Eingriff gelindert werden, und viele Betroffene können danach beschwerdefrei weiterleben. Die Perikardektomie ist allerdings ein großer herzchirurgischer Eingriff, der mit einer erheblichen Sterblichkeit belastet ist und Komplikationen wie stärkere Blutungen, Verletzungen des Herzmuskels, Herzrhythmusstörungen oder eine vorübergehend schwache Pumpleistung nach sich ziehen kann. Wird der Eingriff hinausgezögert, so kann auch nach dem Eingriff noch das Risiko von Herzversagen bestehen. Daher sollte dieser schon möglichst früh durchgeführt werden.

Da sich die Pericarditis constrictiva auch negativ auf andere Organe auswirken kann, müssen auch diese untersucht werden. Der Betroffene kann dabei auch auf eine gesunde Lebensweise achten, um die Beschwerden dieser Krankheit zu lindern und auch das Herz zu entlasten.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen eine Pericarditis constrictiva sind nicht bekannt. So lässt sich in vielen Fällen keine konkrete auslösende Ursache finden. Eine konsequente Behandlung einer akuten Herzbeutelentzündung kann jedoch das Risiko wiederholter Entzündungsschübe senken, die dem narbigen Umbau vorausgehen.

Nachsorge

Bei der Pericarditis constrictiva stehen Betroffenen in den meisten Fällen nur wenige beziehungsweise nur eingeschränkte Maßnahmen einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist bei dieser Krankheit in aller erster Linie eine schnelle Diagnose mit der anschließenden Behandlung sehr wichtig, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Es kann dabei nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, wobei die Pericarditis constrictiva unbehandelt im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen führen kann.

Begleitend zur Operation erfolgt die Behandlung der Pericarditis constrictiva in vielen Fällen durch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten. Dabei sollten Betroffene immer auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf die richtige Dosierung achten, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern. Sollte es zu Fragen oder zu Unklarheiten kommen, sollten Patienten einen Arzt kontaktieren.

Weiterhin sind in vielen Fällen auch operative Eingriffe notwendig. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene auf jeden Fall ausruhen und schonen. Dabei ist von Anstrengungen oder von stressigen und körperlichen Tätigkeiten abzusehen, um den Körper nicht unnötig zu belasten. Wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, hängt vor allem von der Ursache und davon ab, wie früh operiert wurde: Bei ungeklärter oder viral bedingter Ursache und rechtzeitigem Eingriff ist die Aussicht gut, nach einer Bestrahlung des Brustkorbs dagegen deutlich schlechter.

Das können Sie selbst tun

Da diese Erkrankung unbehandelt im Allgemeinen tödlich verläuft, wird der Arzt zu einer Operation raten. In den meisten Fällen führt diese Operation zum Erfolg und die Pericarditis constrictiva heilt aus. Doch je nachdem, wie schnell sie erkannt und behandelt wurde, bleibt die Gefahr eines Herzversagens.

Dem Patienten ist daher anzuraten, die vom Arzt verschriebenen Medikamente den Verordnungen entsprechend einzunehmen. Möglicherweise bestehendes Übergewicht oder verbliebene Wassereinlagerungen sollten abgebaut werden. Dazu ist eine salz- und kalorienarme Kost sinnvoll. Ergänzt mit vitaminreichem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und wenig rotem Fleisch kann diese Diät auch den körperlichen Gesamtzustand des Patienten stabilisieren. Im Verlauf der Rekonvaleszenz wird der Arzt auch zu regelmäßiger Bewegung raten, vor allem zu Ausdauerbelastungen bei einer niedrigen Pulsfrequenz. Dazu empfehlen sich längere Spaziergänge oder Wanderungen auf ebenen Flächen, sowie moderate Radtouren oder Schwimmen.

Wenig Stress und Entspannung sind gut, um den Patienten zur Ruhe kommen zu lassen. Dazu bieten sich Yoga oder Reiki an. Auch die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Meditationen mit Atemübungen sind gute Gelegenheiten, Stress abzubauen und das Herz zu beruhigen. Selbst neue, alternative Therapieformen wie beispielsweise Lachyoga, Musiktherapie oder die Klopftherapie EFT können sich als Bereicherung für Menschen erweisen, die an einer Pericarditis constrictiva erkrankt waren.

Quellen

  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Nickenig, G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Kardiologie.
    ISBN: 9783437210037
  • Pinger, S.: Repetitorium Kardiologie.
    ISBN: 9783769136876
  • Flachskampf, F. A.: Kursbuch Echokardiografie.
    ISBN: 9783132444355

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