Endophthalmitis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Endophthalmitis ist eine Entzündung des Augeninneren. Sie wird durch Infektionen im Auge hervorgerufen.
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Was ist Endophthalmitis?
Die Endophthalmitis ist eine äußerst seltene Erkrankung, die aufgrund ihrer schwerwiegenden Folgen jedoch gefürchtet ist. In den USA treten pro Jahr rund 1200 Fälle von Endophthalmitis nach Operationen auf. Die Inzidenz liegt in Deutschland nach Operationen bei Grauem Star bei etwa 0,08 Prozent. Auch bei geringfügigen Eingriffen kann die Erkrankung auftreten. Bei einer Endophthalmitis kommt es zu einer entzündlichen Reaktion im Inneren des Auges.
Dieser Entzündung liegt in der Regel eine Infektion mit Mikroorganismen zugrunde. Von der Entzündung sind im Gegensatz zur Panophthalmitis nur die Innenräume des Auges und nicht das komplette Auge betroffen. Bei der Endophthalmitis kann zwischen einer exogenen und einer endogenen Form unterschieden werden. Bei der exogenen Endophthalmitis gelangen die Erreger von außen ins Auge.
Die endogene Endophthalmitis geht mit einer Verschleppung der Keime über den Blutweg einher. Hauptsymptom der Endophthalmitis sind dumpfe Schmerzen und Sehstörungen. Die Prognose der Endophthalmitis ist äußerst ungünstig. Im Extremfall muss das Auge entfernt werden. Sie ist damit ein augenärztlicher Notfall: Ohne sofortige Behandlung kann das Auge innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen verloren gehen.
Ursachen
Eine Endophthalmitis wird durch Mikroorganismen verursacht. Bei einer exogenen Infektion gelangen die Erreger über Verletzungen ins Auge. So kann eine exogene Endophthalmitis beispielsweise nach einer Augenoperation bei unsterilen Operationsbedingungen auftreten. Am häufigsten geschieht dies nach einer Operation des Grauen Stars oder nach einer Spritze ins Auge, wie sie bei Netzhauterkrankungen regelmäßig gegeben wird; seltener sind Verletzungen die Eintrittspforte. Die exogene Endophthalmitis ist die häufigere Form. Seltener tritt die endogene Endophthalmitis auf. Hier hat die Infektion ihren Ursprung in einem anderen Organ.
Über den Blutweg breiten sich die Erreger im Körper aus. Dieser Vorgang wird auch als Sepsis oder Blutvergiftung bezeichnet. Eine Sepsis wird meist durch Bakterien verursacht. Sie tritt infolge von Operationskomplikationen, bei Augenverletzungen und bei immungeschwächten Patienten wie Diabetikern oder AIDS-Patienten auf.
Bakterien, Viren und Parasiten sind mögliche Erreger der Endophthalmitis. Bei den Bakterien kommen Enterokokken, Klebsiella pneumoniae, Bacillus spp., Proteus spp., Streptokokken, Staphylokokken, Mycobakterien und Treponema pallidum als Erreger infrage. Candida albicans und andere Candida-Arten, Aspergillus spp., Mucor-Arten, Penicillium und Blastomyces dermatitidis sind Pilze, die eine Infektion des Augeninnenraumes hervorrufen können.
Weitere mögliche Erreger sind das Humane Cytomegalievirus, der Herpes-simplex-Virus, das Masernvirus, das Rötelnvirus und das Varizella-Zoster-Virus. Zu den Parasiten, die eine Endophthalmitis auslösen können, gehören Taenia solium, Toxoplasma gondii und Toxocara canis (Hundespulwurm).
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Typisch für die Endophthalmitis sind dumpfe und starke Schmerzen im Auge. Die Sehfähigkeit verschlechtert sich massiv und es kommt zu einer starken Lichtempfindlichkeit (Photophobie). Die Augenlider sind geschwollen. In der medizinischen Fachsprache wird diese Erscheinung als Lidödem bezeichnet. Die Bindehäute sind vermehrt durchblutet. Diese konjunktivale Hyperämie macht sich durch eine Rötung der Augen bemerkbar.
Nicht nur die Augenlider, sondern auch die Bindehäute können geschwollen sein. Das Ödem der Konjunktiven wird Chemosis genannt. Dabei hebt sich die Bindehaut blasenartig von der Lederhaut (Sklera) ab. Auch die Hornhaut ist geschwollen. In das Stroma der Hornhaut wird Wasser eingelagert. Dies führt dazu, dass die Anordnung der Kollagenlamellen in der Hornhaut gestört ist und die Dicke der Hornhaut zunimmt.
