Endoskopische transthorakale Sympathektomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Endoskopische transthorakale Sympathektomie
Als endoskopische transthorakale Sympathektomie wird ein Operationsverfahren zur Behandlung von Hyperhidrose bezeichnet. Dabei erfolgt die Durchtrennung von Ganglien, die dem sympathischen Nervensystem angehören.
Was ist die Endoskopische transthorakale Sympathektomie?
Die endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS) ist eine minimal-invasive Operationsmethode, die zur Therapie von übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose) zur Anwendung kommt. Des Weiteren lassen sich periphere Durchblutungsstörungen mit diesem chirurgischen Verfahren behandeln.
Das sympathische Nervensystem bildet einen Teil des vegetativen Nervensystems. Vom ihm werden u. a. Signale an die Blutgefäße und Schweißdrüsen ausgesandt, die der peripheren Zirkulation der menschlichen Körperoberfläche angehören.
Der Ursprung der zuständigen Nervenfasern liegt innerhalb von kleinen Ansammlungen von Nervenzellen. Diese tragen die Bezeichnung Ganglien und sind an der Wirbelsäule entlang angeordnet. Von der Ganglienkette wird der sympathische Grenzstrang gebildet. Dessen Verlauf erstreckt sich von den Wirbelkörpern am Hals bis in Richtung Lendenwirbelsäule.
Durch eine Durchtrennung der Nervenknoten ist es möglich, bestimmte Formen der Hyperhidrose, bei der es zu übermäßigem Schwitzen kommt, erfolgreich zu beheben. Während in früheren Zeiten vorwiegend größere chirurgische Eingriffe mit entsprechenden Operationsrisiken zu diesem Zweck nötig waren, gilt heutzutage die endoskopische transthorakale Sympathektomie als das schonendste operative Verfahren dieser Art. So hat sie die klassische Sympathektomie, bei der ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich war, mittlerweile weitgehend ersetzt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Methode wurde in den letzten Jahren stetig verbessert und beendet in den meisten Fällen die übermäßigen Schweißausbrüche an den behandelten Körperstellen. Besonders Menschen, die unter einer Kombination aus Hand- und Fußschweiß leiden, können durch die Operation auch auf eine Besserung des Fußschweißes hoffen. Dagegen eignet sich die endoskopische transthorakale Sympathektomie nicht zur Behandlung von isoliertem Fußschweiß. Dessen operative Therapie erfolgt gegebenenfalls durch eine lumbale Sympathektomie im Bauchraum.
Durch die endoskopische transthorakale Sympathektomie ist es möglich, an die Ganglien, die sich im Brustraum befinden, ohne größere Risiken heranzukommen. Die Ganglien sind für das Absondern des Schweißes im Gesicht, den Händen und den Achseln verantwortlich. Auch bei Achselhöhlenschweiß sind gute Operationsresultate beschrieben; am zuverlässigsten spricht jedoch der Handschweiß auf den Eingriff an. Bei den meisten Patienten ist eine Besserung ihres Zustandes durch die ETS zu erwarten.
Zu Beginn der endoskopischen transthorakalen Sympathektomie erhält der Patient eine Vollnarkose. Damit möglichst wenig sichtbare Narben zurückbleiben, legt der Operateur den Zugang durch einen kleinen Hautschnitt in der Achselhöhlenregion an. Zur Einführung des Operationsendoskops wird außerdem im Vorfeld eine kleine Menge Kohlendioxid in die Brusthöhle des Patienten eingebracht. Mithilfe des speziellen Endoskops, welches eigens für diese Operationsmethode entwickelt wurde, ist der Arzt in der Lage, die entsprechenden Nervenganglien zu identifizieren.
Diese werden mit Hochfrequenzstrom durchtrennt oder unterbrochen. Im Anschluss folgt das Absaugen des Kohlendioxids. Die Wunde wird mit Nahtmaterial, das sich resorbieren lässt, wieder verschlossen. Die gleiche Prozedur führt der Chirurg danach auf der anderen Seite der Brust durch. Die ganze Operation nimmt auf beiden Körperseiten nicht mehr als 30 Minuten in Anspruch. In der Regel darf der Patient die Klinik bereits nach wenigen Tagen verlassen und seine gewohnten Tätigkeiten wieder aufnehmen.
