Beta-Lactam-Antibiotika

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Beta-Lactam-Antibiotika bilden eine Familie von Antibiotika. Charakteristisch für Vertreter dieser Gruppe ist, dass ihre chemische Strukturformel einen aus vier Gliedern bestehenden Lactam-Ring bildet. Beta-Lactam-Antibiotika gehen auf das frühe Penicillin zurück; sie wirken bakterizid und werden zur Bekämpfung von verschiedenen Infektionen eingesetzt. Der Wirkmechanismus von Beta-Lactam-Antibiotika ist auf eine Hemmung der Zellwandsynthese von infektiösen Bakterien zurückzuführen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Beta-Lactam-Antibiotika?

Beta Lactam Antibiotika
Beta-Lactam-Antibiotika weisen in ihrer chemischen Strukturformel einen Lactam-Ring auf. Die Vertreter der Medikamentengruppe verursachen eine Inhibition (Hemmung) der Zellwandsynthese von infektiösen Bakterien.
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Bei den sogenannten Beta-Lactam-Antibiotika handelt es sich um eine Gruppe von Antiinfektiva, die eine starke bakterizide Wirkung aufweisen und in der Humanmedizin zur Bekämpfung von diversen Infektionskrankheiten eingesetzt werden.

Der Wirkmechanismus der Beta-Lactam-Antibiotika ist auf eine Hemmung der Peptidoglycansynthese im Rahmen der Zellteilung von infektiösen Bakterien zurückzuführen. Diese sind durch das Antibiotikum nicht mehr in der Lage, sich zu vermehren. Sie sterben ab.

Die chemische Gemeinsamkeit aller Vertreter der Medikamentengruppe der Beta-Lactam-Antibiotika ist, dass ihre Strukturformeln einen Beta-Laktam-Ring aufweisen. Die Grundstruktur der Beta-Lactam-Wirkstoffe ist deshalb recht ähnlich. Die einzelnen Wirkstoffe der Gruppe weisen jedoch eine unterschiedliche Wirksamkeit gegenüber einzelnen Erregern auf, was auf eine jeweils abweichende Penetrationsfähigkeit und Affinität zurückzuführen ist.

Dementsprechend werden Beta-Lactam-Antibiotika in verschiedene Gruppen und Generationen eingeteilt. In der humanmedizinischen bzw. pharmakologischen Literatur wird zwischen Penicillinen (z. B. Benzylpenicillin, Flucloxacillin), Cephalosporinen (z. B. Cefuroxim, Cefotaxim), Beta-Lactamase-Inhibitoren (z. B. Sulbactam) und sonstigen Beta-Lactam-Antibiotika (z. B. Doripenem, Ertapenem, Imipenem) unterschieden.

Die zuletzt genannten Wirkstoffe bilden die Gruppe der Carbapeneme. Eine weitere Untergruppe sind die Monobactame, deren therapeutisch genutzter Vertreter Aztreonam ist.

Pharmakologische Wirkung

Beta-Lactam-Antibiotika weisen in ihrer chemischen Strukturformel einen Lactam-Ring auf. Die Vertreter der Medikamentengruppe verursachen eine Inhibition (Hemmung) der Zellwandsynthese von infektiösen Bakterien. Für diese ist die Zellwand von essentieller Bedeutung, da sie ohne sie nicht lebensfähig sind. Denn ohne eine ausreichend funktionierende Zellwand kann Wasser ungehindert in das Innere der Zelle eindringen. Dies verursacht ein Anschwellen des Bakteriums, was zum Zerreißen des Plasmalemmas und hierdurch zum Tod führt. Eine Ausnahme bilden die Beta-Lactamase-Inhibitoren: Sie tragen zwar ebenfalls einen Beta-Laktam-Ring, richten sich aber nicht gegen die Zellwandsynthese, sondern gegen das bakterielle Enzym Beta-Laktamase.

