Benzylpenicillin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei Benzylpenicillin handelt es sich um eine klassische Penicillin-Form. Der antibiotische Wirkstoff ist auch als Penicillin G bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Benzylpenicillin?

Benzylpenicillin
Benzylpenicillin eignet sich zur Therapie von Infektionen, deren bakterielle Urheber empfindlich auf das Antibiotikum reagieren.
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Benzylpenicillin, auch Penicillin G genannt, zählt zu den Antibiotika. Es entstammt den Beta-Lactam-Antibiotika und wird zur Therapie von verschiedenen bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt.

Die Entdeckung des Benzylpenicillins fand 1928 durch den schottischen Bakteriologen Alexander Fleming (1881-1955) statt. Für die Entdeckung des Antibiotikums Penicillin wurde der Mediziner 1945 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Hergestellt wird das Penicillin G durch den Schimmelpilz Penicillium notatum. Auch in der heutigen Zeit erfolgt die Gewinnung des Benzylpenicillins fermentativ aus Pilzkulturen und nicht auf synthetische Weise. Für die großtechnische Herstellung werden dabei allerdings längst nicht mehr Flemings ursprünglicher Pilz, sondern eigens gezüchtete Hochleistungsstämme von Penicillium chrysogenum verwendet.

Penicillin G gilt als Muttersubstanz aller Penicilline. Aus ihm entstand eine Vielzahl an Derivaten, deren Eigenschaften sich veränderten. Zu den Nachteilen der Substanz gehören ihre Empfindlichkeit gegen das Bakterienenzym Penicillinase und die orale Unwirksamkeit, die auf Säureinstabilität zurückzuführen ist. Aus diesem Grund lässt sich Benzylpenicillin ausschließlich unter Umgehung des Darms verabreichen.

Pharmakologische Wirkung

Benzylpenicillin verfügt über eine bakterizide Wirkung. Zu seinem Wirkungsspektrum zählen grampositive Bakterien, gramnegative anaerobe Stäbchen, gramnegative Kokkenarten sowie Spirochäten. Als Penicillin-G-empfindlich gelten Meningokokken, Pneumokokken, Clostridien, Borrelien, Corynebakterien, nicht-penicillinase-bildende Staphylokokken, alpha- und beta-hämolysierende Streptokokken, Leptospiren sowie Treponema pallidum und Bacillus anthracis. Die anaeroben Bacteroides-Arten gelten dagegen als von Natur aus unempfindlich.

Allerdings hat die Anzahl an Bakterienstämmen, die resistent gegen Penicillin G sind, in den letzten Jahren weiter zugenommen. Dies gilt besonders für die Gonokokken.

Benzylpenicillin verfügt über den Effekt, den Aufbau der bakteriellen Zellwand zu unterbinden. Der antibiotische Stoff blockiert dazu die Enzyme, mit denen die Keime ihre Zellwand vernetzen. Bakterien, die sich gerade teilen, gehen dadurch zugrunde. Manche Bakterien haben jedoch die Fähigkeit, das Penicillin G zu zerstören, da sie das Eiweiß Penicillinase bilden. Auf diese Weise erreichen sie eine natürliche Resistenz gegen den Arzneistoff.

Die Fachinformation benennt die blockierten Enzyme mit ihrem Fachnamen: Es sind die Penicillin-bindenden Proteine, unter ihnen die Transpeptidasen. Sie verknüpfen die Bausteine der Zellwand quer miteinander und verleihen ihr dadurch Festigkeit. Werden sie blockiert, entsteht während der Wachstumsphase eine lückenhafte Hülle, die dem Druck im Zellinneren nicht standhält.

Für die praktische Anwendung folgt daraus eine Eigenheit, die Benzylpenicillin mit den übrigen Beta-Lactam-Antibiotika teilt: Die Wirksamkeit hängt der Fachinformation zufolge im Wesentlichen davon ab, wie lange der Wirkstoffspiegel oberhalb jener Konzentration liegt, die das Wachstum des Erregers gerade noch hemmt. Nicht die Höhe der Spitze entscheidet also, sondern die Dauer. Das erklärt, warum das Antibiotikum über den Tag verteilt mehrfach gegeben wird.

