Östrogenmangel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Östrogenmangel
Vom Östrogenmangel sind vorwiegend Frauen betroffen. Der Östrogenmangel kann krankheitsbedingt auftreten, begleitet häufig aber Reifungsprozesse.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Östrogenmangel?
Ein Östrogenmangel liegt vor, wenn der Organismus einer betroffenen Person über eine reduzierte Menge an körpereigenen Östrogenen verfügt. Bei Östrogenen handelt es sich um eine Form weiblicher Geschlechtshormone.
In der Regel tritt der Östrogenmangel daher annähernd ausschließlich bei Frauen auf. In den meisten Fällen geht ein Östrogenmangel bei Betroffenen mit einem parallelen Mangel an weiteren Hormonen einher; so wird der Östrogenmangel beispielsweise häufig von einem vorliegenden Gestagenmangel begleitet.
Gestagene zählen ebenso wie Östrogene zu den weiblichen Sexualhormonen. Durch einen Östrogenmangel hervorgerufene Symptome unterscheiden sich vor allem in Abhängigkeit vom Reifestadium einer betroffenen Frau: Bei geschlechtsreifen Betroffenen äußern sich entsprechende Beschwerden beispielsweise in ausbleibenden Regelblutungen oder Zwischenblutungen.
Je nach Ausprägung kann ein Östrogenmangel hier auch zur Unfruchtbarkeit führen. Während der Wechseljahre kann ein Östrogenmangel etwa Hitzewallungen, Schlafstörungen und/oder depressiven Verstimmungen nach sich ziehen.
Ursachen
Weitere mögliche Faktoren können auch bei Frauen während der Geschlechtsreife einen Östrogenmangel hervorrufen: Bedingt sein kann ein entsprechender Mangel an Östrogenen beispielsweise durch Fehlentwicklungen und/oder eingeschränkte Funktionen der Eierstöcke.
Versiegt die Funktion der Eierstöcke bereits vor dem 40. Lebensjahr, spricht man von einer vorzeitigen Erschöpfung der Eierstöcke; die Betroffenen sind dann schon in jungen Jahren von einem dauerhaften Östrogenmangel betroffen und benötigen in der Regel einen Hormonersatz bis etwa zum üblichen Alter der Wechseljahre.
Darüber hinaus kann auch eine chirurgische Entfernung der Eierstöcke bei einer betroffenen Frau zu Östrogenmangel führen. Ein solcher operativer Eingriff als seltene Ursache von Östrogenmangel kann beispielsweise aufgrund von Krebserkrankungen notwendig werden. Werden beide Eierstöcke entfernt, setzt der Hormonmangel nicht allmählich, sondern von einem Tag auf den anderen ein, sodass die Beschwerden oft stärker ausfallen als in natürlichen Wechseljahren.
Schließlich kann auch starkes Untergewicht, etwa bei Magersucht, sowie intensiver Leistungssport die Hormonbildung so weit drosseln, dass die Regelblutung ausbleibt und ein Östrogenmangel entsteht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Östrogenmangel kann mit zahlreichen Begleiterscheinungen einhergehen. Welche Beschwerden die Störung verursacht, hängt auch vom Ausmaß des Mangels sowie dem Alter, in dem er auftritt, ab. Ein Östrogenmangel bei Mädchen im Teenageralter kann dazu führen, dass die geschlechtliche Entwicklung während der Pubertät verzögert wird oder gar vollständig ausbleibt.
In unbehandelten oder schweren Fällen kann dies zur Unfruchtbarkeit führen. Bei erwachsenen Frauen bedingt ein Östrogenmangel oftmals einen unregelmäßigen Zyklus oder ein vollständiges Ausbleiben der Regelblutung. Zudem verdickt sich der Zervix-Schleim und wird für männliche Spermien undurchdringlich.
Östrogenmangel ist deshalb ein häufiger Grund für ungewollte Kinderlosigkeit bei Frauen. Die Störung kann außerdem zu erhöhten Blutfettwerten, Haut- und Haarproblemen, insbesondere Haarausfall und Akne, sowie zu einer vorzeitigen Bildung von Hautfalten führen. Des Weiteren kann es zu östrogenmangelbedingten Veränderungen an den Geschlechtsorganen und den Harnwegen kommen, die mit ständigem Harndrang sowie wiederkehrenden, oftmals chronischen, Infektionen der Harnwege und der Vagina einhergehen.
