Nervenerkrankungen

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Oberbegriff Nervenerkrankungen beschreibt eine Vielzahl von Krankheiten, die das Nervensystem oder auch bestimmte Nerven im Körper betreffen. Meist handelt es sich dabei um physische Störungen; es können aber auch psychische Begleiterscheinungen auftreten. Nervenkrankheiten können oftmals nicht geheilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nervenerkrankungen?

Unter dem Sammelbegriff „Nervenerkrankungen“ verstehen Mediziner zahlreiche Krankheiten, die ganz unterschiedlicher Natur sein können. Sie befallen entweder das vegetative Nervensystem und führen so zu Störungen oder betreffen die Nerven einer ganz bestimmten Körperregion.

So vielfältig, wie die Ursachen sind, können auch die körperlichen Symptome der Erkrankungen ausfallen. Sie reichen von einem Kribbeln und Taubheitsgefühlen etwa in den Gliedmaßen bis hin zu Lähmungen oder starken Schmerzen.

Auch psychische Störungen wie Angst- oder Panikattacken können infolge von Nervenerkrankungen auftreten. Einige Nervenkrankheiten treten nur vorübergehend auf und klingen von alleine wieder ab; andere wiederum lassen sich nur schwer bzw. gar nicht therapieren und können auch zum Tod des Patienten führen.

Ursachen

Die Ursachen für Nervenerkrankungen können in zahlreichen unterschiedlichen Krankheiten und Zuständen liegen. Durch eine simple falsche Bewegung kann es beispielsweise zu einem eingeklemmten Nerv kommen, der vorübergehend starke Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung führt.

Eine mangelnde Durchblutung, die auf äußere oder innere Ursachen wie eine Verengung der Blutgefäße zurückgeführt werden kann, zieht ein Kribbeln und Taubheitsgefühle etwa von Armen oder Beinen mit sich. Das bekannte Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, bei der eine Verengung auf den Mittelhandnerv drückt und Schmerzen sowie ein Kribbeln hervorruft.

Unter Umständen können aber auch ernsthaftere Krankheiten wie beispielsweise Multiple Sklerose, eine Störung im Zentralnervensystem, oder auch ein Schlaganfall hinter den Symptomen stecken. Diese bedürfen dringend ärztlicher Behandlung, da sie das Leben des Betroffenen gefährden können.

Typische & häufige Erkrankungen

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome bei Nervenerkrankungen sind größtenteils abhängig von der genauen Art der Erkrankung. So führt das Karpaltunnelsyndrom etwa zu Empfingsstörungen in der Hand, während eine Fazialisparese eine Gesichtslähmung meint.

Insgesamt äußern sich Nervenerkrankungen allerdings durch Missempfindungen und motorische Probleme. So kommt es besonders häufig zu einem Kribbelgefühl an Füßen oder Händen. Dieses Symptom steht am Anfang vieler Nervenerkrankungen. Es können auch die ganzen Extremitäten betroffen sein. Häufig kommt es später zu Berührungsempfindlichkeit, brennenden Schmerzen und einem Gefühl der Unsicherheit beim Gehen. Das Gefühl der Schwellung oder des Eingeschnürtseins kommt vor. Die Extremitäten können sich auch so anfühlen, also seien sie nicht Teil des Körpers.

Es kann aber auch zu Taubheit oder Missempfindungen kommen. Die Taubheit kann in völlige Gefühllosigkeit an einzelnen Körperteilen übergehen. Die Missempfindungen umfassen zum Beispiel das grundlose Wahrnehmen von Wärme und Kälte sowie plötzliche Schmerzreize oder ein Gefühl der Pelzigkeit. Insgesamt sind diese Missempfindungen sehr vielseitig.

Probleme mit den Muskeln kommen vor. So kann es zu Krämpfen, Spannungslosigkeit, Zuckungen oder einer Muskelatrophie kommen. All diese Symptome schränken die Motorik des Betroffenen erheblich ein. Die weiteren Symptome sind abhängig vom Krankheitsverlauf der zugrundeliegenden Krankheit. Nicht alle Symptome treten immer auf.

Diagnose & Verlauf

Grafische Darstellung der Anatomie der Hand, des Karpaltunnels, des Mittelarmnervs und des Karpalbandes.