Neben der Bildung von Penicillinase kennt die Fachinformation weitere Wege, auf denen Bakterien unempfindlich werden. Bei Pneumokokken und einigen anderen Streptokokken beruht die erworbene Unempfindlichkeit darauf, dass vorhandene Penicillin-bindende Proteine durch eine Mutation umgebaut werden und den Wirkstoff nur noch schwach binden. Bei methicillinresistenten Staphylokokken wird stattdessen ein zusätzliches Protein gebildet, das von vornherein wenig Bindungsbereitschaft zeigt. Bei gramnegativen Bakterien kann bereits die äußere Hülle so undurchlässig sein, dass der Wirkstoff die Zielproteine nicht in ausreichender Menge erreicht. Und schließlich können Pumpen in der Bakterienhülle den Wirkstoff aktiv wieder hinausbefördern. Zwischen Benzylpenicillin und anderen Penicillinen sowie Cephalosporinen besteht dabei eine teilweise oder vollständige Kreuzresistenz.

Da eine orale Einnahme aufgrund des Abbaus des Stoffes durch die Magensäure unwirksam ist, muss Benzylpenicillin stets in Form einer Infusion oder Injektion verabreicht werden. Weil die Wirkdauer des Antibiotikums jedoch sehr gering ausfällt, ist es nötig, es mehrmals täglich zuzuführen. Als länger wirkendes Benzylpenicillin gilt Benzylpenicillin-Benzathin, das einmal in der Woche oder im Monat verabreicht werden kann.

Nach einer Kurzinfusion erfolgt ein schneller Anstieg der Plasmakonzentration von Penicillin G. Doch schon nach fünf Stunden tritt der ebenso rasche Abfall des Wirkstoffes ein. Im Falle einer intramuskulären Darreichung ist die Resorption nach ungefähr 30 Minuten beendet. Die Plasmakonzentration fällt geringer aus als bei einer intravenösen Infusion. Ausgeschieden wird das Benzylpenicillin in erster Linie über die Nieren. Zu einer Verstoffwechselung kommt es kaum.

Wie stark sich das Penicillin G in den einzelnen Körpergeweben konzentriert, ist unterschiedlich. So kommen verhältnismäßig hohe Konzentrationen in Nieren, Leber und Lunge vor, während sie in den Knochen sowie im Gehirn recht niedrig ausfallen. Sind die Hirnhäute entzündet, steigt der Übertritt in das Nervenwasser jedoch deutlich an.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Benzylpenicillin eignet sich zur Therapie von Infektionen, deren bakterielle Urheber empfindlich auf das Antibiotikum reagieren. Dabei handelt es sich um Atemwegsinfektionen, Infektionen in der Hals-Nasen-Ohren-Region, Scheideninfektionen und Kehlkopfentzündungen. Aber auch eine Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), eine Meningitis (Hirnhautentzündung), eine Osteomyelitis (Entzündung des Knochenmarks), eine Sepsis (Blutvergiftung), eine Peritonitis (Bauchfellentzündung) oder Infektionen der Haut lassen sich wirksam mit Penicillin G behandeln. Weitere Indikationen sind rheumatisches Fieber, Leptospirose, Scharlach, Wundrose, Diphtherie, Lyme-Borreliose, Gasbrand und Syphilis.

Die Fachinformation eines deutschen Präparats führt daneben die Aktinomykose, die akute bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung, die akute bakterielle Mittelohrentzündung, die Tonsillitis, die ambulant erworbene Lungenentzündung und die akute Verschlimmerung einer chronischen Bronchialentzündung als Anwendungsgebiete auf.

Bei zwei dieser Anwendungsgebiete schränkt dieselbe Fachinformation allerdings deutlich ein. Bei der Mittelohrentzündung und bei der akuten Verschlimmerung einer chronischen Bronchialentzündung ist Benzylpenicillin dort ausdrücklich nicht als Mittel der Wahl bezeichnet, weil diese Erkrankungen häufig durch Erreger verursacht werden, gegen die der Wirkstoff nicht oder nur bedingt wirksam ist. Genannt werden dabei Staphylococcus aureus, Moraxella catarrhalis, Chlamydien, Mykoplasmen, Legionellen und Haemophilus influenzae. Vor Behandlungsbeginn wird deshalb nach dem verursachenden Erreger gesucht. Auch bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung mit zusätzlichen Risikofaktoren, etwa nach einer vorangegangenen Antibiotikabehandlung oder bei einer baulichen Veränderung der Lunge, gilt eine Behandlung mit Benzylpenicillin auf Verdacht als nicht befürwortet. Bei schweren Infektionen durch unbekannte Erreger sieht die Fachinformation vor, den Wirkstoff nicht allein einzusetzen.