In schweren Fällen können sogar Herzrhythmusstörungen auftreten. Während der Wechseljahre kommt es bei nahezu allen Frauen zu einem Östrogenmangel. Die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen sind auf die verminderte Produktion dieses Sexualhormons zurückzuführen. Bleibt der Hormonmangel unbehandelt, kann er, insbesondere in Kombination mit einer falschen Ernährung und Bewegungsmangel, eine Osteoporose begünstigen. Östrogene bremsen den Knochenabbau; nach dem Ausbleiben der Regelblutung nimmt die Knochendichte deshalb in den ersten Jahren am stärksten ab, weshalb bei zusätzlichen Risikofaktoren eine Messung der Knochendichte sinnvoll sein kann.
Diagnose & Verlauf
Der Diagnose Östrogenmangel dient meist zunächst ein ausführliches Patientengespräch. Im Rahmen eines solchen Gesprächs übermittelt eine Patientin dem behandelnden Arzt beispielsweise Informationen über individuelle Beschwerden und Krankenvorgeschichte. In einem nächsten Schritt folgt häufig eine gynäkologische (frauenärztliche) Untersuchung.
Mithilfe einer solchen Untersuchung können etwa Beeinträchtigungen der Eileiter bei vorliegendem Östrogenmangel festgestellt oder auch ausgeschlossen werden. Im Bedarfsfall kann schließlich auch eine Hormonanalyse Aufschluss über den aktuellen Hormonstatus einer Patientin geben.
Der individuelle Verlauf eines Östrogenmangels hängt unter anderem von der jeweiligen Ursache des Hormonmangels und von möglicherweise stattfindenden Therapiemaßnahmen ab.
Liegen einem Östrogenmangel etwa Beeinträchtigungen der Eierstöcke zugrunde, so können erfolgreiche Therapiemaßnahmen zu einem Östrogenanstieg beitragen. Auch ein Östrogenmangel und einhergehende Beschwerden im Rahmen der Wechseljahre können durch medizinische Maßnahmen positiv beeinflusst werden. Verschiedene, für das Klimakterium typische Symptome eines Östrogenmangels klingen nach Abschluss dieser Lebensphase selbstständig ab.
Komplikationen
Zu den schwersten Komplikationen zählen Herzrhythmusstörungen, Osteoporose und Haarausfall. Außerdem verändert ein Östrogenmangel die Beschaffenheit des Zervixschleims – die Substanz wird dickflüssiger und erschwert eine Befruchtung erheblich. In extremen Fällen kann es zu einer Unfruchtbarkeit kommen. Weiterhin besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen von Scheide und Harnwegen, Inkontinenz und Scheidentrockenheit.
Die Behandlung eines Östrogenmangels kann ebenfalls Komplikationen hervorrufen, etwa aufgrund der jeweils verordneten Arzneimittel oder durch eine schlecht abgestimmte Hormonersatztherapie. Eine länger andauernde Therapie (mehr als fünf Jahre) erhöht zudem das Risiko für eine Brustkrebserkrankung. Das gilt vor allem für die Kombination aus Östrogen und Gestagen; unter einer reinen Östrogengabe, wie sie nach der Entfernung der Gebärmutter möglich ist, fällt dieses Risiko deutlich geringer aus. Zuletzt kann es auch durch Hausmittel oder Präparate aus der Homöopathie zu Beschwerden kommen. Auch wenn sie frei verkäuflich sind, können Mittel wie Mönchspfeffer oder Nahrungsergänzungspräparate Nebenwirkungen haben und mit anderen Arzneimitteln in Wechselwirkung treten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Plant eine Frau Nachwuchs, sollte ein Kontrollbesuch bei einem Arzt zur Abklärung des gesundheitlichen Zustandes stattfinden. Bleibt trotz aller Bemühungen über mehrere Monate eine Schwangerschaft aus, ist eine Ursachenforschung anzuraten. Beide Partner sollten sich ärztlichen Untersuchungen unterziehen, um den Grund für die Unfruchtbarkeit zu ermitteln. Kommt es zu einer verzögerten Pubertät, ist dies bereits ein Anzeichen eines vorliegenden hormonellen Problems. Die Rücksprache mit einem Arzt ist zu empfehlen, damit langfristig Komplikationen vermieden werden können. Bei Störungen des Herzrhythmus, Hitzewallungen, einer gedrückten Stimmung oder Unregelmäßigkeiten des Schlafs besteht ebenfalls Handlungsbedarf.
