Hypertriglyceridämie

Als Hypertriglyceridämie wird eine Störung des Fettstoffwechsels bezeichnet, die sich durch erhöhte Triglyceridwerte (Triacylglyceride) im Blut von über 200 ml/dl äußert. Die Krankheit kann genetisch bedingt sein, durch ungünstige äußere Umstände verursacht werden oder sich als Begleiterscheinung anderer Krankheiten manifestieren. Eine vorliegende Hypertriglyceridämie wird häufig wegen fehlender direkter Symptome nicht bemerkt, gilt aber als Hochrisikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herzinfarkt, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und Fettleber.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypertriglyceridämie?

Das Wort Hypertriglyceridämie deutet bereits auf pathologisch erhöhte Triglyceridkonzentrationen im Blut hin. Allgemein verbindliche Grenzwerte liegen bei 180 ml/dl bis 200 ml/dl Blut. Bei Überschreiten dieser Grenzwerte liegt eine Hypertriglyceridämie vor.

Meist geht die erhöhte Konzentration der Triglyceride mit einer erhöhten Konzentration des Gesamtcholesterins, besonders der langkettigen LDL-Fraktion (low density lipoprotein) einher, das auch als „böses“ Cholesterin bezeichnet wird, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden.

LDL-Cholesterine stehen im Verdacht, sich an Gefäßinnenwände in Form von Plaques abzusetzen und damit Arteriosklerose zu begünstigen. Bei angeborenen Gendefekten, die durch einen Mangel an bestimmten Hormonen eine Hypertriglyceridämie verursachen, handelt es sich um eine primäre und bei allen anderen um eine sekundäre oder erworbene Hypertriglyceridämie.

Ursachen

Die Hypertriglyceridämie kann genetisch bedingt sein oder durch äußere Lebensumstände erworben sein. Ebenso kann sie als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten. Eine genetische Störung liegt vor, wenn ein Mangel an Lipoproteinlipase erkennbar ist, einem Enzym, das für die katalytische Hydrolyse und Weiterverarbeitung der Triglyceride notwendig ist.

Eine weitere genetisch bedingte Ursache liegt in einem Mangel an Apolipoprotein C2, das als Aktivator der Lipoproteinlipase gilt und die Ursache für dessen Mangel sein kann. Auch äußere Lebensumstände und andere Krankheiten können zu einer Hypertriglyceridämie führen wie z. B. Adipositas und exzessiver Alkoholgenuss.

Krankheiten, die zu erhöhten Triglyceridkonzentrationen bis zum pathologischen Bereich führen können, sind vor allem Diabetes mellitus, Gicht und Glykogenspeicherkrankheiten. Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker,Virostatika und hormonelle Verhütungsmittel haben ebenfalls Einfluss auf den Lipidstoffwechsel und können zu einer Hypertriglyceridämie führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hohe Blutfettwerte rufen zunächst keine eindeutigen Symptome hervor. Erst im Verlauf der Hypertriglyceridämie entwickeln sich Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems und der inneren Organe. Typisch ist die Entstehung einer Fettleber, wobei die Blutfettwerte hierfür über einen längeren Zeitraum stark erhöht sein müssen.

Häufiger verspüren die Betroffenen ein unspezifisches Krankheitsgefühl oder fühlen sich generell unwohl, ohne dass dafür eine eindeutige Ursache zu erkennen ist. Körperliche Symptome, die auftreten können, sind unter anderem Schmerzen in den Gliedern, vor allem in den Fingern und an den Zehen, sowie Durchblutungsstörungen und Sensibilitätsstörungen. In Einzelfällen treten Hautveränderungen wie Xanthome oder Xanthelasmen auf.

Diese Verdickungen treten vor allem im Bereich der Knie- und Ellenbogen-Gelenke auf und schmerzen bei Berührung. Selten äußert sich eine Hypertriglyceridämie durch Fetteinlagerungen in der Haut oder an den Augenlidern. Diese Symptome können allerdings auch bei gesunden Menschen auftreten. Äußerlich kann die Erkrankung an dem weißen Ring in der Hornhaut des Auges erkannt werden.

Dieser sogenannte Arcus corneau tritt bereits nach kurzer Zeit auf und wird im Verlauf der Erkrankung immer deutlicher. Langfristig kann eine Hypertriglyceridämie zu Arterienverkalkung führen. Mögliche Spätfolgen sind Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen.

Diagnose & Verlauf

Triglyceride sind wichtig für den Körper und werden teilweise mit der Nahrung aufgenommen, zu einem großen Teil aber auch in Leber, Niere und im Herzmuskel synthetisiert. Erst bei Überschreiten eines bestimmten Grenzwertes ist der Tatbestand der Hypertriglyceridämie erfüllt.

