Wechselbad

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 28. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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In vielen Kurkliniken sind Wasseranwendungen nach Kneipp, von denen es rd. 120 verschiedene gibt, ein wichtiger Bestandteil der Kur. Eine dieser Wasseranwendungen ist ein Wechselbad.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Wechselbad?

In vielen Kurkliniken sind Wasseranwendungen nach Kneipp, von denen es rd. 120 verschiedene gibt, ein wichtiger Bestandteil der Kur. Eine dieser Wasseranwendungen ist ein Wechselbad.

Ein Wechselbad, das zu den Kneippschen Anwendungen zählt, kennzeichnet einen Wechsel zwischen warmem und kaltem Bad. Das Wasser soll dabei warm sein, aber nicht heiß. Dass Wechselbäder auch im Sprachgebrauch eine gewisse Bedeutung haben, lässt sich u. a. an der Redewendung "Wechselbad der Gefühle" erkennen.

Ein Wechselbad endet immer mit kaltem Wasser. Kaltes Wasser darf aber immer nur auf die warme Haut gegeben werden, sonst wird es als unangenehm empfunden. Deshalb muss die Haut vor Kaltwasseranwendungen immer aufgewärmt werden, entweder durch Bewegung oder durch warmes Wasser. Es gibt ansteigende und absteigende Wechselbäder. Beim absteigenden Wechselbad wird die Temperatur langsam von warm zu kalt verändert, beim ansteigenden Wechselbad entsprechend von kalt zu warm.

Funktion, Wirkung & Ziele

Wechselbädern wird von allen Wasseranwendungen der Hydrotherapie die beste gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Es kommt immer auf die Art der Krankheit an. Ein Wechselbad kann bei einer schweren Erkrankung unterstützend wirken, hilft aber auch bei leichteren gesundheitlichen Problemen, und ist auch für gesunde Menschen gut zur Erholung und Gesunderhaltung des Körpers geeignet. Wegen ihrer schonenden Wirkung sind Wechselbäder auch für Kinder und ältere Menschen empfehlenswert. Eine besonders gute Wirkung haben sie bei diesen Beschwerden:

Ein Wechsel von Wärme- und Kältereiz kurbelt den Stoffwechsel an, steigert die Durchblutung, versorgt den Körper dadurch besser mit Sauerstoff und bringt das Immunsystem in Schwung. Das Abhärtungstraining sollte aber erst einmal langsam im gesunden Zustand begonnen werden. Nachdem der Körper erwärmt ist, kann er langsam den Wechselreizen ausgesetzt werden, die am Anfang nicht zu intensiv sein sollten, damit sich der Körper daran gewöhnt. Es ist besser aufzuhören, wenn es sich unangenehm anfühlt. Besser sind regelmäßige, kurze Anwendungen mehrmals in der Woche. Menschen mit Erkrankungen sollten sich lieber vorher mit ihrem Arzt absprechen.

Ein warmes Bad beim Wechselbad dauert 5 Minuten und geht direkt danach in ein kurzes, kaltes Bad oder einen kalten Guss von 10 bis 30 Sekunden über. Dieser Vorgang wird 2 - 3 x wiederholt und endet mit einem kalten Bad. Nach jeder Wasseranwendung sollte der Körper warmgehalten werden. Wechselbäder haben eine gute Wirkung auf Herz und Kreislauf und können auch mit Badezusätzen angewendet werden.

Es gibt mehrere Arten von Wechselbädern: Ein Armwechselbad regt den Kreislauf von oben an, stärkt die Durchblutung im Kopf und hilft bei Kopfschmerzen. Es kann selbst unterwegs angewendet werden, z. B. an Waschbecken oder Brunnen. Je nach Zusatz wird eine andere Wirkung erzielt, z. B. ist Rosmarin angenehm für die Atemwege, Meerschlamm für die Gelenke.

Beim Fußwechselbad wird der Kreislauf von unten angeregt. Es hilft bei kalten Füßen und trainiert die Blutgefäße. Warmes Wasser erweitert die Blutgefäße und fördert die Durchblutung, ist aber auch eine Belastung für den Körper. Durch den Kaltwasserreiz ziehen sich die Gefäße wieder zusammen.

Das Sitzwechselbad ist für die Behandlung von Blasenschwäche geeignet. Es durchblutet den Unterleib und regt den Kreislauf an.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Wechselbäder und andere Anwendungen der Hydrotherapie wie Wechselduschen, Wassertreten etc. sind risikolos, wenn man sie richtig anwendet, und haben nur positive Nebenwirkungen. Pfarrer Kneipp, der an einer Tuberkulose erkrankt war und dem die Ärzte nicht helfen konnten, beschäftigte sich mit der Medizin und entdeckte dabei die positive Heilkraft des Wassers. Er entwickelte diese Anwendungen zu einer sogenannten Kneipp-Kur, die heute in vielen Kurkliniken Bestandteil Kuranwendungen ist. Wichtig für eine positive Wirkung auf die Gesundheit ist die Beachtung bestimmter Regeln:

  • Vor einer Kaltanwendung muss der Körper vorgewärmt sein.
  • Der Kältereiz muss umso kürzer sein, je kälter das Wasser ist.
  • 15 - 20 Minuten nach einer Wasseranwendung soll der Körper wieder warm sein.
  • Das Wasser wird nach Kaltanwendungen nur abgestreift, die Haut nicht abgetrocknet, um durch die Verdunstungskälte die Wirkung zu verlängern.
  • Ein warmes Bad sollte grundsätzlich mit einer kalten Waschung oder einem kalten Guss enden.
  • Auf ein warmes ansteigenden Bad sollte eine Ruhezeit von mindestens 30 Minuten folgen.
  • Sinnvoll ist es, zwischen verschiedene Anwendungen und zwischen Anwendungen und Mahlzeiten 1 bis 2 Stunden Pause einzuhalten, damit die Wirkung in Ruhe abklingen kann, es sei denn sie sollen die Wirkung der vorausgehenden Anwendung unterstützen oder die Verdauung fördern.
  • Alkohol und Nikotin können die positive Wirkung von Wasseranwendungen beeinträchtigen.

Bei der Stärke der Wärme- und Kältereize sollte das subjektive Wohlbefinden der Maßstab sein. Wenn diese Verhaltensregeln beachtet werden, sind Wechselbäder und andere Wasseranwendungen eine gute und natürliche Maßnahme zur Heilung, Gesunderhaltung und Stärkung der Abwehrkräfte.

Quellen

  • Augustin, M., Schmiedel, V.: Leitfaden Naturheilkunde, Urban & Fischer, München 2012
  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer, Berlin 2005
  • Federspiel, F., Herbst, V.: Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005

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