Staphylococcal scalded skin syndrome

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Staphylococcal scalded skin syndrome stellt eine durch Staphylokokken verursachte Hauttoxikose dar. In der Regel sind Säuglinge, Kleinkinder oder immungeschwächte Erwachsene betroffen. Ohne Behandlung ist die Prognose der Erkrankung sehr ungünstig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Staphylococcal scalded skin syndrome?

Staphylococcal scalded skin syndrome
Ein Staphylococcal scalded skin syndrome deutet sich manchmal einige Tage nach einer Staphylokokkeninfektion zunächst durch ein scharlachartiges Exanthem an.
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Staphylococcal scalded skin syndrome ist die Bezeichnung für eine durch Staphylokokken ausgelöste Hauttoxikose. Meist sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen. In sehr seltenen Fällen können auch stark immungeschwächte Erwachsene an diesem Syndrom erkranken.

Übersetzt bedeutet dieser Begriff durch Staphylokokken ausgelöstes Verbrühungssyndrom der Haut, weil die Hautveränderungen so aussehen, als ob es vorher zu einer Verbrühung kam. Die obersten Schichten der Haut sterben ab, bilden Blasen und lassen sich leicht abziehen. Bevor die Krankenhaushygiene allgemein eingeführt wurde, war das Staphylococcal scalded skin syndrome eine sehr verbreitete Infektionskrankheit von Neugeborenen.

Auf den Säuglingsstationen trug sie damals zur hohen Sterblichkeit der Neugeborenen bei. Heute kommt es nur noch selten vor, hat aber nichts an seiner Gefährlichkeit verloren. Erstmalig wurde die Infektion von dem Arzt Gottfried Ritter von Rittershain im Jahre 1878 beschrieben. Eine Zweitbeschreibung erfolgte durch den schottischen Arzt Alan Lyell im Jahre 1956, als er erkannte, dass das nach ihm benannte Lyell-Syndrom mit ähnlichen Symptomen andere Ursachen hat. Daher gibt es für diese Erkrankung außerdem noch die Synonyme Ritter-Syndrom oder Staphylogenes Lyell-Syndrom.

Ursachen

Das Staphylococcal scalded skin syndrome ist eine systemische Erkrankung, da das eigentliche Toxin über die Blutbahn an die entsprechenden Stellen gelangt. Ursache dieser Erkrankung ist eine Infektion mit Staphylokokken, die als Toxine sogenannte Exfoliantine bilden. Die Exfoliantine sind Serinproteasen, welche den Abbau bestimmter Haftproteine von Zellverbänden der obersten Hautschicht katalysieren.

Es sind spezielle Enzyme, die gezielt das Haftprotein Desmoglein 1 spalten. Desmoglein 1 befindet sich in den sogenannten Desmosomen (Verbindungsstrukturen) von Epithelzellen und bewirkt den Zusammenhalt der Zellen. Wenn das Haftprotein abgebaut wird, dann lösen sich die Zellverbände und die Haut kann sich ablösen.

Genau dies bewirken die von den entsprechenden Staphylokokken gebildeten Exfoliantine, die fern ihres Entstehungsortes eine Hauttoxikose auslösen. Am Ort der Hautnekrosen gibt es keine Hinweise auf Entzündungsreaktionen, da die Hautzerstörung nicht durch Immunreaktionen, sondern nur durch den Abbau der Haftproteine ausgelöst wird. In der Regel sind Säuglinge und Kleinkinder bis zu vier Jahren betroffen, da bei ihnen das Immunsystem noch nicht ausgereift ist und der Abbau des Toxins noch zu langsam vonstattengeht.

Ältere Kinder und Erwachsene erkranken nur selten. Voraussetzung dafür ist eine Immunschwäche durch zugrunde liegende Erkrankungen wie Tumoren, Niereninsuffizienz, Alkoholismus oder Organtransplantationen. Bei Säuglingen und Kleinkindern führte früher meist eine Omphalitis (Bauchnabelentzündung) durch Staphylokokken zu einem Staphylococcal scalded skin syndrome.

Heute spielt diese Erkrankung durch die Einführung der Krankenhaushygiene kaum noch eine Rolle. Allerdings sind Eiter bildende Staphylokokkeninfektionen der Nase und des Rachens (Tonsillitis, Rhinitis), der Augen (Konjunktivitis) oder der Ohren (Otitis) manchmal immer noch Ausgangspunkt für ein Staphylococcal scalded skin syndrome.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Staphylococcal scalded skin syndrome deutet sich manchmal einige Tage nach einer Staphylokokkeninfektion zunächst durch ein scharlachartiges Exanthem an. An der Stelle dieses Exanthems bilden sich später die Hautläsionen. Es kommt zu großen, schlaffen Blasen, die leicht aufreißen. Die Haut lässt sich leicht ablösen.