Bei einer Wundinfektion ist dagegen eine Überprüfung des Erregers erforderlich, da deren häufigste Verursacher zumeist unempfindlich auf Benzylpenicillin reagieren. Der Fachinformation zufolge muss bei Infektionen, die überwiegend durch Staphylokokken verursacht werden – etwa bei einer Knochenmarkentzündung oder bei Wundinfektionen –, heute von unempfindlichen Stämmen ausgegangen werden; eine Behandlung ist dort nur nach einer Resistenzprüfung angezeigt. Beim Wundstarrkrampf ist der Erreger zwar empfindlich, die Beschwerden entstehen jedoch durch sein Gift, sodass sich die Behandlung vor allem gegen dieses richtet; vorbeugend schützt die Tetanus-Impfung. Bei manchen Erkrankungen wird Penicillin G auch mit einem weiteren Antibiotikum kombiniert.


Verabreichung & Dosierung

Wie hoch die Dosis an Benzylpenicillin ausfällt, hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Die Dosierung findet in Internationalen Einheiten (IE) statt. Eine Million IE tragen die Bezeichnung ME. Als maximale Dosierung gelten 10 ME, die sich bis zu vier Mal pro Tag verabreichen lassen.

Die ungewöhnliche Angabe in Einheiten statt in Milligramm hat historische Gründe. Solange sich die Substanz chemisch nicht genau bestimmen ließ, wurde ihre Menge über ihre Wirkung im Reagenzglas gemessen und in Internationalen Einheiten ausgedrückt. Der zugehörige Referenzstandard wurde der Fachinformation zufolge im Jahr 1968 abgeschafft, nachdem sich Benzylpenicillin vollständig mit analytischen Verfahren beschreiben ließ; für die Angabe der Menge werden die biologischen Einheiten dennoch bis heute bevorzugt. Zwischen Einheiten und Masseangaben besteht ein festes Umrechnungsverhältnis, das in der Fachinformation genannt wird.

Wie hoch die Gaben ausfallen und in welchem Abstand sie erfolgen, richtet sich nach der Art und der Empfindlichkeit des Erregers, nach der Schwere der Infektion und nach dem Zustand der behandelten Person. Die Fachinformation spricht deshalb von einem breiten Dosierungsspielraum. Weil der Wirkstoff zeitabhängig wirkt und rasch wieder ausgeschieden wird, wird die Tagesmenge auf mehrere Einzelgaben verteilt.

Neben der rasch wirksamen, wasserlöslichen Zubereitung stehen Depotformen zur Verfügung. Bei ihnen ist das Benzylpenicillin an einen Partner gebunden, der sich nur schwer löst; das bekannteste Beispiel ist Benzylpenicillin-Benzathin. Es wird ausschließlich in einen Muskel gegeben und dort langsam freigesetzt. Die Fachinformation eines deutschen Depotpräparats beschreibt, dass sich auf diese Weise über etwa zwei Wochen ein niedriger Wirkstoffspiegel im Serum halten lässt, bei einigen Behandelten auch länger. Die erreichten Spitzenwerte liegen dabei nur bei einem Bruchteil dessen, was eine wässrige Zubereitung in entsprechender Menge ergibt.

Aus dieser Eigenschaft folgt der Anwendungsbereich der Depotformen. Das genannte Präparat ist für die Langzeitbehandlung chronischer Streptokokkeninfektionen zugelassen, etwa zur Vorbeugung von Rückfällen beim rheumatischen Fieber, um insbesondere eine rheumatische Herzentzündung zu verhindern. Bei Erwachsenen und Jugendlichen kommt die Behandlung der Syphilis hinzu – sowohl der Frühform als auch der Spätform –, allerdings nicht bei einer Beteiligung des Nervensystems und nicht bei krankhaften Befunden im Nervenwasser. Für eine akute, schwere Infektion sind die niedrigen Spiegel der Depotform dagegen nicht geeignet. Um den Anfangsschmerz der Spritze zu lindern, enthält das Präparat ein örtliches Betäubungsmittel.

