Spondylodese
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der medizinische Begriff Spondylodese beschreibt eine operative Wirbelsäulenversteifung. Bei diesem Operationsverfahren werden zwei oder mehr Wirbel miteinander versteift. Der hieraus resultierende Bewegungsverlust bleibt dauerhaft bestehen und kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.
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Was ist die Spondylodese?
Die Spondylodese zählt zu den invasiven Therapieformen bei bestimmten Formen von starken Rückenschmerzen sowie Wirbelsäulenveränderungen. Die operative Versteifung der Wirbelsäule wird je nach Indikation entweder teilweise oder vollständig durchgeführt. Das Ausmaß der Versteifung bedingt die spätere Beweglichkeit zwischen den Wirbeln. Da bei der Spondylodese mehrere Wirbelkörper mithilfe von Platten oder Schrauben verbunden werden, können diese ihre Gelenkfunktion nicht mehr ausüben.
Bei einer Wirbelsäulenversteifung handelt es sich um eine sehr aufwendige und große Operation am Rücken. Nach dem Eingriff ist es nicht mehr möglich, die eingestellte Körperstatik im versteiften Abschnitt nachträglich zu verändern. Aufgrund des irreparablen Ergebnisses stellt diese Form der Therapie häufig die letzte Möglichkeit für den Patienten dar, um das Beschwerdebild zu verbessern. Daher wird in fast allen Fällen erst dann eine Versteifungsoperation durchgeführt, wenn weder konservative Behandlungsmaßnahmen wie Physiotherapie, Manualtherapie, Muskelaufbautraining oder Rückenschule noch andere Maßnahmen wie Injektionen sowie Medikamente eine annehmbare Besserung der Beschwerden bewirken konnten.
Der Name des Eingriffs setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: Spondylos bedeutet Wirbel, Desis steht für Verbindung oder Fesselung. Gebräuchlich sind daneben die Ausdrücke Wirbelsäulenfusion und Verblockung. Was dabei stillgelegt wird, ist das sogenannte Bewegungssegment, also die kleinste bewegliche Einheit der Wirbelsäule: zwei benachbarte Wirbelkörper mit der dazwischenliegenden Bandscheibe, den beiden kleinen Wirbelgelenken und dem umgebenden Bandapparat. Je nachdem, wie viele solcher Segmente einbezogen werden, spricht man von einer kurzstreckigen oder einer langstreckigen Versteifung. Am häufigsten betroffen ist die Lendenwirbelsäule, weil dort die größten Kräfte wirken; Versteifungen an der Halswirbelsäule und im Brustbereich sind ebenfalls gebräuchlich, folgen aber eigenen Regeln.
Die Wurzeln des Verfahrens reichen bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1911 beschrieben in New York unabhängig voneinander die Chirurgen Russell Hibbs und Fred Albee Verfahren, mit denen sich Wirbel dauerhaft miteinander verbinden ließen. Anlass war damals vor allem die Wirbelsäulentuberkulose, die zu einem Einbruch der Wirbelkörper und zu schweren Verkrümmungen führte; daneben wurde das Vorgehen früh bei der Skoliose angewandt. Verwendet wurden zunächst allein körpereigene Knochenspäne, die sich mit den Wirbeln verbinden sollten. Metallimplantate, mit denen sich die Wirbel schon während der Einheilung sicher in Position halten lassen, kamen erst Jahrzehnte später hinzu und haben die Erfolgsaussichten des Eingriffs erheblich verbessert. Die Grundidee ist jedoch dieselbe geblieben: Nicht das Metall stellt die dauerhafte Verbindung her, sondern der Knochen, der zwischen den Wirbeln zusammenwächst.
Funktion, Wirkung & Ziele
Am klarsten ist der Nutzen dort, wo sich die Instabilität nachweisen lässt. Das trifft vor allem auf das Wirbelgleiten zu, bei dem ein Wirbel gegenüber dem darunterliegenden nach vorn rutscht; auf Röntgenaufnahmen, die in Vor- und Rückbeugung angefertigt werden, ist die Verschiebung dann sichtbar. Ebenfalls infrage kommt die Versteifung, wenn eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) operativ erweitert werden muss und dabei so viel Knochen und Gelenkanteil entfernt wird, dass der Abschnitt anschließend nicht mehr ausreichend stabil wäre. Weitere Anlässe sind Wirbelbrüche, die von selbst nicht sicher ausheilen, sowie Zerstörungen von Wirbelkörpern durch Tumoren, Metastasen oder eine Entzündung von Bandscheibe und angrenzenden Wirbeln (Spondylodiszitis). Bei fortgeschrittener Osteoporose wird besonders sorgfältig abgewogen, weil weicher Knochen den Schrauben wenig Halt bietet.