Dadurch wird die Transparenz der Hornhaut vermindert und sie erscheint milchig-trüb. Es kommt zu einer Sehverschlechterung mit kreisförmigen Erscheinungen rund um Lichtquellen (Halos). Eine charakteristische Erscheinung bei der Endophthalmitis ist das Tyndall-Phänomen. Es handelt sich dabei um eine Trübung des Kammerwassers, die durch einen erhöhten Gehalt an Entzündungszellen und Eiweißen zustande kommt.
Ferner kann sich in der Augenvorderkammer Eiter bilden (Hypopyon). Bei Gegenlichttests leuchten die Pupillen weißlich auf. Dieses Phänomen wird auch Leukokorie genannt. Zudem kann der Glaskörper infiltriert und getrübt sein. Im Gegensatz zur Panophthalmitis sind bei der Endophthalmitis nur die Augeninnenräume betroffen. Die Augenhülle ist frei von Entzündungen.
Diagnose
Zunächst untersucht der Augenarzt das Auge an der Spaltlampe. Ist der Einblick ins Augeninnere durch die Trübung nicht mehr möglich, wird bei Verdacht auf eine Endophthalmitis eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Anschließend erfolgt der Erregernachweis aus dem Kammerwasser und aus dem Glaskörper. Die Erregerbestimmung ist wichtig für die Therapie. Die Endophthalmitis kann durch viele verschiedene Erreger hervorgerufen werden, sodass für die Wahl des passenden Arzneimittels eine Erregerbestimmung nötig ist. Mit der Behandlung wird allerdings sofort begonnen, ohne das Ergebnis abzuwarten, weil sonst zu viel Zeit verloren geht.
Komplikationen
Bei der Endophthalmitis ist schnelles Handeln geboten. Je nachdem, welcher Krankheitserreger im konkreten Fall die Endophthalmitis ausgelöst hat, kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Bei einer bakteriellen Infektion sind das Antibiotika, die sowohl lokal am Auge (etwa als Tropfen oder als Creme um das Auge herum) als auch im Rahmen einer systemischen Therapie gegeben werden. Entscheidend ist dabei die Injektion des Antibiotikums direkt in den Glaskörper, weil Tropfen und Salben das Augeninnere nicht in ausreichender Menge erreichen.
Das hochdosierte, im systemischen Verbund eingesetzte Antibiotikum kann zu Nebenwirkungen führen, etwa zu starker Müdigkeit, Unwohlsein, starkem Durchfall oder teilweiser Zerstörung der Darmflora. Bei der Gabe von Penicillin kommt es gelegentlich zu allergischen Reaktionen, die von Hautreizungen bis hin zu einem allergischen Schock reichen können.
Bleibt eine Endophthalmitis unbehandelt, so breitet sich die Entzündung sehr schnell weiter aus. Aufgrund der starken Schädigung des Auges führt die unbehandelte Endophthalmitis zu einem völligen Verlust der Sehkraft, mitunter zu einem Verlust des gesamten Auges. Eine weitere, im mittelbaren Zusammenhang mit der Endophthalmitis stehende Komplikation ist die Resistenzbildung der Erreger.
Im Falle der Resistenz können Bakterien mit den gängigen Antibiotika nicht mehr behandelt werden. Resistenzen führen dazu, dass bakteriell verursachte Krankheiten - und damit auch die Endophthalmitis - immer schlechter behandelt werden können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge gilt eine einfache Regel: Nehmen Schmerz, Rötung und Sehverschlechterung zu, statt in den Tagen danach abzuklingen, muss noch am selben Tag eine Augenklinik aufgesucht werden. Ein Eiterspiegel in der Vorderkammer ist ein besonders eindeutiges Warnzeichen. Bei Veränderungen der gewohnten Sehkraft ist Grund zur Sorge gegeben. Kommt es zu Lichtempfindlichkeit oder einem verminderten Sehvermögen, ist ein Arzt aufzusuchen. Setzen Kopfschmerzen ein oder wird ein Druckgefühl im Kopfinneren wahrgenommen, ist ein Arztbesuch nötig. Bevor es zu einer Einnahme von Schmerzmedikamenten kommt, ist die Rücksprache mit einem Mediziner erforderlich, um mögliche Risiken und Nebenwirkungen abzuklären.
