Stauffer-Syndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Stauffer-Syndrom ist keine eigenständige Erkrankung, sondern immer nur ein Symptomenkomplex im Zusammenhang mit einem rechtsseitigen Nierentumor. Es stellt eine nicht durch Metastasen bedingte Leberdysfunktion dar. Die Behandlung dieses Syndroms kann nicht isoliert von der Nierenkarzinombehandlung erfolgen.
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Was ist das Stauffer-Syndrom?
Das Stauffer-Syndrom ist ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom eines Nierenkarzinoms, welches die Funktion der Leber beeinträchtigt. Im Rahmen des Nierentumors bildet sich ein reversibler Symptomenkomplex heraus. Das bedeutet, dass die Funktionsstörung der Leber sich wieder zurückbildet, wenn die Ursache verschwunden ist. So kann das Stauffer-Syndrom nur durch die Krebsbehandlung der Niere geheilt werden.
Ein paraneoplastisches Syndrom hat nichts mit Metastasen zu tun. Es wird entweder hervorgerufen durch eine verstärkte Bildung von Botenstoffen oder Hormonen beziehungsweise durch eine Immunreaktion des Organismus. Im Falle des Stauffer-Syndroms handelt es sich um die verstärkte Produktion von Interleukin-6 und Prostaglandinen. Oftmals ist ein paraneoplastisches Syndrom der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung im Körper.
Da die Leber ein hochkomplexes Stoffwechselorgan darstellt, kommt es zu vielfältigen Kettenreaktionen von biochemischen Prozessen, die eine optimale Leberfunktion nicht mehr zulassen. Es wurde festgestellt, dass das Stauffer-Syndrom nur bei einem kleinen Teil der rechtsseitigen Nierenkarzinome auftritt. Warum das so ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.
Ursachen
Es stimuliert die Bildung von Immunzellen und bestimmter Hormone. Gleichzeitig steigert es die Bildung von Phosphatasen. Das sind Enzyme, welche die Abspaltung von Phosphatgruppen katalysieren. Außerdem wird die Bildung der Hormone Cortisol, Somatotropin, Glucagon und Adrenalin angeregt. Die verstärkte Hormonproduktion führt zu hormonell bedingten Stoffwechselstörungen.
Die Anregung von Entzündungsreaktionen lässt eine unspezifische Hepatitis entstehen, welche sogar die Nekrose ganzer Gewebeabschnitte der Leber verursacht. Da die Bildung von Gerinnungsfaktoren gehemmt wird, verlängert sich die Thromboplastinzeit. Die Blutgerinnung verlangsamt sich also. Außerdem verringert sich die Konzentration an Albuminen im Blut.
Diese Hypoalbuminämie senkt den kolloidosmotischen Druck im Blutplasma, sodass nicht mehr genügend Wasser im Gefäßsystem gehalten werden kann. Die Folge ist die Ausbildung von Ödemen, wobei sich das Wasser im Interstitium ansammelt. Die Alpha- und Gammaglobuline sind aber erhöht. Des Weiteren kommt es zum Anstieg des indirekten Bilirubins.
Indirektes Bilirubin ist in Wasser unlösliches unkonjugiertes Bilirubin. Durch Konjugation mit Glucuronsäure wird es in der Leber zum wasserlöslichen konjugierten Bilirubin verwandelt. Auch diese Funktion ist beim Stauffersyndrom vermindert.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Das Stauffer-Syndrom äußert sich durch eine Reihe eindeutiger Symptome, zu denen in aller Regel ein Gewichtsverlust gehört. Die Betroffenen bemerken innerhalb weniger Tage eine starke Gewichtsabnahme, die oft mit Mangelerscheinungen wie Müdigkeit und Schwindel sowie einer Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit verbunden ist. Außerdem kommt es zu Fieber, einhergehend mit Symptomen wie Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und weiteren Allgemeinsymptomen.
