Ursodeoxycholsäure

Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. März 2025Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Ursodeoxycholsäure (auch als Ursodesoxycholsäure bezeichnet) handelt es sich um eine natürliche, tertiäre Gallensäure. Sie kommt bei der Auflösung von kleinen Gallensteinen (bis maximal 15 mm) sowie bei der Therapie bestimmter Erkrankungen der Leber zum Einsatz.
Was ist Ursodeoxycholsäure?

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Ursodeoxycholsäure (Ursodesoxycholsäure) gehört aus chemischer Sicht zur Gruppe der Sterole und stellt ein Steroid dar. Es handelt sich um eine natürliche, tertiäre Gallensäure, die durch Extrahierung von Cholsäure aus der Galle von Schlachtvieh partial-synthetisch hergestellt wird. Die Säure ist etwa zu 3 Prozent auch in der Galle des Menschen zu finden.
Ursodeoxycholsäure (Ursodesoxycholsäure) wird vorrangig für die Auflösung von so genannten Cholesterin-Gallensteinen von geringer Größe verwendet. Erhältlich ist Ursodeoxycholsäure (Ursodesoxycholsäure) in Form von Filmtabletten oder Kapseln.
Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe
Ursodeoxycholsäure (Ursodesoxycholsäure) kommt in geringen Mengen in der natürlichen Gallensäure vor und ist – anders als andere Gallensäuren – in Wasser löslich. Die Säure sorgt für eine Hemmung der Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm sowie der Abgabe von Cholesterin in die Gallenflüssigkeit aus den Zellen der Leber. Durch die Einnahme von Ursodeoxycholsäure (Ursodesoxycholsäure) wird der Mechanismus verstärkt, das Cholesterin in der Gallenflüssigkeit nimmt ab.
So ist es wesentlich feiner in der Flüssigkeit verteilt. Es kommt dadurch zu einer allmählichen Auflösung und Ausspülung der Cholesterin-Gallensteine. Der Wirkstoff wirkt zudem schützend auf die Zellen, chronische Entzündungsreaktionen werden so gehemmt. Ursodeoxycholsäure ist dabei ungiftig.
Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung
Vorrangig wird Ursodeoxycholsäure zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen eingesetzt. Die Therapie ist aber nur bei kleinen Steinen bis maximal 15 mm und einer funktionsfähigen Gallenblase möglich.
Zudem kommt das Medikament zur Anwendung, wenn eine Leberzirrhose nicht weiter fortschreiten soll. Diese muss jedoch auf eine chronische Entzündung der Gallenwege sowie einen Rückstau der Gallenflüssigkeit, die sich in den Leberzellen bildet, zurückzuführen sein.
Weiterhin kommt Ursodeoxycholsäure bei der Behandlung von bestimmten Formen der Entzündung der Magenschleimhaut zur Anwendung. Hier wird der Rückfluss von Verdauungssäften aus dem Zwölffingerdarm in den Magen gehemmt.
Bei einer Überempfindlichkeit gegen Ursodeoxycholsäure, bei akuten Gallenblasen- und Gallenwegsentzündungen, bei einem Verschluss der Gallenwege, bei Hepatitis (chronisch oder akut), bei kalziumhaltigen Gallensteinen (Schatten im Röntgenbild), bei einer verminderten Gallenblasenfunktionsfähigkeit, bei häufig auftretenden Gallenkoliken sowie bei einer nicht im Röntgenbild darstellbaren Gallenblase darf Ursodeoxycholsäure nicht zur Behandlung eingesetzt werden.
Eine Verabreichung während einer Schwangerschaft ist ebenfalls nicht indiziert, da das ungeborene Kind Fehlbildungen entwickeln kann. Deshalb muss vor Therapiebeginn eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, während der Therapie sind Maßnahmen zur Empfängnisverhütung ratsam.
Auch wenn eine Behandlung mit Ursodeoxycholsäure bei Kindern und Jugendlichen eher selten vorkommt, ist eine Anwendung bereits ab einem Alter von 6 Jahren bei Gallenstau möglich. Üblicherweise liegt die Behandlungsdauer mit Ursodeoxycholsäure zwischen 6 und 24 Monaten.