Aufgrund dieses Wirkmechanismus sind Beta-Lactam-Antibiotika gegenüber eukaryotischen Zellen grundsätzlich unwirksam. Denn diese weisen von Natur aus keine Zellwand aus Murein auf, sodass eine Hemmung der Zellwandsynthese gar nicht erst anschlagen kann.

Gegenüber solchen Bakterien, die empfindlich auf Beta-Lactam-Antibiotika reagieren, entfalten die Wirkstoffe der Gruppe eine bakterizide (d. h. abtötende) Wirkung. Ruhende Keime bleiben hingegen weitgehend unbehelligt. Abgetötet werden nur solche Bakterien, die sich gerade teilen und dabei neue Zellwand aufbauen.

Aus dieser Eigenheit folgt eine Besonderheit, die für den Einsatz der ganzen Gruppe bestimmend ist: Betalactame wirken zeitabhängig. Die Fachinformation von Benzylpenicillin fasst das Verhältnis von Wirkstoffspiegel und Wirkung in einem Satz zusammen – die Wirksamkeit hängt im Wesentlichen davon ab, wie lange der Wirkstoffspiegel oberhalb jener Konzentration liegt, die das Wachstum des Erregers gerade noch hemmt. Fachsprachlich heißt diese Schwelle minimale Hemmkonzentration. Entscheidend ist also nicht die Höhe der Spitze, sondern die Dauer, über die der Spiegel gehalten wird. Deshalb werden viele Vertreter der Gruppe über den Tag verteilt mehrfach gegeben oder als länger laufende Infusion verabreicht, statt in einer einzigen großen Gabe. Bei Antibiotika anderer Stoffklassen ist dieses Verhältnis anders gelagert.

Viele Betalactame verlassen den Körper vorwiegend über die Nieren; für Benzylpenicillin und für Aztreonam halten die Fachinformationen das ausdrücklich fest. Ist die Nierenleistung eingeschränkt, verweilen solche Wirkstoffe länger im Körper, was bei einigen Vertretern der Gruppe die Gefahr unerwünschter Wirkungen erhöht.

Während der Anwendung von Beta-Lactam-Antibiotika kann es zur Entwicklung von Resistenzen kommen. So sind einige Bakterien in der Lage, das Enzym Beta-Laktamase zu bilden, das den Beta-Laktam-Ring der Antibiotika aufspaltet. Da dieser für den Wirkmechanismus eine bedeutende Rolle einnimmt, werden empfindliche Präparate durch Beta-Laktamase inaktiviert.

Gegenüber diesen Bakterien, zu denen z. B. Staphylokokken gehören, sind die betalactamaseempfindlichen Vertreter der Gruppe also wirkungslos; die betalactamasefesten Penicilline wie Flucloxacillin erfassen sie dagegen. Um derartige Resistenzen zu bekämpfen, wurden in der Pharmazie verschiedene Stoffe (z. B. Clavulansäure) entwickelt, die die Beta-Laktamase hemmen. Derartige Stoffe werden zusammen mit Beta-Lactam-Präparaten verabreicht, um dennoch eine Wirksamkeit zu erzielen.

Nichtsdestotrotz konnte in zahlreichen Studien bewiesen werden, dass es aufgrund der teilweise verantwortungslos häufigen Verabreichung von Vertretern der Beta-Lactam-Gruppe (insbesondere von Penicillin) zu Entwicklungen von Resistenzen kam. Diese werden durch Veränderungen der Zellmembran oder generell unempfindliche Bindeproteine hervorgerufen. Derartige Bakterien müssen mit anderen Antibiotika bekämpft werden, da Vertreter der Beta-Lactam-Gruppe entweder nur stark vermindert oder sogar gänzlich wirkungslos sind.