Bei einigen Patienten kann das Fieber auch Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden hervorrufen. Auch Bewusstseinsstörungen bis hin zum Verlust des Bewusstseins sind nicht auszuschließen. Im Allgemeinen führt das Stauffer-Syndrom beim Patienten zu einer starken Erschöpfung. Alltägliche Aufgaben können nicht oder nur noch eingeschränkt bewältigt werden, wodurch sich oft auch seelische Probleme einstellen.
Wird das Nierenzellkarzinom frühzeitig erkannt und entfernt, klingen die Symptome innerhalb weniger Wochen wieder ab. Bei fehlender Behandlung kann ein progressiver Krankheitsverlauf beobachtet werden. Die Erkrankten leiden an zunehmenden Beschwerden und Funktionsstörungen der inneren Organe.
In letzter Konsequenz führt das Stauffer-Syndrom zum Tod des Patienten. Äußerliche Anzeichen der Erkrankung können blasse Haut, eingefallene Augenhöhlen und andere typische Krankheitszeichen sein. In Einzelfällen kann eine Schwellung im Bereich der Leber beobachtet werden, verbunden mit Druckschmerzen und Unwohlsein.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Das Stauffer-Syndrom lässt sich durch die Veränderung charakteristischer Laborwerte gut diagnostizieren. Allerdings sollten vorher andere Ursachen der Leberfunktionsstörung wie Lebermetastasen oder infektiöse Hepatitisformen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Gute Hinweise auf ein Stauffer-Syndrom geben erhöhte Werte der alkalischen Phosphatase, erhöhte indirekte Bilirubinwerte, erhöhte Werte von Alpha-2-Globulin und Gamma-GT, erniedrigte Albuminwerte und erniedrigte Werte von Prothrombin.
Früher wurde zusätzlich ein Bromsulphthalein-Test durchgeführt. Eine vermehrte Retention von Bromsulphthalein im Blut deutet ebenfalls auf das Stauffer-Syndrom hin. Beim Bromsulphthalein-Test wird der Farbstoff Bromsulphthalein intravenös appliziert. Normalerweise bindet sich dieser Farbstoff sofort an das Albumin und wird über die Galle ausgeschieden.
Wenn jedoch der Albumingehalt im Blut zu niedrig ist, kann es nicht vollständig gebunden werden. Freies Bromsulphthalein absorbiert Licht in einem bestimmten Wellenlängenbereich. Die Konzentration des Farbstoffs kann durch Extinktionsmessungen bestimmt werden. Hohe Extinktionswerte deuten auf eine Leberfunktionsstörung hin. Nach heutigem Kenntnisstand gehört der Bromsulphthalein-Test wegen seines Nebenwirkungsrisikos allerdings nicht mehr zur Routinediagnostik; die Diagnose stützt sich auf die genannten Laborwerte und auf die Bildgebung der Niere.
Komplikationen
Ist die Niere frei von Metastasen, kann der Tumor relativ leicht operativ entfernt werden. Die Leberfunktion wird hernach im Rahmen der Therapie komplett wiederhergestellt. Ein Nierenkarzinom betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch jüngere Menschen mit einer bekannten Nierenerkrankung oder einer erblichen Vorbelastung sollten daher die ärztlich empfohlenen Kontrolluntersuchungen wahrnehmen.
Dadurch lassen sich viele weitere Komplikationen vermeiden beziehungsweise rechtzeitig erkennen. Wird das Syndrom nicht behandelt, entsteht durch die nicht korrekt arbeitende Leber eine kontraproduktive chemische Kettenreaktion im Körper des Patienten. Rapider kaum aufzuhaltender Gewichtsverlust, schwere Fieberschübe und nahezu alle Begleiterscheinungen eines Fatigue-Syndroms – also einer anhaltenden krankhaften Erschöpfung – lassen den Betroffenen zusehends schwächer und matter werden.