Ob beide Brustseiten in einer Sitzung oder in zwei zeitlich getrennten Eingriffen operiert werden, wird unterschiedlich gehandhabt; werden zwei Eingriffe angesetzt, sind auch zwei Vollnarkosen nötig. Ob die Krankenkasse die Kosten für die endoskopische transthorakale Sympathektomie übernimmt, wird im Einzelfall entschieden; vorausgesetzt wird in der Regel eine ärztlich dokumentierte schwere Hyperhidrose, bei der die nicht-operativen Behandlungen ausgeschöpft sind. Die Kostenzusage sollte deshalb vor dem Eingriff eingeholt werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eine weitere Komplikation stellt der Pneumothorax dar. Dieser entsteht durch Kohlendioxidreste oder Luft zwischen Brustwand und Lunge. Mögliche Gründe sind eine kleinere Lungenverletzung oder unzureichendes Absaugen des Gases. Handelt es sich um einen kleinen Pneumothorax, ist keine Behandlung erforderlich, da er nach ein bis zwei Tagen eigenständig wieder zurückgeht. Liegt dagegen ein größerer Pneumothorax vor, was jedoch nur selten der Fall ist, wird er ein bis zwei Tage lang mithilfe einer Drainage abgesaugt. Durch Sorgfalt beim Absaugen des Gases oder dem Einbringen der medizinischen Instrumente ist diese Komplikation ebenfalls meist zu vermeiden.
In manchen Fällen kann die endoskopische transthorakale Sympathektomie erfolglos verlaufen, was jedoch bei erfahrenen Ärzten äußerst selten geschieht. Zu den Gründen für eine fehlgeschlagene Operation gehören schwere Vorerkrankungen des Brustfells, wodurch ein Zugang zum Grenzstrang nicht möglich ist. Auch anatomische Abweichungen der Gefäße, von denen die Ganglien gedeckt werden, kommen als mögliche Ursache in Betracht.
Die häufigste unerwünschte Folge der ETS ist das kompensatorische Schwitzen. Dabei zeigt sich an Beinen und Rumpf eine zunehmende Absonderung von Schweiß; betroffen ist ein erheblicher Teil der Operierten. Ausgelöst wird dieser Vorgang durch körperliche Anstrengung oder Hitze. In manchen Fällen ist diese Verlagerung der Schweißproduktion so ausgeprägt, dass sie stärker belastet als die ursprünglichen Beschwerden. Da sich die durchtrennten Nervenverbindungen nicht wiederherstellen lassen, ist der Eingriff nicht rückgängig zu machen; er kommt deshalb erst infrage, wenn die nicht-operativen Behandlungen ausgeschöpft sind.
Wann die ETS infrage kommt
Die endoskopische transthorakale Sympathektomie steht am Ende einer Reihe von Behandlungsmöglichkeiten und nicht an ihrem Anfang. Vor der Operation wird geprüft, ob eine primäre, also anlagebedingte Hyperhidrose vorliegt oder ob das übermäßige Schwitzen die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung ist. In Betracht kommen dabei unter anderem eine Schilddrüsenüberfunktion, Störungen des Blutzuckers, Infektionen, hormonelle Umstellungen wie die Wechseljahre sowie Nebenwirkungen von Medikamenten. In diesen Fällen ist die zugrunde liegende Ursache zu behandeln; ein Eingriff am Grenzstrang wäre hier nicht angezeigt.
Bei der primären Form werden zunächst die nicht-operativen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dazu zählen Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen, die auf die Haut aufgetragen werden und die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen verengen sollen, sowie die Leitungswasser-Iontophorese, bei der die betroffenen Hände oder Füße in Wasserbäder gelegt werden, die von schwachem Gleichstrom durchflossen sind. Bei umschriebenem Schwitzen wird Botulinumtoxin in die Haut eingebracht, das die Übertragung der Nervenimpulse auf die Schweißdrüsen zeitweise unterbindet; die Wirkung ist begrenzt, sodass die Behandlung wiederholt werden muss. Bei ausgedehntem Schwitzen können außerdem Wirkstoffe eingesetzt werden, die im gesamten Körper an den Andockstellen des vegetativen Nervensystems ansetzen; sie sind mit Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Sehstörungen verbunden. Für die Achselhöhlen stehen zudem Verfahren zur Verfügung, bei denen die Schweißdrüsen örtlich entfernt oder zerstört werden.