Infektionen im Bereich der Harnwege, ein ungewöhnlicher Harndrang, Haarausfall und Akne deuten ebenfalls auf das Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung hin. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder nehmen sie an Intensität zu, ist die Konsultation eines Arztes notwendig. Auffälligkeiten der Libido oder Veränderungen des Sexualtriebes sollten mit einem Arzt besprochen werden. In vielen Fällen deuten sie auf Unregelmäßigkeiten des Hormonhaushalts hin. Besonderheiten des Verhaltens, der Verlust der Lebensfreude oder optische Veränderungen im Bereich der Geschlechtsorgane sind weitere Anzeichen für eine Erkrankung. Ein Arzt ist zu konsultieren, damit eine Linderung der Beschwerden eingeleitet werden kann. Probleme des Hautbildes, emotionale Unregelmäßigkeiten sowie ein Rückzug aus dem sozialen Leben gelten als Warnsignale.
Umgehend ärztlich abgeklärt werden muss dagegen jede Blutung, die nach dem Ende der Wechseljahre neu auftritt. Wer eine Hormontherapie anwendet, sollte bei einer schmerzhaften Schwellung eines Beins, bei plötzlicher Atemnot oder bei Brustschmerzen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Behandlung & Therapie
Eine fachgerechte Behandlung von Östrogenmangel orientiert sich zunächst an dessen auslösenden Faktoren. Liegen einem Östrogenmangel im Einzelfall Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen zugrunde, so zählt eine Ursachenbehandlung zu den wichtigen Therapiebausteinen.
Soll ein Östrogenmangel an sich mithilfe medizinischer Maßnahmen ausgeglichen werden, so ist dies mithilfe verschiedener Formen der Hormonbehandlung möglich. Im Rahmen einer solchen Behandlung werden dem Organismus Östrogene in Form von Arzneimitteln zugeführt. Heute werden dafür überwiegend naturidentische Östrogene wie Östradiol eingesetzt. Wurde bei einer Betroffenen neben dem Östrogenmangel beispielsweise auch ein vorliegender Gestagenmangel diagnostiziert, so werden zur Hormonbehandlung häufig Präparate angewendet, die beide Hormone kombinieren.
Die Hormone zur Hormonbehandlung können dem Organismus etwa über die Einnahme von Tabletten zugeführt werden. Außerdem können die Hormone über die Haut in den Körper einer Patientin vordringen. Dies geschieht beispielsweise über spezielle Pflaster, die Hormone abgeben. Die Aufnahme über die Haut hat dabei einen Vorteil: Während die Einnahme von Tabletten das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien erhöht, ist dieses Risiko bei Pflastern und Gelen nach heutigem Kenntnisstand nicht erhöht. Bei Frauen mit einer Thrombose in der Vorgeschichte, mit starkem Übergewicht oder mit einer angeborenen Gerinnungsstörung ist das ein wesentliches Argument für die Anwendung über die Haut.
Zu den vielfältigen Formen der Hormontherapie bei Östrogenmangel zählt schließlich auch die Anwendung spezieller Salben, die im Genitalbereich aufzutragen sind.
Diese örtliche Anwendung im Genitalbereich ist streng von einer Behandlung des ganzen Körpers durch Tabletten oder Pflaster zu unterscheiden. Örtlich angewendete Östrogencremes, -zäpfchen oder -ringe wirken vor allem an der Scheidenschleimhaut, gelangen nur in geringen Mengen ins Blut und gelten deshalb als deutlich risikoärmer; sie sind bei Scheidentrockenheit das Mittel der Wahl und kommen auch für Frauen infrage, für die eine Behandlung des ganzen Körpers nicht in Betracht kommt.