Bei geschwollenen oder tränenden Augen sowie einem Juckreiz im Auge sollte ein Arzt konsultiert werden. Verfärbungen der Haut in der Augenregion oder auf der Netzhaut gelten als ungewöhnlich und sind medizinisch untersuchen zu lassen. Schwillt die Hornhaut an, ist ein Arztbesuch schnellstmöglich vorzunehmen. Eine Vertrübung des Auges oder eine milchige Verfärbung sind einem Arzt vorzustellen und von ihm untersuchen zu lassen. Bildet sich Eiter, erhöht sich das Risiko einer Blutvergiftung.
Ein Arztbesuch ist notwendig, damit sich kein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln kann. Bei emotionalen Problemen ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig. Kommt es zu Angst oder Verhaltensauffälligkeiten, sollte ein Arzt oder ein Therapeut aufgesucht werden. Ein aggressives oder stark aufgewühltes Verhalten gibt Anlass zur Besorgnis und sollte besprochen werden. Kommt es zu einer Leistungsminderung, Störungen der Konzentration oder einer inneren Unruhe, empfiehlt sich die Konsultation eines Arztes.
Behandlung & Therapie
Eine bakterielle Endophthalmitis wird mit Antibiotika behandelt. Diese können zum Beispiel als Augentropfen verabreicht werden. Auch eine intravenöse Antibiotikagabe oder Injektionen von Antibiotika ins Auge oder um das Auge herum sind möglich. Mögliche Antibiotika zur Behandlung der Endophthalmitis sind Cefazolin, Ceftazidim, Penicillin, Vancomycin, Clindamycin, Ampicillin und Oxacillin. Als Standard für die Spritze in den Glaskörper gilt heute die Kombination aus Vancomycin und Ceftazidim, die zusammen nahezu alle infrage kommenden Bakterien erfasst. Die Lokaltherapie am Auge wird durch eine hoch dosierte systemische Therapie ergänzt.
Gegebenenfalls kommen ergänzend Glukokortikoide zum Einsatz. Wenn die Endophthalmitis durch Pilze hervorgerufen wurde, sind Glukokortikoide jedoch kontraindiziert. In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff am Glaskörper, eine sogenannte Vitrektomie, erforderlich sein. Die Prognose ist stark von der Virulenz des Erregers abhängig. Auch die Dauer der Infektion spielt eine Rolle. Häufig kommt es durch die Schädigung der Netzhaut zu einem Funktionsverlust des Auges. In sehr schweren Fällen muss das Auge durch eine Enukleation komplett entfernt werden.
Aussicht & Prognose
Unbehandelt hat die Endophthalmitis eine ungünstige Prognose. Die auslösenden Bakterien können sich ungehindert im Auge vermehren und weiter ausbreiten. Als Folge nehmen die Beschwerden kontinuierlich zu, bis die Sehkraft des Betroffenen vollständig verloren ist.
Die Aussicht auf eine Heilung verbessert sich mit der Inanspruchnahme einer optimalen und rechtzeitigen medizinischen Betreuung. Durch die sofortige Gabe von Antibiotika in den Glaskörper kommt es bei einem Teil der Patienten zu einer Rückbildung der Beschwerden. Innerhalb weniger Tage klingen dann Schmerzen und Schwellung ab. Wie weit die Sehkraft zurückkehrt, hängt vor allem davon ab, wie schnell behandelt wurde und wie aggressiv der Erreger ist; eine dauerhafte Minderung des Sehvermögens bleibt häufig zurück. Aus der Behandlung entlassen wird der Patient, sobald die Entzündung erloschen ist und sich die Schwellungen der Augen zurückgebildet haben.
In seltenen Fällen entwickeln sich Komplikationen bei den Erkrankten. Zeigen die Wirkstoffe keine ausreichende Wirksamkeit, verschlechtert sich die Prognose. Bei einer Resistenz gegenüber den Präparaten können sich die Krankheitserreger weiter vermehren und im Organismus ausbreiten.
Es kommt zu einem chronischen oder progressiven Krankheitsverlauf, der wenig Verbesserung verspricht. Zusätzlich besteht die Gefahr einer Blutvergiftung oder psychischen Beeinträchtigungen. Bei einer Sepsis kann es zu einem tödlichen Verlauf kommen. Bei psychischen Störungen ist die Gesamtprognose um ein weiteres verschlechtert.
