Steißbeinteratom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Steißbeinteratom ist ein vorgeburtlich entstehender Tumor am Steißbein, der meist gutartig und mit einer Fehlentwicklung des Primitivstreifens assoziiert ist. Bereits pränatal kann der Tumor erkannt und gegebenenfalls behandelt werden. Die pränatale Behandlung stabilisiert vor allem den Kreislauf des Embryos.
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Was ist ein Steißbeinteratom?
Keimzelltumore sind Tumore, die von den Keimzellen ausgehen. Bei Mädchen sind die Tumore meist gutartig. Jungen sind häufiger von bösartigen Formen betroffen. Das Steißbeinteratom ist die häufigste Manifestation des Keimzelltumors im Kleinkindalter. Insgesamt sind Mädchen deutlich häufiger von einem Steißbeinteratom betroffen als Jungen. Das Teratom sitzt im Rahmen eines Steißbeintumors im Bereich des Steißbeins und entspricht einem Fehlbildungstumor der Wirbelsäule.
Zum Teil infiltriert der Tumor von der Wirbelsäule aus das fetale Becken. Teratom heißt wörtlich übersetzt „Monstertumor“. Oft sind Steißbeinteratome passend zu dieser Bezeichnung bei der Geburt bereits groß und mit dem bloßen Auge erkennbar. Zwar handelt es sich meist um gutartige Tumore, aber das Risiko der Entartung ist nicht zu unterschätzen. Große Steißbeinteratome fallen vorgeburtlich bereits im Feinultraschall ins Auge. Abhängig vom Grad der Durchblutung kann auch ein bisher gutartiger Steißbeintumor schwerwiegende bis letale Folgen haben.
Ursachen
Aus den Resten des Streifens wird beim Steißbeinteratom ein Tumor am hinteren Ende der embryonalen Wirbelsäule. Der so entstandene Tumor bewirkt oft eine fehlerhafte Entfaltung der einzelnen Keimblätter. Dadurch können alle möglichen Gewebe, Organe und Gliedmaßen des Embryos bei der Entwicklung gestört werden. Besonders stark durchblutete Steißbeinteratome können beispielsweise Herzversagen zur Folge haben und das ungeborene Kind damit versterben lassen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Das Steißbeinteratom kann sich als ausgereifter Tumor in der Größe eines Kindskopfes manifestieren. In milderen Fällen fällt das Teratom unmittelbar nach der Geburt nicht zwingend auf, sondern manifestiert sich lediglich in einer leichten Schwellung im Bereich des Steißbeins. Das Teratom kann wenig oder stark durchblutet sein. Bei stark durchbluteten Steißbeinteratomen leidet das Neugeborene häufig an funktionellen Beeinträchtigungen des Herzens.
Beckenteratome komprimieren häufig die Blase oder den Darm und rufen damit zusammenhängende Begleitsymptome hervor. Besonders große, komprimierende Teratome können zum Beispiel auch Schmerzen verursachen. Bei einer Infiltrierung des Spinalkanals können Bewegungseinschränkungen bestehen, die auf eine Schädigung der dort verlaufenden Nerven zurückgehen.
In einigen Fällen leidet auch die Schwangere noch während der Schwangerschaft an Symptomen. So kann zum Beispiel ein Mirror-Syndrom in der Schwangerschaft auf ein Steißbeinteratom des ungeborenen Kindes zurückzuführen sein. Bauchschmerzen, Atemnot und massive Ödem-Bildungen wurden zum Teil als Spiegelung der fetalen Erkrankung an der Schwangeren beobachtet.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Die Diagnose eines großen Steißbeinteratoms wird meist pränatal mittels Feinultraschall gestellt. Wenn das Teratom keine prominente Größe aufweist, stellt der Arzt die Diagnose postnatal. Meist entwickelt er durch Tastbefund einen ersten Verdacht auf den Tumor. Zur Diagnostik nutzt er neben Blutuntersuchungen radiologische Verfahren. Im Blut des Kindes wird vor allem alpha-Fetoprotein bestimmt.
Bildgebungen wie die Sonografie dienen der genauen Darstellung des Steißbeinbereichs. Über die Bildgebung wird neben der Lage die Größe der Wucherung bestimmt. Zur Feindiagnostik ist die Magnetresonanztomografie das Mittel der Wahl. Das MRT hilft den Ärzten zugleich dabei, die Behandlungsschritte zu planen. Die Prognose für Patienten mit Steißbeinteratomen hängt vor allem von der Malignität und dem Grad ihrer Durchblutung ab. Ein vorgeburtlicher Diagnosezeitpunkt wirkt sich positiv auf die Prognose aus.
