Quincke-Ödem
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Quincke-Ödem, in der Fachsprache auch als Angioödem bekannt, bezeichnet meist plötzlich auftretende schmerzende Schwellungen der Haut. Besonders häufig betroffen ist das Gesicht, vor allem Zunge, Rachen, Augenlider und Lippen. Die Schwellungen treten meist wiederholt auf und können im Rachenbereich auch lebensbedrohlich ausfallen.
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Was ist das Quincke-Ödem?
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Unter dem Quincke-Ödem verstehen Mediziner ein plötzliches Anschwellen der Unterhaut. Meist handelt es sich um deutlich sichtbare, schmerzhafte Schwellungen, die besonders stark das Gesicht und die Rachenschleimhaut betreffen.
Unter Umständen können aber auch die Genitalien oder die Darmschleimhaut anschwellen, was sich in starken Schmerzen äußert. Das Quincke-Ödem kann bis zu drei Tage lang anhalten und in recht kurzen Abständen wiederholt auftreten.
Es kommt bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen vor und bedarf vor allem dann einer medizinischen Behandlung, wenn der Hals- und Rachenraum betroffen ist.
Unter dem Namen Quincke-Ödem werden mehrere Formen zusammengefasst, die sich in der Behandlung grundlegend unterscheiden. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil die Medikamente der einen Form bei den anderen nicht wirken.
Ursachen
Meist sind diese dann von Nesselsucht begleitet. Unter Umständen kann das Quincke-Ödem aber auch erblich bedingt auftreten. In diesem Fall handelt es sich um die verminderte Bildung bzw. Fehlbildung eines Proteins, dessen Mangel letztendlich das Anschwellen verursacht.
Diese Form wird als hereditäres Angioödem bezeichnet. Bei ihr fehlt die Nesselsucht typischerweise, dafür kommen wiederkehrende krampfartige Bauchschmerzen vor, und es gibt weitere Fälle in der Familie.
Eine dritte Ursache sind Medikamente, allen voran die häufig gegen Bluthochdruck verordneten ACE-Hemmer. Ein solches Ödem kann noch nach Monaten oder Jahren einer beschwerdefreien Einnahme erstmals auftreten und betrifft besonders oft Zunge und Rachen; auch hier fehlt die Nesselsucht.
Im Vergleich treten erblich bedingte Quincke-Ödeme aber deutlich seltener auf als allergisch bedingte. In manchen Fällen kommt es auch zu den typischen Schwellungen, ohne dass ein direkter Auslöser erkennbar wäre.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Quincke-Ödem äußert sich in erster Linie durch Schwellungen der Augenlider, Lippen, Zunge und Rachen. Begleitend dazu kann es auch auf der Schleimhaut zu Schwellungen und Irritationen kommen, oft einhergehend mit Symptomen wie Schluckbeschwerden und Atemnot. Die Symptome eines Quincke-Ödems entwickeln sich rasch.
Meist dauert es nur Minuten bis wenige Stunden, bis sich aus den anfänglich leichten Rötungen ausgeprägte Ödeme gebildet haben. Begleitsymptome wie Schmerzen und Juckreiz stellen sich mit dem Wachstum der Wucherung ein. Die geschwollenen Augenlider können zu Sehstörungen führen. Die Betroffenen sehen dann beispielsweise alles doppelt oder leiden an einem Gesichtsfeldausfall auf einer oder beiden Seiten.
Lippenschwellungen können zu schwerwiegenden Verletzungen des Gewebes führen. Außerdem können die Schluckbeschwerden dazu führen, dass der Erkrankte zu wenig Nahrung oder Flüssigkeit aufnimmt. In der Folge kann es zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen kommen. Tritt das Quincke-Ödem im Zusammenhang mit einem allergischen Schock auf, können sich weitere Beschwerden einstellen.
Dazu zählen Fieber, Atemnot, Schweißausbrüche und Herzrasen. Zudem kann es zu lebensbedrohlichen Schwellungen im Rachenraum kommen. Ein Quincke-Ödem bildet sich meist innerhalb von einem bis drei Tagen zurück; eine Behandlung verkürzt diese Zeit und verhindert, dass die Schwellung gefährlich wird. Dann verschwinden auch Juckreiz, Rötungen und andere Hautirritationen rasch wieder.