Vorbeugung
Die Endophthalmitis ist in den meisten Fällen die Folge einer Operation am Auge. Der Erkrankung kann durch sterile Operationsbedingungen vorgebeugt werden. Als wirksamste einzelne Maßnahme gilt dabei die Desinfektion von Lidhaut und Bindehaut mit einer jodhaltigen Lösung unmittelbar vor dem Eingriff. Wenn nach einem Eingriff Schmerzen am operierten Auge auftreten, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Je früher die Endophthalmitis behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können jedoch auch ohne Operation betroffen sein. Eine Prävention der Erkrankung ist hier kaum möglich.
Nachsorge
Bei einer Endophthalmitis stehen dem Patienten in den meisten Fällen keine direkten Möglichkeiten oder Maßnahmen der Nachsorge zur Verfügung. Im Vordergrund steht bei dieser Erkrankung daher die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Beschwerden, damit es nicht zu weiteren Infektionen oder zu anderen Komplikationen kommt. Wird die Endophthalmitis erst spät erkannt, so kann es im schlimmsten Fall auch zu einer vollständigen Erblindung des Betroffenen kommen, die nicht mehr behandelt werden kann.
In der Regel wird die Erkrankung mit Hilfe von Medikamenten, unter anderem mit Antibiotika behandelt. Dabei sollte sich der Betroffene immer an die vom Arzt verschriebene Einnahme halten, um die Beschwerden zu lindern. In den meisten Fällen klingen die akuten Beschwerden dann schon nach einigen Tagen ab. Sollten die Beschwerden der Endophthalmitis nicht mit Hilfe von Antibiotika wieder verschwinden, so ist meist ein erneuter Besuch bei einem Arzt notwendig. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind engmaschige augenärztliche Kontrollen nötig, weil die Entzündung erneut aufflammen und sich später eine Netzhautablösung entwickeln kann.
Bei der Einnahme von Antibiotika ist auch darauf zu achten, diese nicht zusammen mit Alkohol einzunehmen, da dieser ihre Wirkung deutlich mindern kann. Ebenfalls ist auch die Unterstützung durch Freunde und Familie sehr wichtig. Dabei wirkt sich vor allem eine liebevolle und intensive Pflege positiv auf den Verlauf der Endophthalmitis aus.
Das können Sie selbst tun
Wurde eine Endophthalmitis festgestellt, gehört sie sofort in augenärztliche Behandlung; Selbsthilfe kann diese nicht ersetzen und darf sie auch nicht verzögern. Begleitend zur ärztlichen Therapie können einzelne Beschwerden mit Hilfe einiger Selbsthilfe-Maßnahmen und Mittel aus dem Haushalt gelindert werden.
Gegen geschwollene Augenlider helfen kühlende Auflagen und Gesichtsmasken. Ein Lidödem kann außerdem durch die Vermeidung von reizenden Umwelteinflüssen wie Wind und übermäßiger Sonneneinstrahlung gelindert werden. Ähnliche Maßnahmen reduzieren die Schwellung der Bindehäute und tragen zu einer raschen Genesung bei.
Ist auch die Hornhaut geschwollen, sollte auf strikte Hygienemaßnahmen geachtet werden. Weitere Reizungen durch Pflegeprodukte oder Erreger müssen unbedingt vermieden werden, um Folgeerkrankungen auszuschließen. Für die Haut rund um das Auge bieten sich Anwendungen mit Kamille, Melisse und anderen Mitteln aus der Naturheilkunde an. Ins Auge selbst gehören diese Mittel jedoch nicht: Sie reizen die ohnehin entzündete Bindehaut zusätzlich und lösen nicht selten Allergien aus.
Eine Sehverschlechterung lässt sich in dieser Lage nicht mit einer Brille ausgleichen; sie ist ein Alarmzeichen und muss umgehend augenärztlich untersucht werden. Der Patient sollte frühzeitig einen Augenarzt konsultieren, um eine weitere Verschlechterung der Sehkraft zu verhindern. Bei Eiterbildung in der Augenvorderkammer ist ein Arztbesuch notwendig. Auch bei ernsten Beschwerden, die sich durch erwähnte Maßnahmen nicht lindern lassen, wird am besten ein Mediziner konsultiert. Eine Endophthalmitis heilt nur bei rechtzeitiger Behandlung folgenlos aus; die Therapie muss deshalb engmaschig überwacht werden.
Quellen
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- Salmon, J. F., Wolf, A. (Hrsg.): Kanskis Klinische Ophthalmologie.
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