Duktales Karzinom in situ

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das duktale Karzinom in situ, kurz DCIS, ist eine sehr früh entdeckte Brustkrebsform – genauer: eine Krebsvorstufe. Die Zellen sind zwar bösartig verändert, der Tumor ist aber noch auf die Milchgänge beschränkt, hat deren Wand nicht durchbrochen und kann deshalb keine Metastasen bilden. Daher ist das duktale Karzinom in situ sehr gut heilbar und weist eine hervorragende Prognose auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das duktale Karzinom in situ?

Knoten in Brust
Nicht alle Knoten in der Brust deuten auf Brustkrebs hin. Dennoch sollten sie in der Mammographie abgeklärt werden.

Das duktale Karzinom in situ ist keine echte Brustkrebserkrankung, sondern die Vorstufe des Mammakarzinoms. Da das DCIS die Trennungsschicht zum umgebenden Gewebe – die Basalmembran – nicht durchbrochen hat, wächst der betroffene Bereich nicht in die Umgebung ein und kann auch keine Metastasen bilden.

Man findet das duktale Karzinom in situ zumeist in den Milchgängen. Diese können vollständig oder teilweise mit den atypischen Zellen ausgekleidet sein, die Gewebeveränderung kann an einer oder mehreren Stellen der Brust auftreten.

In seltenen Fällen hat sich der Tumor aber doch auf das benachbarte Gewebe ausgeweitet, man spricht dann von einem invasiven Wachstum. Insbesondere DCIS-Herde mit einer Größe über 2cm weisen häufig invasive Bereiche auf, die jedoch so klein bleiben, dass sie nur bei minuziöser histologischer Aufbereitung gefunden werden können.

Ursachen

Die genauen Ursachen des duktalen Karzinoms in situ konnten bisher nicht erschöpfend wissenschaftlich geklärt werden. Man konnte, wie bei Mammakarzinomen, spontane Erkrankungsfälle beobachten, bei denen keine medizinische Ursache ausgemacht werden konnte. Es scheinen jedoch die Risikofaktoren vorzuliegen, die als begünstigend für das Mammakarzinom bekannt sind.

Diese sind:

  • das frühe Einsetzen der Periode und das späte Eintreten der Menopause,
  • eine dauerhaft ungesunde, fettlastige Ernährung,
  • und die langjährige Einnahme weiblicher Sexualhormone.

Insbesondere die Einnahme der Pille und Hormonersatztherapien gegen Wechseljahresbeschwerden erhöhen das Brustkrebsrisiko, wenngleich geringfügig. Zwar spricht man heute häufiger von genetischer Veranlagung, aber nur bei 5 bis 10% der Betroffenen konnte eine genetische Komponente festgestellt werden. Ein Gentest für Frauen in Risikogruppen ist dennoch empfehlenswert.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da es sich bei dieser Erkrankung um einen Tumor handelt, ist sie immer mit den gewöhnlichen Beschwerden und Risiken einer Tumorerkrankung verbunden. Häufig kann dabei auch keine frühzeitige Behandlung erfolgen, da die Krankheit nicht mit bestimmten Symptomen und Beschwerden verbunden ist. Nur in sehr wenigen Fällen kann es dabei zu Schmerzen in der Brust kommen, sodass es erst zu einer späten Behandlung kommt. In aller Regel ist ein duktales Karzinom in situ weder tastbar noch spürbar: Es fällt fast immer durch feinste Kalkablagerungen – sogenannte Mikroverkalkungen – auf, die in der Mammographie sichtbar werden.

Aus der Brustwarze selbst kann dabei auch ein dunkles Sekret austreten, welches auf die Erkrankung hindeutet. Die weiteren Beschwerden hängen dabei allerdings stark von der Ausprägung des Tumors ab, sodass eine allgemeine Voraussage nicht möglich ist. Bleibt ein duktales Karzinom in situ unbehandelt, kann es im Lauf der Jahre die Wand des Milchgangs durchbrechen und in ein invasives Karzinom übergehen; erst dieses kann sich in andere Regionen des Körpers ausbreiten und Metastasen bilden.