Vor der Entscheidung steht eine umfangreiche Diagnostik. Neben den Aufnahmen in Vor- und Rückbeugung gehören dazu eine Magnetresonanztomographie, die Bandscheiben, Nerven und Weichteile zeigt, und häufig eine Computertomographie zur Beurteilung des Knochens und zur Planung der Schraubenlage. Ergänzend werden gezielte Betäubungen einzelner Gelenke oder Nervenwurzeln eingesetzt, um zu prüfen, ob die Schmerzen tatsächlich aus dem Abschnitt stammen, der versteift werden soll. Zur Vorbereitung gehören außerdem die Aufklärung über den dauerhaften Bewegungsverlust, die Anpassung gerinnungshemmender Medikamente nach ärztlicher Vorgabe und die Empfehlung, das Rauchen vor dem Eingriff einzustellen, weil Nikotin das Zusammenwachsen des Knochens nachweislich behindert.
Von der Spondylodese zu unterscheiden ist die Bandscheibenprothese: Sie ersetzt eine verschlissene Bandscheibe durch ein bewegliches Kunstgelenk und soll die Beweglichkeit des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts gerade erhalten, während die Spondylodese sie bewusst aufhebt.
Die Spondylodese bewirkt, dass die Stabilität der Wirbelsäule erhalten bleibt. Zudem werden wichtige Strukturen wie Rückenmark und Aorta geschützt. Auch die Gefährdung innerer Organe kann durch eine Versteifung abgewendet werden. Auf diese Weise können nicht nur Schmerzerkrankungen, sondern zudem neurologische Ausfälle behandelt werden.
Die operative Versteifung der Wirbelsäule findet immer unter Vollnarkose statt. Werden nur kurze Abschnitte der Wirbelsäule versteift, kann die Spondylodese minimal-invasiv durchgeführt werden; die Implantate werden dann über kleine Hautschnitte eingebracht. Diese Methode stellt sicher, dass beim Zugang sowohl Haut als auch Weichteile minimal verletzt werden. Der Einsatz der speziellen Instrumente wird über bildgebende Verfahren während der Operation kontrolliert.
Die invasive Operationstechnik selbst erfolgt vom Rücken her, wobei die Rückenmuskulatur zur Seite geschoben wird. Durch diesen Zugang gelangt der Operateur zu den Wirbelkörpern, die versteift werden sollen. Verwendet werden hierbei Titanschrauben, die mit Längsstangen verbunden werden. Ein Knochenabtrag wird vorgenommen, wenn Nervenwurzeln durch die Wirbel eingeengt werden. Um die knöcherne Versteifung zu erreichen, werden Knochenstrukturen auf den sogenannten Querfortsätzen angebracht. Die hierfür benötigte Knochenmasse wird häufig vom hinteren Teil des Beckenkamms entnommen. Bei einigen Patienten ist es nötig, dass Metallkörbchen in den Wirbelraum, wo die Bandscheibe liegt, in Verbindung mit Knochen eingebracht werden. Sowohl Schrauben als auch Stäbe halten die Wirbel dabei so lange in Position, bis die Knochen dauerhaft zusammengewachsen sind. Auf eine spätere Metallentfernung kann weitestgehend verzichtet werden.