Die Krankheit, die sich normalerweise nicht mit Symptomen zeigt, kann nur über eine Laboruntersuchung des Blutes diagnostiziert werden. Ob es sich dabei um eine primäre oder erworbene Hypertriglyceridämie handelt, kann dabei nicht festgestellt werden. In einigen Fällen treten direkte Symptome in Form von Xanthomen oder Xanthelasmen auf. Es handelt sich im ersteren Fall um knotige Fettablagerungen in der Haut und im letzteren Fall um ähnliche Ablagerungen unterhalb des Auges.

Die Ablagerungen sind harmlos und stellen allenfalls ein kosmetisches Problem dar. Wenn die Hypertriglyceridämie über einen längeren Zeitraum besteht, können sich insbesondere kardiovaskuläre Folgekrankheiten einstellen. Lediglich eine extrem hoher Triglyceridspiegel von über 1.000 ml/dl Blut kann direkt eine Pankreatitis auslösen.

Komplikationen

Durch die Hypertriglyceridämie steigen in erster Linie die Risiken und Wahrscheinlichkeiten für einen Herzinfarkt oder für eine Fettleber. Beide Beschwerden sind sehr gesundheitsgefährdend und müssen auf jeden Fall vermieden werden. Aus diesem Grund kann die Hypertriglyceridämie ohne Behandlung zum Tode des Patienten führen und damit die Lebenserwartung erheblich verringern.

In den meisten Fällen kommt es durch die Hypertriglyceridämie zu Fettablagerungen, die zum Beispiel unter der Haut oder unter dem Auge auftreten können. Diese Fettablagerungen verringern den Blutdurchfluss und lassen den Blutdruck damit steigen. Ein hoher Blutdruck kann daher zu einem Herzinfarkt führen, der nicht selten mit dem vorzeitigen Tod des Patienten verbunden ist.

Die Behandlung der Hypertriglyceridämie erfolgt meistens ohne Komplikationen. Sie wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt, die eventuell Nebenwirkungen zeigen könnten. In seltenen Fällen leiden die Patienten daher an einem Muskelschwund und an Schmerzen in den Muskeln. Weiterhin kann es in einigen Fällen zu psychischen Beschwerden kommen. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung wird die Lebenserwartung durch die Hypertriglyceridämie nicht beeinflusst. Allerdings können irreversible Schäden auch durch die Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Erkrankung Hypertriglyceridämie ist behandlungsbedürftig und sollte bereits bei den ersten Anzeichen von einem Arzt untersucht werden. Menschen mit einem hohen Körpergewicht, das nach den Vorgaben des BMI im Bereich der Fettleibigkeit eingeordnet wird, benötigen ärztliche Unterstützung. Bei einer starken Zunahme des Gewichts oder erfolglosen Versuchen der Gewichtsreduzierung ist ein Arztbesuch notwendig. Kommt es zu Funktionsstörungen oder Problemen der Verdauung, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Kontrolluntersuchungen sind notwendig, wenn es zu Verstopfungen, Durchfall oder Auffälligkeiten beim Wasserlassen kommt. Schmerzen im Bereich der Nierengegend sind besonders besorgniserregend und sollten schnellstmöglich untersucht werden. Eine Schwäche der Muskeln oder eine Abnahme der gewohnten Muskelkraft sind Hinweise, die von einem Arzt abgeklärt werden sollten. Bei Störungen des Herz-Rhythmus, Bluthochdruck, starkem Schwitzen oder Herzrasen ist ein Arztbesuch notwendig.

Kommt es zu Atemnot, verminderten Bewegungsmöglichkeiten oder Problemen der Gelenke, benötigt der Betroffene medizinische Hilfe. Die Konsultation eines Arztes ist bei Schlafstörungen, Fetteinlagerungen, Schwellungen oder gelblichen Verfärbungen des Hautbildes unverzichtbar. Ohne eine Behandlung droht dem Betroffenen das frühzeitige Ableben. Verdickungen an den Gelenken der Ellenbogen oder der Knie sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Kommt es zu Veränderungen der Hornhaut oder einem gelblichen Farbton des Augapfels, ist ein Arzt aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Bei Vorliegen einer erworbenen Hypertriglyceridämie liegt der erste Therapieansatz in einer Änderung der äußeren krankheitsfördernden Umstände. Erst dann, wenn sich die Konzentration der Triglyceride im Blut trotz Umstellung der Lebensweise einschließlich Bewegungstherapie nach einigen Wochen nicht wesentlich verändert hat, sollte eine Medikation begonnen werden.

Beachtenswert ist, dass wirksame Medikamente zur Reduzierung des Triglyceridspiegels nur die Symptome bekämpfen, nicht aber die eigentlichen Ursachen beseitigen können. Da erhöhte Triglyceridwerte meist mit erhöhten Cholesterinwerten auftreten, sind Statine die effektivsten und am häufigsten verschriebenen Triglycerid- und Cholesterinsenker. Statine hemmen bestimmte cholesterinbildende Enzyme in der Leber.