Komplikationen
Die Schwellung ist oftmals nicht mit Schmerzen verbunden. Aufgrund der erhöhten Durchblutung kann es dabei allerdings zu Herzbeschwerden kommen, die vor allem bei Neugeborenen zu einem schwerwiegenden Verlauf führen können. Auch Bewegungseinschränkungen können in diesem Bereich auftreten und eventuell die Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Weiterhin kann der Tumor auf Blase und Darm drücken, Schmerzen verursachen oder bei starker Herzbelastung zu Atemnot führen, sodass das Steißbeinteratom auf jeden Fall entfernt werden muss.
Die Operation kann wie jeder größere Eingriff mit Blutungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen einhergehen. Da das Steißbein dabei mitentfernt wird, sind auch Verletzungen benachbarter Strukturen wie Blase, Darm oder Nerven möglich. Ist der Tumor bösartig oder ließ er sich nicht vollständig entfernen, schließt sich eine Chemotherapie an, die mit Nebenwirkungen verbunden ist. Weiterhin ist der Betroffene auf regelmäßige Untersuchungen angewiesen, um ein erneutes Auftreten des Tumors rechtzeitig zu erkennen. Bei einer erfolgreichen Behandlung des Steißbeinteratoms kommt es nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einem Steißbeinteratom ist der Besuch bei einem Arzt in jedem Fall notwendig. Da es nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann und sich die Beschwerden in den meisten Fällen unbehandelt verstärken, muss die Erkrankung immer von einem Arzt behandelt werden. Nur durch eine frühzeitige Untersuchung mit einer anschließenden Behandlung können weitere Komplikationen verhindert werden.
Ein Arzt ist beim Steißbeinteratom dann aufzusuchen, wenn beim Kind eine Schwellung am Steißbein sichtbar oder tastbar ist oder wenn es zu Bewegungseinschränkungen kommt. Da es sich meist um Säuglinge handelt, sind es die Eltern, die solche Veränderungen bemerken und ärztlich abklären lassen müssen. Auch eine Atemnot oder eine auffällige Schonhaltung der Beine können auf ein Steißbeinteratom hindeuten. Treten diese Beschwerden dauerhaft und vor allem ohne einen besonderen Grund auf, so ist ein Arzt aufzusuchen.
Auch eine auffällige Müdigkeit oder Abgeschlagenheit des Kindes sollte durch einen Mediziner untersucht werden. In der Regel kann das Steißbeinteratom durch einen Kinderarzt oder durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Die weitere Behandlung richtet sich dann nach genauen Beschwerden und ihrer Ausprägung.
Behandlung & Therapie
Wenn die Diagnose auf das Steißbeinteratom noch vor der Geburt gestellt wird, können vorgeburtlich fetalchirurgische Maßnahmen zum Einsatz kommen. Von der 20. bis zur 32. Schwangerschaftswoche können fetalchirurgische Interventionen zum Beispiel die Durchblutung des Teratoms vermindern und damit die Kreislaufsituation des ungeborenen Kindes verbessern. Nach der Geburt ist schnellstmöglich eine Exzision des Tumors anzustreben.
Die Therapieplanung erfolgt bei einer vorgeburtlichen Diagnose durch ein interdisziplinäres Team aus Kinderärzten, Frauenärzten, Kinderchirurgen und Narkoseärzten mit Anbindung an perinatale Zentren. Der Geburtstermin wird meist interdisziplinär bestimmt, damit alle erforderlichen Vorbereitungen auf eine bestmögliche Behandlung getroffen werden können. Zur Exzision sollte die Kreislaufsituation des Kindes stabil sein.
Aus diesem Grund verschlechtert die postnatale Diagnostik die Prognose, da in diesem Fall keine fetalchirurgischen kreislaufstabilisierenden Maßnahmen mehr getroffen werden können. Bei der Exzision ist in den meisten Fällen eine Entfernung des Steißbeins zur möglichst vollständigen Beseitigung des Tumors angezeigt. Nach der Exzision entscheiden die Ärzte, ob im Einzelfall Chemotherapie erforderlich ist.