Ein weiteres, fachlich umstrittenes Anwendungsgebiet der ETS ist die anfallsartige Gesichtsrötung (Erythrophobie). Weil es dabei nicht um eine körperliche Funktionsstörung, sondern um eine als quälend erlebte Reaktion geht, wird vor einem irreversiblen Eingriff regelmäßig eine psychotherapeutische Abklärung angeraten.
Vorbereitung und Voruntersuchungen
Zur Vorbereitung gehören die Erhebung der Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung und – je nach Fragestellung – Blutuntersuchungen zum Ausschluss einer zugrunde liegenden Erkrankung. Vor dem Eingriff wird der Brustkorb bildgebend beurteilt, weil Verwachsungen oder Vorerkrankungen des Brustfells den Zugang zum Grenzstrang unmöglich machen können. Hinzu kommt die Vorbereitung auf die Vollnarkose mit der Beurteilung von Herz, Lunge und Atemweg.
Das Aufklärungsgespräch hat bei diesem Eingriff besonderes Gewicht. Es sollte ausdrücklich benennen, dass die durchtrennten Nervenverbindungen nicht wiederhergestellt werden können und dass das kompensatorische Schwitzen keine seltene Ausnahme, sondern die häufigste unerwünschte Folge ist. Wer sich für den Eingriff entscheidet, sollte diese Möglichkeit für sich abgewogen haben, bevor er ihn vornehmen lässt.
Die Höhe, in der am Grenzstrang gearbeitet wird, richtet sich nach der Körperregion, um die es geht: Für den Handschweiß werden andere Nervenknoten aufgesucht als für den Gesichtsschweiß. Um das Ganglion stellatum und damit das Horner-Syndrom zu schonen, wird nach heutigem Vorgehen auf einen Eingriff in der obersten Höhe verzichtet.
Nachsorge und Erholung
Nach dem Aufwachen bemerken viele Operierte unmittelbar, dass die behandelten Hautbezirke trocken und wärmer sind als zuvor. In den ersten Tagen können Schmerzen im Bereich der Zugänge, im Schultergürtel und hinter dem Brustbein auftreten; sie hängen unter anderem mit dem eingebrachten Gas und der Reizung des Brustfells zusammen und klingen üblicherweise ab. Vor der Entlassung wird der Brustkorb noch einmal untersucht, um einen Pneumothorax auszuschließen.
Die Wunden werden trocken gehalten, bis sie verschlossen sind; wann geduscht, gebadet und wieder Sport getrieben werden darf, legt die behandelnde Klinik fest. Wer bemerkt, dass die Wunden sich röten, nässen oder schmerzhaft anschwellen, dass Fieber auftritt oder dass Atemnot und stechende Schmerzen beim Einatmen einsetzen, sollte sich unverzüglich in der behandelnden Einrichtung vorstellen. Zur Nachsorge gehört außerdem eine Kontrolle nach einigen Wochen, in der besprochen wird, wie sich das Schwitzen an den behandelten und an den übrigen Körperstellen entwickelt hat.
Weitere mögliche Folgen des Eingriffs
Neben dem kompensatorischen Schwitzen sind weitere Folgen beschrieben. Manche Operierte berichten über gustatorisches Schwitzen, also über Schweißabsonderung im Gesicht und am Hals beim Essen, insbesondere bei stark gewürzten Speisen. Die behandelten Hände können so trocken werden, dass die Haut rissig wird und regelmäßige Hautpflege nötig ist.
Im Bereich der Zugänge und der Brustwand können anhaltende Missempfindungen oder Nervenschmerzen (Neuralgie) zurückbleiben. Da der Sympathikus auch auf das Herz einwirkt, ist eine niedrigere Herzfrequenz in Ruhe und ein geringerer Anstieg unter Belastung möglich; für die meisten Menschen bleibt das ohne Bedeutung, bei ausgeprägter sportlicher Beanspruchung kann es jedoch bemerkt werden. Beschrieben ist schließlich, dass das ursprüngliche Schwitzen nach zunächst erfolgreichem Eingriff wieder auftritt; als Ursachen werden zusätzliche Nervenverbindungen diskutiert, die den unterbrochenen Weg umgehen.