Ein praktischer Hinweis der Fachinformation betrifft Menschen mit Diabetes mellitus: Bei ihnen ist mit einer verzögerten Aufnahme aus dem Depot im Muskel zu rechnen. Bei Herzerkrankungen oder schweren Störungen des Salzhaushalts wird zudem auf die Zufuhr von Elektrolyten geachtet, weil das Antibiotikum als Natriumsalz vorliegt.

Risiken & Nebenwirkungen

Eine Behandlung mit Penicillin G kann mitunter auch unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge haben. Dazu gehören Durchfall, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Veränderungen des Geschmacks, allergische Reaktionen wie schwerer Hautausschlag oder Nesselsucht, eine Agranulozytose, Mundtrockenheit, eine Nierenentzündung, Blutarmut, die Serumkrankheit, entzündete Blutgefäße, Muskelzucken und Krämpfe. Einige Patienten leiden zudem an Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle.

Muss sich der Patient für längere Zeit einer Behandlung mit Benzylpenicillin unterziehen, besteht das Risiko von Pilz- oder Bakterienbefall des Dickdarms. Infolgedessen droht eine Darmentzündung, die mit Durchfall einhergeht. In diesem Fall muss die Behandlung nach Absprache mit dem behandelnden Arzt sofort abgebrochen werden. Stattdessen kommen später andere Antibiotika zur Anwendung.

Die Fachinformation ordnet diese Darmentzündung als pseudomembranöse Enterokolitis ein und beschreibt sie als selten, aber möglicherweise lebensbedrohlich. Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Clostridioides difficile, das sich vermehren kann, wenn die übrige Darmbesiedlung durch das Antibiotikum zurückgedrängt wird. Wässrige Durchfälle, die mit Fieber oder Bauchschmerzen einhergehen, gelten als Warnzeichen; Mittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen in dieser Lage der Fachinformation zufolge nicht angewendet werden.

Eine eigene, für Penicillin G besonders bedeutsame Reaktion ist die Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Sie tritt bei der Behandlung von Infektionen durch Spirochäten auf, also bei der Syphilis und bei der Lyme-Borreliose, und setzt meist wenige Stunden nach der ersten Gabe ein. Gekennzeichnet ist sie durch Fieber, Schüttelfrost sowie Allgemein- und Herdsymptome. Ihre Ursache ist nicht das Antibiotikum selbst, sondern sein Erfolg: Beim Zerfall großer Mengen von Erregern werden Stoffe frei, auf die der Körper mit einer Entzündungsreaktion antwortet. Die Leitlinie zur Syphilis beschreibt sie als kutane und allgemeine Reaktion auf Gifte zerfallender Treponemen, die bei der ersten Penicillingabe auftritt, und nennt als Anzeichen die Zunahme oder das Neuauftreten eines Hautausschlags sowie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Vorbeugend und behandelnd wird ein Glukokortikoid eingesetzt. Wichtig ist die Unterscheidung von einer allergischen Reaktion auf das Antibiotikum, denn die Folgerungen fallen auseinander: Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion ist vorübergehend – die Gebrauchsinformation eines Depotpräparats beschreibt, dass sie mehrere Tage anhalten kann –, während eine schwere allergische Reaktion zum Abbruch der Behandlung führt.

Weitere unerwünschte Wirkungen treten vor allem bei langer Behandlung mit hohen Gaben auf. Die Fachinformation beschreibt einen Rückgang bestimmter weißer Blutkörperchen, der nach dem Absetzen meist rasch zurückgeht, sich bei Fortführung der Behandlung aber zu einer Agranulozytose auswachsen kann. Sie beschreibt ferner Störungen der Blutgerinnung durch eine Hemmung der Blutplättchen, eine durch das Immunsystem vermittelte Blutarmut nach langer, hoch dosierter Behandlung sowie eine Entzündung des Nierengewebes, die sich unter anderem durch Eiweiß und Blut im Urin, Fieber und Hautausschläge bemerkbar macht.

Reizerscheinungen des Nervensystems sind bei hohen Gaben ebenfalls beschrieben. Besonders gefährdet sind dabei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder mit einer Neigung zu Krampfanfällen, außerdem Säuglinge und alte Menschen. Solche Reaktionen können von Benommenheit und Muskelzucken bis zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit reichen; die Fachinformation sieht vor, das Mittel dann sofort abzusetzen oder die Gabe zu verringern.