Die Fachinformation von Benzylpenicillin ordnet die möglichen Wege der Unempfindlichkeit genauer. Vier davon werden dort aufgeführt. Der erste ist die bereits beschriebene Inaktivierung durch Betalaktamasen. Beim zweiten verändert sich das Zielprotein selbst: Die Penicillin-bindenden Proteine binden den Wirkstoff nur noch schwach, sei es, weil vorhandene Proteine durch eine Mutation umgebaut wurden – so bei Pneumokokken und einigen anderen Streptokokken –, sei es, weil ein zusätzliches, unempfindliches Protein neu gebildet wird, wie bei methicillinresistenten Staphylokokken. Der dritte Weg betrifft gramnegative Bakterien: Sie besitzen außen um die Mureinschicht herum eine zusätzliche Membran, und wenn der Wirkstoff diese Hülle nicht ausreichend durchdringt, erreicht er die Zielproteine gar nicht erst. Der vierte Weg sind Pumpen in der Bakterienhülle, die den Wirkstoff aktiv wieder nach außen befördern.

Zwischen Benzylpenicillin und anderen Penicillinen sowie Cephalosporinen besteht der Fachinformation zufolge eine teilweise oder vollständige Kreuzresistenz. Unempfindlichkeit gegen einen Vertreter der Gruppe lässt also mitunter auf Unempfindlichkeit gegen weitere schließen – ein Zusammenhang, der die Auswahl des Antibiotikums bei bekannten Resistenzen einschränkt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Präparate, die zur Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika gehören, werden verabreicht, um verschiedene Infektionskrankheiten zu behandeln. In Betracht kommen etwa ambulant erworbene Lungenentzündungen (Pneumonien), Infektionen der Haut oder der Weichteile, gynäkologische Infektionen, intraabdominelle Infektionen oder postoperative Infektionen des Bauchraums.

Im Allgemeinen werden Beta-Lactam-Antibiotika eingesetzt, um sowohl gram-positive als auch gram-negative Erreger zu bekämpfen. Das Anwendungsgebiet dieser Antibiotika ist damit vergleichsweise breit. Gram-positiv sind solche Erreger, die sich im Zuge eines Differentialfärbungsverfahrens blau einfärben. Von Gram-negativen Bakterien wird analog hierzu gesprochen, wenn sich diese rot einfärben.

Nicht jeder Vertreter der Gruppe deckt dabei dasselbe Erregerspektrum ab, und die Anwendungsgebiete der einzelnen Wirkstoffe sind entsprechend unterschiedlich zugeschnitten. Benzylpenicillin etwa richtet sich vor allem gegen Streptokokken, Pneumokokken, Gonokokken, Meningokokken und Spirochäten, während die neueren Kombinationen aus einem Betalactam und einem Enzymhemmer für komplizierte Infektionen im Bauchraum, komplizierte Harnwegsinfektionen und im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen vorgesehen sind.

Innerhalb der Familie nehmen die Carbapeneme eine Sonderstellung ein. Ihr Erregerspektrum ist besonders breit, und sie sind gegenüber vielen bakteriellen Enzymen widerstandsfähig. Genau das macht sie zu Mitteln, die zurückgehalten werden. Die europäische Produktinformation der Kombination aus Meropenem und Vaborbactam nennt als eigenes Anwendungsgebiet die Behandlung von Infektionen durch aerobe gramnegative Erreger bei Erwachsenen mit eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten; für die Kombination aus Ceftazidim und Avibactam findet sich eine entsprechende Formulierung. Beide Produktinformationen sehen für dieses Anwendungsgebiet vor, dass zuvor Rücksprache mit einer in Infektionskrankheiten erfahrenen Ärztin oder einem entsprechend erfahrenen Arzt gehalten wird, und beide verweisen auf die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch antibakterieller Wirkstoffe. Der Hintergrund dieser Zurückhaltung ist die Sorge, dass ein breiter Einsatz die Entstehung unempfindlicher Erreger beschleunigt und damit ausgerechnet jene Mittel entwertet, die für schwere Fälle gebraucht werden.