Die Bewertung der Hormontherapie hat sich im Lauf der Zeit erheblich verändert. Nach der ersten Auswertung der sogenannten WHI-Studie im Jahr 2002 wurde sie fast vollständig verlassen, weil die Studie mehr Schaden als Nutzen nahelegte. Nach heutigem Kenntnisstand gilt jedoch: Die damals untersuchten Frauen waren im Mittel deutlich älter als jene, die üblicherweise wegen Wechseljahresbeschwerden behandelt werden. Auswertungen nach Lebensalter haben ergeben, dass die Therapie bei belastenden Beschwerden vertretbar ist, wenn sie in zeitlichem Zusammenhang mit den Wechseljahren begonnen wird, während ein später Beginn, also viele Jahre nach der letzten Regelblutung, ungünstiger abschneidet. Behandelt wird in der niedrigsten wirksamen Dosis und so lange, wie die Beschwerden es erfordern; Nutzen und Risiken werden dabei regelmäßig ärztlich überprüft.
Im Bedarfsfall können individuell auftretende Symptome bei Östrogenmangel ergänzend behandelt werden; so beispielsweise mithilfe schlaffördernder Wirkstoffe bei Schlafstörungen.
Vorbeugung
Einem natürlichen Östrogenmangel im Rahmen eines einsetzenden Klimakteriums ist nicht vorzubeugen. Möglichen Symptomen, die mit einem natürlichen Östrogenmangel einhergehen, kann dagegen (sofern im Einzelfall medizinisch sinnvoll) durch eine frühzeitige Hormontherapie vorgebeugt werden. Eine Hormontherapie allein zur Vorbeugung, also ohne belastende Beschwerden und allein zum Schutz von Herz oder Knochen, wird heute allerdings nicht mehr empfohlen. Östrogenmangel aufgrund von körperlichen Funktionsstörungen ist vornehmlich durch regelmäßige und frühzeitige Arztbesuche zu verhindern.
Das können Sie selbst tun
Zur unterstützenden Therapie bei Östrogenmangel können Moorsitzbäder angewandt werden. Sie werden von vielen Frauen als wohltuend empfunden; ein Nachweis, dass sie die Durchblutung der Scheide verbessern oder vor Infektionen schützen, fehlt allerdings. Bei ausgeprägter Scheidentrockenheit sind die weiter oben genannten örtlich angewendeten Östrogenpräparate deutlich wirksamer. Zur Nahrungsergänzung können Patienten Kalzium und Vitamin D einnehmen – die empfohlene Tagesdosis soll dabei nicht überschritten werden. Auch sportliche Aktivitäten wie beispielsweise Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren, können die Beschwerden, basierend auf dem Östrogenmangel, lindern. Den oftmals trockenen Augen kann mit befeuchtenden Augentropfen entgegengewirkt werden.
Positive Effekte können auch durch die Verabreichung von Johanniskraut beobachtet werden. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass Johanniskraut die Wirkung zahlreicher Arzneimittel abschwächt, darunter die der Anti-Baby-Pille, blutgerinnungshemmender Mittel und auch der Hormone einer Hormonersatztherapie. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Anwendung deshalb vorher ärztlich abklären. Auch Mönchspfeffer und Traubensilberkerze wirken sich positiv auf den Allgemeinzustand aus, hierzu empfiehlt es sich jedoch vorab mit dem betreuenden Arzt diesbezüglich Rücksprache zu halten. Das Gleiche gilt für die Verwendung von östrogenhaltigen Cremes oder Zäpfchen zur Behandlung der häufig auftretenden Scheidentrockenheit. Für Präparate aus der Traubensilberkerze sind zudem in seltenen Fällen Leberschäden beschrieben worden; bei Müdigkeit, dunklem Urin oder einer Gelbfärbung von Haut und Augen ist die Einnahme zu beenden und umgehend ärztlicher Rat einzuholen.
Von der Verwendung von Intimlotionen und Intimsprays wird dagegen abgeraten, da diese die Scheidenflora langfristig stören können. Weiterhin empfiehlt sich das Tragen von Unterwäsche aus Baumwolle, die bei mindestens 60 Grad Celsius waschbar ist. Bei dieser Temperatur werden zusammen mit einem Vollwaschmittel die meisten Krankheitserreger abgetötet.
Quellen
- Strowitzki, T., Ortmann, O. (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.
ISBN: 9783662655160
- Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie.
ISBN: 9783982645919
- Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783131253446
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488