Diagnose & Verlauf
Der behandelnde Arzt kann das Quincke-Ödem oftmals bereits anhand der charakteristischen Optik erkennen. Nur selten werden Gewebeproben notwendig. Ein ausführliches Gespräch und ein Blick auf die Krankengeschichte können ebenfalls bei der Diagnose helfen. Sind in der Familie bereits einmal oder mehrmals Quincke-Ödeme aufgetreten, kann dies auf eine erblich bedingte Erkrankung hindeuten. Zum Gespräch gehört außerdem die Frage nach eingenommenen Medikamenten, denn ein Ödem unter einem ACE-Hemmer lässt sich nur so erkennen.
Letztendlich kann mithilfe einer speziellen Blutuntersuchung herausgefunden werden, ob es sich im Einzelfall um ein allergisches, ein erbliches oder ein durch Medikamente ausgelöstes Quincke-Ödem handelt. Bestimmt werden dabei die Menge und die Funktion des C1-Esterase-Inhibitors sowie der Komplementfaktor C4. Das Ödem kann meist gut behandelt werden. Bei allergischen Ödemen muss der Auslöser ermittelt und vermieden werden. Treten die Schwellungen akut auf, sollten sie in jedem Fall medizinisch behandelt werden. Sind Hals- und Rachenraum betroffen, kann es zu Atemnot und schlimmstenfalls zum Ersticken kommen. Der Betroffene sollte daher schnell einen Arzt aufsuchen.
Schwellen Zunge, Rachen oder Kehlkopf an, treten Atemnot, eine kloßige Stimme oder Schluckstörungen auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollte der Betroffene aufrecht sitzen und nicht allein gelassen werden.
Komplikationen
Geschwollene Augenlider gehen in der Regel mit Sehstörungen einher und können bei Verdrängung des Augengewebes ernste Verletzungen hervorrufen. Bei Lippenschwellungen besteht ebenfalls die Gefahr von ernsten Verletzungen des Gewebes. Zudem ist aufgrund der Probleme beim Sprechen die Funktionalität im Alltag eingeschränkt. Gelegentlich schwellen neben dem Gesicht auch Rachen und Kehlkopf an. Dann besteht akute Lebensgefahr. Eine solche Schwellung am Kehlkopfeingang wird als Glottisödem bezeichnet und erfordert sofort den Notruf 112.
Weitere Komplikationen treten in Folge eines allergischen Schocks auf, der oft mit Herz-Kreislauf-Beschwerden verbunden ist. Bei der Behandlung kann es durch den Einsatz von Antihistaminika, Adrenalin und entzündungshemmenden Medikamenten zu Neben- und Wechselwirkungen kommen. Muss aufgrund einer Schwellung im Rachenraum ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden, bleibt meist eine Narbe zurück. Gelegentlich treten Infektionen und Wundheilungsstörungen auf. In Folge der Hormonbehandlung kann es zu Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen und Schwindelgefühlen kommen. Nach einer einzelnen Schwellung sind Spätfolgen nicht zu erwarten. Anders bei der über Jahre gegebenen Hormonbehandlung: Sie kann die Leber schädigen, die Blutfette verändern und zu einer Vermännlichung führen, weshalb sie regelmäßig ärztlich überwacht wird.
Behandlung & Therapie
Akute Quincke-Ödeme können vom behandelnden Arzt recht schnell therapiert werden. Voraussetzung dafür ist die vorherige genaue Bestimmung der Ursache.
Ein allergisch bedingtes Quincke-Ödem kann mit entzündungshemmenden Medikamenten therapiert werden. So kann der Arzt beispielsweise Kortisonpräparate, Kalzium oder auch Antihistaminika direkt in die Vene spritzen, um die Symptome schnell zu lindern. Adrenalin, das bei einer schweren allergischen Reaktion die lebensrettende Erstmaßnahme ist, wird dagegen in den äußeren Oberschenkelmuskel gespritzt. Die früher übliche Gabe von Kalzium in die Vene gilt heute allerdings als überholt, weil sich für sie keine Wirksamkeit belegen ließ. Ist der Auslöser für die allergische Reaktion bekannt, muss dieser in Zukunft gemieden werden, um weitere Ausbrüche zu vermeiden.