Besteht der Verdacht auf eine Nervenerkrankung, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären. Neben einem umfassenden Gespräch mit dem Patienten wird der Mediziner die betroffenen Körperregionen neurologisch untersuchen und so etwa die Schmerzempfindlichkeit, die Druckempfindung und die Temperaturempfindung sowie die Muskelreflexe testen.

Auch eine Blutuntersuchung und bildgebende Diagnosetechniken können unter Umständen Auskunft über den Grund der Beschwerden geben. Ein einfacher eingeklemmter Nerv oder eine Mangeldurchblutung, die durch einseitige Belastung oder zu enge Kleidung hervorgerufen wurde, kann auch ohne Behandlung von selbst wieder abklingen.

Andere Krankheiten bedürfen zwingend einer medizinischen Therapie, da sich die Symptome sonst verschlimmern und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich einschränken können. Einige Erkrankungen können sogar den Tod des Patienten zur Folge haben.

Komplikationen

Bei Nervenerkrankungen kann es zu vielen verschiedenen Beschwerden und Komplikationen kommen. Im schlimmsten Fall führen diese Erkrankungen allerdings zu Lähmungen oder zu anderen Störungen der Sensibilität. Die Lebensqualität des Betroffenen wird damit aufgrund der Nervenerkrankungen erheblich verringert und der Alltag wird eingeschränkt. In vielen Fällen sind die Betroffenen dann auch auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Leben angewiesen und können viele Dinge des Alltages nicht mehr alleine ausführen.

Nicht in jedem Fall kommt es bei Nervenerkrankungen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Sollten die Nerven irreversibel geschädigt worden sein, muss der Betroffene sein gesamtes Leben lang mit diesen Einschränkungen leben. Weiterhin können Nervenerkrankungen auch zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen. In einigen Fällen leiden die Patienten dabei auch an Selbstmordgedanken.

Ob eine Behandlung bei der jeweiligen Krankheit möglich ist, kann nicht universell vorausgesagt werden. Der weitere Verlauf hängt damit sehr stark von der Grunderkrankung selbst ab. Komplikationen treten bei der Behandlung in der Regel nicht auf. Mit Hilfe verschiedenr Therapien und einer gesunden Lebensweise können die Nervenerkrankungen möglicherweise eingeschränkt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nervenerkrankungen können auf emotionaler wie auch auf körperlicher Ebene entstehen. Ein Arzt sollte bei Beeinträchtigungen beider Bereiche konsultiert werden, da sie jeweils einen starken Einfluss auf die Lebensgestaltung des Betroffenen haben. Treten plötzliche Beschwerden auf, bleiben sie über eine längere Zeit unverändert bestehen oder nehmen sie an Intensität zu, ist die Abklärung durch einen Arzt zu empfehlen.

Bei Taubheitsgefühlen, Störungen der Sensibilität oder unangenehmen Empfindungen auf der Haut bei einer Berührung sollte ein Arztbesuch erfolgen. Treten Funktionsstörungen auf, können alltägliche Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden oder sinkt die allgemeine Belastungsgrenze des Betroffenen, ist die Konsultation eines Arztes zu empfehlen. Bei Einschränkungen der Mobilität, Schmerzen oder einem Ziehen bei Bewegungen wird ein Arzt benötigt.

Leidet der Betroffene auf emotionaler Ebene unter einem erhöhten Stresserleben, Angst, Panik oder einer inneren Unruhe, benötigt er Hilfe. Störungen der Konzentration, eine verminderte Aufmerksamkeit oder Einbußen der Gedächtnisfunktion sind einem Arzt vorzustellen. Bei Verhaltensauffälligkeiten, schnellen Schwankungen der Stimmung, einem aggressiven Auftreten oder einem vollständigen Rückzug sind die Beschwerden mit einem Arzt zu besprechen. Breiten sich die Unannehmlichkeiten weiter aus, lösen sie eine Minderung des Wohlbefindens sowie der Lebensqualität aus und führen sie zu einer Gereiztheit, ist ein Arztbesuch vonnöten.

Behandlung & Therapie

Wurde eine Nervenerkrankung festgestellt, wird der behandelnde Arzt eine entsprechende Therapie einleiten. Die Art der Behandlung richtet sich maßgeblich nach der individuellen Ursache, die den Beschwerden zugrunde liegt.

