Carbidopa

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Carbidopa ist ein Arzneistoff aus der Arzneimittelgruppe der L-DOPA-Decarboxylasehemmer. Das Mittel wird zur Behandlung der Parkinson-Krankheit genutzt und steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Carbidopa?

Carbidopa
Carbidopa ist ein Arzneistoff aus der Arzneimittelgruppe der L-DOPA-Decarboxylasehemmer. Das Mittel wird zur Behandlung der Parkinson-Krankheit genutzt.

Carbidopa ist ein selektiver Decarboxylasehemmer. Decarboxylase-Hemmer sind sogenannte kompetitive Hemmstoffe der DOPA-Decarboxylase. Dabei handelt es sich um ein Enzym, das L-Dopa bereits außerhalb des Gehirns zu Dopamin umwandelt; gehemmt wird diese Umwandlung erst durch den Wirkstoff. L-Dopa, auch Levodopa genannt, ist eine Substanz, die als Vorstufe für Melanin, Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin fungiert.

Entdeckt wurde der Arzneistoff in den 1950er Jahren. 1961, 1963, 1969 und 1971 erfolgte die Patentierung von Merck & Co. Inc. Carbidopa ist in der Regel in Kombination mit dem Arzneistoff Levodopa auf dem Markt erhältlich. Carbidopa wird zusammen mit Levodopa zur Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung eingesetzt.

Als einzelner Wirkstoff ist Carbidopa nicht im Handel. Das deutsche Arzneimittelverzeichnis führt als Fertigarzneimittel mit Carbidopa nur Kombinationspräparate auf: als Zweifachkombination mit Levodopa in Tabletten und Retardtabletten, als Dreifachkombination mit Levodopa und dem COMT-Hemmer Entacapon in Filmtabletten sowie in einem Gel, das über eine Sonde unmittelbar in den Dünndarm abgegeben wird. Die Zweifachkombination liegt in mehreren festen Wirkstärkeverhältnissen vor; die Gebrauchsinformation eines Präparates hält fest, dass sich die verfügbaren Stärken getrennt oder gemeinsam geben lassen, um die im Einzelfall geeignete Menge zu erreichen.

Der Zulassungsrahmen der Kombination reicht über die Parkinson-Krankheit im engeren Sinne hinaus. Die Gebrauchsinformation eines deutschen Präparates nennt als Anwendungsgebiet neben der Parkinsonschen Krankheit auch die symptomatischen Parkinson-Syndrome, also Krankheitserscheinungen, die dem Morbus Parkinson entsprechen, aber in Folge von Vergiftungen, Hirnentzündungen oder arteriosklerotischen Veränderungen der Hirngefäße auftreten. Ausdrücklich ausgenommen ist das medikamentös ausgelöste Parkinson-Syndrom, also Parkinson-ähnliche Beschwerden, die durch andere Arzneimittel hervorgerufen werden. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die Kombination nicht bestimmt.

Pharmakologische Wirkung

Carbidopa hemmt selektiv die Decarboxylase. Dadurch verhindert der Arzneistoff in der Peripherie die Umwandlung von L-DOPA zu Dopamin. Da Carbidopa die Blut-Hirn-Schranke nicht durchbrechen kann, bleibt die Umwandlung von L-DOPA zu Dopamin im Gehirn von dem Vorgang unbeeinträchtigt.

Der Nutzen dieser Hemmung liegt in der Mengenverteilung: Ohne einen Decarboxylasehemmer wird der weitaus größte Teil des zugeführten L-DOPA bereits außerhalb des Gehirns umgewandelt und steht dort, wo er wirken soll, nicht mehr zur Verfügung. Carbidopa verschiebt dieses Verhältnis, ohne selbst in das Gehirn zu gelangen, und lässt die Umwandlung dort unbeeinträchtigt. Deshalb genügt bei der Kombination eine geringere Menge Levodopa als bei der alleinigen Gabe.

