Schwangerschaftsphobie

Bei Schwangerschaftsphobien leiden die Patientinnen an panischer Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt. Oft gehen den Phobien traumatische Erfahrungen wie Geburtskomplikationen oder Totgeburten voraus. Die Therapie besteht aus Gesprächstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schwangerschaftsphobie?

Angststörungen werden auch als Phobien bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus psychischen Störungen, die sich durch eine übertriebene Furcht vor bestimmten Situationen, Lebewesen oder Objekten manifestieren. Eine derartige Angststörung ist die sogenannte Tokophobie.

Diese psychische Störung ist besser als Schwangerschaftsphobie bekannt und wird von pathologischer Angst vor den Ereignissen der Schwangerschaft und Geburt gekennzeichnet. Unterschiedliche Formen der Tokophobie werden unterschieden. Neben einer primären Schwangerschaftsphobie existiert eine sekundäre Form. Die beiden Formen unterscheiden sich prinzipiell in ihren Ursachen. Erstere Variante entspricht einer lebenslang anhaltenden Form, die nicht auf ein konkretes Ereignis zurückzuführen ist.

Nicht jede Frau mit Angst vor der Schwangerschaft oder Geburt eines Kindes leidet gleich an einer Schwangerschaftsphobie. Ausschlaggebend ist neben dem Grad des Angstempfindens vor allem das Verhalten der betroffenen Frauen. Viele von ihnen verweigern sich zum Beispiel konsequent einer Schwangerschaft. Andere bleiben enthaltsam oder lassen sich aus Angst sogar sterilisieren.

Ursachen

Die Ursachen einer manifesten Schwangerschaftsphobie können unterschiedlicher Art sein. Viele Frauen erkranken beispielsweise im Rahmen von postportalen Stimmungskrisen an einer Tokophobie. Postpartale Stimmungskrisen sind depressive Verstimmungen in der Zeit des Wochenbetts, die unterschiedlichen Phobien als Nährboden dienen können.

Abgesehen von diesem Kontext treten Schwangerschaftsphobien außerdem häufig nach traumatischen Ereignissen wie einer Totgeburt, einer Zangengeburt oder einem ungeplanten Kaiserschnitt auf. In diesen Fällen haben betroffene Frauen Geburtsschmerzen und Geburtskomplikationen am eigenen Leibe miterlebt: Ihre Angst hat somit reale Bezugspunkte.

In wieder anderen Fällen ist ein partnerschaftlicher Konflikt der primäre Auslöser von Schwangerschaftsphobien. Studien zufolge kann die übertriebene Angst vor Schwangerschaften außerdem familiär bedingt sein. Mütter können das Phänomen zum Beispiel auf ihre Töchter übertragen.

Besonders in Familien mit einer negativen Einstellung gegenüber Sexualität wird die psychische Vererbung von Schwangerschaftsphobien häufig beobachtet. Auch sexueller Missbrauch wurde in Einzelfällen mit Tokophobie in Zusammenhang gebracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Frauen mit Schwangerschaftsphobie leiden an einer übertriebenen Angst vor dem Ereignis der Schwangerschaft sowie Kindesgeburt. Diese Angst kann im Einzelfall körperliche Symptome wie Hitzeattacken, Schweißausbrüche und Atemprobleme verursachen. Auch auf den Blutdruck und den Puls der betroffenen Frauen kann sich der drastische Angstzustand auswirken.

Viele der Betroffenen haben keine Kinder und verzichten wegen der panischen Angst auch zukünftig auf Nachwuchs oder Familienplanung. In einigen Fällen lassen sich die Betroffenen vorsichtshalber sterilisieren oder fordern die Sterilisation von ihren Partnern. Im Extremfall verzichten die Patientinnen generell auf sexuelle Aktivitäten, um alle Risiken für eine Schwangerschaft zu eliminieren.