Einige Vertreter der Beta-Lactam-Antibiotika können auch bei Kindern verabreicht werden. Dies ist jedoch vom konkreten Medikament bzw. Wirkstoff abhängig, weswegen eine gesonderte Prüfung notwendig ist.


Verabreichung & Dosierung

Ob ein Betalactam geschluckt oder gespritzt wird, entscheidet in erster Linie seine Beständigkeit gegenüber Magensäure. Wirkstoffe, die im sauren Milieu des Magens zerfallen, lassen sich nicht als Tablette oder Saft anwenden; sie gelangen als Spritze oder Infusion unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts in den Körper. Benzylpenicillin ist das bekannteste Beispiel für diesen Fall. Andere Vertreter der Familie sind säurestabil und deshalb auch zum Einnehmen geeignet.

Wie hoch die Gaben ausfallen und in welchen Abständen sie erfolgen, hängt vom einzelnen Wirkstoff ab und lässt sich nicht für die Gruppe gemeinsam angeben. Die Fachinformation von Benzylpenicillin beschreibt die Regel, nach der sich das richtet: Art der Anwendung, Höhe der Gabe und Abstand zwischen den Gaben bemessen sich nach der Art und der Empfindlichkeit des Erregers, nach der Schwere der Infektion und nach dem Zustand der behandelten Person. Weil Betalactame zeitabhängig wirken, sind über den Tag verteilte Gaben oder länger laufende Infusionen verbreitet.

Eine eigene Bauform sind die Depotpräparate. Bei ihnen liegt der Wirkstoff in einer schwer löslichen Verbindung vor, die nach der Gabe in einen Muskel nur langsam freigesetzt wird. Die Fachinformation des Depotpräparats mit Benzylpenicillin-Benzathin beschreibt, dass sich auf diese Weise über etwa zwei Wochen ein niedriger, aber gleichmäßiger Wirkstoffspiegel im Serum halten lässt – bei einigen Behandelten auch darüber hinaus. Für die dauerhafte Vorbeugung bestimmter Streptokokkenerkrankungen ist das ein Vorteil, für die Behandlung einer akuten, schweren Infektion dagegen nicht, weil die erreichten Spiegel dafür zu niedrig ausfallen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Gabe vieler Betalactame herabgesetzt oder der Abstand zwischen den Gaben verlängert, damit sich der Wirkstoff nicht anreichert. Die europäischen Produktinformationen der neueren Kombinationspräparate enthalten dafür eigene Tabellen, die sich an der Nierenleistung orientieren.

Risiken & Nebenwirkungen

Beta-Lactam-Antibiotika können während oder kurz nach der Behandlung zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, was jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Das konkrete Ausmaß sowie die Häufigkeit, mit welcher die Nebenwirkungen auftreten können, hängen vom jeweiligen Wirkstoff ab.

Ganz grundsätzlich kommen jedoch Kopfschmerzen, ein allgemeines Unwohlsein, Fieber, Hautreaktionen (z. B. kleine oder großflächige Rötungen, Juckreize oder ein brennendes Gefühl), ein Anstieg der Thrombozytenzahl im Blut, Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit und Erbrechen sowie weitere Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts in Betracht.

Insbesondere übermäßige Hautreaktionen sowie Fieber gelten als Anzeichen einer generellen Unverträglichkeit. In diesen Fällen liegt eine medizinische Gegenanzeige (Kontraindikation) vor, die in der Regel zum sofortigen Abbruch der Behandlung führt.

