Vulvakarzinom (Vulvakrebs)


Aktualisiert am 29. März 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Ein Vulvakarzinom, auch als Vulvakrebs bekannt, ist eine verhältnismäßig seltene, aber ernstzunehmende Krebserkrankung im weiblichen Genitalbereich. Wie bei allen Formen von Krebserkrankungen, ist auch für das Vulvakarzinom eine frühzeitige Entdeckung entscheidend für den Therapieerfolg.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Vulvakarzinom?

Bei einem Vulvakarzinom handelt es sich um einen bösartigen, also malignen Tumor im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Dieser Bereich besteht aus äußeren und inneren Schamlippen sowie Klitoris und Scheidenvorhof.

In etwa 90 Prozent aller Fälle entwickelt sich ein solches Vulvakarzinom aus den obersten Schichten der Schleimhaut heraus und wird dann als Plattenepithelkarzinom bezeichnet. Aber auch alle anderen Arten von Tumoren, etwa der so genannte schwarze Hautkrebs, werden unter dem Begriff Vulvakarzinom zusammengefasst, sofern sie im Bereich der Vulva auftreten.

Vulvakarzinome kommen eher selten vor; jährlich erkranken in Deutschland etwa 3.400 bis 4.000 Frauen. Das Risiko, ein Vulvakarzinom zu entwickeln, steigt mit dem Alter deutlich an; die Betroffenen sind meist älter als 60 Jahre.

Ursachen

Die Ursachen eines Vulvakarzinoms konnten noch nicht endgültig geklärt werden, häufig geht die Erkrankung jedoch mit bestimmten Risikofaktoren einher. Der bedeutendste davon ist die Infektion mit den so genannten humanen Papillom-Viren, kurz HPV.

Diese Viren werden durch den Geschlechtsverkehr übertragen und stehen im Zusammenhang mit zahlreichen weiteren Erkrankungen im Genitalbereich, etwa auch dem Gebärmutterhalskrebs. Die Viren können im Bereich der Vulva zu Hautveränderungen führen, aus denen sich dann wiederum das Vulvakarzinom entwickeln kann.

Der Entstehung eines Vulvakarzinoms kann auch eine Infektion mit Herpesviren, Chlamydien oder dem Syphilis-Erreger Treponema pallidum sowie die so genannte Weißschwielenkrankheit (Leukoplakie) vorausgehen. Auch eine Schwächung der Immunabwehr, etwa durch eine AIDS-Erkrankung, kann die Entstehung eines Vulvakarzinoms begünstigen. Beobachtet wurde im Zusammenhang mit Vulvakarzinomen außerdem ein verstärkter Nikotinkonsum durch Rauchen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Vulvakrebs trifft statistisch gesehen nur die wenigsten Frauen. Die Erkrankung wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Das liegt daran, dass erst dann Schmerzen auftreten. Manchmal gelingt einem Gynäkologen im Rahmen einer Routineuntersuchung eine Feststellung in der Frühphase. Eine nachhaltige beschwerdefreie Entfernung des Tumors ist im Anfangsstadium meist problemlos möglich. Zu unterscheiden sind beginnende und fortgeschrittene Anzeichen einer Erkrankung.

Anfänglich klagen betroffene Frauen über einen ungewöhnlichen Juckreiz. Dieser tritt an den äußeren Schamlippen oder zwischen der Klitoris und der Harnröhrenöffnung auf. Auch haben sich dort manchmal rötliche Flecken oder Narben gebildet. Regelmäßig entstehen Verhärtungen, die an Warzen erinnern. Aber auch ein erhöhter Scheidenausfluss weist auf ein Vulvakarzinom hin.

Während oder nach dem Geschlechtsakt kann es zu ungewöhnlichen Blutungen kommen. Nachdem der Tumor eine gewisse Größe erreicht hat, verspüren Frauen oft Schmerzen, wenn sie ihre Blase entleeren. Der Genitalbereich fühlt sich tagsüber und nachts wund an. Geschwüre haben sich gebildet.

Auch Knoten lassen sich ertasten. Vulvakrebs kann im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden in anderen Körperregionen auslösen. Schmerzen am Rücken sind genauso anzutreffen wie an den Beinen. Dafür sind die Nerven im Rückenmark verantwortlich.

Diagnose & Verlauf

Insbesondere im Frühstadium macht sich ein Vulvakarzinom kaum durch spezifische Symptome bemerkbar, etwa ein Fünftel aller betroffenen Frauen spürt keinerlei Beschwerden. Relativ häufig tritt jedoch ein hartnäckiger Juckreiz auf.