Die Leber entzündet sich und kann sich nicht mehr entgiften. Sie wird anfällig für Erreger und Infektionen, wie zum Beispiel Hepatitis. Ist das Nierenkarzinom zu stark ausgeprägt und kann nicht erfolgreich behandelt werden, verschlimmert sich das Stauffer-Syndrom und es kommt zu Ödemen sowie zur Leberzirrhose.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Das Stauffer-Syndrom muss auf jeden Fall behandelt werden. Ohne Behandlung kann es dabei zu einer Ausbreitung des Tumors in andere Regionen des Körpers kommen. Weiterhin kann auch eine Niereninsuffizienz eintreten, die zum Tode des Patienten führen kann. Aus diesem Grund muss zwingend eine Behandlung des Stauffer-Syndroms erfolgen. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn sich der Betroffene ohne besonderen Grund müde und erschöpft fühlt. Weiterhin haben Betroffene Schlafbeschwerden und leiden unter Reizbarkeit.
Auch die Konzentration des Betroffenen kann durch das Stauffer-Syndrom gestört sein und es kommt nicht selten zu einer stark verringerten Belastbarkeit. Bei diesen Beschwerden ist eine umgehende Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt notwendig. Meistens ist auch die Leber entzündet und muss ebenso untersucht werden. Auch bei einem plötzlichen Gewichtsverlust und starken Fieberschüben ist eine Untersuchung notwendig. In erster Linie kann ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Sollten die Beschwerden stark auftreten, so kann sich der Betroffene an ein Krankenhaus wenden. In der Regel ist eine sofortige Behandlung des Stauffer-Syndroms notwendig. Ist der Betroffene bewusstseinsgetrübt oder bewusstlos, muss dagegen sofort der Notruf 112 gewählt werden; atmet er noch, wird er bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in die stabile Seitenlage gebracht. Außerhalb der Sprechzeiten ist für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
Da das Stauffer-Syndrom immer durch ein rechtsseitiges Nierenkarzinom verursacht wird, kann es nicht isoliert von der zugrunde liegenden Krebserkrankung der Niere behandelt werden. Als Symptomenkomplex ist das Syndrom reversibel. Wenn die Nierenkrebserkrankung erfolgreich behandelt wird, verschwindet in den meisten Fällen auch das Stauffer-Syndrom von alleine.
Nur wenn bereits bleibende Schäden in der Leber vorhanden sind, werden zwar weiterhin Leberfunktionsstörungen auftreten, deren Behandlung jedoch nach Wegfall des zugrunde liegenden Nierenkrebses erfolgreich sein kann. Das Nierenkarzinom ist im Frühstadium ohne Vorliegen von Metastasen noch gut chirurgisch entfernbar.
Bei inoperablen Nierentumoren kann der Verlauf der Erkrankung zwar medikamentös verzögert werden. Allerdings besteht hier keine Möglichkeit mehr, das Stauffer-Syndrom erfolgreich zu behandeln.
Aussicht & Prognose
Das Stauffer-Syndrom kann in der Regel relativ gut behandelt werden. Wenn die Behandlung selbst erfolgreich verläuft, bilden sich die Leberfunktionsstörungen in der Regel innerhalb weniger Wochen zurück. Beschwerden können jedoch von der Krebsbehandlung selbst zurückbleiben, etwa eine eingeschränkte Nierenfunktion nach der Entfernung einer Niere oder Nebenwirkungen der medikamentösen Tumortherapie. Allerdings wird das Stauffer-Syndrom nicht alleine behandelt. Es stellt einen Teil der Behandlung eines Nierentumors dar und tritt dabei als Symptom auf. In diesem Fall ist es auch reversibel und fügt dem Körper keinen permanenten Schaden zu, sofern die Leber nicht bereits dauerhaft geschädigt ist.
Sollte die Behandlung des Tumors erfolgreich verlaufen, so wird auch das Stauffer-Syndrom von alleine verschwinden und es ist keine zusätzliche Behandlung notwendig. Falls der Tumor frühzeitig erkannt wird, kann dieser durch einen operativen Eingriff entfernt werden . Sollte die Leber schon vor der Erkrankung beschädigt worden sein, können jedoch auch weiterhin bestimmte Störungen oder Fehlfunktionen des Organs auftreten.