Ein erblich verursachtes Quincke-Ödem kann im Gegensatz dazu nicht mit Entzündungshemmern behandelt werden. Hier hilft nur ein intravenöses Verabreichen des fehlenden Proteins, des sogenannten C1-Esterase-Inhibitors. Alternativ steht ein Wirkstoff zur Verfügung, der unter die Haut gespritzt wird und den für die Schwellung verantwortlichen Botenstoff Bradykinin an seinem Angriffspunkt blockiert. Sollte es aufgrund von Schwellungen im Rachenraum zu Schwierigkeiten mit der Atmung kommen, kann unter Umständen ein Luftröhrenschnitt notwendig werden, um ein Ersticken des Patienten zu verhindern.
Dasselbe gilt für ein Ödem, das durch ACE-Hemmer ausgelöst wurde: Auch hier bleiben Antihistaminika und Kortison in der Regel wirkungslos. Das auslösende Medikament muss dauerhaft abgesetzt und durch ein Präparat aus einer anderen Wirkstoffgruppe ersetzt werden; darüber entscheidet der behandelnde Arzt. Wer zu einer dieser beiden Formen gehört, sollte einen Notfallausweis bei sich tragen, damit im Rettungsdienst nicht auf eine Wirkung gewartet wird, die nicht eintritt.
Treten die Schwellungen bei einem erblich bedingten Quincke-Ödem häufig auf, kann auch eine Therapie mit männlichen Sexualhormonen in Betracht gezogen werden. Diese erhöhen allgemein die Proteinproduktion und können so die schmerzhaften Schwellungen verhindern. Da ein Verabreichen von Hormonen jedoch meist auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringt, sollte diese Art der Behandlung nur nach einem genauen Abwägen der Vor- und Nachteile stattfinden. Lange Zeit war diese Hormonbehandlung die einzige Möglichkeit der Vorbeugung. Heute werden dafür Medikamente bevorzugt, die gezielt die überschießende Bildung von Bradykinin hemmen; die Auswahl und die Abstände der Gaben legt ein auf Angioödeme spezialisiertes Zentrum fest.
Vorbeugung
Dem Quincke-Ödem kann vor allem dann vorgebeugt werden, wenn es sich um ein allergisch bedingtes Auftreten handelt. Kann der Auslöser bestimmt werden, erhält der Patient einen Allergiepass und muss sich in Zukunft bemühen, den oder die auslösenden Stoffe zu meiden, damit es zu keinerlei allergischen Reaktionen mehr kommen kann.
Einem erblich bedingten Quincke-Ödem kann nicht direkt vorgebeugt werden. Wohl aber lässt sich die Zahl der Schwellungsanfälle mit einer vorbeugenden Dauerbehandlung senken, wenn sie häufig auftreten. Wer einmal ein Ödem unter einem ACE-Hemmer hatte, darf lebenslang kein Medikament aus dieser Gruppe mehr erhalten; ein entsprechender Vermerk gehört in den Allergiepass. Es ist aber ratsam, bei Auftreten der Symptome einen Arzt aufzusuchen und eine möglichst effektive Behandlungsmethode mit diesem zu erarbeiten. So können potenziell lebensbedrohliche Zustände verhindert werden.
Nachsorge
Ein Quincke-Ödem bildet sich in der Regel auch ohne eine spezielle Nachsorge komplett zurück. Die Abklärung der Ursache ist dennoch in jedem Fall erforderlich. Je nachdem, wie stark das Ödem ausgeprägt war, und ob auch die Atemwege beteiligt waren, erfolgt unter Umständen eine stationäre Überwachung des Patienten. So kann im Falle eines erneut auftretenden Angioödems schnell eingegriffen werden.
Nach dem erstmaligen Auftreten eines Quincke-Ödems sollte geklärt werden, wodurch dieses ausgelöst wurde. Unter Umständen ist es dafür nötig, gemeinsam mit dem Patienten detaillierte Nachforschungen zu betreiben. Trotz einer sorgfältigen Suche kann in einigen Fällen nicht geklärt werden, auf welchen Reiz der Körper mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Gefäßwände reagiert hat.