Neben diesem Zugang von hinten gibt es Verfahren, die von vorn oder von der Seite an die Wirbelsäule herangehen. Der Vorteil liegt darin, dass die Bandscheibe vollständiger ausgeräumt und der Platzhalter unter besserer Sicht eingesetzt werden kann; dafür müssen Bauchraum oder Brustkorb passiert werden, was eigene Risiken mit sich bringt. Häufig werden beide Wege kombiniert: von vorn der Platzhalter, von hinten die Schrauben. Die erwähnten Metallkörbchen bestehen üblicherweise aus Titan oder aus einem festen Kunststoff und werden mit Knochenmaterial gefüllt, damit die Wirbelkörper durch sie hindurch zusammenwachsen. Als Füllung dient nicht nur Knochen vom Beckenkamm: Verwendet wird auch der Knochen, der ohnehin bei der Erweiterung des Wirbelkanals anfällt, sowie industriell hergestelltes Knochenersatzmaterial. Während des Eingriffs kontrollieren Röntgen- oder Navigationssysteme die Lage der Schrauben, und bei ausgedehnten Eingriffen wird die Leitfähigkeit der Nervenbahnen fortlaufend überwacht, um Schädigungen sofort zu bemerken.
Die Dauer der Operation hängt vom Ausmaß der Wirbelsäulenversteifung ab. Liegt die Eingriffsdauer bei einer minimal-invasiven Verblockung bei teilweise unter einer Stunde, so kann eine langstreckige Spondylodese bis zu mehreren Stunden andauern. Ob die Wirbel am Ende tatsächlich knöchern zusammenwachsen, lässt sich vorher nicht mit Sicherheit vorhersagen. Moderne Operationstechniken wie Knochenanlagerungen und Schraubenfixationen haben die Aussichten darauf deutlich verbessert; wie gut die Durchbauung gelingt, hängt daneben von der Zahl der versteiften Segmente, von der Knochenqualität und davon ab, ob der Patient raucht.
Für den Patienten beginnt nach dem Aufwachen aus der Narkose ein Weg, der sich über Monate erstreckt. In den ersten Stunden liegt er zur Überwachung auf einer Wachstation, meist mit einer Wunddrainage, die nach kurzer Zeit gezogen wird. Schon am ersten oder zweiten Tag steht er unter Anleitung der Physiotherapie auf und lernt das rückenschonende Aufstehen über die Seite. Der Krankenhausaufenthalt dauert bei kurzstreckigen Eingriffen etwa eine Woche, bei ausgedehnten Versteifungen entsprechend länger. Ein Stützkorsett wird heute nicht mehr regelhaft verordnet, sondern nur, wenn der Befund es erfordert.
Im Anschluss folgt in aller Regel eine Rehabilitationsbehandlung, stationär oder wohnortnah ambulant, in der Gehstrecke, Rumpfkraft und Alltagsbewegungen wieder aufgebaut werden. Wie lange die Arbeitsunfähigkeit dauert, hängt weniger vom Eingriff als von der Tätigkeit ab: Eine sitzende Arbeit ist häufig nach einigen Wochen wieder möglich, schwere körperliche Arbeit erst deutlich später, in Einzelfällen gar nicht mehr. Die knöcherne Durchbauung selbst, also das eigentliche Ziel der Operation, benötigt mehrere Monate; ob sie gelungen ist, wird mit Röntgen- oder Schnittbildaufnahmen kontrolliert. Der versteifte Abschnitt bleibt danach unbeweglich, ohne dass die Betroffenen dies im Alltag zwangsläufig als starke Einschränkung erleben, denn benachbarte Abschnitte gleichen den Verlust zu einem Teil aus. Spürbar wird er vor allem bei Bewegungen, die eine starke Beugung oder Drehung des Rumpfes verlangen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eine Beschädigung der Nerven im Rückenmark kann schwere Folgen haben: Empfindungsstörungen und Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten sind möglich. Nur sehr selten beeinträchtigen jedoch die eingesetzten Schrauben die Nervenwurzeln. Kommt es dennoch zu einer Schädigung, erholt sich der Nerv in der Regel nach einiger Zeit wieder vollständig. Dennoch bleibt die minimale Gefahr bestehen, eine bleibende Fuß- oder Beinschwäche zu entwickeln. Bei einem Eingriff unterhalb des zweiten Lendenwirbels ist eine Lähmung von Armen und Beinen ausgeschlossen, weil das Rückenmark dort nicht mehr verläuft. Verletzt werden können in dieser Höhe aber die Nervenwurzeln der Cauda equina; eine bleibende Lähmung der Beine mit Blasen- und Mastdarmstörung ist deshalb auch nach einer Versteifung im unteren Rückenbereich sehr selten, aber nicht ausgeschlossen.
