Hypertriglyceridämie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Hypertriglyceridämie wird eine Störung des Fettstoffwechsels bezeichnet, die sich durch erhöhte Triglyceridwerte (Triacylglyceride) im Blut von über 200 mg/dl äußert. Die Krankheit kann genetisch bedingt sein, durch ungünstige äußere Umstände verursacht werden oder sich als Begleiterscheinung anderer Krankheiten manifestieren. Eine vorliegende Hypertriglyceridämie wird häufig wegen fehlender direkter Symptome nicht bemerkt, gilt aber als Hochrisikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herzinfarkt sowie für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und Fettleber. Als Oberbegriff für krankhaft erhöhte Blutfettwerte dient die Hyperlipoproteinämie; treten Triglyceride und Cholesterin gemeinsam stark erhöht auf, kann eine Hyperlipidämie Typ III vorliegen.
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Was ist Hypertriglyceridämie?
Das Wort Hypertriglyceridämie deutet bereits auf pathologisch erhöhte Triglyceridkonzentrationen im Blut hin. Allgemein gebräuchliche Grenzwerte liegen bei 180 mg/dl bis 200 mg/dl Blut. Bei Überschreiten dieser Grenzwerte liegt eine Hypertriglyceridämie vor. Sie ist damit zunächst ein Laborbefund und kein Krankheitsbild mit eigenem Beschwerdemuster: Wie dringend behandelt werden muss, richtet sich nach der Höhe des Wertes und nach der zugrunde liegenden Ursache.
Meist geht die erhöhte Konzentration der Triglyceride mit einer erhöhten Konzentration des Gesamtcholesterins, besonders der LDL-Fraktion (low density lipoprotein) einher, das auch als „böses“ Cholesterin bezeichnet wird, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden.
LDL-Cholesterine stehen im Verdacht, sich an Gefäßinnenwände in Form von Plaques abzusetzen und damit Arteriosklerose zu begünstigen. Bei angeborenen Gendefekten, die durch einen Mangel an bestimmten Enzymen eine Hypertriglyceridämie verursachen, handelt es sich um eine primäre und bei allen anderen um eine sekundäre oder erworbene Hypertriglyceridämie.
Ursachen
Die Hypertriglyceridämie kann genetisch bedingt sein oder durch äußere Lebensumstände erworben sein. Ebenso kann sie als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten. Eine genetische Störung liegt vor, wenn ein Mangel an Lipoproteinlipase erkennbar ist, einem Enzym, das für die katalytische Hydrolyse und Weiterverarbeitung der Triglyceride notwendig ist.
Eine weitere genetisch bedingte Ursache liegt in einem Mangel an Apolipoprotein C2, das als Aktivator der Lipoproteinlipase gilt und die Ursache für deren Funktionsschwäche sein kann. Auch äußere Lebensumstände und andere Krankheiten können zu einer Hypertriglyceridämie führen wie z. B. Adipositas und exzessiver Alkoholgenuss.
Krankheiten, die zu erhöhten Triglyceridkonzentrationen bis zum pathologischen Bereich führen können, sind vor allem Diabetes mellitus, Gicht und Glykogenspeicherkrankheiten. Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker, Virostatika und hormonelle Verhütungsmittel haben ebenfalls Einfluss auf den Lipidstoffwechsel und können zu einer Hypertriglyceridämie führen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Hohe Blutfettwerte rufen zunächst keine eindeutigen Symptome hervor. Erst im Verlauf der Hypertriglyceridämie entwickeln sich Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems und der inneren Organe. Typisch ist die Entstehung einer Fettleber, wobei die Blutfettwerte hierfür über einen längeren Zeitraum stark erhöht sein müssen.
Häufiger verspüren die Betroffenen ein unspezifisches Krankheitsgefühl oder fühlen sich generell unwohl, ohne dass dafür eine eindeutige Ursache zu erkennen ist. Körperliche Symptome, die auftreten können, sind unter anderem Schmerzen in den Gliedern, vor allem in den Fingern und an den Zehen, sowie Durchblutungsstörungen und Sensibilitätsstörungen. In Einzelfällen treten Hautveränderungen wie Xanthome oder Xanthelasmen auf.
Diese Verdickungen treten vor allem im Bereich der Knie- und Ellenbogen-Gelenke auf und sind in der Regel schmerzlos. Selten äußert sich eine Hypertriglyceridämie durch Fetteinlagerungen in der Haut oder an den Augenlidern. Diese Symptome können allerdings auch bei gesunden Menschen auftreten. Äußerlich kann die Erkrankung an dem weißen Ring in der Hornhaut des Auges erkannt werden.
Dieser sogenannte Arcus corneae entwickelt sich erst nach längerem Bestehen der Fettstoffwechselstörung und wird im Verlauf der Erkrankung immer deutlicher. Bei älteren Menschen ist ein solcher Ring dagegen häufig und ohne Krankheitswert. Langfristig kann eine Hypertriglyceridämie zu Arterienverkalkung führen. Mögliche Spätfolgen sind Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen.
Diagnose & Verlauf
Triglyceride sind wichtig für den Körper und werden teilweise mit der Nahrung aufgenommen, zu einem großen Teil aber auch in Leber und Fettgewebe synthetisiert. Erst bei Überschreiten eines bestimmten Grenzwertes ist der Tatbestand der Hypertriglyceridämie erfüllt.