Dadurch wird die Lebenserwartung des Betroffenen deutlich verringert und eingeschränkt. Es kommt zu einer starken Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Betroffenen, wobei auch die Belastbarkeit deutlich sinkt. Metastasen eines invasiven Mammakarzinoms siedeln sich vor allem in Knochen, Lunge, Leber und Gehirn an. Dabei treten auch starke psychische Beschwerden auf, sodass viele Betroffene und ihre Angehörigen an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen leiden.

Diagnose & Verlauf

Da das duktale Karzinom in situ nur selten mit Symptomen wie Schmerzen in der Brust, tastbaren Tumoren oder einer blutigen Sekretion aus der Brustwarze auftritt, ist die frühzeitige Diagnose schwer. In der Regel wird das DCIS erst bei einer Mammografie entdeckt, und zwar anhand charakteristischer Mikroverkalkungen. Zur genaueren Diagnostik entnimmt der Radiologe kleine Gewebeproben, die von einem Pathologen analysiert werden.

Um die Aggressivität des Tumors festzustellen, nutzt man ein dreigradiges WHO-Schema. Je höher der Kerngrad ist, desto aggressiver ist der Tumor und desto unsicherer und riskanter der Verlauf. Grundsätzlich können sich duktale Karzinome in situ zu echten Karzinomen entwickeln, sie müssen es aber nicht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Schmerzen in der Brust bemerkt werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein duktales Karzinom in situ tritt zwar nur selten mit eindeutigen Symptomen auf, Beschwerden im Bereich der Brüste sind aber in jedem Fall abzuklären.

Wird die Geschwulst während einer Routine-Untersuchung erkannt, ist eine Behandlung zu empfehlen. Betroffene Frauen sollten hierzu einen Experten konsultieren. Der Mediziner kann dann anhand des Schweregrads des duktalen Karzinoms in situ eine individuelle Behandlung festlegen, bei der Strahlenbelastung und Operationsrisiken möglichst gering ausfallen.

Nach erfolgreicher Entfernung der Geschwulst sollte regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Sollten sich Blutungen oder ernste Nachwirkungen der Strahlentherapie einstellen, ist ein Arztbesuch angezeigt. Bei Anzeichen eines Brusttumors sollte zeitnah die Klinik aufgesucht werden, damit die Vermutung ausgeräumt bzw. bei einem Karzinom direkt die notwendigen Schritte eingeleitet werden können. Da eine ernste Erkrankung die Betroffenen unter Umständen auch seelisch belastet, empfiehlt sich begleitend zur ärztlichen Behandlung auch eine therapeutischer Beratung.

Komplikationen

Bei dem duktalen Carcinoma in situ handelt es sich um ein relativ oft vorkommendes nicht-invasives Frühkarzinom der weiblichen Brust. Die Gewebeveränderung tritt zumeist in den Milchgängen auf und belässt die Basalmembran intakt; eben deshalb kann sie nicht streuen. Bei rechtzeitig eingeleiteten Maßnahmen besitzt das duktale Carcinoma in situ ausgezeichnete Heilungschancen.

Werden die Gewebeveränderungen jedoch nicht rechtzeitig festgestellt oder ignoriert, kann das Karzinom wachsen und sich als Komplikationsfolge innerhalb weniger Jahre negativ entwickeln. Haben die Wucherungen bereits eine variable Gestalt angenommen, wachsen sie und weiten sich sogar bis auf die Lymphknoten aus. Haut und Brustwarze verändern sich dabei und teilweise bildet sich eine zentrale Nekrose. Im Härtefall muss die Brust amputiert werden.

Daher ist bei eventuellem Verdacht oder Befall ein regelmäßig in Anspruch genommenes Mammographie-Screening ausgesprochen wichtig. Ferner werden, um das Komplikationsrisiko einer bösartigen Krebsstufe niedrig zu halten, operative Maßnahmen zügig anvisiert. Hierbei wird das duktale Carcinoma in situ mit ausreichend Sicherheitsabstand entfernt.

Die Operation wird im Allgemeinen gut vertragen. Teilweise wird nach dem Eingriff eine antihormonelle Therapie empfohlen. Eine Chemotherapie ist beim duktalen Karzinom in situ dagegen nicht erforderlich, da der Tumor nicht streuen kann. Je nach Verfassung und Akzeptanz der Erkrankung reagieren Betroffene mit psychischen und physischen Problemen, die im Rahmen der ganzheitlichen Diagnostik berücksichtigt und mit in den Therapieplan fließen.

