Sympathische Ophthalmie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die sympathische Ophthalmie ist eine Autoimmunerkrankung der Augenhaut, die nach Augenverletzungen oder Augenoperationen auftritt. Die charakteristische Uveitis kann beidseitige Erblindung zur Folge haben. Die Behandlung konzentriert sich auf die Entzündungskontrolle durch Steroide.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine sympathische Ophthalmie?

Sympathische Ophthalmie
Patienten mit einer sympathischen Ophthalmie klagen über Schmerzen im Bereich des entzündeten Auges. Außerdem reagieren sie mit Lichtscheu auf geringe Lichteinwirkungen.
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Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an. Im Rahmen der meisten Autoimmunerkrankungen lässt sich ein Nachweis über sogenannte Autoantikörper erbringen, der die Diagnose stützt. Bei der sympathischen Ophthalmie gelingt ein solcher Nachweis allerdings nicht; sie wird anhand der Vorgeschichte und des Augenbefundes erkannt. Autoimmunerkrankungen können sich grundsätzlich gegen sämtliche Körpergewebe richten. Als eine Autoimmunerkrankung des Augenhautgewebes versteht die Wissenschaft die sympathische Ophthalmie.

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Uveitis, die sich durch Entzündungen der mittleren Augenhaut Uvea charakterisiert. Die Uvea besteht aus der Aderhaut (Choroidea), der Iris und dem Strahlenkörper (Corpus ciliare). In Einzelfällen ist außerdem der Glaskörper an den entzündlichen Prozessen der Uveitis beteiligt. Die sympathische Ophthalmie tritt auf beiden Seiten als diffus granulomatöse Panuveitis in Erscheinung und tritt nach Traumata oder wiederholten OPs am Auge auf.

Historische Quellen berichten von einer als Ophthalmie bezeichneten Augenkrankheit unter den adligen Luxemburgern, an der etwa Johann von Böhmen auf beiden Augen die Sehkraft verlor. Ophthalmie war damals allerdings ein Sammelbegriff für Augenentzündungen; ein Zusammenhang mit der sympathischen Ophthalmie lässt sich daraus nicht ableiten, und für eine Vererbung der Erkrankung gibt es keinen Beleg. Für die sympathische Ophthalmie geben wissenschaftliche Quellen eine Prävalenz von eins bis neun Fällen auf eine Million Personen an. Damit zählt die Erkrankung zu den eher seltenen Krankheiten und ist bis heute nicht abschließend erforscht.

Ursachen

Nur wenige von 1000 Menschen mit penetrierender Augenverletzung entwickeln eine sympathische Ophthalmie. Das Lebensalter scheint in diesem Zusammenhang keine Rolle zu spielen. Die Ätiologie der sympathischen Ophthalmie bleibt teilweise unklar. Die Ursachen für die charakteristische Entzündung liegen in einem zellvermittelten Immunprozess und einer entzündlichen Autoimmunreaktion gegen Selbst-Antigene, die bei der ursprünglichen Verletzung freigesetzt werden.

Die genaue Natur der Selbst-Antigene gilt bisher als umstritten. Verschiedene Risikofaktoren für die Erkrankung wurden in der Vergangenheit dokumentiert. Zu den dokumentierten Risikofaktoren zählen neben bakteriellen Infektionen spezifische HLA-Antigene wie DR4, B40 oder A11. Damit bestehen Hinweise auf eine Beteiligung von genetischen Faktoren, die jedoch lediglich die Empfänglichkeit beeinflussen und keine Vererbung der Erkrankung selbst bedeuten.

In rund der Hälfte aller Fälle geht der Autoimmunerkrankung eine Verletzung voraus. Seltener handelt es sich um eine vorgeschichtliche Kontusion im Sinne einer Quetschung. Das höchste Risiko liegt nach Verletzungen des Ziliarkörpers vor. Allerdings wurde auch nach chirurgischen Eingriffen von den entzündlichen Prozessen berichtet. Nach Eingriffen im Bereich des hinteren Segments scheint ein höheres Risiko zu bestehen als nach Operationen im vorderen Segment. Auf chirurgische Eingriffe insgesamt entfällt die übrige Hälfte der Fälle; seit sich die Netzhautchirurgie verbreitet hat, machen sie einen zunehmend größeren Anteil aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit einer sympathischen Ophthalmie klagen über Schmerzen im Bereich des entzündeten Auges. Außerdem reagieren sie mit Lichtscheu auf geringe Lichteinwirkungen. Zur Akkommodation im Sinne der funktionellen Nah- und Ferneinstellung sind sie oft nur noch eingeschränkt in der Lage. Zusätzlich liegt häufig eine subjektive Sehstörung im Sinne einer verzerrten Umweltwahrnehmung vor, die mit einer leichten bis signifikanten Minderung der Sehkraft einhergehen kann.