Verabreichung & Dosierung
Ursodeoxycholsäure (UDCA) wird zur Behandlung verschiedener Leber- und Gallenwegserkrankungen eingesetzt, insbesondere zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen, bei primär biliärer Cholangitis (PBC) und zur Verbesserung der Leberfunktion bei bestimmten Lebererkrankungen. Die Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Indikation, dem Körpergewicht des Patienten und der Schwere der Erkrankung.
Die übliche Dosis zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen beträgt 8–12 mg pro kg Körpergewicht täglich, aufgeteilt in ein bis zwei Einzeldosen, meist abends vor dem Schlafengehen. Die Behandlung kann mehrere Monate dauern, da Gallensteine langsam aufgelöst werden.
Bei primär biliärer Cholangitis (PBC) beträgt die Anfangsdosis ebenfalls 10–15 mg/kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf mehrere Einzeldosen. In schweren Fällen kann die Dosis auf bis zu 20 mg/kg erhöht werden.
Die Kapseln sollten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden, vorzugsweise mit den Mahlzeiten, um die Aufnahme zu verbessern. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist notwendig, um den Therapieerfolg zu überwachen.
Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung oder eingeschränkter Gallenfunktion sollten UDCA nur unter strenger ärztlicher Überwachung einnehmen. Kontraindikationen bestehen bei kalziumhaltigen Gallensteinen, akuter Cholezystitis oder biliärer Obstruktion, da die Therapie hier unwirksam oder sogar schädlich sein kann.
Risiken & Nebenwirkungen
Auch bei der Gabe von Ursodeoxycholsäure kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Sie können, müssen aber nicht auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören vor allem breiige Stühle und Durchfälle. Sehr selten kann es außerdem zu einer Verkalkung der Gallensteine, zu Nesselsucht oder zu schweren Schmerzen im Oberbauch kommen. Letztere Nebenwirkung ist vor allem bei der Behandlung einer primären biliären Leberzirrhose möglich.
Wird mit Ursodeoxycholsäure eine gallenbedingte Leberzirrhose im fortgeschrittenen Stadium behandelt, kann sich diese in sehr seltenen Fällen verschlechtern. Sobald die Behandlung beendet ist, tritt in der Regel eine Rückbildung ein.
Auch Wechselwirkungen bei der Einnahme von Ursodeoxycholsäure und der gleichzeitigen Einnahme anderer Medikamente sind möglich. So können Mittel zur Bindung der Gallensäure (z. B. Colestipol), Mittel zur Bindung von Säure, Tonerde oder auch Aluminiumsalze zu einer Minderung der Aufnahme von Ursodeoxycholsäure aus dem Darm führen. Die Einnahme sollte in diesen Fällen mindestens 2 Stunden zeitversetzt erfolgen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Ciclosporin (Mittel zur Vorbeugung von Transplantatabstoßung) wird die Wirkung von Ciclosporin verstärkt. Abschwächend wirkt Ursodeoxycholsäure hingegen auf das Antibiotikum Ciprofloxacin und den Kalziumblocker Nitrendipin.
Vor allem zu Beginn der Therapie mit Ursodeoxycholsäure ist eine regelmäßige Kontrolle der Leberenzym-Werte im Blut durch den behandelnden Arzt notwendig, auch die Gallenblase sollte mittels Ultraschall regelmäßig untersucht werden. Verkleinern sich die Gallen innerhalb eines Jahres nicht oder verkalken sie sich, dann sollte die Behandlung beendet werden.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Ursodeoxycholsäure (UDCA) ist in bestimmten Fällen kontraindiziert, da sie unwirksam oder potenziell schädlich sein kann. Eine der wichtigsten Kontraindikationen betrifft kalziumhaltige oder pigmentierte Gallensteine, da UDCA ausschließlich cholesterinhaltige Gallensteine auflösen kann. Patienten mit röntgendichten, nicht auflösbaren Steinen profitieren daher nicht von der Therapie.