Behandlung & Therapie

Mediziner raten den vom duktalen Karzinom in situ betroffenen Frauen grundsätzlich zur Behandlung, um das Risiko einer Entwicklung zum echten Karzinom auszuschließen. Die moderne Forschung bezweifelt die Richtigkeit dieses Vorgehens, insbesondere wegen der Strahlenbelastung und den Operationsrisiken, und schlägt eine regelmäßige Beobachtung vor. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass längst nicht jedes duktale Karzinom in situ im Lauf des Lebens in ein invasives Karzinom übergegangen wäre; ein Teil der Frauen wird also behandelt, ohne je daran erkrankt zu sein – Fachleute sprechen von Überdiagnose. Solange dafür keine verlässlichen Unterscheidungsmerkmale vorliegen, bleibt die Entfernung außerhalb von Studien jedoch der empfohlene Standard.

Entscheidet sich die Patientin für eine Behandlung, so sollte sie diese unbedingt von einem Experten durchführen lassen. Nur dieser kann die individuell richtige Behandlung festlegen, die sich unter anderem am Schwergrad des duktalen Karzinoms in situ orientierten muss.

Die Standardtherapie ist die operative Entfernung des befallenen Gewebes. Diese erfolgt mit fünf bis zehn Millimetern Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe. Normalerweise ist die Erhaltung der Brust möglich, je nach Ausweitung und Größe des Tumors kann aber die Entfernung der gesamten Brustdrüse nötig werden. Im Gegensatz zu Brustkrebsoperationen können die Achsellymphknoten zumeist belassen werden.

Ein Heilungsvorteil durch eine Chemotherapie konnte für das duktale Karzinom in situ nicht nachgewiesen werden; sie gehört deshalb nicht zur Behandlung. Die postoperative Bestrahlung ist dagegen nach brusterhaltender Operation fester Therapiebestandteil, weil sie das Rückfallrisiko deutlich senkt. Nach einer eingehenden individuellen Risikoabwägung können sich Arzt und Patientin zudem für die antihormonelle Therapie entscheiden, sofern der Befund Hormonrezeptoren trägt. Diese erfolgt meist mit Tamoxifen, dessen wichtigste Nebenwirkungen das Ausbleiben der Periode, Hitzewallungen, Übelkeit und Kopf- und Knochenschmerzen sind.

Wurde das duktale Karzinom in situ vollständig entfernt, so ist die Prognose als sehr gut zu bezeichnen.

Aussicht & Prognose

Das duktale Karzinom in situ hat eine gute Prognose. Die Brustkrebsform wird im Anfangsstadium entdeckt und kann mit den derzeitigen medizinischen Möglichkeiten gut behandelt sowie therapiert werden. In einem operativen Eingriff werden die Gewebeveränderungen vollständig entfernt. Da es bei dieser Form des Karzinoms zu keiner Bildung von Metastasen kommt, gilt die Patientin im Normalfall nach der Operation als geheilt. Ein erhöhtes Risiko, später in derselben oder in der anderen Brust erneut einen Tumor zu entwickeln, bleibt allerdings bestehen – deshalb ist die Nachsorge wichtig.

In den meisten Fällen kommt es jedoch vorsorglich zu einer Krebsnachsorge. Eine Bestrahlung und gegebenenfalls eine antihormonelle Therapie werden angesetzt, die eine Ausbildung weiterer Karzinome unterbinden sollen. Diese Therapieformen sind mit Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen verbunden. Die Lebensqualität kann in der Zeit der Behandlung herabgesetzt sein. Nach dem Abschluss der Therapie benötigt die Patientin unter Umständen mehrere Monate, bis sie sich vollständig erholt hat und ihren Alltag wieder unbeschwert gestalten kann.

Das duktale Karzinom in situ kann sich trotz der Krebsnachsorge jederzeit erneut ausbilden. Die Prognose ist auch bei einer Wiederkehr gut. Problematisch wird der Heilungsweg für Patienten, die durch das duktale Karzinom in situ an einer psychischen Störung erkranken. Bei einer Angststörung oder Depression kann es zu einer weiteren verminderten Lebensqualität kommen. Die Prognose des duktalen Karzinoms in situ ist davon dennoch unberührt.