Gegenanzeigen und Grenzen
Nicht geeignet ist die ETS bei einer sekundären Hyperhidrose, solange deren Ursache nicht geklärt und behandelt ist. Ausgeschlossen ist sie ferner, wenn der Brustraum wegen ausgedehnter Verwachsungen nach Entzündungen oder Voroperationen nicht zugänglich ist. Erkrankungen von Herz und Lunge, die eine seitengetrennte Beatmung oder die Vollnarkose nicht zulassen, sprechen ebenfalls gegen den Eingriff; dasselbe gilt für eine ausgeprägt verlangsamte Herztätigkeit in Ruhe.
Eine Grenze eigener Art liegt in der Erwartung an das Ergebnis. Der Eingriff wirkt auf die Schweißbildung in den versorgten Bezirken, nicht auf die Belastung, die aus dem Schwitzen entstanden ist. Bei starkem seelischem Leidensdruck, bei sozialem Rückzug oder bei einer Angststörung wird deshalb empfohlen, diesen Anteil gesondert zu betrachten und gegebenenfalls fachlich begleiten zu lassen.
Abklemmen statt Durchtrennen
Als Abwandlung des Verfahrens wird der Grenzstrang nicht durchtrennt, sondern mit kleinen Metallklammern abgeklemmt. Begründet wird dieses Vorgehen damit, dass sich die Klammern in einem zweiten Eingriff wieder entfernen ließen und der Eingriff dadurch umkehrbar sei. Ob sich die Nervenfunktion nach dem Entfernen der Klammern tatsächlich wiederherstellen lässt, ist jedoch nicht gesichert; berichtet wird sowohl über eine Rückbildung der Beschwerden als auch darüber, dass die Veränderungen bestehen blieben. Eine Zusicherung, dass der Eingriff auf diesem Weg rückgängig gemacht werden kann, lässt sich daraus nicht ableiten. Wer diese Abwandlung erwägt, sollte sich die Aussagen zur Umkehrbarkeit ausdrücklich erläutern lassen.
Abgrenzung zu anderen Behandlungen
Von den nicht-operativen Behandlungen unterscheidet sich die ETS grundsätzlich darin, dass sie nicht wiederholt werden muss, dafür aber nicht zurückgenommen werden kann. Antitranspirantien, Iontophorese und Botulinumtoxin wirken zeitlich begrenzt und lassen sich absetzen; ihre Wirkung endet, sobald die Anwendung endet.
Von der lumbalen Sympathektomie unterscheidet sich die ETS durch den Zugangsweg und das Zielgebiet: Jene wird im Bauchraum vorgenommen und betrifft die Versorgung der Beine und Füße. Von den örtlichen Verfahren an den Achselhöhlen, bei denen die Schweißdrüsen selbst entfernt oder zerstört werden, unterscheidet sie sich darin, dass sie nicht am Erfolgsorgan, sondern an der Nervenversorgung ansetzt und damit ein größeres Gebiet erfasst, als das behandelte Areal umfasst – eben dies ist die Grundlage des kompensatorischen Schwitzens.
Ambulant oder stationär
Die ETS wird überwiegend im Rahmen eines kurzen Krankenhausaufenthaltes durchgeführt, weil nach der Eröffnung des Brustraums eine Überwachung von Atmung und Kreislauf sinnvoll ist und ein Pneumothorax sich auch mit zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen kann. Wie lange der Aufenthalt dauert, hängt vom Verlauf ab und davon, ob beide Seiten in einer Sitzung behandelt wurden. Wer nach der Entlassung allein lebt, sollte für die ersten Tage eine Erreichbarkeit sicherstellen; auch der Heimweg nach einer Vollnarkose sollte nicht selbst gefahren werden. Vor dem Eingriff ist außerdem zu klären, mit welcher Arbeitsunfähigkeit zu rechnen ist, da körperlich fordernde Tätigkeiten und das Heben schwerer Lasten in der ersten Zeit nach der Operation eingeschränkt sein können.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
- Siewert, J. R., Stein, H. J. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783642113314
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