Das geschieht bereits durch leichtes Reiben auf der vom Exanthem betroffenen Haut (Nikolski-Zeichen). Selbst auf äußerlich gesunder Haut kann ein Reiben bereits zur Hautablösung führen. Wenn mit dem Finger fester über die Haut gestreift wird, kann sie abgezogen werden. Es sind jedoch nur die obersten Hautschichten betroffen. Dort befindet sich das Haftprotein Desmoglein 1, was mithilfe der Exfoliantine abgebaut wird.

Die Schleimhäute werden nicht beeinträchtigt. Wenn die Krankheit unbehandelt bleibt, können schwere Komplikationen mit einem eventuell tödlichen Ausgang auftreten. An der Stelle der Hautnekrosen können sich Sekundärinfektionen entwickeln. Durch massiven Flüssigkeitsverlust kann es zu einem hypovolämischen Schock kommen. Weitere Komplikationen sind Sepsis und Lungenentzündung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Differenzialdiagnostisch muss die Erkrankung gegen Verbrühungen abgegrenzt werden. Eine vorausgehende eitrige Infektion und das Nikolski-Zeichen deuten auf ein Staphylococcal scalded skin syndrome hin. Sehr wichtig ist auch die sichere differenzialdiagnostische Abgrenzung gegen das sogenannte Lyell-Syndrom, welches weitgehend ähnliche Symptome zeigt, aber durch den Einfluss von Medikamenten hervorgerufen wird. Im Gegensatz zum Staphylococcal scalded skin syndrome sind beim Lyell-Syndrom auch die Schleimhäute betroffen.

Komplikationen

Bleibt das Staphylococcal scalded skin syndrome unbehandelt, treten im Verlauf schwerwiegende Komplikationen auf. Zunächst besteht die Gefahr, dass sich die Hautläsionen ablösen und dadurch Entzündungen der unteren Hautschichten hervorrufen. Die Hautnekrosen können Sekundärinfektionen bedingen. Gelangen die Erreger in die Blutbahn, kommt es zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung.

Der massive Flüssigkeitsverlust kann zu einem hypovolämischen Schock führen. Erfolgt spätestens dann keine Behandlung, droht Herz-Kreislauf-Versagen und der Tod des Patienten. In weniger schweren Fällen rufen die Hautveränderungen Juckreiz, Rötungen und Schmerzen hervor. Da vor allem Säuglinge und Kleinkinder betroffen sind, belasten weniger die äußerlichen Veränderungen als vielmehr die Schmerzen und der Krankenhausaufenthalt das Kind und seine Eltern.

Bei der Behandlung des Syndroms gehen die Risiken von den verabreichten Medikamenten aus. Die typischerweise verordneten Antibiotika können etwa zu Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, Hautirritationen (zum Beispiel Juckreiz, Rötungen oder Entzündungen) und Muskelschwäche führen. Werden die Präparate über einen längeren Zeitraum eingenommen, drohen ernste Nieren-, Leber- und Herzschäden.

Zudem können allergische Reaktionen auftreten. Auch bei der Infusion kann es zu Komplikationen kommen: Entzündungen an der Einstichstelle, Bildung von Blutgerinnseln und Schockreaktionen des Körpers.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Staphylococcal scalded skin syndrome sollte immer durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. Da die Hautablösung durch ein bakterielles Gift ausgelöst wird, das ohne Behandlung des zugrunde liegenden Infektionsherdes weiter gebildet wird, kann es nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen. Daher muss schon bei den ersten Anzeichen der Krankheit ein Arzt aufgesucht werden, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Sollte das Staphylococcal scalded skin syndrome nicht behandelt werden, kann es im schlimmsten Fall auch zum Tod des Betroffenen kommen.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es an der Haut des Betroffenen zur Ausbildung eines großen Exanthems kommt. In den meisten Fällen ist dieses auch mit dem Auge zu erkennen. Sollte diese Beschwerde auftreten, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin kann es auch zu verschiedenen Entzündungen am Körper kommen, welche ebenso durch einen Arzt behandelt werden müssen.

Erste Anlaufstelle sind der Kinderarzt, der Hautarzt oder der Allgemeinarzt; die eigentliche Behandlung erfolgt jedoch stationär im Krankenhaus. In Notfällen oder bei sehr stark ausgeprägten Beschwerden kann dabei auch ein Notarzt gerufen oder direkt ein Krankenhaus aufgesucht werden. Die Lebenserwartung hängt vom Zeitpunkt der Diagnose der Erkrankung ab, sodass hierbei keine allgemeine Voraussage möglich ist. Löst sich die Haut großflächig ab oder wirkt ein Säugling apathisch, trinkschwach oder hoch fiebernd, ist ohne Umweg über die Praxis der Notruf 112 zu wählen. Bestehen außerhalb der Sprechzeiten lediglich Zweifel, ob die Hautveränderungen bedrohlich sind, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 weiter.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Staphylococcal scalded skin syndrome erfolgt durch hoch dosierte Gaben von Antibiotika gegen Staphylococcus aureus. Dazu zählen penicillinasefeste Penicilline wie Flucloxacillin oder Oxacillin; das früher verwendete Methicillin ist heute nicht mehr im Handel und lebt nur noch in der Abkürzung MRSA fort sowie andere Antibiotika wie Erythromycin oder Cephalosporine. Tetracycline wie Minocyclin kommen wegen der Nebenwirkungen an Zähnen und Knochen nur bei Patienten ab dem vollendeten achten Lebensjahr in Betracht. Multiresistente Stämme sind bei diesen Staphylokokken vergleichsweise selten; die Behandlung spricht daher meist gut an.