Aus dieser Arbeitsteilung folgt eine Eigenart, die für das Verständnis des Wirkstoffs wesentlich ist: Fast alles, was über die Wirkung und die unerwünschten Wirkungen der Kombination bekannt ist, betrifft das Zusammenspiel beider Bestandteile. Die eigentliche therapeutische Wirkung am Gehirn geht vom Levodopa aus; Carbidopa bestimmt, wie viel davon dort ankommt. Aussagen über Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen beziehen sich deshalb in aller Regel auf das Kombinationspräparat und nicht auf den Decarboxylasehemmer allein. Auch die Aufnahme des Wirkstoffpaares aus dem Magen-Darm-Kanal ist ein gemeinsamer Vorgang: Levodopa und bestimmte Aminosäuren aus der Nahrung behindern einander, sodass eine eiweißreiche Mahlzeit die Aufnahme des Levodopa beeinträchtigen kann.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Carbidopa kommt zur Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung zum Einsatz. Der Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die langsam fortschreitet. Charakteristisch ist das Absterben der Nervenzellen in der Substantia nigra im Mittelhirn, die Dopamin produzieren. Somit kommt es zu einem Mangel an dem Botenstoff Dopamin und letztendlich auch zu einer Verminderung der aktivierenden Wirkung der Basalganglien auf die Rinde des Großhirns. Leitsymptome des Morbus Parkinson sind Muskelstarre (Rigor), verlangsamte Bewegungen, Muskelzittern, Bewegungslosigkeit und Haltungsinstabilitäten.

Die Behandlung des Morbus Parkinson erfolgt in der Regel mit L-DOPA-Präparaten. L-DOPA ist eine Vorstufe in der Biosynthese des Dopamins. Nach Passieren der Blut-Hirn-Schranke wird L-DOPA im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt. Dieses entwickelt die gewünschte pharmakologische Wirkung und führt zu einer Linderung der Symptome. Somit gehört Levodopa zu den sogenannten Prodrugs.

Damit die Substanz aber nicht schon in der Peripherie umgewandelt wird, wird der L-DOPA-Decarboxylasehemmer Carbidopa eingesetzt. Ohne die Hemmung der Decarboxylierung in der Peripherie durch Carbidopa würden 95 Prozent des verabreichten L-DOPAs bereits außerhalb des Gehirns verstoffwechselt werden. Durch die zusätzliche Gabe von Carbidopa kann die Dosis von L-DOPA verringert werden. Damit gibt es auch weniger Nebenwirkungen. Patienten, die eine Kombination aus L-DOPA und Carbidopa erhalten, leiden seltener unter Nykturie, Tachykardie oder unter orthostatischen Dysregulationen.


Risiken & Nebenwirkungen

Doch Nebenwirkungen können auch unter der Kombination aus Levodopa und Carbidopa entstehen. So kann es beispielsweise zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch Schizophrenie-ähnliche Symptome werden beobachtet. Hier kann zwischen Positiv- und Negativsymptomatiken unterschieden werden. Unter der dopaminergen Behandlung stehen dabei die Positivsymptome im Vordergrund. Die Positivsymptome kommen quasi zusätzlich zur normalen Persönlichkeit vor. Dazu gehören Wahn, Denkstörungen und Ich-Störungen. Negativsymptome betreffen den Antrieb, die Psychomotorik, das Denken und den Affekt. Es entwickelt sich eine Affektverarmung. Die emotionale Erlebnisfähigkeit ist herabgesetzt. Die Psychomotorik der Betroffenen ist vermindert. Die Mimik und Gestik der Patienten wirkt starr. Auch der Antrieb ist vermindert. Das Denken ist leer, einfallslos und verarmt. Häufig werden diese Symptome durch kognitive Einschränkungen ergänzt.

Neben den Schizophrenie-ähnlichen Symptomen können die Betroffenen auch verwirrt sein oder Albträume aufweisen. Auch Schlafstörungen können akut auftreten. Bei einer Dauermedikation kann sich eine Akinesie entwickeln. Eine Akinesie ist eine pathologische Bewegungslosigkeit. Dieses Phänomen wird beim Morbus Parkinson auch als End-of-dose-Akinese bezeichnet. Hier tritt die Bewegungsminderung am Ende der Wirkungsdauer einer eingenommenen Dosis des Parkinson-Medikaments auf.

Eine weitere Nebenwirkung der Dauermedikation mit der Wirkstoffkombination ist das sogenannte Freezing. Der Begriff Freezing bezeichnet in der Neurologie plötzliche Bewegungsblockaden. Die Patienten erstarren inmitten der Bewegung und können sich nicht mehr rühren. Ferner kann es zu paroxysmalen On/Off-Phänomenen kommen. Das On/Off-Phänomen ist durch plötzliche Wechsel von guter Beweglichkeit zur absoluten Unbeweglichkeit charakterisiert. Die Phänomene können Minuten bis Stunden dauern. Die genaue Ursache konnte noch nicht geklärt werden.