Es kommt vor, dass die Wirbel nicht ausreichend miteinander verwachsen. Die Schrauben können sich daraufhin lockern und erneut Schmerzen hervorrufen. Insbesondere starke Raucher sind von dieser Komplikation gehäuft betroffen. Daneben ist es möglich, dass während oder nach der Versteifung Implantatschäden wie Materialbrüche entstehen. Um diese Probleme zu beheben, muss die Wirbelsäule abermals operiert werden. Da sich die operierten Patienten innerhalb der ersten acht Wochen nach dem Eingriff nur eingeschränkt bewegen dürfen, wird das Risiko für die Bildung einer Thrombose erhöht. Aus dem Bett aufstehen und gehen dürfen die Patienten heute allerdings schon in den ersten Tagen nach der Operation; die Einschränkungen betreffen vor allem schweres Heben sowie starkes Bücken und Verdrehen des Rumpfes. Auch durch den Einsatz des notwendigen Harnkatheters kann bei längerer Tragedauer eine Harnwegsinfektion auftreten.
Im Anschluss an die Operation beklagen Patienten häufig Rückenschmerzen. Diese werden durch den Eingriff selbst verursacht, da hierbei Gewebestrukturen verletzt werden. Daneben entstehen unangenehme Wundheilungsschmerzen. Bei einer Spondylodese setzt der Chirurg einen sehr langen Schnitt. Heilt die Narbe schlecht ab, treten möglicherweise Verwachsungen oder Wucherungen auf. Diese können langfristig Beschwerden verursachen. Anders ist dies bei einem minimal-invasiven Eingriff, bei dem nur kleinere Wunden entstehen.
Die wichtigste langfristige Folge der Versteifung betrifft nicht den operierten, sondern den angrenzenden Abschnitt. Weil die Nachbarsegmente die verlorene Beweglichkeit ausgleichen, tragen sie dauerhaft eine höhere Last. Bandscheiben und kleine Wirbelgelenke verschleißen dort schneller, was Jahre nach dem Eingriff erneut Beschwerden verursachen kann und in einem Teil der Fälle eine Erweiterung der Versteifung nach sich zieht. Dieser Anschlussverschleiß ist einer der Gründe dafür, dass bewegungserhaltende Verfahren geprüft werden, wo sie infrage kommen, und dass eine Versteifung auf möglichst wenige Segmente beschränkt wird. Wie stark er sich auswirkt, hängt unter anderem davon ab, wie viele Segmente versteift wurden und in welchem Zustand die Nachbarsegmente vor dem Eingriff waren.
Während der Operation kann die Rückenmarkshaut einreißen, sodass Nervenwasser austritt. Ein solcher Einriss wird noch während des Eingriffs verschlossen; gelingt das nicht vollständig, kommt es anschließend zu lageabhängigen Kopfschmerzen, und gelegentlich ist eine erneute Operation nötig. Weil bei ausgedehnten Versteifungen größere Knochenflächen freigelegt werden, kann der Blutverlust beträchtlich sein und eine Bluttransfusion erforderlich machen. Die lange Bauchlage in Narkose bringt zudem Lagerungsschäden mit sich, etwa Druckstellen an Gesicht und Augen oder vorübergehende Gefühlsstörungen an Armen und Beinen. Wird Knochen aus dem Beckenkamm entnommen, bleibt an der Entnahmestelle nicht selten ein Schmerz zurück, der über Monate anhalten kann; auch aus diesem Grund wird nach Möglichkeit auf andere Knochenquellen ausgewichen.
Nicht jeder Eingriff erreicht das erhoffte Ergebnis. Ein Teil der Operierten bleibt trotz gelungener Verwachsung beschwerdebelastet, insbesondere dann, wenn die Schmerzen vor der Operation nicht eindeutig einem Abschnitt zuzuordnen waren oder wenn sie sich über Jahre verselbstständigt haben. Auch aus diesem Grund gehören die Aufklärung über realistisch erreichbare Ziele und die genaue Prüfung der Indikation zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen dieses Eingriffs. Für die Betroffenen bedeutet das: Je sorgfältiger vorher geklärt wird, woher die Beschwerden stammen, desto größer ist die Aussicht, dass die Versteifung tatsächlich hilft.
Quellen
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- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
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