Weitere Hinweise können Hautveränderungen in Form von rötlichen Flecken oder warzenähnlichen Erhebungen liefern, ebenso Ausfluss, der unter Umständen auch blutig sein kann. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Geschwüre oder Knoten, deren Oberflächenstruktur der eines Blumenkohls vergleichbar ist.

Zu den ersten Untersuchungen beim Arzt gehören eine Tastuntersuchung und eine Kolposkopie. Mit dem Kolposkop wird die Schleimhaut der Vulva mehrfach vergrößert dargestellt und kann so besser auf Auffälligkeiten hin betrachtet werden. Eine endgültige Diagnose des Vulvakarzinoms erfolgt über die Biopsie, also die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe.

Eine möglichst frühzeitige Diagnose ist vorteilhaft, weil Vulvakarzinome bereits in frühen Stadien Metastasen in den benachbarten Lymphknoten bilden können.

Komplikationen

Wird der Vulvakrebs rechtzeitig entdeckt, sind meist keine Komplikationen zu erwarten. Beginnt die Therapie aber erst in einem fortgeschrittenem Stadium, steigt das Risiko, dass der Tumor zu streuen beginnt. In diesen Fällen bilden sich Metastasen, die oftmals zuerst das Lymphsystem, insbesondere die Lymphknoten der Leistengegend, befallen.

Im nächsten Schritt bilden sich dann Karzinome im kleinen Becken. Sofern der Patient auf die Therapieversuche nicht anspricht, können im weiteren Verlauf auch andere innere Organe, insbesondere die Leber- oder die Nieren betroffen werden. Dies kann zu weiteren schweren, eventuell lebensgefährlichen, Komplikationen wie einem Multiorganversagen führen.

Komplikationen können darüber hinaus auch aus der Therapie selbst resultieren. Beim Vulvakrebs wird der Tumor in der Regel operativ entfernt. Wie bei jeder Operation kann es hier zu schweren Blutungen und zu einer Infektion der Operationswunde und infolge zu einer Sepsis kommen. Des weiteren wird der Tumor oftmals, insbesondere, wenn er bereits sehr groß ist, vor der Operation einer Strahlentherapie unterzogen, um ihn schrumpfen zu lassen.

Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie sind für die meisten Patienten deutlich weniger belastend, als die einer Chemotherapie, dennoch können sich Begleiterscheinungen einstellen, die die Lebensqualität massiv einschränken. So kann es bei empfindlichen Personen und bei Patienten, deren Allgemeinzustand bereits stark geschwächt ist, zu Schäden an der Schleimhaut von Mund und Rachen sowie an der Blase und den Geschlechtsorganen kommen. Auch schwere Magen-Darmstörungen werden gelegentlich beobachtet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Vulvakarzinom kann sich naturbedingt ausschließlich bei Frauen oder Mädchen entwickeln. Daher gehören sie zu Risikogruppe der Erkrankung. Bereits bei den ersten Störungen und Unregelmäßigkeiten des weiblichen Geschlechts muss ein Arzt konsultiert werden. Die Erkrankung kann ohne eine frühzeitige ärztliche und medizinische Versorgung im vorzeitigen Ableben enden.

Daher besteht akuter Handlungsbedarf, sofern optische Auffälligkeiten eintreten oder Beschwerden wahrgenommen werden. Schwellungen, Juckreiz oder Störungen des Toilettenganges sind mit einem Arzt zu besprechen. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten bei der Entleerung der Blase, ist dies als Frühwarnsignal zu verstehen. Schmerzen, ein allgemeines Unwohlsein oder eine innere Unruhe sollten untersucht werden.

Verhärtungen der Schamlippen, die Bildung von Narben oder Flecken sowie ertastete Warzen und Knoten sind untersuchen und behandeln zu lassen. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten beim Geschlechtsakt, Veränderungen der Libido sowie Störungen der Monatsblutung, ist ein Arzt aufzusuchen. Breiten sich vorhandenen Beschwerden am Körper weiter aus oder wird eine Zunahme der Intensität beobachtet, besteht Handlungsbedarf.

Ein Arzt ist so schnell wie möglich zu konsultieren, wenn neben den Beschwerden im Genitalbereich auch Probleme des Rückens wahrgenommen werden. Unregelmäßigkeiten der Fortbewegung, ein Unwohlsein im Kontakt mit Textilien im Genitalbereich sowie ein ungewöhnlicher Ausfluss aus der Vagina müssen untersucht werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Vulvakarzinoms erfolgt in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle durch eine Vulvektomie, das bedeutet, das Vulvakarzinom wird im Rahmen einer Operation entfernt. Wie umfassend diese Operation ausfällt, hängt vom Fortschritt der Krankheit ab. Ihr Ziel ist es, das Vulvakarzinom vollständig zu entfernen, also mit allen eventuell vorhandenen Metastasen. Deshalb umfasst die Operation manchmal auch benachbarte Lymphknoten, Gebärmutter, Harnblase oder Darm.