Ferner können sich bei dauerhafter Einnahme der Wirkstoffkombination Hyperkinesen und Dyskinesien entwickeln. Bei der Hyperkinese ist die Beweglichkeit pathologisch gesteigert. Dies äußert sich in Form von unwillkürlichen, plötzlichen und unvorhersehbaren Bewegungen des Gesichts, des Rumpfes, des Halses oder der Extremitäten. Auch die Dyskinesie ist eine Störung des normalen Bewegungsablaufs. Beim Morbus Parkinson treten Dyskinesien als ungewollte Überbewegungen in Erscheinung.

Vorsicht ist bei der Kombination von Levodopa und Carbidopa mit trizyklischen Antidepressiva geboten. In seltenen Fällen wurde dabei über einen Anstieg des Blutdrucks und über Bewegungsstörungen berichtet. Ebenso kann sich bei einer Kombination mit nicht selektiven Arzneistoffen aus der Wirkstoffgruppe der MAO-Hemmer ein krisenhafter Blutdruckanstieg entwickeln.

Es ist zu beachten, dass Metoclopramid zwar die Magenentleerung beschleunigt, die therapeutische Wirkung von Carbidopa und Levodopa aber abschwächt; von der gleichzeitigen Gabe wird abgeraten. Die gleichzeitige Einnahme einer eiweißreichen Mahlzeit kann die Wirkung des Kombinationspräparates vermindern. Dasselbe gilt für die gleichzeitige Anwendung von Eisenpräparaten. Eisenpräparate sollten deshalb getrennt und mit möglichst großem zeitlichem Abstand zur Wirkstoffkombination eingenommen werden.

Kontraindikationen

Die Gebrauchsinformation eines deutschen Kombinationspräparates aus Levodopa und Carbidopa nennt vier Umstände, unter denen das Arzneimittel nicht eingenommen werden darf. Der erste ist eine bekannte Allergie gegen einen der beiden Wirkstoffe oder gegen einen der sonstigen Bestandteile. Der zweite ist die gleichzeitige Einnahme nichtselektiver MAO-Hemmer; diese müssen vor dem Beginn der Behandlung abgesetzt werden. Selektive MAO-B-Hemmer wie Selegilin in niedriger Dosierung sind davon ausgenommen und dürfen zusammen mit der Kombination gegeben werden.

Der dritte Ausschlussgrund betrifft die Haut: Bei verdächtigen, nicht abgeklärten Hautveränderungen oder einem in der Vorgeschichte bekannten Melanom darf das Präparat nicht angewendet werden, weil Levodopa ein malignes Melanom aktivieren kann. Der vierte ist das Engwinkelglaukom, eine Form des grünen Stars. Diese vier Punkte sind echte Gegenanzeigen und damit von den Vorsichtsmaßnahmen zu unterscheiden, die lediglich eine Rücksprache mit dem Arzt verlangen.

Zu diesen Vorsichtsmaßnahmen zählt eine längere Liste von Vorerkrankungen: schwere Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, Bronchialasthma, Nieren-, Leber- und Hormonerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder ein Phäochromozytom, ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Krampfanfälle in der Vorgeschichte, ein zu schneller Herzschlag, schwere Störungen des blutbildenden Systems sowie bestimmte psychische Erkrankungen. Hinzu kommen alle Zustände, bei denen Sympathomimetika nicht gegeben werden dürfen.

Wie die Schwangerschaft einzuordnen ist, hängt vom Präparat ab: Die Gebrauchsinformation des hier zugrunde gelegten Präparates verlangt eine sorgfältige ärztliche Abwägung, andere deutsche Fachinformationen führen die Schwangerschaft dagegen ausdrücklich unter den Gegenanzeigen. Für die Stillzeit ist die Lage eindeutiger: Das Präparat hemmt die Bildung der Muttermilch; ist eine Behandlung erforderlich, muss abgestillt werden.