Die granulomatöse Uveitis im vorderen Segment wird von Veränderungen des hinteren Segments begleitet. Solche Veränderungen können zum Beispiel moderate bis schwere Entzündungen im Bereich des Glaskörpers sein, allerdings auch anderen Entzündungen entsprechen. Zusätzlich sind die Veränderungen oft mit gelblich-weißen Läsionen im Bereich des Pigmentepithels oder mit Dalen-Fuchs-Knötchen vergesellschaftet.

Die Entzündungen führen im Verlauf oft zu schwerer Netzhautablösung oder Wassereinlagerungen innerhalb der Aderhaut, die einen Sehverlust zur Folge haben. Auch außerhalb der Augen treten Beschwerden auf. Bei diesen Begleitsymptomen handelt es sich oft um Kopfschmerzen oder Schwerhörigkeit. Schwerere Begleitsymptome sind die Meningitis im Sinne einer Hirnhautentzündung oder die Pleozytose des Hirnwassers, bei der sich die Zellzahl im Nervenwasser erhöht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer sympathischen Ophthalmie stellt der Arzt auf Basis der Vorgeschichte und der klinischen Symptome. Als bildgebende Verfahren können neben der Fluorescein- und Indocyaningrün-Angiographie die B-Scan-Ultrasonographie oder die optische Kohärenz-Tomographie zum Einsatz kommen, um die Verdachtsdiagnose abzusichern. Durch Laboruntersuchungen schließt der Arzt ursächliche Infektionen aus.

Differentialdiagnosen können bei nachgewiesenem Augentrauma in der Vorgeschichte die Endophthalmitis und andere Formen der Uveitis sein. Lässt sich kein Augentrauma in der Vorgeschichte der Patienten ausmachen, sind andere Krankheiten mit granulomatöser Uveitis wahrscheinlicher. In dieser Hinsicht kommen vor allem Sarkoidose oder das Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom und das Uvea-Effusions-Syndrom in Frage. Die Prognose ist für Patienten mit sympathischer Ophthalmie eher ungünstig. Im späteren Verlauf kann es zur beidseitigen Erblindung kommen.

Komplikationen

Die sympathische Ophthalmie stellt eine seltene Komplikation nach einer Augenverletzung oder einer Augenoperation dar. Aufgrund der Freilegung der Uvea nach einer Augenperforation richten sich im Rahmen dieser Erkrankung Abwehrzellen gegen die mittlere Augenhaut (Uvea). Fatalerweise greifen sie auch die Uvea des gesunden Auges an, was zu chronischen Entzündungsprozessen in beiden Augen führt.

Wenn die sympathische Ophthalmie unbehandelt bleibt, kann es daher zur beidseitigen Erblindung kommen. Neben einer schweren Uveitis können als Komplikationen auch Papillenödeme und sekundäre Glaukome vorkommen. Das Papillenödem, auch Stauungspapille genannt, ist durch eine Vorwölbung des Sehnervenkopfes gekennzeichnet. Die Stauungspapille führt zu Sehstörungen und Kopfschmerzen.

Das sekundäre Glaukom ist wiederum die Folge der Erhöhung des Augeninnendruckes und kann neben der schweren Augenhautentzündung ebenfalls zur Erblindung führen. Um das Risiko zu senken, dass die sympathische Ophthalmie vom verletzten Auge auf das gesunde Auge übergreift, wird manchmal das schwer verletzte Auge innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Unfall entfernt. Das sollte jedoch nur geschehen, wenn keine Chance mehr besteht, das Sehvermögen des beeinträchtigten Auges wiederherzustellen.