In allen anderen Fällen kann der Patient dagegen in Zukunft den Auslöser meiden, um ein erneutes Auftreten des Krankheitsbildes zu verhindern. Sollte es nicht möglich sein, den Auslöser zuverlässig zu vermeiden, können mit dem Patienten Notfallmaßnahmen besprochen werden. Ist zu befürchten, dass der Betroffene dem Auslöser erneut ausgesetzt sein wird, so kann er zukünftig Glukokortikoide als Notfallmedikation mit sich führen. So kann schneller reagiert werden, wenn es erneut zu einem Quincke-Ödem kommen sollte. Besteht die Gefahr einer schweren allergischen Reaktion, gehört zu diesem Notfallset zusätzlich ein Adrenalin-Autoinjektor; er wird bei Atemnot oder Kreislaufschwäche als Erstes in den Oberschenkel gespritzt, noch bevor die übrigen Medikamente eingenommen werden. Beim erblichen und beim durch ACE-Hemmer ausgelösten Angioödem hat ein solches Notfallset dagegen keinen Nutzen; beim erblichen Angioödem verschreibt der Arzt stattdessen ein Medikament, das gezielt gegen diese Form wirkt und das geschulte Betroffene selbst spritzen können. Beim durch ACE-Hemmer ausgelösten Ödem gibt es kein solches Selbstanwendungspräparat; hier zählt allein, das auslösende Medikament dauerhaft abzusetzen und bei einer Schwellung an Zunge, Rachen oder Kehlkopf sofort den Notruf 112 zu wählen.
Das können Sie selbst tun
Das Quincke-Ödem wird in erster Linie durch Vermeidung des ursächlichen Stoffes behandelt. Hierfür eignen sich neben Medikamenten auch diätetische Maßnahmen. Entspannungsverfahren und Massagen können das allgemeine Wohlbefinden verbessern, wirken aber nicht auf das Ödem selbst. Bewährt hat sich vor allem eine ausgewogene Diät mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Auf fettreiche Lebensmittel sowie Koffein und Alkohol sollte verzichtet werden. Zucker und stark dehydrierende Lebensmittel gilt es ebenso zu meiden, da sie die Entstehung von angioneurotischen Ödemen verstärken können.
Begleitend dazu sollten Stress und körperliche Anstrengung vermieden werden. Betroffene Personen können die ärztliche Behandlung zusätzlich unterstützen, indem sie verschiedene Präparate aus der Naturheilkunde einnehmen. Für Präparate wie Aloe vera oder Salbei ist eine abschwellende Wirkung auf ein Angioödem nicht belegt. Wer zu allergischen Schwellungen neigt, sollte pflanzliche Zubereitungen zudem nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden, weil sie selbst als Auslöser in Frage kommen. Sollten die Maßnahmen keine Wirkung zeigen, muss noch einmal der zuständige Arzt konsultiert werden.
Begleitend zur symptomatischen Behandlung muss immer auch die Ursache der Hautveränderungen ermittelt werden. Dies gelingt zum einen mit Hilfe eines Krankentagebuchs, in welchem Auftreten, Ausprägung und Begleiterscheinungen der Ödeme notiert werden. Zum anderen sollten etwaige Auslöser am Arbeitsplatz oder Zuhause in Betracht gezogen und nach und nach ausgeschlossen werden. Das Führen eines Krankentagebuchs und das Ausschließen möglicher Auslöser sind der wirksamste Beitrag, den Betroffene selbst leisten können; die Behandlung der Ödeme selbst gehört in ärztliche Hand.
Diese Maßnahmen kommen allerdings nur bei leichten Schwellungen der Haut infrage und ersetzen die ärztliche Behandlung nicht. Beim erblichen und beim durch ACE-Hemmer ausgelösten Angioödem helfen weder Diät noch Hausmittel; hier ist die vom Arzt verordnete Notfallmedikation die einzig wirksame Maßnahme. Schwellen Zunge, Rachen oder Kehlkopf an, wird nichts mehr selbst behandelt: Dann gilt sofort der Notruf 112.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Saloga, J., Klimek, L., Buhl, R., Mann, W. (Hrsg.): Allergologie-Handbuch.
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- Kretz, F.-J., Schäffer, J., Terboven, T. (Hrsg.): Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie.
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