Auch eine akute Entzündung der Gallenblase oder der Gallenwege (z. B. akute Cholezystitis oder Cholangitis) stellt eine Kontraindikation dar, da die Behandlung die Entzündungsreaktion nicht lindert und in akuten Fällen sogar zu einer Verschlechterung führen kann. Gleiches gilt für Patienten mit einer Gallengangsobstruktion (z. B. durch Tumore oder Gallensteine), da der Wirkstoff über die Galle ausgeschieden wird und bei einer Blockade nicht ordnungsgemäß wirken kann.
Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose oder schwerer Leberfunktionsstörung sollten UDCA nur mit großer Vorsicht anwenden, da die Leber eine zentrale Rolle im Stoffwechsel des Medikaments spielt. Auch bei stark eingeschränkter Nierenfunktion oder Pankreaserkrankungen kann die Resorption und Wirkung beeinträchtigt sein.
Schwangere Frauen sollten UDCA nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung einnehmen, da es nur begrenzte Daten zur Sicherheit während der Schwangerschaft gibt. In der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, da nicht bekannt ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Ursodeoxycholsäure (UDCA) kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, die ihre Wirkung entweder verringern oder verstärken. Eine der wichtigsten Wechselwirkungen tritt mit Gallensäure-bindenden Arzneimitteln wie Cholestyramin oder Colestipol auf. Diese Medikamente binden Gallensäuren im Darm und können dadurch die Aufnahme von UDCA erheblich reduzieren. Um diese Interaktion zu vermeiden, sollte UDCA mindestens zwei Stunden vor oder nach solchen Präparaten eingenommen werden.
Auch Aluminiumhaltige Antazida können die Aufnahme von UDCA beeinträchtigen. Diese werden häufig bei Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündungen eingesetzt. Patienten, die Antazida einnehmen müssen, sollten auf aluminiumfreie Alternativen zurückgreifen oder den Abstand zwischen den Einnahmen beachten.
Hormonpräparate, insbesondere östrogenhaltige Verhütungsmittel (Pille) oder Hormonersatztherapien, können die Bildung von Gallensteinen fördern und somit die Wirksamkeit von UDCA bei der Gallensteinauflösung verringern. Auch Clofibrat und andere lipidsenkende Medikamente haben eine ähnliche Wirkung und sollten mit Vorsicht kombiniert werden.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Ciclosporin, einem Immunsuppressivum, kann die Aufnahme im Darm erhöht oder unregelmäßig sein, weshalb die Ciclosporin-Konzentration regelmäßig kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden sollte.
Zusätzlich kann UDCA die Aufnahme von Ciprofloxacin (ein Antibiotikum) verringern, was die Wirkung der Antibiotikatherapie abschwächen kann. Um eine optimale Wirksamkeit beider Medikamente sicherzustellen, sollten Abstände bei der Einnahme eingehalten und Wechselwirkungen mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Ursodeoxycholsäure (UDCA) nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen verschiedene alternative Wirkstoffe und Behandlungen zur Verfügung, abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung.
Bei cholesterinhaltigen Gallensteinen, die mit UDCA nicht behandelt werden können, kann eine extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) eingesetzt werden. Dieses Verfahren zertrümmert die Gallensteine mit Ultraschallwellen, sodass sie anschließend über den Darm ausgeschieden werden können. Alternativ kann eine endoskopische retrograde Cholangiopankreatographie (ERCP) zur Entfernung von Gallensteinen durchgeführt werden.
Ein anderer Wirkstoff, der bei bestimmten Gallen- und Lebererkrankungen eingesetzt wird, ist Obeticholsäure, insbesondere bei primär biliärer Cholangitis (PBC), wenn UDCA nicht ausreicht oder nicht vertragen wird. Dieser Wirkstoff reguliert den Gallensäurestoffwechsel und reduziert Entzündungen in den Gallenwegen.
Bei Patienten mit Gallensteinproblemen, die keine medikamentöse oder nicht-invasive Behandlungsmöglichkeit haben, kann eine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) notwendig sein.
Zusätzlich können natürliche Substanzen wie Mariendistel (Silymarin) zur Unterstützung der Leberfunktion eingesetzt werden. Mariendistel enthält Antioxidantien, die die Leberzellen schützen und die Gallenproduktion fördern können, jedoch ohne die direkte gallensäurelösende Wirkung von UDCA.
Quellen
- "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
- "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
- "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor