Herzchirurgie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Seit 1993 ist die Herzchirurgie ein selbständiges medizinisches Fachgebiet. Das primäre Fachgebiet ist die Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, die sich aus der allgemeinen Chirurgie entwickelt hat. Herzchirurgen behandeln erworbene und angeborene Herzerkrankungen sowie Verletzungen am Herzen und der umgebenden Gefäße. Die Herzchirurgie arbeitet eng mit der Gefäßchirurgie und der Kardiologie zusammen.
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Was ist die Herzchirurgie?
Die Öffentlichkeit nimmt die Herzchirurgie vor allem im Bereich der Herztransplantationen wahr. Diese komplizierten und mitunter lebensgefährlichen Eingriffe sind jedoch bei weitem nicht die häufigsten Operationen.
Herzchirurgen nehmen hauptsächlich Operationen an den Herzklappen und die Verlegung von Koronar-Arterien-Bypässen vor. Die Kardiochirurgie umfasst sechs Fokusgruppen: Koronarchirurgie, Mitralklappenchirurgie, Aortenklappenchirurgie, Aortenchirurgie, Herzinsuffizienz und Herzschrittmacher.
Behandlungen & Therapien
Die operative Revaskularisation ist gleichfalls indiziert bei Vorliegen einer reduzierten linksventrikulären Herzfunktion mit Parallelerkrankungen, zum Beispiel der Herzklappe. Herzpatienten profitieren im gleichen Maße, wenn der Befund auf Hauptstammstenose lautet.
Die Herzspezialisten orientieren sich an den nationalen Versorgungsleitlinien, die vorgeben, wann einer Bypass-Operation der Vorzug gegenüber einer Ballondilatation oder einer medikamentösen Therapie gegeben wird. Die Patienten profitieren von einer minimal-invasiven Bypass-Verlegung, die ohne Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, OPCAB, erfolgt. Die arteriellen Bypass-Gefäße werden dem Patienten endoskopisch entnommen.
Verwendung finden automatisierte Instrumente für die Durchführung der Anastomosennaht. Operationen an der Mitralklappe gehören zu den häufigsten Eingriffen auf dem Gebiet der Herzklappenrekonstruktion, die durch minimal-invasive Eingriffe erfolgt. Erkrankungen an der Aortenklappe betreffen besonders ältere Patienten ab 70 Jahren. Verschiedene Herzklappen stehen für den Ersatz der Aortenklappen zur Verfügung, wobei zwischen biologischen und mechanischen Herzklappen unterschieden wird. Liegt ein regulärer Herz-(sinus)rhythmus vor, ist die Implantation einer biologischen Klappe indiziert, da eine lebenslange Antikoagulationstherapie mittels Marcumar nicht notwendig ist.
Biologische Herzklappen werden vor allem bei Patienten über 65 Jahren implantiert. Diese Herzklappen werden inzwischen auch vermehrt bei jüngeren Patienten eingesetzt. Für diese Modelle wird eine Haltbarkeit von etwa 15 Jahren angegeben. Die guten Erfahrungen hinsichtlich Rezidivoperationen degenerierter biologischer Aortenklappen haben die hohen Erwartungen an dieses Verfahren bestätigt.
Gegen eine biologische Herzklappe bei Patienten unter 65 Jahren spricht, dass wegen ihrer begrenzten Haltbarkeit im höheren Alter eine zweite Operation notwendig werden kann. Auch verkalkte Herzklappen können auf diese Weise einer Regeneration zugeführt werden. Eine mechanische Herzklappe und eine dauerhafte Hemmung der Blutgerinnung lassen sich so vermeiden.
Katheterbasierte Aortenklappen-Operationen erfolgen entweder transfemoral (über die Beinarterie) oder transapikal (über die Herzspitze). Eingriffe an der Aortenklappe kombiniert mit einer Koronar-Revaskularisation sind komplexe Operationen, die ein erhöhtes Risiko für die älteren Patienten beinhalten. Häufige Eingriffe finden an der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens) statt. Dieser Eingriff stellt hohe Anforderungen an die Herzchirurgen, da die Hauptschlagader und die Aortenwurzeln bis zu den Kopfarterien ausgetauscht werden. Die Mediziner setzen unterschiedliche Techniken ein, um das Gehirn vor Embolien und Durchblutungsstörungen zu schützen.
In den überwiegenden Fällen liegen Erweiterungen aufgrund eines Aneurysmas vor, die aufgrund einer fortschreitenden Degeneration im Alter auftreten. Jüngere Herzpatienten weisen häufig eine gestörte Festigkeit der Aortenwand auf (Marfan-Syndrom). Eine Notfallindikation ist die Aortendissektion. Während der Operation werden die Klappen in eine Gefäßprothese eingenäht. Bei kommerziell hergestellten Gefäßprothesen sind die künstlichen Herzklappen bereits eingenäht.
Herzchirurgen ziehen jedoch die erste Methode vor, da sie eine gewisse Flexibilität erlaubt, weil auch größere Herzklappen eingenäht werden können, die die Hämodynamik signifikant verbessern. Im Fall dieser biologischen Conduits wird die Gabe einer Antikoagulation mittels Marcumar obsolet, was ein entscheidender Vorteil ist.
Die Mediziner bevorzugen die Stentless-Klappe, die in die Gefäßprothese eingenäht wird. Diese neu hergestellte Aortenwurzel zeigt eine günstige Hämodynamik. Die Rekonstruktion der Aortenklappe wird einem Austausch vorgezogen, da die Medizin mittlerweile verschiedene, innovative Techniken entwickelt hat, die den Patienten nach der Operation ein möglichst beschwerdefreies Leben ermöglichen sollen.
In dieser Hinsicht werden Operationen am Aortenbogen durchgeführt und die lebensbedrohliche Aortendissektion operativ versorgt, die unbehandelt häufig zum Tod führt. Die Herzinsuffizienz ist die häufigste Herzerkrankung. Sie kann akut auftreten, etwa infolge eines Herzinfarktes, einer schweren Entzündung oder während einer Herzoperation.
Die chronische Herzinsuffizienz ist dabei mit Abstand die häufigste Form. Bei manchen Patienten lässt sich dieser Zustand durch eine medikamentöse Therapie beherrschen. Ist dies nicht der Fall, kommt nur die Implantation eines Kunstherzens oder eine Herztransplantation in Frage. In den meisten Fällen besteht die Notwendigkeit, den Patienten durch ein Kunstherzsystem zu versorgen, bis ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung steht.
Die involvierten Risiken sind jedoch hoch, da die Wartezeiten lang sind und die Gefahr besteht, dass der Körper das implantierte Spenderorgan abstößt. Die Defibrillator- und Schrittmachertechnik hat in den letzten Jahren erhebliche technische Neuerungen erfahren, da verschiedene rechnergesteuerte Algorithmen den natürlichen Herzschlag unter Ruhe- und Belastungsbedingungen annähernd exakt nachbilden.
Diagnose & Untersuchungsmethoden
Diese Absetzung findet jedoch nicht eigenverantwortlich, sondern unter ärztlicher Aufsicht statt, da der geregelte Blutfluss ohne diese Gerinnungshemmer nicht gewährleistet ist. Unter Umständen setzen die Mediziner eine Ersatzmedikation ein. Bei Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung oder einer durchzuführenden Bypass-Operation nehmen die Patienten das Medikament ASS bis zur stationären Aufnahme ein. Wurde innerhalb der letzten zwölf Monate ein koronarer Stent angelegt, wird auch Iscover oder Plavix weiterhin eingenommen. Untersuchungen erfolgen im Labor und es werden Tests in folgenden Bereichen gemacht: Hepatitis- sowie HIV-Serologie, Lungenfunktion, Blutgruppe, Koronarangiographie, Echo, Duplex Carotiden, Abdomen-Sonographie, um abzuklären, ob ein Infekt oder ein Bauchaorten-Aneurysma vorliegt, Röntgen Thorax sowie Berechnung des Euroscores bei Risikopatienten.
Im Falle einer Klappen-Operation werden Röntgen-OPG, Röntgen-Nasennebenhöhlen, zahnärztliche Vorstellung, HNO-Vorstellung und 3D-TEE (morphologische Beurteilung der Mitralklappe) vor Rekonstruktionen gemacht. Im Fall einer elektiven Klappen-OP muss ein Infektfokus ausgeschaltet werden, um eine Endokarditis zu vermeiden beziehungsweise zu minimieren. Postoperativ auf der Intensivstation: EKG, Blutdruckkontrolle, Blutanalyse, Beatmung, PiCCO (Monitoring Herz-Kreislaufdaten), Pulmonaliskatheter, IABP (intraaortale Ballonpumpe), SpO2 (Blutsauerstoff, Sauerstoffsättigung), ZVD (Messung zentraler Venendruck), ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung, intensivmedizinisches Verfahren zum Ersatz der Lungenfunktion außerhalb des Körpers).
Zu der Medikation gehören Cordarex (Antiarrhythmikum), Vasopressin, Dobutamin, Adrenalin, Noradrenalin und Corotrop. Die Patienten werden zuerst extubiert und am Tag nach der OP mobilisiert und auf die Normalstation verlegt.
Geschichte & Entwicklung
Das Herz galt der Chirurgie lange als unantastbar. Noch im späten 19. Jahrhundert hielten führende Operateure Eingriffe an diesem Organ für grundsätzlich unzulässig. Als Wendepunkt gilt eine Herznaht, die der deutsche Chirurg Ludwig Rehn 1896 in Frankfurt am Main bei einem Stichverletzten vornahm und die der Patient überlebte. Damit war gezeigt, dass das Herz operativ erreichbar ist – wenn auch zunächst nur am schlagenden Organ und für einfachste Eingriffe.
Der eigentliche Durchbruch gelang erst, als es möglich wurde, das Herz vorübergehend stillzulegen, ohne den Körper von der Blutversorgung abzuschneiden. Der US-amerikanische Chirurg John Gibbon setzte 1953 erstmals erfolgreich eine Herz-Lungen-Maschine bei einem Menschen ein, die Pump- und Atemfunktion für die Dauer des Eingriffs übernahm. Von diesem Zeitpunkt an konnten Operationen im Inneren des Herzens unter Sicht durchgeführt werden – die Voraussetzung für Klappenersatz, Bypässe und die Korrektur angeborener Fehlbildungen.
In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Bausteine hinzu: die Kälteschutzlösungen, mit denen der Herzmuskel während des Stillstands vor Schäden bewahrt wird, die ersten implantierbaren Herzschrittmacher Ende der 1950er Jahre, die Bypasschirurgie der Herzkranzgefäße und schließlich 1967 die erste Herztransplantation. Seit den 1990er Jahren verlagert sich die Entwicklung von immer größeren zu immer kleineren Zugängen: minimalinvasive Schnittführungen, Eingriffe ohne Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen sowie katheterbasierte Verfahren, die ursprünglich chirurgische Aufgaben übernehmen. In Deutschland wurde die Herzchirurgie 1993 als eigenständiges Fachgebiet mit eigener Weiterbildung anerkannt.
Durchführung & Ablauf
Vor einem geplanten Eingriff werden die Patienten stationär aufgenommen. Nach den letzten Voruntersuchungen und dem Aufklärungsgespräch mit Chirurgie und Anästhesie folgt die Vollnarkose. Der klassische Zugang zum Herzen ist die Längsspaltung des Brustbeins, die sogenannte Sternotomie; bei bestimmten Klappeneingriffen genügt heute ein kleinerer Schnitt zwischen den Rippen.
Für die meisten Eingriffe wird der Kreislauf anschließend auf die Herz-Lungen-Maschine umgeleitet. Sie übernimmt für die Dauer der Operation die Aufgaben von Herz und Lunge: Sie befördert das Blut, reichert es mit Sauerstoff an und entfernt Kohlendioxid. Bedient und überwacht wird sie von Kardiotechnikern. Das Herz selbst wird durch eine besondere Lösung gezielt zum Stillstand gebracht und gekühlt, damit der Herzmuskel den blutleeren Zustand ohne Schaden übersteht. Der Operateur arbeitet dann an einem stillstehenden, blutleeren Organ – die Voraussetzung dafür, eine Klappe zu ersetzen oder feine Gefäßnähte zu setzen.
Am Ende des Eingriffs wird der Herzmuskel wieder erwärmt und durchblutet, das Herz nimmt seine Tätigkeit in der Regel selbstständig oder nach einem elektrischen Impuls wieder auf, und die Maschine wird schrittweise abgetrennt. Das Brustbein wird üblicherweise mit Drähten wieder verschlossen, die dauerhaft im Körper verbleiben. Dünne Schläuche leiten Wundsekret aus dem Brustraum ab; vorübergehend angelegte Schrittmacherdrähte auf der Herzoberfläche erlauben es, Rhythmusstörungen in den ersten Tagen zu behandeln, und werden später einfach gezogen.
Nach der Operation werden die Patienten auf eine Intensivstation verlegt, zunächst weiterbeatmet und engmaschig überwacht. Die Beatmung wird meist noch am selben oder am folgenden Tag beendet; anschließend beginnt die schrittweise Mobilisierung. Bevor Patienten das Krankenhaus verlassen, werden Wundheilung, Herzrhythmus und Pumpleistung erneut kontrolliert.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Herzoperationen gehören zu den größeren chirurgischen Eingriffen, und sie sind mit entsprechenden Risiken verbunden. Wie hoch diese im Einzelfall ausfallen, hängt weniger von der Operation selbst ab als vom Zustand der Patienten: Alter, Pumpleistung des Herzens, Funktion von Nieren und Lunge sowie Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus gehen in die Einschätzung ein. Für eine solche Abschätzung stehen etablierte Bewertungssysteme zur Verfügung, die vor dem Eingriff angewendet werden.
Zu den frühen Komplikationen zählen Nachblutungen, die eine erneute Eröffnung des Brustkorbs erforderlich machen können, sowie ein Bedarf an Bluttransfusionen. Wundheilungsstörungen im Bereich des Brustbeins sind selten, aber ernst zu nehmen, weil sich eine Infektion in den Brustraum ausbreiten kann; Diabetes, starkes Übergewicht und Rauchen erhöhen dieses Risiko. Häufig treten in den ersten Tagen nach dem Eingriff Rhythmusstörungen auf, insbesondere Vorhofflimmern, das meist vorübergehend ist und medikamentös behandelt wird.
Weitere mögliche Komplikationen betreffen andere Organsysteme. Durch die vorübergehend veränderten Kreislaufverhältnisse kann die Nierenfunktion beeinträchtigt werden; eine Lungenentzündung kann sich nach längerer Beatmung entwickeln. Gefürchtet, aber vergleichsweise selten, sind Schlaganfälle, die durch verschleppte Kalkteilchen oder Blutgerinnsel entstehen können – ein Grund dafür, weshalb die Halsschlagadern vor dem Eingriff untersucht werden.
Vielen Angehörigen unbekannt ist der vorübergehende Verwirrtheitszustand, der besonders bei älteren Patienten in den ersten Tagen nach einer Herzoperation auftreten kann. Betroffene sind zeitlich und örtlich nicht orientiert, mitunter unruhig oder ängstlich. Dieser Zustand bildet sich in aller Regel zurück; ein ruhiges Umfeld, vertraute Bezugspersonen, Brille und Hörgerät sowie ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus helfen dabei. Ebenfalls verbreitet sind eine ausgeprägte Erschöpfung und eine gedrückte Stimmungslage in den Wochen nach dem Eingriff.
Ein Teil der Risiken ist nicht der Operation, sondern der anschließenden Behandlung zuzurechnen. Wer eine mechanische Herzklappe erhalten hat, benötigt dauerhaft eine Hemmung der Blutgerinnung und trägt damit ein erhöhtes Blutungsrisiko. Biologische Klappen kommen ohne diese Dauerbehandlung aus, verschleißen jedoch mit den Jahren. Welche Lösung im Einzelfall vorzuziehen ist, hängt vor allem vom Alter und von der Lebenssituation ab und wird ausführlich besprochen.
Nachsorge & Rehabilitation
An den stationären Aufenthalt schließt sich in der Regel eine Anschlussheilbehandlung an, die stationär oder ambulant erfolgt. Dort werden Belastbarkeit und Beweglichkeit unter Aufsicht wieder aufgebaut, die Medikamente eingestellt und die Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung geschult. Bewegungstherapie, Atemübungen und, wo nötig, eine Raucherentwöhnung gehören zum Programm.
Für die ersten Wochen nach einer Sternotomie gilt eine Schonung des Brustbeins, bis der Knochen wieder zusammengewachsen ist. Schweres Heben, Stützen mit den Armen beim Aufstehen und ruckartige Bewegungen werden in dieser Zeit vermieden; das Aufstehen erfolgt über die Seite. Wann Autofahren, Arbeit und Sport wieder möglich sind, legt das behandelnde Team individuell fest.
Patienten mit einer mechanischen Klappe lernen, die Gerinnungswerte regelmäßig kontrollieren zu lassen oder selbst zu messen. Nach Klappeneingriffen wird außerdem auf den Schutz vor einer Entzündung der Herzinnenhaut geachtet: Vor bestimmten zahnärztlichen und operativen Behandlungen kann eine vorbeugende Gabe von Antibiotika angezeigt sein, und Zahn- und Zahnfleischentzündungen werden konsequent behandelt. Ein entsprechender Ausweis wird mitgeführt. Langfristig bleiben regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen mit EKG und Ultraschall des Herzens erforderlich.
Abgrenzung & Zusammenarbeit
Die Herzchirurgie ist nicht das einzige Fach, das Herzerkrankungen behandelt, und die Grenzen haben sich in den letzten Jahren verschoben. Die Kardiologie als internistisches Fach diagnostiziert Herzerkrankungen, behandelt medikamentös und führt katheterbasierte Eingriffe durch, etwa das Aufdehnen verengter Herzkranzgefäße im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung oder das Einsetzen eines Stents. Die Herzchirurgie ist zuständig, wenn ein offener oder ein am Herzen selbst ansetzender Eingriff erforderlich ist.
Weil sich viele Befunde heute auf beiden Wegen behandeln lassen, entscheiden Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam. In Herzzentren geschieht das in einer festen Fallkonferenz, in der Befunde, Begleiterkrankungen und der Wunsch der Patienten zusammengeführt werden. Die Empfehlungen orientieren sich an nationalen Versorgungsleitlinien. Für katheterbasierte Klappeneingriffe stehen vielerorts Hybridräume zur Verfügung, die zugleich als Katheterlabor und als Operationssaal ausgestattet sind, sodass bei einer Komplikation ohne Verlegung chirurgisch eingegriffen werden kann.
Abzugrenzen ist die Herzchirurgie ferner von der Gefäßchirurgie, die sich mit den Gefäßen außerhalb des Brustraums befasst, sowie von der Thoraxchirurgie, die Lunge, Rippenfell und Mittelfellraum behandelt. Ein eigenes Teilgebiet bildet die Kinderherzchirurgie, die angeborene Herzfehler versorgt. Sie unterscheidet sich erheblich von der Erwachsenenchirurgie, weil dort nicht erworbene Verschleißschäden, sondern Fehlbildungen korrigiert werden – oft in mehreren, über Jahre verteilten Schritten und mit besonderer Rücksicht auf das Wachstum. Viele so behandelte Kinder erreichen das Erwachsenenalter und werden anschließend in speziellen Sprechstunden weiterbetreut.
An einer Herzoperation ist stets ein größeres Team beteiligt: Neben Operateuren und Assistenz arbeiten Anästhesie, Kardiotechnik, Operations- und Intensivpflege sowie Physiotherapie zusammen. Die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Herzchirurgie erfolgt im Anschluss an das Medizinstudium und dauert mehrere Jahre.
Quellen
- Ziemer, G., Haverich, A. (Hrsg.): Herzchirurgie.
ISBN: 9783540797128
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
ISBN: 9783662686997
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