Unter den Hautreaktionen sind für Betalactam-Antibiotika einschließlich der Penicilline schwere Formen berichtet worden, darunter das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse, das DRESS-Syndrom mit Eosinophilie und Beteiligung innerer Organe sowie die akute generalisierte exanthematische Pustulose. Eine unmittelbar auftretende Nesselsuchtreaktion gilt der Fachinformation zufolge stets als bedrohliches Zeichen und zwingt zum Abbruch der Behandlung.

Kontraindikationen

Gar nicht erst verabreicht werden darf Penicillin G bei einer Überempfindlichkeit des Patienten gegenüber Penicillinen. Leidet der Patient unter speziellen Leukämieformen oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber, muss der Arzt vor einer Darreichung sorgfältig zwischen Risiko und Nutzen für den Patienten abwägen.

Die Fachinformation nennt als Gegenanzeige die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen einen der übrigen Bestandteile und hält ausdrücklich fest, dass Penicillin G wegen der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks bei erwiesener Penicillin-Überempfindlichkeit nicht angewendet werden darf. Für andere Beta-Lactam-Antibiotika gilt eine Abstufung: Besteht eine Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine oder Imipenem, kann eine Kreuzallergie bestehen; die Monobactame, also Aztreonam, sind davon ausgenommen. Waren frühere Reaktionen auf andere Betalactame nicht schwer, wird Benzylpenicillin mit Vorsicht angewendet; waren sie schwer, gar nicht.

Die Unterscheidung zwischen Gegenanzeige und Vorsichtsmaßnahme trägt hier viel Gewicht. Eine Gegenanzeige schließt die Anwendung aus. Eine Vorsichtsmaßnahme lässt sie zu, verlangt aber eine Abwägung und eine engere Überwachung. Die im Bestandstext genannten Leukämieformen und das Pfeiffersche Drüsenfieber gehören zur zweiten Kategorie: Die Gebrauchsinformation eines österreichischen Präparats führt sie unter den Umständen auf, bei denen vor der Anwendung Rücksprache zu halten ist, und begründet das mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen. Dasselbe gilt dort für Hautpilzerkrankungen, bei denen allergieähnliche Reaktionen häufiger auftreten, sowie für eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion, bei der die Gabe oder der Abstand zwischen den Gaben angepasst wird. Bei Epilepsie, bei einer Flüssigkeitsansammlung im Gehirn oder bei einer Hirnhautentzündung besteht ein erhöhtes Risiko für Krampfanfälle, weshalb die Behandlung sorgfältig überwacht wird.

Ein Einsatz von Penicillin G in der Schwangerschaft gilt als unbedenklich. Wichtig ist jedoch die Absprache mit dem Arzt. Da der antibiotische Wirkstoff über die Muttermilch auf das Baby übergehen kann, besteht das Risiko von Störungen der Kinder-Darmflora. Die betroffenen Säuglinge leiden dabei unter Durchfall und einer Darmentzündung. Außerdem können sich später allergische Reaktionen entwickeln. Daher wird auch in der Stillzeit vor der Anwendung des Antibiotikums eine Rücksprache mit dem Arzt empfohlen.

Die deutsche Fachinformation formuliert das etwas anders und zugleich genauer: Aus Tierversuchen und den bisherigen Erfahrungen bei Schwangeren haben sich keine Anhaltspunkte für eine Schädigung des Kindes ergeben, sodass eine Anwendung während der gesamten Schwangerschaft bei entsprechender Indikation möglich ist. Für die Stillzeit hält sie fest, dass der Übertritt in die Muttermilch gering ausfällt; Berichte über Nebenwirkungen bei gestillten Säuglingen liegen ihr bislang nicht vor. Die Möglichkeit einer Sensibilisierung oder einer Beeinträchtigung der Darmbesiedlung wird dennoch in Betracht gezogen, weshalb auf Durchfälle und Pilzbesiedlung der Schleimhäute beim Säugling geachtet wird.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Benzylpenicillin greift kaum in den Abbau anderer Arzneimittel ein. Die Wechselwirkungen, die die Fachinformation beschreibt, entstehen auf anderen Wegen.