Warnhinweise und Überwachung

Die Behandlung verlangt regelmäßige Kontrollen. Die Gebrauchsinformation nennt Untersuchungen der Leber-, Herz-, Kreislauf- und Nierenfunktion sowie des Blutbildes. Bei Patienten mit einem Herzinfarkt in der Krankengeschichte, mit Herzrhythmusstörungen oder mit Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße kommen regelmäßige Kreislauf- und EKG-Kontrollen hinzu, bei einem bestehenden grünen Star Kontrollen des Augeninnendrucks.

Eine eigene Warnung gilt der Haut. Parkinson-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, ein malignes Melanom zu entwickeln; deshalb sollen Betroffene und ihre Angehörigen die Haut während der Behandlung häufig und regelmäßig auf Anzeichen eines Melanoms untersuchen, im Idealfall ergänzt durch regelmäßige Untersuchungen beim Hautarzt.

Die schwerwiegendste Warnung betrifft das Absetzen. Nach langjähriger Behandlung kann ein plötzliches Absetzen oder eine plötzliche Verringerung der Menge zu Levodopa-Entzugserscheinungen führen, die als malignes Levodopa-Entzugssyndrom oder als malignes neuroleptisches Syndrom bezeichnet werden. Kennzeichen sind sehr hohes Fieber, Muskelsteife, seelische Auffälligkeiten oder eine vollständige Bewegungsstarre. Beide Zustände sind lebensbedrohlich und erfordern sofortige ärztliche Hilfe.

Ein weiterer Punkt betrifft das Verhalten. Unter der Behandlung können Impulskontrollstörungen auftreten – ein Drang, dem die Betroffenen nicht widerstehen können und der ihnen selbst oder anderen schadet. Die Gebrauchsinformation nennt Spielsucht ohne Rücksicht auf persönliche oder familiäre Folgen, ein verändertes oder verstärktes sexuelles Interesse, unkontrolliertes Einkaufen oder Geldausgeben sowie Essattacken und zwanghaftes Essen. Davon zu unterscheiden ist das Dopamin-Dysregulationssyndrom: ein starkes Verlangen nach Mengen, die weit über das hinausgehen, was zur Beherrschung der Bewegungsstörungen nötig wäre. Seine Häufigkeit lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen.

Schließlich kann die Behandlung müde machen und in sehr seltenen Fällen zu übermäßiger Tagesmüdigkeit und plötzlich auftretenden Schlafattacken führen. Wer davon betroffen ist, darf kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Ein äußerlich auffälliger Nebeneffekt ist die Ausscheidung der Wirkstoffe über Urin, Speichel und Schweiß: Sie kann in der Kleidung Flecken verursachen, die sich nach dem Antrocknen nicht mehr entfernen lassen.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Gebrauchsinformation ordnet die unerwünschten Wirkungen nach Häufigkeitskategorien. Als die häufigsten überhaupt nennt sie Dyskinesien und Übelkeit. Sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Harnwegsinfektionen auf.

Häufig sind Appetitlosigkeit, Verwirrtheit, depressive Verstimmungen unter Umständen mit Selbstmordgedanken, Albträume und Halluzinationen; ferner On-off-Phänomene, Schwindel, Missempfindungen wie Kribbeln oder Einschlafen der Glieder und Schläfrigkeit einschließlich der sehr selten auftretenden Schlafattacken. Hinzu kommen orthostatische Regulationsstörungen mit Blutdruckabfall beim Wechsel der Körperlage, Atemnot, Durchfall, Erbrechen und Brustschmerzen.

Gelegentlich kommen Aufgeregtheit, Ohnmacht, Herzklopfen und Nesselsucht vor. Selten sind Demenz und psychotische Zustandsbilder wie Wahnideen und paranoide Gedankenbildung, Blutbildungsstörungen wie Agranulozytose, Leukopenie, Anämie und Thrombozytopenie, Krampfanfälle, das maligne neuroleptische Syndrom, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck, eine Venenentzündung, Haarausfall, ein Angioödem, Hautjucken und Hautausschläge sowie die Entstehung eines Zwölffingerdarmgeschwürs und Magen-Darm-Blutungen. Ebenfalls in die Kategorie „selten“ fallen dunkler Speichel, dunkler Schweiß und dunkler Urin.

Für Levodopa oder die Kombination aus Levodopa und Carbidopa sind darüber hinaus ohne Häufigkeitsangabe unter anderem Gewichtszunahme und Gewichtsverlust, Angst, Zähneknirschen, Orientierungsstörungen, Schlaflosigkeit, gestörte Bewegungskoordination, ein bitterer Geschmack, verminderte geistige Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, verstärktes Zittern der Hände, Lidkrämpfe, Verschwommensehen, Doppeltsehen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schluckstörungen, Blähungen, vermehrtes Schwitzen, Muskelkrämpfe, Harnverhalten, unfreiwilliger Harnabgang und eine schmerzhafte Dauererektion berichtet worden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Die therapeutische Wirkung der Kombination kann durch mehrere Arzneimittelgruppen eingeschränkt werden. Die Gebrauchsinformation nennt antipsychotisch wirksame Mittel wie Phenothiazine, Butyrophenone und Risperidon sowie Isoniazid, Phenytoin, Papaverin und Opioide. Von der gemeinsamen Anwendung mit Arzneimitteln, die den Dopaminbestand vermindern – etwa Tetrabenazin oder Reserpin –, wird abgeraten.

Wird ein Mittel gegen Übelkeit benötigt, kommt Domperidon in Betracht; von Metoclopramid rät die Gebrauchsinformation an dieser Stelle ausdrücklich ab.

Eisensulfat- und Eisengluconat-haltige Arzneimittel vermindern die Aufnahme der Wirkstoffe aus dem Magen-Darm-Kanal. Unter der Kombination mit Selegilin kann ein massiv verstärkter Blutdruckabfall beim Aufstehen auftreten; bei gleichzeitiger Gabe von blutdrucksenkenden Mitteln, insbesondere reserpinhaltigen Präparaten, ist derselbe Effekt beschrieben, sodass deren Menge zu Beginn der Behandlung angepasst werden muss. Umgekehrt kann die Kombination die Wirkung von Sympathomimetika verstärken. Vor einer Narkose mit Halothan, Cyclopropan und anderen Stoffen, die das Herz gegenüber sympathomimetischen Aminen empfindlich machen, muss das Präparat rechtzeitig abgesetzt werden, sofern nicht gleichzeitig Opioide angewendet werden. Vitamin B6 (Pyridoxin) beeinträchtigt die Wirkung in niedrigen Mengen nicht.

Nicht zu übersehen ist der Einfluss auf Laboruntersuchungen. Gestört sein können unter anderem die Bestimmung von Katecholaminen, Kreatinin, Harnsäure, Glukose, alkalischer Phosphatase, Bilirubin und Blutharnstoff. Beschrieben sind außerdem ein falsch-positiver Ketonnachweis mit Teststreifen, ein falsch-negativer Harnzuckernachweis bei der Glukose-Oxidase-Methode und ein falsch-positiver Coombs-Test.

Alternative Behandlungsmethoden

Carbidopa ist nicht der einzige Decarboxylasehemmer. Dieselbe Aufgabe erfüllt Benserazid, das in Deutschland ebenfalls in fester Kombination mit Levodopa erhältlich ist; beide Stoffe wirken nach demselben Prinzip und werden ähnlich eingesetzt. Innerhalb der Kombinationstherapie lässt sich die Wirkdauer des Levodopa zusätzlich durch einen COMT-Hemmer wie Entacapon verlängern, der als dritter Bestandteil in einer festen Dreifachkombination enthalten ist.

Jenseits der Levodopa-Therapie steht eine Reihe weiterer Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die an anderer Stelle im Dopaminstoffwechsel ansetzen: Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer und Amantadin. Die Gebrauchsinformation hält ausdrücklich fest, dass sich die Kombination aus Levodopa und Carbidopa mit allen bekannten Parkinsonmitteln verbinden lässt; wird ein weiteres Mittel hinzugenommen, kann jedoch eine Anpassung der bisherigen Menge nötig werden. Welcher Weg im Einzelfall gewählt wird, hängt vom Alter, vom Krankheitsstadium und von den Begleiterkrankungen ab und ist eine ärztliche Entscheidung.

Ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass sich die Beweglichkeit mit Tabletten nicht mehr gleichmäßig halten lässt, steht die Abgabe eines Levodopa-Carbidopa-Gels über eine Sonde unmittelbar in den Dünndarm zur Verfügung.


Quellen

  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Diener, H.-C., Gerloff, C., Dieterich, M., Endres, M. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
    ISBN: 9783170399662
  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430358
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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