In den meisten Fällen erfolgt jedoch eine langfristige Behandlung mit Immunsuppressiva, um die Aktivität des Immunsystems hinsichtlich der Autoimmunreaktionen gegen die Uvea zu dämpfen und damit die Erblindung der Augen abzuwenden. Allerdings ist die Therapie mit Immunsuppressiva wie den Kortikoiden durch die Schwächung des Immunsystems mit Nebenwirkungen verbunden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei anhaltenden oder zunehmenden Beeinträchtigungen des Sehvermögens sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Schmerzen im Bereich des Auges, eine Überempfindlichkeit gegenüber Lichteinflüssen sowie bei einer Schwierigkeit des scharfen Sehens wird die Unterstützung eines Arztes benötigt. Treten visuelle Probleme bereits bei schlechteren Lichtverhältnissen auf, gilt dies als ungewöhnlich und muss untersucht sowie behandelt werden. Können die Umrisse von Gegenständen in der Ferne oder in der näheren Umgebung des Betroffenen nur mit besonderer Anstrengung deutlich gesehen werden, sind die Beschwerden einem Arzt vorzustellen.

Es gilt als besorgniserregend, wenn Menschen oder Gegenstände nur unscharf wahrgenommen werden können. Das allgemeine Unfall– und Verletzungsrisiko ist in diesen Situationen erhöht. Damit es zu keinen Folgeerscheinungen oder lebensbedrohlichen Situationen kommt, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei Kopfschmerzen, einem Druckgefühl im Bereich des Auges sowie einer Schwerhörigkeit liegt eine gesundheitliche Beeinträchtigung vor, die diagnostiziert werden sollte.

Kommt es zu Gangunsicherheiten, Auffälligkeiten des Verhaltens sowie Wandlungen der Persönlichkeit, sind diese Besonderheiten als Warnsignale zu verstehen. In vielen Fällen deuten sie auf eine vorliegende Erkrankung hin. Es besteht Handlungsbedarf, da dem Betroffenen irreparable Schäden drohen. Bei einer erhöhten Körpertemperatur, einem allgemeinen Krankheitsrisiko, Angstzuständen, Abgeschlagenheit oder einer diffusen Erschöpfung sind die Beschwerden mit einem Arzt zu besprechen.

Eine penetrierende Augenverletzung oder ein plötzlicher Sehverlust sind dagegen Notfälle und müssen innerhalb weniger Stunden augenärztlich versorgt werden. Bei einer schweren Augenverletzung, einem sichtbar eröffneten Augapfel oder starken Augenschmerzen nach einem Unfall ist sofort der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 zu alarmieren. Bis zum Eintreffen der Helfer wird das verletzte Auge locker und ohne Druck abgedeckt; steckende Fremdkörper dürfen dabei nicht herausgezogen werden.

Behandlung & Therapie

Im Akut-Fall ist der sympathischen Ophthalmie mit dem sofortigen Verschluss aller Wunden zu begegnen. Die Patienten erhalten zunächst Steroide in hoher Dosierung; die Behandlung erstreckt sich über mindestens drei Monate. In Abhängigkeit vom Einzelfall wird die Steroiddosis Stück für Stück reduziert, bis sich alle Symptome auflösen. Anschließend erfolgt über sechs bis zwölf Monate eine Erhaltungstherapie.

Reichen Steroide allein nicht aus oder ist eine Dauertherapie nötig, werden heute vor allem Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil, Methotrexat oder Cyclosporin als steroidsparende Mittel ergänzt; bei schweren Verläufen kommen Biologika wie Adalimumab in Betracht. Cyclophosphamid bleibt anders nicht beherrschbaren Verläufen vorbehalten. Welches Mittel geeignet ist und in welchen Abständen es angewendet wird, legt der behandelnde Arzt fest. Chirurgische Behandlungen wie die Entfernung des betroffenen Auges wurden in der Vergangenheit mit eher minderem Erfolg durchgeführt. Nichtsdestotrotz wird eine chirurgische Intervention bis heute in Einzelfällen diskutiert.

In der Regel liegt bei einer Entscheidung für die chirurgische Intervention Blindheit im auslösenden Auge vor. Sehende Augen entfernen Ärzte selten, da die Prognose des betroffenen Auges im Einzelfall wesentlich günstiger ausfallen kann. Ohne jede Behandlung bleibt die Visus-Prognose extrem ungünstig.