Falls es trotz übertriebener Vorsichtsmaßnahmen zu einer Schwangerschaft kommt, entscheiden sich die Betroffenen meist für einen Schwangerschaftsabbruch. Falls nicht die Schwangerschaft, sondern die Geburt den Frauen Angst bereitet, wählen sie statt einer natürlichen Geburt einen Kaiserschnitt aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Schwangerschaftsphobien werden häufig nicht zur Diagnose gebracht. Die betroffenen Frauen wenden sich mit ihren abnormal starken Ängsten in vielen Fällen nicht nach außen. Das gilt besonders für solche Frauen, die Missbrauchserfahrungen gemacht oder in Familien mit negativer Einstellung zur Sexualität aufgewachsen sind.

Prinzipiell stellt der Psychologe die Diagnose einer Tokophobie. Entscheidend ist die differentialdiagnostische Abgrenzung zu natürlichen Schwangerschafts- und Geburtsängsten, wie sie zum Beispiel bei jüngeren Müttern bestehen können.

Komplikationen

In der Regel leiden die Betroffenen bei einer Schwangerschaftsphobie an einer starken Angst vor der Geburt eines Kindes und vor dem Geburtsvorgang selbst. Diese Angst kann dabei zu starken Schweißausbrüchen oder zu Atembeschwerden führen, wenn über das Thema gesprochen wird. Auch Angstzustände und ein hoher Blutdruck können krankheitsbedingt auftreten und wirken sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus.

Mitunter ist auch die Nachwuchsplanung beeinträchtigt, was zu Beschwerden und Problemen in einer Beziehung mit dem Partner führen kann. Viele Patientinnen lassen sich aufgrund der Schwangerschaftsphobie auch sterilisieren, um damit eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. In schwerwiegenden Fällen kann die Betroffene die Schwangerschaft auch abbrechen.

Eine Behandlung der Schwangerschaftsphobie ist in der Regel nur durch einen Psychologen oder durch einen Therapeuten möglich. Besondere Komplikationen treten bei der Behandlung nicht auf, wobei ein positiver Verlauf der Erkrankung nicht immer garantiert werden kann. Auch eine Paartherapie kann diese Phobie möglicherweise lösen. Die Lebenserwartung der Betroffenen bliebt durch diese Phobie in der Regel unbeeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Schwangerschaftsphobie muss so lange nicht ärztlich behandelt werden, wie sie das Leben des betroffenen Menschen nicht beeinträchtigt. Wenn kein Kinderwunsch besteht und das Sexleben trotzdem für beide Partner zufriedenstellend verläuft, besteht kein Grund für einen Arztbesuch. Der Arzt muss hingegen dann aufgesucht werden, wenn es deswegen zu sexuellen Problemen wie Lustlosigkeit kommt oder der betroffene Patient einen Kinderwunsch verspürt und andere Wege wie eine Adoption nicht in Frage kommen, wodurch eine Schwangerschaft umgangen werden könnte.

Es reicht ein Termin beim Hausarzt, dieser wird dann mit dem Verdacht auf Schwangerschaftsphobie an einen Psychologen weiter verweisen. Hier wird zunächst ermittelt, ob es sich um eine primäre, schon immer da gewesene, oder um eine sekundäre Schwangerschaftsphobie handelt, die durch bestimmte negative Erfahrungen oder aus unbekannten Gründen erst mit der Zeit entstanden ist. Beide Formen haben andere Ursachen und müssen entsprechend unterschiedlich behandelt werden. Wenn der Leidensdruck daher rührt, dass das Sexleben unter der Schwangerschaftsphobie leidet, ist der Arzttermin dann notwendig, sobald der Betroffene daran etwas ändern will.

Besteht hingegen trotz Schwangerschaftsphobie ein Kinderwunsch, sollte bereits dann ein Arzt konsultiert werden, wenn der Kinderwunsch noch gar nicht konkret ist. Denn die Behandlung der Phobie wird Zeit in Anspruch nehmen und dadurch kann sich der Zeitpunkt einer möglichen Schwangerschaft weiter als gewollt verschieben.