Die erste betrifft die Kombination mit weiteren Antibiotika. Eine Verbindung mit geeigneten Mitteln kann die Wirkung verstärken; von der Kombination mit bakteriostatisch wirkenden Chemotherapeutika rät die Fachinformation dagegen ab und nennt dabei Tetracycline, Chloramphenicol, Makrolide und Sulfonamide. Der Grund ergibt sich aus dem Wirkmechanismus: Penicillin G tötet Bakterien ab, die sich gerade teilen. Ein Mittel, das das Wachstum bremst, nimmt ihm die Angriffsfläche.

Die zweite betrifft die Ausscheidung über die Nieren. Probenecid hemmt die Abgabe des Wirkstoffs in den Nierenkanälchen; dadurch steigen die Spiegel im Blut und die Verweildauer im Körper. Zugleich hemmt Probenecid den Abtransport des Penicillins aus dem Nervenwasser, wodurch sich der ohnehin schlechte Übertritt in das Gehirngewebe weiter verringert. Die Halbwertszeit wird der Fachinformation zufolge auch durch Salicylate, Phenylbutazon, Indometacin und Sulfinpyrazon unterschiedlich stark verlängert.

Die dritte ist mittelbar: Treten unter der Behandlung Durchfälle auf, kann die Aufnahme anderer geschluckter Arzneimittel gestört und deren Wirkung dadurch beeinträchtigt werden. In diesen Zusammenhang gehört auch der folgende, häufig genannte Punkt.

Weil Benzylpenicillin sich auf die Darmflora auswirkt und Durchfall hervorrufen kann, ist es möglich, dass die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille eingeschränkt wird. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine zusätzliche Verwendung von Diaphragmen oder Kondomen.

Alternative Behandlungsmethoden

Welche Alternative in Betracht kommt, hängt davon ab, warum Penicillin G ausscheidet.

Ist der Erreger unempfindlich, weil er Penicillinase bildet, führt der Weg meist innerhalb der Penicilline weiter. Flucloxacillin etwa ist gegen dieses Enzym beständig und erfasst deshalb auch penicillinasebildende Staphylokokken. Bei gramnegativen Erregern, die Benzylpenicillin ohnehin kaum erreicht, kommen Wirkstoffe mit breiterem Spektrum in Betracht, häufig in fester Verbindung mit einem Hemmstoff bakterieller Enzyme.

Liegt dagegen eine Überempfindlichkeit vor, richtet sich die Wahl nach Krankheitsbild und Begleitumständen. Die Leitlinie zur Behandlung der Syphilis zeigt das Vorgehen beispielhaft: Penicillin gilt dort als Mittel der Wahl in jedem Krankheitsstadium; kann es wegen schwerer allergischer Reaktionen nicht gegeben werden, kommen je nach Stadium und Begleitumständen Doxycyclin oder Ceftriaxon in Betracht. Beim Einsatz von Cephalosporinen ist dieselbe Leitlinie zufolge in vermutlich sehr seltenen Fällen mit einer Kreuzallergie zu den Penicillinen zu rechnen.

Bei schweren Krankheitsbildern, insbesondere bei einer Beteiligung des Nervensystems und bei einer Syphilis in der Schwangerschaft, hält die Leitlinie es für vorzugswürdig, vor dem Ausweichen auf ein Mittel dritter Wahl eine Toleranzinduktion gegenüber Penicillin zu erwägen. Dabei wird der Wirkstoff unter ärztlicher Überwachung in langsam steigenden Schritten zugeführt, bis er vertragen wird. Ein Zusatz zur Leitlinie stellt allerdings klar, dass dieser Weg nur nach sehr sorgfältiger Abwägung und dann in Betracht kommt, wenn eine Alternative wie Ceftriaxon nicht zur Verfügung steht oder als nicht ausreichend wirksam eingeschätzt wird.

Vor jeder dieser Entscheidungen steht die Frage, ob die vermutete Allergie überhaupt besteht. Für die Abklärung einer Überempfindlichkeit gegen Penicilline und andere Betalactam-Antibiotika gibt es eine eigene Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, auf die auch die Syphilis-Leitlinie verweist. Bestätigt sich die Allergie nicht, steht Penicillin G wieder zur Verfügung – ein Ergebnis, das gerade bei Erkrankungen von Vorteil ist, für die es das Mittel der Wahl geblieben ist.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Frank, U.: Antibiotika am Krankenbett.
    ISBN: 9783662583371
  • Ackermann, G. (Hrsg.): Antibiotika und Antimykotika.
    ISBN: 9783804729407
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849

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