Der Autoimmunprozess greift in diesen Fällen meist auf das andere Auge über und kann so beidseitige Erblindung verursachen. Rezidive und Komplikationen liegen im Bereich des Möglichen. Daher ist auf lange Sicht die regelmäßige Kontrolluntersuchung der Patienten einer der wichtigsten Therapieschritte.


Vorbeugung

Der sympathischen Ophthalmie lässt sich bislang nur insofern vorbeugen, als dass Traumata des Auges vermieden werden sollten. Da sich Augenverletzungen und Augenoperationen nur bis zu einem gewissen Grad verhindern lassen, stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine sicheren Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung.

Die sympathische Ophthalmie ist eine autoimmun bedingte Augenkrankheit, bei der sich vom verletzten oder operierten Auge aus eine Entzündung auf beide Augen ausbreitet. Grund für diesen Prozess sind fehlgeleitete Abwehrzellen; durch den autoimmunen Vorgang entstehen die Entzündungsherde. Augenärztliche Therapien und eine konsequente Nachsorge sind notwendig, um den Patienten vor einer völligen Erblindung zu bewahren.

Nachsorge

Bei der sympathischen Ophthalmie befällt die Entzündung in einem Zeitraum von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren auch das andere Auge. Die Nachsorge zielt auf den Erhalt der (noch) vorhandenen Sehkraft ab. Einem kompletten Verlust des Augenlichts muss entgegengewirkt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die langfristige medikamentöse Behandlung. Nur ausnahmsweise wird ein bereits erblindetes, schwer verletztes Auge entfernt – und zwar möglichst früh nach der Verletzung, bevor sich die Entzündung auf das zweite Auge ausbreitet. Nach der chirurgischen Therapie setzt die bekannte postoperative Nachsorge ein. Sie wird nach der Entlassung aus der Klinik vom Augenarzt fortgeführt. Er kontrolliert den Heilungserfolg, zudem berät er den Betroffenen im Umgang mit nur einem intakten Auge.

Wurden dem Patienten im Rahmen einer medizinischen Behandlung Immunsuppressiva verabreicht, überprüft der Augenarzt Verträglichkeit und Heilungsfortschritte. Die Nachsorge hängt vom Zustand nach der Therapie ab. Die Sehkraft bleibt auch nach abgeschlossener Therapie meistens eingeschränkt. Beim Facharzt erhält der Betroffene in der neuen Situation professionelle Beratung.

Das können Sie selbst tun

Die sympathische Ophthalmie erfordert eine medizinische Behandlung. Selbsthilfemaßnahmen, welche die Patienten alleine durchführen können, existieren nicht. Wichtig ist vor allem, dass sie bei Augenverletzungen sofort einen Arzt aufsuchen. Ansonsten besteht das Risiko, dass der Autoimmunprozess von einem Auge auf das andere übergeht.

Um sich vor einer beidseitigen Erblindung zu schützen, sollte auch im Anschluss an eine Behandlung eine engmaschige Kontrolle beim Augenarzt stattfinden. So lassen sich Rezidive rechtzeitig erkennen und therapieren. Im Alltag sollten die Betroffenen das Verletzungsrisiko der Augen minimieren. Abhängig von der Umgebung gehört zu den geeigneten Hilfsmaßnahmen beispielsweise das Tragen von Schutzbrillen, um Traumata auszuschließen.

Des Weiteren müssen die Patienten im Anschluss an eine ärztliche Behandlung der Augenerkrankung die verschriebenen Kortikosteroide zu sich nehmen und dabei strikt die ärztliche Empfehlung einhalten. Möglicherweise verordnet der Arzt auch andere Medikamente, die regelmäßig einzunehmen sind. Vor allem bei den Immunsuppressiva muss eine langfristige Verabreichung sichergestellt sein. Deshalb sollten die Patienten die Medikamenteneinnahme in den alltäglichen Ablauf integrieren.

Im Rahmen der Selbsthilfe ist eine gelegentliche Entlastung der Augen ratsam. Zu viel Bildschirmarbeit oder der Aufenthalt in einer stark verstaubten Umgebung kann zu neuen Beschwerden führen.

Quellen

  • Lang, G. K.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132426252
  • Grehn, F.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662591536
  • Augustin, A. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783942825771
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471

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