Behandlung & Therapie

Die Schwangerschaftsphobie wird idealerweise ursächlich behandelt. Zur kausalen Therapie ist zunächst die Ursachenklärung erforderlich. In einer Gesprächstherapie ermittelt der Psychotherapeut das auslösende Ereignis. Zur ursächlichen Behandlung können Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Bei diesen Therapien erhält der Patient die Möglichkeit, seine eigene Einstellung gegenüber bestimmter Sachverhalte und Situationen zu hinterfragen. Die negativen Assoziationen des Patienten werden vom Therapeuten mit positiven oder neutralen Assoziationen ausgetauscht. Damit die kognitive Verhaltenstherapie funktionieren kann, muss der Patient volle Zurechnungsfähigkeit besitzen und zur Mitarbeit bereit sein.

Die Neubewertung bereits durchlebter Situationen kann die Angst vor einer Schwangerschaft vor allem dann auflösen, wenn es sich um eine gänzlich irrationale oder von außen vererbte Furcht handelt. Bei Frauen mit traumatischen Geburtsereignissen kann sich die Therapie längerfristiger und schwieriger gestalten. Mitunter am einfachsten zu behandeln sind Patientinnen, denen durch die Familie eine negative Haltung zu Sexualität vermittelt wurde.

Diese negative Haltung lässt sich in den meisten Fällen mittels Neubewertungen angleichen. Falls die kausale Therapie keine Früchte trägt, kann eine symptomatische Therapie erfolgen. Im Fokus dieser meist medikamentösen Therapieform steht die Lebensqualität der Patientinnen. Idealerweise werden die Betroffenen durch Medikamentengabe zumindest von ihren Panikattacken erlöst.

Je weniger Symptome die Patientinnen zeigen, desto mehr steigt oft ihre Lebensqualität. Bei partnerschaftlich bedingten Schwangerschaftsphobien kann eine Paartherapie zur Konfliktlösung erforderlich sein.

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Vorbeugung

Schwangerschaftsphobien kann vorgebeugt werden. Nach komplizierten Geburten, komplikationsreichen Schwangerschaften oder geburtsbedingten Traumata sollte ein Psychotherapeut oder Psychologe beigezogen werden. Gemeinsam mit dem Fachmann kann das durchlebte Trauma zur Aufarbeitung gelangen.

Da auch familiäre und partnerschaftliche Konflikte an der Entstehung einer Tokophobie beteiligt sein können, ist auch in diesen Fällen eine psychotherapeutische Betreuung anzustreben. Noch wichtiger ist diese Betreuung nach Missbrauchsfällen, die von den Betroffenen in der Regel nicht alleine verarbeitet werden können.

Das können Sie selbst tun

Die Schwangerschaftsphobie kann auch durch die Selbsthilfe im Alltag von der Patientin in vielen Fällen gelindert oder ganz abgebaut werden. Zwei Fälle sind in diesem Zusammenhang zu unterscheiden: Frauen, bei denen Schwangerschaftsphobie sich auf die Angst des Versagens der gewählten Verhütungsmethode konzentriert, sowie Betroffene, die sich eine Schwangerschaft grundsätzlich wünschen, aber Angest vor ihr haben.

Bei der Verhütung sollten Frauen auf eine Methode mit einem Pearl Index für hohe Ansprüche setzen. Bei Frauen ohne Kinderwunsch und starker Schwangerschaftsphobie kommt auch die Sterilisation in Betracht, vor allem dann, wenn die Patientin schon etwas älter ist.