Einige Nervenkrankheiten, die infolge leichter traumatischer Einwirkungen auftreten, müssen nicht zwangsläufig ärztlich behandelt werden. Sie klingen bei entsprechender Schonung von selbst ab. Schwerere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Multiple Sklerose können vom Arzt mit einer medikamentösen Therapie an einem schnellen Fortschreiten gehindert werden. In Zusammenarbeit mit Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten wird meist eine Verbesserung der Lebensqualität des Patienten angestrebt.

Eine vollständige Heilung kann aber nicht erreicht werden. Ein Karpaltunnelsyndrom wird entweder durch ein vorübergehendes Ruhigstellen der Hand oder auch durch einen operativen Eingriff behandelt. Auch eine medikamentöse Begleittherapie mit Schmerzmitteln ist anzuraten. Bei einem Schlaganfall muss sofort reagiert und der im Gehirn entstandene Druck gemindert werden, da es sonst zu irreparablen Schäden kommt. Unbehandelt kann der Schlaganfall zum Tode führen. Wurde er rechtzeitig erkannt, ist anschließend meist eine umfangreiche Rehabilitation erforderlich.

Auch im Rahmen einer Diabeteserkrankung kann es zu Schädigungen der Nerven kommen. Die diabetische Neuropathie erreicht eine Besserung meistens dann, wenn der Diabetes behandelt und der Blutdruck des Patienten dauerhaft gesenkt wird. Angststörungen, die nervliche Ausfallerscheinungen mit sich bringen, bedürfen einer auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Psychotherapie, die ambulant oder auch stationär erfolgen kann. Diese kann auch mit Medikamenten unterstützt werden.

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Vorbeugung

Nervenerkrankungen kann in einigen Fällen aktiv vorgebeugt werden. Da vor allem auch die Lebensumstände des Einzelnen Einfluss auf die Entstehung unterschiedlicher Erkrankungen nehmen, ist eine gesunde Lebensweise in jedem Fall zu empfehlen.

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Bewegung vermeidet Übergewicht und damit eventuell verbundene Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Der maßvolle Genuss von Alkohol und anderen Genussgiften kann das Ausbilden von Empfindungsstörungen und anderen Symptomen verhindern.

Kommt es häufiger zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen, sollte in dringend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann die Ursache für die Beschwerden herausfinden und eine ernsthafte Erkrankung ausschließen bzw. eine geeignete Therapie einleiten.

Das können Sie selbst tun

Zahlreiche Nervenerkrankungen können durch eine Veränderung des eigenen Verhaltens positiv beeinflusst werden. Dies kann bedeuten, dass dadurch die Ursache für eine Nervenerkrankung beseitigt oder in ihrer Auswirkung reduziert werden kann. Dies kann durch allgemein stabilisierende Effekte für gesunde Nerven durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung erfolgen.

Als hilfreicher Begleiter bietet sich auch entspannende Musik in angemessener Lautstärke an. Gelegenheiten zum Lachen sollten keine Ausnahmen bleiben. Im Einzelfall kann eine Einschränkung oder Vermeidung von Genussmittel wie Alkohol oder Tabak angebracht sein. Es könnte auch ein Weglassen bestimmter Medikamente als Verhaltensänderung infrage kommen. Gezielte zusätzliche Maßnahmen zur alltäglichen Beschwerdeverbesserung bei Nervenerkrankungen sind von individuellen Krankheitsbild abhängig.

In Selbsthilfegruppen ist ein hilfreicher Informationsaustausch über konkrete Verhaltensempfehlungen im Alltag möglich. So kann Wechselduschen oder Saunieren durch Nervenerkrankungen ausgelöstes Kribbeln mindern. Falls übermäßiger Stress im Beruf der Grund für eine Nervenerkrankung darstellt, sollte die Möglichkeit eines Wechsels nicht tabuisiert werden. Entspannungsübungen können die Stressstabilität verbessern.

Als entspannender Ausgleich zur Alltagsbelastung kann auch ein Hobby dienen. Ein schlafförderndes Alltagsverhalten sorgt für die notwendige Regeneration durch den Nachtschlaf. Eine gelassenere, positive Lebenseinstellung wirkt sich bei Nervenerkrankungen ebenfalls vorteilhaft aus. Die eigene Tagesplanung sollte ohne Termindruck erstellt werden. Um sich vor Überforderungen im Alltag zu schützen, nützen praktische Übungen, auch einmal „nein“ zu sagen.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013


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