Damit ist die wichtigste unerwünschte Wirkung der ganzen Familie angesprochen: die Überempfindlichkeit gegen Betalactame, umgangssprachlich meist Penicillinallergie genannt. Sie reicht von einem harmlosen Hautausschlag bis zu einer lebensbedrohlichen Reaktion des ganzen Körpers. Die Fachinformation von Benzylpenicillin ordnet allergische Reaktionen der Häufigkeitsspanne von gelegentlich bis häufig zu und führt darunter unter anderem Nesselfieber, ein angioneurotisches Ödem, Verkrampfungen der Bronchien, ein Anschwellen des Kehlkopfs, das Serumkrankheits-Syndrom und verschiedene Formen des Hautausschlags auf. Die Fachinformation eines Depotpräparats mit Benzylpenicillin-Benzathin fasst dasselbe Verhältnis in einem Satz: Allergische Reaktionen treten gelegentlich bis häufig auf, anaphylaktische Reaktionen einschließlich des lebensbedrohlichen Schocks selten.

Eine unmittelbar auftretende Nesselsuchtreaktion gilt der Fachinformation zufolge stets als bedrohliches Zeichen und führt zum Abbruch der Behandlung. Beim anaphylaktischen Schock werden sofort Notfallmaßnahmen eingeleitet; da die Beschwerden erneut aufflammen können, wird die betroffene Person anschließend sorgfältig überwacht.

Eine zweite Gruppe schwerer Reaktionen betrifft die Haut. Unter der Sammelbezeichnung schwere kutane Nebenwirkungen sind für Betalactam-Antibiotika einschließlich der Penicilline das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse, das sogenannte DRESS-Syndrom mit Eosinophilie und Beteiligung innerer Organe sowie die akute generalisierte exanthematische Pustulose berichtet worden. Diese Reaktionen setzen später ein als die Soforttypreaktionen und können lebensbedrohlich verlaufen.

Neben den allergischen Reaktionen stehen Wirkungen, die sich aus dem Eingriff in die Bakterienwelt des Körpers ergeben. Weil Antibiotika nicht zwischen krankmachenden und nützlichen Bakterien unterscheiden, kann sich die Darmbesiedlung verschieben. Setzen sich dabei unempfindliche Keime durch, droht eine schwere Darmentzündung; die Fachinformation von Benzylpenicillin nennt dafür die pseudomembranöse Enterokolitis, die durch das Bakterium Clostridioides difficile ausgelöst wird und lebensbedrohlich sein kann. Wässrige Durchfälle während oder nach einer Behandlung, die mit Fieber oder Bauchschmerzen einhergehen, gelten als Warnzeichen.

Weitere unerwünschte Wirkungen hängen an der Höhe und Dauer der Behandlung und treten entsprechend vor allem bei langer, hoch dosierter Anwendung auf. Dazu zählen ein Rückgang weißer Blutkörperchen, Störungen der Blutgerinnung, eine durch das Immunsystem vermittelte Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen, eine Entzündung des Nierengewebes sowie Reizerscheinungen des Nervensystems, die bis zu Krampfanfällen reichen können. Besonders gefährdet sind dabei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, weil der Wirkstoff bei ihnen langsamer ausgeschieden wird.

Eine Eigenheit, die bei Laboruntersuchungen zu Verwirrung führen kann, ist der positive direkte Coombs-Test. Er zeigt an, dass sich Antikörper an die roten Blutkörperchen angelagert haben. Bei der Kombination aus Ceftazidim und Avibactam trat eine solche Testumkehr in klinischen Studien sehr häufig auf, ohne dass sich daraus ein Zerfall roter Blutkörperchen entwickelte; die Produktinformation weist zugleich darauf hin, dass ein positiver Test die Blutgruppenbestimmung vor einer Übertragung beeinträchtigen kann.

Kontraindikationen

Die maßgebliche Gegenanzeige der ganzen Familie ist die bekannte Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder gegen einen der übrigen Bestandteile des Präparats. Die Fachinformation von Benzylpenicillin formuliert darüber hinaus ausdrücklich, dass das Mittel wegen der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks bei erwiesener Penicillin-Überempfindlichkeit nicht angewendet werden darf.