Bei Schwangerschaftsphobie und gleichzeitigem Kinderwunsch helfen Gespräche mit Gynäkologen und Hebammen, die Ängste im Hinblick auf Schwangerschaft und Geburt zu konkretisieren und zu bewältigen. In schwierigen Fällen oder bei einer negativen Vorgeschichte kann auch der Gang zum Psychologen bei der Bewältigung der Phobie unterstützen. Auch Gespräche mit Müttern und deren Erfahrungen können für die Betroffene hilfreich sein.

Wenn die Schwangerschaft trotz Phobie geplant oder bereits eingetreten ist, sind viele Entspannungsmethoden hilfreich, das seelische Gleichgewicht zu stärken. Hierzu gehören die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, das Autogene Training oder auch verschiedene Formen des Yoga. Insbesondere Yin Yoga oder Yoga mit verstärkt meditativen Anteilen sind in diesem Zusammenhang oft eine wertvolle Unterstützung.

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 20. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Luzi kommentierte am 12.12.2016

Kann durch eine schwere Form der Schwangerschaftsphobie eine Fehlgeburt azsgelöst werden? Genauer gesagt: Kann eine Panikattacke während eienr Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt (Diagnose Unterversorgung in der zehnten SSW, bis dahin optimaler Verlauf) führen? Was kann helfen? Wo bekomme ich weitere Informationen?

moni kommentierte am 23.04.2017

Ich leide seit einem Jahr an dieser Phobie. Man lebt in ständiger Angst, schwanger zu werden. Ich überprüfe jeden Abend vor dem zu Bett gehen, ob ich auch wirklich die Pille genommen habe, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich sie vor einer Stunde genommen habe. Ich habe zwar ein Pillenwecker auf meinem Handy, doch den brauch ich eigentlich überhaupt nicht. Denn ich nehme sie schon vorher ein, weil ich sowieso den ganzen Tag daran denke, sie Abends einzunehmen. Wenn ich feiern gehe oder unterwegs bin, nehme ich sie immer mit, aus Furcht ich könnte später nach Hause kommen, als die Einnahmezeit. Selbst wenn ich betrunken bin, ist der Gedanke so present in meinem Kopf die Pille nicht zu vergessen, dass das auch in dieser Situation funktioniert. Durch diese ständige Angst habe ich inzwischen einen Stressmagen entwickelt. Somit bekomme ich auch des öfteren Durchfall. Es kam inzwischen vier- bis fünfmal vor, dass ich die Pille nachnehmen musste, weil ich nicht die vierstunden Regel eingehalten habe. Wenn dies öfter in einem Zyklus passiert, nehme ich die Pille durch, das heißt, ich mach keine Pillenpause. Generell mach ich die Pause nicht gerne, weil diese Tage, in der ich die Pille nicht nehme, furchtbar für mich sind, und ich auch viel nachdenke, ob der Schutz auch wirklich in der Pause gegeben ist, obwohl ich das ganz genau weiß. Es ist schon an der Tagesordnung bei mir, dass ich mindestens einmal die Woche einen Schwangerschaftstest mache. Mein Freund bekommt davon nicht soviel mit, aber er kann diese Angst nicht verstehen, weil er Deutscher ist, und ich Türkin, was heißt, dass wir aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen, und eine unehliche Schwangerschaft eine ganze andere Gewichtung annimmt. Er versucht mir die Angst zu nehmen, aber im Grunde kann mir niemand diese Angst nehmen. Ich habe jetzt auch eine Therapie angefangen, was schon etwas Wirkung zeigt, aber das dauert wohl noch. Bis ich nicht verheiratet bin, wird diese Angst, mein ständiger Begleiter sein. Tag und Nacht denkt man daran, und abends hofft man nur, dass die Pille im Körper bleibt und man keinen Durchfall hat. Es ist schade, dass sowas die Beziehung schon sehr belastet. Ich wünschte nur, dass man in der Gesellschaft dafür genau so viel Verständis zeigen würde, aber die Angststörung belächeln 90% der Menschen, was einen dazu führt, dass kaum darüber geredet wird.