Als Alternative für Statine gelten Fibrate aus der Stoffgruppe der Carbonsäuren, die den Fettsäureabbau fördern und somit nicht die Synthese von Triglyceriden hemmen, sondern ihren Abbau beschleunigen. Beide Medikamentengruppen können Nebenwirkungen haben, die zu Myopathien mit Muskelschmerzen und auch Muskelabbau führen können.

Neuerdings werden auch Gallensäurebinder eingesetzt, die die Aufnahme von Fetten und Cholesterinen im Darm hemmen. Diese Mittel sind weitestgehend nur mit geringen Nebenwirkungen belastet, weil sie nicht systemisch über das Blut wirken, sondern ihre physiologische Aktivität ausschließlich im Verdauungstrakt stattfindet.

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Vorbeugung

Die wirksamste Vorbeugung vor einer Hypertriglyceridämie besteht in einer gesunden Ernährung mit möglichst hohem Anteil an natürlich belassenen Nahrungsmitteln, deren Enzyme und Vitamine noch intakt sind. Ebenso wichtig ist ein Bewegungsprogramm, das regelmäßige, aber nicht übermäßig sportliche Aktivitäten vorsieht.

Die Befolgung obiger Maßnahmen schützen nur vor einer sekundären (erworbenen) Hypertriglyceridämie, nicht aber vor der primären Form der Krankheit. In diesen Fällen kann eine möglichst sanfte Medikation und regelmäßige Laborkontrolle vor Sekundärschäden schützen.

Nachsorge

Die Nachsorge-Maßnahmen bei Hypertriglyceridämie konzentrieren sich auf eine gesundheitsbewusste Ernährung. Die Patienten sollten möglichst naturbelassene Nahrung zu sich nehmen, damit ihr Körper intakte Enzyme und Vitamine bekommt. In Kombination mit einem individuellen Bewegungsprogramm verstärkt sich der Schutz gegen eine Verschlechterung des Zustands. Die Aktivitäten sollten den Körper jedoch nicht überlasten.

Es kommt also verstärkt und regelmäßig sanfter Sports betrieben werden, bei dem es sich typischerweise um ein moderates Ausdauertraining handelt. Eine solche Nachsorge eignet sich jedoch lediglich für die Therapie der sekundären Erkrankung. Bei einer primär auftretenden Erkrankung kommen andere Maßnahmen zum Einsatz.

Hier empfiehlt der Arzt zumeist eine gemäßigte Medikation und eine engmaschige Laborkontrolle, um Sekundärschäden rechtzeitig zu erkennen. Die gesündere Lebensweise sollte später im Alltagsleben weiter konsequent eingehalten werden. Dadurch verbessern sich die Blutwerte, wie die regelmäßigen Untersuchungen zeigen. Bei Patienten mit Übergewicht rät der Arzt außerdem zu einer Gewichtsreduktion.

Fettreduzierte Nahrungsmittel und der Verzicht auf tierische Fette unterstützen die Gesundung. Süße, zuckerhaltige Getränke und Speisen sowie Weißmehl-Backwaren sollten vom Speiseplan verschwinden oder nur noch in geringen Mengen verzehrt werden. Zu den empfohlenen Nahrungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren gehören Nüsse, Seefisch und Leinöl.

Das können Sie selbst tun

Da Triglyceride zum einen mit der Nahrung direkt aufgenommen werden und zum anderen aus Kohlenhydraten vom Körper selbst hergestellt werden können, kann über die Ernährung ein wichtiger Beitrag zur Senkung des Triglyceridspiegels im Blut beigetragen werden. Dies ist vor allem bei der erworbenen Form der Hypertriglyceridämie der Fall.

Da viele der Betroffenen an Übergewicht leiden, ist als Grundvoraussetzung eine Gewichtsreduktion und die Änderung von Lebensgewohnheiten unumgänglich. Hierzu sollte eine fettreduzierte Diät eingehalten werden, insbesondere auf tierische Fette sollte dabei verzichtet werden. Es empfehlen sich Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Omega-3-Fettsäuren, wie es beispielweise bei Nüssen, Leinöl und Seefischen der Fall ist. Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel wie Süßspeisen, Fruchtsäfte oder Backwaren sollten weitestgehend gemieden werden, da der Körper aus ihnen zusätzliche Triglyceride bildet. Möglich ist hier der Ersatz durch Süßstoffe, da sie keinen Einfluss auf die Fette haben. Auf Alkohol sollten die Betroffenen wenn möglich vollständig verzichten, er enthält ebenfalls viele Kohlenhydrate zur Bildung weiterer Fette.

Neben einer Ernährungsumstellung kann auch durch regelmäßige sportliche Betätigung den erhöhten Blutfettwerten entgegen gewirkt werden. Es empfiehlt sich drei- bis fünfmal die Woche ein moderates Ausdauertraining von wenigstens 30 Minuten zu machen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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