Weit weniger geläufig, aber für den Umgang mit der Gruppe entscheidend, ist die Frage der Kreuzallergie zwischen den Untergruppen. Wer auf einen Vertreter allergisch reagiert, kann auch auf andere reagieren, und zwar über die Grenzen der Untergruppen hinweg. Die Fachinformationen beschreiben das aus jeweils eigener Blickrichtung:

  • Für Benzylpenicillin heißt es, bei einer Überempfindlichkeit gegen andere Betalaktam-Antibiotika – genannt werden Cephalosporine und Imipenem – könne eine Kreuzallergie bestehen; ausgenommen werden dort die Monobactame, also Aztreonam.
  • Dieselbe Fachinformation unterscheidet zwischen der Schwere der früheren Reaktion: Bei leichteren Überempfindlichkeitsreaktionen auf andere Betalactame in der Vorgeschichte wird Benzylpenicillin mit Vorsicht angewendet, bei schweren Reaktionen in der Vorgeschichte überhaupt nicht.
  • Für die Kombination aus Meropenem und Vaborbactam ist eine schwere Überempfindlichkeit gegen andere Betalactam-Antibiotika – ausdrücklich einschließlich der Monobactame – als Gegenanzeige aufgeführt, ebenso jede Überempfindlichkeit gegen Carbapeneme.
  • Für die Kombination aus Ceftazidim und Avibactam ist vorgesehen, vor Behandlungsbeginn nach früheren Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Ceftazidim, andere Cephalosporine oder sonstige Betalactame zu fragen; bei nicht schwerwiegenden Reaktionen auf Penicilline, Monobactame oder Carbapeneme in der Vorgeschichte wird das Mittel mit Vorsicht angewendet. Als Gegenanzeige führt dieselbe Produktinformation dagegen jede Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine und eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion gegen jede andere Art von Betalactam-Antibiotika auf.

Diese Angaben widersprechen einander nicht, sie sind unterschiedlich zugeschnitten. Zwei Unterscheidungen tragen dabei die Last: erstens die zwischen einer Gegenanzeige, die die Anwendung ausschließt, und einer Vorsichtsmaßnahme, die sie unter besonderer Beobachtung zulässt; zweitens die zwischen einer schweren und einer leichten früheren Reaktion. Eine Gegenanzeige zu einer bloßen Vorsichtsmaßnahme abzuschwächen wäre die gefährlichere der beiden möglichen Verwechslungen.

Eine Sonderrolle nimmt Aztreonam ein. Weil ihm der zweite Ring fehlt, den Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme neben dem Betalactam-Ring tragen, ist es nur schwach immunogen; das Risiko einer Kreuzreaktion mit den übrigen Betalactamen gilt nach den vorliegenden Daten als gering. Eine allergologische Leitlinie der deutschen und österreichischen Fachgesellschaften hält allerdings fest, dass die Seitenkette des Aztreonams der Seitenkette des Cephalosporins Ceftazidim entspricht und zwischen diesen beiden Wirkstoffen deshalb erhöhte Vorsicht angebracht ist.

Über die Überempfindlichkeit hinaus kennen die einzelnen Wirkstoffe eigene Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen, die sich nicht auf die Gruppe verallgemeinern lassen. Sie stehen jeweils in der Fachinformation des betreffenden Präparats.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Betalactame greifen selten unmittelbar in den Abbau anderer Arzneimittel ein. Die Wechselwirkungen, die für sie beschrieben sind, entstehen überwiegend auf drei anderen Wegen.

Der erste betrifft die Kombination mit anderen Antibiotika. Die Fachinformation von Benzylpenicillin hält fest, dass eine Kombination mit geeigneten Antibiotika die Wirkung verstärken kann, rät aber von der Verbindung mit bakteriostatisch wirkenden Mitteln ab und nennt dabei Tetracycline, Chloramphenicol, Makrolide und Sulfonamide. Der Gedanke dahinter ergibt sich aus dem Wirkmechanismus: Betalactame greifen Bakterien an, die sich gerade teilen; Mittel, die das Wachstum bremsen, nehmen ihnen damit die Angriffsfläche.