Im Falle eines Tumors, welcher nicht entfernt werden kann, wird auch das Stauffer-Syndrom nicht von alleine verschwinden. Hier erfolgt eine Behandlung mit Hilfe von Medikamenten. Diese können das Syndrom allerdings nicht komplett behandeln, sondern verzögern nur seine Wirkung. Eine Vorsorgeuntersuchung, die das Syndrom sicher verhindern könnte, gibt es nicht; ein Nierenkarzinom wird häufig zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums entdeckt.
Vorbeugung
Die Vorbeugung vor einem Stauffer-Syndrom kann nur im Zusammenhang mit der Vorbeugung vor einem Nierenkarzinom betrachtet werden, weil das Stauffer-Syndrom nicht isoliert vorkommt. Es gibt einige Risikofaktoren für die Entstehung von Nierenkrebs. Dazu zählen das Rauchen, langjährige Therapien mit Analgetika sowie die Belastung mit Umweltgiften wie Blei, Kadmium oder chlorierte Kohlenwasserstoffe.
Bei angeborenen Erkrankungen wie Morbus Hippel-Lindau ist eine lebenslange ärztliche Überwachung notwendig, damit ein Nierenkrebs frühzeitig entdeckt und behandelt werden kann.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen beim Stauffer-Syndrom in den meisten Fällen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Daher sollte der Betroffene idealerweise frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um das Auftreten anderer Beschwerden und Komplikationen zu verhindern.
Da es sich beim Stauffer-Syndrom weder um eine eigenständige noch um eine erbliche Erkrankung handelt, sondern um eine Begleiterscheinung des Nierenkarzinoms, richtet sich die Nachsorge nach der Tumorerkrankung. Bildet sich der Tumor unter der Behandlung vollständig zurück, klingt in aller Regel auch das Stauffer-Syndrom ab; bleibt der Tumor bestehen, halten meist auch die Leberfunktionsstörungen an.
Die meisten Betroffenen sind im Laufe ihres Lebens auf regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt angewiesen. Dadurch können auch weitere Schäden an der Leber relativ gut erkannt und damit auch schon früh behandelt werden. Ebenso ist in einigen Fällen auch die Hilfe und die Unterstützung der eigenen Familie notwendig, um Depressionen oder andere psychische Krankheiten zu verhindern. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird dabei in erster Linie vom zugrunde liegenden Nierenkarzinom bestimmt.
Das können Sie selbst tun
Betroffene sollten präventiv – ebenso wie postoperativ – auf eine gesunde Lebensweise achten. Hierzu zählen der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie die Aufnahme vital- und mineralstoffreicher Nahrung. Auch eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern täglich, bestehend aus stillen Mineralwässern oder ungesüßten Kräutertees, fördert die Reinigung des Körpers und regt den Stoffwechsel an. Zugleich sorgen Mineralstoffe – egal ob in flüssiger oder fester Form – für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Auch die Einnahme spezieller Nahrungsergänzungsmittel ist in diesem Zusammenhang denkbar. Sie sollte jedoch immer vorher mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, da einzelne Präparate die Tumortherapie beeinflussen können. Eine Ernährungsweise, mit der sich die Krebserkrankung selbst zurückdrängen ließe, gibt es dagegen nicht; die genannten Maßnahmen können die ärztliche Behandlung lediglich begleiten.
Eine erhöhte Konzentration an Schwermetallen im Körper belastet die Nieren zusätzlich. Auch der vermehrte Konsum von Schmerzmitteln (Analgetika) wirkt als Risikofaktor für diese Erkrankung. Kann der Tumor nicht entfernt werden, ist die dauerhafte Einnahme von Medikamenten erforderlich. Betroffene können in diesem Fall lediglich durch die beschriebenen Maßnahmen ihren Körper entlasten.
Quellen
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ISBN: 9783642343186
- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie.
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- Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., Dietel, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
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