Wenn die Hautnekrosen sehr großflächig sind, ist es oft notwendig, Flüssigkeits- und Elektrolytverluste durch eine Infusion auszugleichen. Gleichzeitig muss eine desinfizierende Behandlung der betroffenen Hautareale erfolgen, um Sekundärinfektionen zu verhindern. Kortikosteroide dürfen nicht angewendet werden, da es sich nicht um Entzündungen handelt und das Immunsystem zusätzlich noch geschwächt würde.


Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor einem Staphylococcal scalded skin syndrome stellt die strenge Einhaltung der Krankenhaushygiene dar. Früher, als dies noch keine Rolle spielte, führten Staphylokokkeninfektionen häufig zum Tod des neugeborenen Kindes. Die heutigen hohen Hygienestandards in den Krankenhäusern haben dazu beigetragen, die Kindersterblichkeit drastisch zu senken.

Nachsorge

Wurde ein Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS) erfolgreich behandelt, sind spezielle Nachsorgemaßnahmen notwendig, um Folgeerkrankungen sowie ein erneutes Ausbrechen des Staphylococcal scalded skin syndromes zu verhindern. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist nicht ein geschwächtes, sondern ein noch unreifes Immunsystem für den Ausbruch verantwortlich; es reift von selbst heran und lässt sich nicht gezielt stärken.

Eine Impfung gegen Staphylococcus aureus gibt es nicht, und auch Vitaminpräparate können einem erneuten Ausbruch nicht vorbeugen. Bei Erwachsenen richtet sich die Nachsorge stattdessen auf die Behandlung der Grunderkrankung, die zur Immunschwäche geführt hat. Zusätzlich dazu sollte auf eine sorgfältige Hauthygiene geachtet werden. Da häufiges Waschen die ohnehin geschädigte Hautbarriere weiter angreift, wird die Haut mild und nicht öfter als nötig gereinigt und anschließend rückfettend gepflegt. Wichtiger ist eine gründliche Händehygiene der Betreuungspersonen, insbesondere vor dem Kontakt mit dem Kind und nach dem Besuch öffentlicher Toiletten oder Waschräume.

Daneben sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Hautarzt stattfinden, bei denen neben der intensiven Untersuchung der Haut auch Abstriche der Schleimhäute erfolgen sollten, um eine erneute Ausbreitung der Erreger rechtzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen treffen zu können. Zusätzlich sollten regelmäßige Untersuchungen der Entzündungswerte im Blut erfolgen, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Das können Sie selbst tun

Das Staphylococcal scalded skin syndrome ist lebensbedrohlich und bedarf einer sofortigen ärztlichen Behandlung im Krankenhaus. Nach der intensivmedizinischen Therapie können eine Reihe von Selbsthilfe-Maßnahmen genutzt werden, um die Genesung zu unterstützen.

Zunächst müssen die betroffenen Hautareale geschont werden. Es besteht ein hohes Risiko für Infektionen der offenen Hautstellen, insbesondere kurz nach der Behandlung. Der große Flüssigkeits- und Blutsalzverlust wird durch eine angepasste Ernährung ausgeglichen. Patienten besprechen am besten mit einem Ernährungsmediziner, wie die Diät gestaltet werden kann. Zudem muss auf etwaige Nebenwirkungen der eingesetzten Arzneimittel geachtet werden. Die abheilende Haut bedarf in den Wochen nach der Erkrankung einer sorgfältigen Pflege; da nur die obersten Hautschichten betroffen sind, heilen sie in der Regel narbenlos ab. Hierfür eignen sich rückfettende Salben aus der Apotheke. Der Arzt sollte über das gewählte Präparat informiert und die Behandlung überwacht werden.

Außerdem kann therapeutischer Rat helfen, um die Entstehung psychischer Beschwerden zu vermeiden. Die schmerzhafte Erkrankung und der Aufenthalt auf einer Intensivstation belasten vor allem die Eltern der betroffenen Kinder erheblich. Umso wichtiger ist eine umfassende Betreuung, die über die eigentliche Behandlung des Staphylococcal scalded skin syndromes hinausgeht.

Quellen

  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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