Der zweite Weg führt über die Ausscheidung durch die Niere. Wird diese gehemmt, steigen die Wirkstoffspiegel und die Verweildauer im Körper. Für Benzylpenicillin ist das für Probenecid beschrieben, das die Abgabe in den Nierenkanälchen blockiert; die Fachinformation nennt darüber hinaus Salicylate, Phenylbutazon, Indometacin und Sulfinpyrazon als Stoffe, die die Halbwertszeit unterschiedlich stark verlängern. Umgekehrt kann die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die die Niere belasten, deren Leistung beeinträchtigen; die Produktinformation der Kombination aus Ceftazidim und Avibactam nennt dafür hoch dosierte Cephalosporine zusammen mit Aminoglykosiden oder stark wirksamen entwässernden Mitteln wie Furosemid.

Der dritte Weg ist mittelbar: Löst ein Betalactam Durchfälle aus, kann die Aufnahme anderer geschluckter Arzneimittel gestört und deren Wirkung dadurch beeinträchtigt werden. Auch die häufig genannte Sorge um die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel gehört in diesen Zusammenhang.

Alternative Behandlungsmethoden

Steht ein Betalactam wegen einer Überempfindlichkeit nicht zur Verfügung, richtet sich die Wahl des Ersatzes nach Erreger, Krankheitsbild und Begleitumständen. Die Leitlinie zur Behandlung der Syphilis zeigt das Vorgehen beispielhaft: Penicillin gilt dort als Mittel der Wahl in jedem Krankheitsstadium; kann es wegen schwerer allergischer Reaktionen nicht gegeben werden, kommen je nach Stadium und Begleitumständen Doxycyclin oder Ceftriaxon in Betracht. Zugleich weist dieselbe Leitlinie darauf hin, dass beim Einsatz von Cephalosporinen in vermutlich sehr seltenen Fällen mit einer Kreuzallergie zu den Penicillinen zu rechnen ist – ein Ersatz innerhalb der Familie löst das Problem also nicht zwangsläufig.

Bevor auf ein Mittel zweiter Wahl ausgewichen wird, steht deshalb häufig die allergologische Abklärung. Für sie gibt es eine eigene Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, auf die auch die Syphilis-Leitlinie verweist. Ihr Ziel ist es, eine vermutete Betalactam-Überempfindlichkeit zu bestätigen oder auszuräumen; die Leitlinie hält fest, dass die Zahl der aus der Vorgeschichte berichteten Betalactam-Allergien die Zahl der bestätigten Fälle deutlich übersteigt. Bestätigt sie sich nicht, steht die gesamte Gruppe wieder zur Verfügung; bestätigt sie sich, lässt sich oft genauer eingrenzen, gegen welchen Bestandteil des Moleküls sich die Reaktion richtet.

Ein zweiter Fall, in dem nach Alternativen gesucht wird, ist die Unempfindlichkeit des Erregers. Hier führt der Weg häufig nicht aus der Familie heraus, sondern innerhalb der Familie weiter: zu betalactamasefesten Vertretern wie Flucloxacillin oder zu festen Kombinationen aus einem Betalactam und einem Hemmstoff bakterieller Enzyme. Erst wenn auch diese versagen, kommen Antibiotika aus gänzlich anderen Stoffklassen in Betracht.

Nicht jede Infektion verlangt überdies ein Antibiotikum. Bei Erkrankungen, die durch Viren verursacht werden, sind Betalactame ohne Wirkung, weil Viren keine Zellwand aus Murein besitzen, an der die Wirkstoffe ansetzen könnten.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Frank, U.: Antibiotika am Krankenbett.
    ISBN: 9783662583371
  • Ackermann, G. (Hrsg.): Antibiotika und Antimykotika.
    ISBN: 9783804729407
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
    ISBN: 9783132423435

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