Je nach Lage und Größe des Vulvakarzinoms kann es sinnvoll sein, den Tumor vor seiner operativen Entfernung zu bestrahlen, um ihn auf diesem Weg zu verkleinern. Eine Bestrahlung nach erfolgter Operation dient dem Zweck, das Risiko für ein erneutes Auftreten des Vulvakarzinoms zu senken. Zur Behandlung von Metastasen kann eine Chemotherapie notwendig werden.

Je nach Ausmaß der Vulvektomie können ihr weitere Eingriffe zur Wiederherstellung und zum Funktionserhalt der Geschlechtsorgane folgen. Nach der Operation ist in den ersten beiden Jahren alle drei Monate, in den darauffolgenden drei Jahren alle sechs Monate eine Nachsorgeuntersuchung notwendig.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen Vulvakarzinome ist nur eingeschränkt möglich. Mit der Impfung junger Frauen gegen humane Papillom-Viren, wie sie zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge empfohlen wird, lässt sich jedoch ein wesentlicher Risikofaktor auch für Vulvakarzinome ausschalten. Entscheidend für eine möglichst frühzeitige Entdeckung ist auch die regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen.

Nachsorge

Im Anschluss an die Behandlung des Vulvakarzinoms wird eine klinisch orientierte Nachsorge durchgeführt. Dabei nimmt die Patientin regelmäßig frauenärztliche Untersuchungen wahr. In den ersten drei Jahren werden die Kontrolluntersuchungen jedes Vierteljahr vorgenommen. In den folgenden zwei Jahren finden sie alle sechs Monate statt, danach im Abstand von einem Jahr.

Der untersuchende Arzt befasst sich mit der Krankengeschichte der Patientin und führt eine symptombezogene gynäkologische Untersuchung durch. Zeigen sich im Rahmen der Nachuntersuchungen auffällige Befunde, erfolgt die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie). Zu den Zielen der Nachsorge gehören auch das Erkennen von Folgeerscheinungen oder Begleiterkrankungen des Vulvakarzinoms sowie deren entsprechende Therapie.

Auch mögliche Rückfälle lassen sich auf diese Weise frühzeitig erkennen und behandeln. Daher ist es überaus wichtig, dass die Patientin die Termine zu den Kontrolluntersuchungen regelmäßig wahrnimmt. Teil der Kontrolluntersuchungen sind klinische Überprüfungen der Vulvaregion sowie das Untersuchen des Leistenbereiches, was zumeist durch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) erfolgt. Ergibt sich ein Verdacht auf ein Rezidiv, finden bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) statt.

Das können Sie selbst tun

Der Alltag der betroffenen Frauen wird durch die Krebserkrankung in der Regel stark eingeschränkt. Durch die notwendigen Behandlungen ist es vielen Patientinnen für einen längeren Zeitraum nicht möglich, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.

In den meisten Fällen stellt die Erkrankung zudem eine große psychische Belastung für die betroffene Frau, ihren Partner und die Familie dar. Hilfe finden Betroffene unter anderem in Selbsthilfegruppen oder in Internetforen für Krebspatienten und deren Angehörige. Bei Vulvakrebs kann es zudem zu Schwierigkeiten in der Partnerschaft kommen. Sowohl die Krankheit als auch ihre Behandlung können einen völligen Libidoverlust zur Folge haben. Ein verständnisvolles partnerschaftliches Umfeld ist daher hilfreich.

Je nach Lage und Verlauf des Vulvakarzinoms wird die Erkrankung operativ mittels Teilentfernung der Vulva behandelt. Dies ist für die betroffenen Frauen in der Regel stark belastend. In einigen Fällen empfiehlt sich das Hinzuziehen eines Paartherapeuten oder Psychologen.

Während sowie nach der Behandlung eines Vaginalkarzinoms sollten die Patientinnen ihr Immunsystem durch einen gesunden Lebensstil stärken. Dabei ist vor allem eine gesunde, vitaminreiche Ernährung wichtig. In den meisten Fällen ist nach einer operativen Behandlung der Beckenboden geschwächt. Daher empfiehlt es sich, diesen gezielt zu trainieren.

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Plötz, G., Ring, J., Hein, R.: Häufige Hauttumoren in der Praxis. Springer, Berlin 2012


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