Nach der Entfernung und Nachbehandlung des Teratoms müssen die Kinder regelmäßig an Kontrollen teilnehmen. Ärzte der Onkologie und Hämatologie betreuen die Patienten dauerhaft in der Ambulanz einer Kinderklinik. Falls es zu einem Rezidiv kommt, erkennen die Ärzte den wieder aufgetretenen Tumor so schon im Anfangsstadium und können rechtzeitig intervenieren.
Vorbeugung
Das Steißbeinteratom ist eine Fehlbildung während der embryonalen Entwicklung. Bislang bleibt allerdings unklar, welche Faktoren für diese Fehlentwicklung ausschlaggebend sind. Daher lässt sich dem Teratom bislang nicht erfolgversprechend vorbeugen. Nichtsdestotrotz kann der Feinultraschall als eine Art Vorbeugemaßnahme angesehen werden, da sich Teratome des Kindes durch die Bildgebung erkennen und vorgeburtlich vorbehandeln lassen.
Nachsorge
Die Nachsorge bei einem Steißbeinteratom richtet sich danach, welche Form das Teratom hat und welche Form der Behandlung gewählt wurde. Wird das Teratom mitsamt einem Teil des Steißbeins früh operativ entfernt, lässt sich auch die nötige medizinische Nachsorge früher festlegen. Im Idealfall zeigt sich das Steißbeinteratom bereits vor oder direkt bei der Geburt.
Nach dem chirurgischen Eingriff und einer Analyse des Gewebes muss festgestellt werden, ob eine weitere Therapie notwendig ist. Diese kann beispielsweise in einer Chemotherapie bestehen, die selbst wiederum diverse Nachsorgeuntersuchungen und -behandlungen mit sich bringt.
Ist festgestellt worden, dass nichts mehr vom Teratom zurückgeblieben ist und keine malignen Tumorzellen mehr zu befürchten sind, gehören zur Nachsorge die Wundversorgung sowie eine Untersuchung aller dem Steißbein anliegenden Körperteile. So wird überprüft, ob das Steißbeinteratom beispielsweise die Blase oder den Darm in Mitleidenschaft gezogen hat. Gegebenenfalls wird hier operiert oder therapiert.
Tritt das Steißbeinteratom hingegen in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren in Erscheinung, ist eine Bösartigkeit sehr viel wahrscheinlicher. Die Nachsorge, die nach der Behandlung eines solchen Steißbeinteratoms erfolgt, gleicht der nach einer Krebstherapie. Entsprechend ist die medizinische Nachsorge hier mit sehr vielen Untersuchungen, unter anderem des Blutes und durch bildgebende Verfahren, verbunden.
Das können Sie selbst tun
Ein Steißbeinteratom kann im besten Fall bereits vor der Geburt des Kindes diagnostiziert und entfernt werden. Die Mutter sollte auf Warnsignale achten und den Frauenarzt über sämtliche Symptome informieren.
Sollte der Tumor zu groß sein, wird er unmittelbar nach der Geburt des Kindes entfernt. Die Aufgabe der Mutter ist es, das Kind sorgfältig zu beobachten. Bei starker Blutung, Atemnot oder einem auffällig teilnahmslosen Kind ist über den Notruf 112 sofort der Rettungsdienst zu rufen. Öffnet sich die Operationsnarbe oder zeigt das Kind andere Anzeichen von Schmerzen oder Unwohlsein, ist umgehend die behandelnde Kinderklinik zu verständigen; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 weiter. Wird das Teratom frühzeitig erkannt und vollständig entfernt, ist die Prognose gut. Regelmäßige Kontrollen bleiben dennoch nötig, weil der Tumor erneut auftreten kann.
Allerdings kann eine Tumorerkrankung des Kindes eine schwere psychische Belastung für die Eltern und insbesondere die Mutter darstellen. Betroffene Eltern sollten einen Therapeuten hinzuziehen, wenn sie sich gestresst oder von der Situation überfordert fühlen. Auch der zuständige Gynäkologe oder Chirurg kann den Kontakt zu einem Therapeuten oder Psychologen herstellen. Gegebenenfalls muss das Kind Schmerzmittel oder Entzündungshemmer einnehmen. Auswahl und Dosierung sollten die Eltern ausschließlich mit dem behandelnden Facharzt abstimmen.
Quellen
- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783662572948
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie.
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- Reiser, M.: Radiologie.
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- Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
ISBN: 9783110783346