Vorbeugung

Außer der Vermeidung von Risikofaktoren des DCIS können Frauen aufgrund der unzureichenden Forschung derzeit keine präventiven Maßnahmen ergreifen. Möglich ist aber die Früherkennung: Zum Mammographie-Screening werden in Deutschland Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eingeladen – dabei wird der weitaus größte Teil der duktalen Karzinome in situ überhaupt erst entdeckt.

Nachsorge

Eine gute und qualitativ hochwertige Nachsorge durch einen Arzt ist für das duktale Karzinom in situ sehr wichtig, es gilt Rezidive oder auch Metastasen rechtzeitig zu erkennen und auch zu behandeln. Hierfür wird die Patientin in den ersten drei Jahren nach der Therapie alle drei Monate einbestellt und zu ihrer aktuellen Situation befragt.

Die Brust wird klinisch untersucht, auch Blutanalysen und bildgebende Verfahren finden hier Anwendung. Die Untersuchung der kontralateralen Brust ist ebenfalls notwendig, auch Tumore anderer Organe müssen ausgeschlossen werden. Zudem muss die Patientin sich regelmäßig selbst untersuchen und bei Auffälligkeiten sich bei ihrem Gynäkologen vorstellen.

Dadurch wird eine Verbesserung der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit nach der Therapie gewährleistet. Zudem müssen die möglichen Nebenwirkungen der Behandlung engmaschig überwacht und auch therapiert werden. Es ist ebenfalls hilfreich, geeigneten Selbsthilfegruppen beizutreten, um sich in der Gemeinschaft auszutauschen und zu helfen.

Ein sehr wichtiges Ziel ist eine gesunde Lebensweise, hierzu gehören eine Gewichtsreduktion, Alkohol- und Nikotinkarenz sowie regelmäßige körperliche Bewegung. Außerdem gilt es, Stress abzubauen, hierfür kann eine psychosoziale Beratung hilfreich sein. Insgesamt ist die Prognose für das duktale Karzinom in situ sehr gut, da es durch einen operativen Eingriff vollständig therapiert werden kann, dennoch sollten Patientinnen aufmerksam bleiben und sich eine gesunde Lebensweise aneignen.

Das können Sie selbst tun

Das duktale Karzinom in situ ist eine Krebsvorstufe, die zumeist ohne schwere Komplikationen heilbar ist. Um den Prozess der Heilung positiv zu unterstützen, stehen dem Patienten zahlreiche Selbsthilfe-Optionen zur Verfügung.

Das duktale Karzinom in situ kann durch seine Beschaffenheit nicht streuen; wie aufwendig die Behandlung ausfällt, hängt aber von der körperlichen Verfassung, den angewandten operativen Maßnahmen und dem Alter der Betroffenen ab. Je nachdem, welchen Grad die Erkrankung besitzt, sollte die Patientin als erste Selbsthilfemaßnahme ihre Lebensgewohnheiten ändern. Dazu gehört eine vitaminreiche fettarme Kost, der Verzicht auf Zucker, Alkohol, Zigaretten und Drogen sowie die Vermeidung von Stress und extremer körperlicher Belastung.

Während der Strahlentherapie sowie der anschließenden medikamentösen Antihormongabe ist es ratsam, seinen Alltag in Ruhe zu bewältigen. Bei stark eingeschränktem Zustand bekommt der Patient Hilfeleistungen gestellt. Therapeutische Maßnahmen und Selbsthilfegruppen können die Gefahr einer Depression durch eventuelle Schmerzen mildern und sogar vermeiden.

Eine künstlerische Beschäftigung im Rahmen der Selbsthilfe oder einer Rehabilitation ist ebenfalls eine große Unterstützung. Leichte körperliche Tätigkeiten wie Spazierengehen, Yoga und Meditation zur Bewältigung der Krankheit können neue Lebensenergie und Stärke freisetzen.

Auch nach positivem Behandlungsverlauf sollte eine gesunde Lebensweise beibehalten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen in Anspruch genommen werden.

Quellen

  • Kreienberg, R. (Hrsg.): Mammakarzinom, interdisziplinär.
    ISBN: 9783642126802
  • Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
    ISBN: 9783642209222
  • Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
    ISBN: 9783437239175
  • Ulrich, U. A. (Hrsg.): Gynäkologische Onkologie.
    ISBN: 9783110612615
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473

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