Die Krankheit, die sich normalerweise nicht mit Symptomen zeigt, kann nur über eine Laboruntersuchung des Blutes diagnostiziert werden. Ob es sich dabei um eine primäre oder erworbene Hypertriglyceridämie handelt, kann allein am Messwert nicht festgestellt werden. Hinweise liefern die Krankengeschichte, die Familienanamnese und die Höhe der Werte; bei begründetem Verdacht auf eine primäre Form kann eine genetische Untersuchung Klarheit schaffen. In einigen Fällen treten direkte Symptome in Form von Xanthomen oder Xanthelasmen auf. Es handelt sich im ersteren Fall um knotige Fettablagerungen in der Haut und im letzteren Fall um ähnliche Ablagerungen an den Augenlidern.
Die Ablagerungen sind harmlos und stellen allenfalls ein kosmetisches Problem dar. Wenn die Hypertriglyceridämie über einen längeren Zeitraum besteht, können sich insbesondere kardiovaskuläre Folgekrankheiten einstellen. Lediglich ein extrem hoher Triglyceridspiegel von über 1.000 mg/dl Blut kann direkt eine Pankreatitis auslösen. Diese akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die gefährlichste unmittelbare Folge der Hypertriglyceridämie und ein lebensbedrohlicher Notfall.
Komplikationen
In einzelnen Fällen kommt es durch die Hypertriglyceridämie zu Fettablagerungen, die zum Beispiel unter der Haut oder an den Augenlidern auftreten können. Fettablagerungen in den Gefäßwänden verringern den Blutdurchfluss und lassen den Blutdruck damit steigen. Ein hoher Blutdruck kann daher zu einem Herzinfarkt führen, der nicht selten mit dem vorzeitigen Tod des Patienten verbunden ist.
Die Behandlung der Hypertriglyceridämie erfolgt meistens ohne Komplikationen. Sie wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt, die eventuell Nebenwirkungen zeigen könnten. In seltenen Fällen leiden die Patienten daher an einem Muskelschwund und an Schmerzen in den Muskeln. Weiterhin kann es in einigen Fällen zu psychischen Beschwerden kommen. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung wird die Lebenserwartung durch die Hypertriglyceridämie nicht beeinflusst. Allerdings können irreversible Schäden auch durch die Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Erkrankung Hypertriglyceridämie ist behandlungsbedürftig und sollte bereits bei den ersten Anzeichen von einem Arzt untersucht werden. Menschen mit einem hohen Körpergewicht, das nach den Vorgaben des BMI im Bereich der Fettleibigkeit eingeordnet wird, benötigen ärztliche Unterstützung. Bei einer starken Zunahme des Gewichts oder erfolglosen Versuchen der Gewichtsreduzierung ist ein Arztbesuch notwendig. Kommt es zu Funktionsstörungen oder Problemen der Verdauung, muss ein Arzt aufgesucht werden.
Kontrolluntersuchungen sind notwendig, wenn es zu Verstopfungen, Durchfall oder Auffälligkeiten beim Wasserlassen kommt. Schmerzen im Bereich der Nierengegend sind besonders besorgniserregend und sollten schnellstmöglich untersucht werden. Eine Schwäche der Muskeln oder eine Abnahme der gewohnten Muskelkraft sind Hinweise, die von einem Arzt abgeklärt werden sollten. Bei Störungen des Herz-Rhythmus, Bluthochdruck, starkem Schwitzen oder Herzrasen ist ein Arztbesuch notwendig.
Kommt es zu Atemnot, verminderten Bewegungsmöglichkeiten oder Problemen der Gelenke, benötigt der Betroffene medizinische Hilfe. Die Konsultation eines Arztes ist bei Schlafstörungen, Fetteinlagerungen, Schwellungen oder gelblichen Verfärbungen des Hautbildes unverzichtbar. Ohne eine Behandlung droht dem Betroffenen das frühzeitige Ableben. Verdickungen an den Gelenken der Ellenbogen oder der Knie sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Kommt es zu Veränderungen der Hornhaut oder einem gelblichen Farbton des Augapfels, ist ein Arzt aufzusuchen. Heftige, gürtelförmig in den Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen sind dagegen kein Fall für den nächsten Sprechstundentermin: Sie können auf eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung hindeuten, bei der sofort der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 alarmiert werden muss.
Behandlung & Therapie
Bei Vorliegen einer erworbenen Hypertriglyceridämie liegt der erste Therapieansatz in einer Änderung der äußeren krankheitsfördernden Umstände. Erst dann, wenn sich die Konzentration der Triglyceride im Blut trotz Umstellung der Lebensweise einschließlich Bewegungstherapie nach einigen Wochen nicht wesentlich verändert hat, sollte eine Medikation begonnen werden.
Beachtenswert ist, dass wirksame Medikamente zur Reduzierung des Triglyceridspiegels nur die Symptome bekämpfen, nicht aber die eigentlichen Ursachen beseitigen können. Da erhöhte Triglyceridwerte meist mit erhöhten Cholesterinwerten auftreten, sind Statine die effektivsten und am häufigsten verschriebenen Triglycerid- und Cholesterinsenker. Statine hemmen bestimmte cholesterinbildende Enzyme in der Leber.
Als Alternative für Statine gelten Fibrate aus der Stoffgruppe der Carbonsäuren, die den Fettsäureabbau fördern und somit nicht die Synthese von Triglyceriden hemmen, sondern ihren Abbau beschleunigen. Zur Senkung stark erhöhter Triglyceridwerte sind Fibrate und hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren wirksamer als Statine; Statine bleiben das Mittel der Wahl, wenn vor allem das Cholesterin erhöht ist. Beide Medikamentengruppen können Nebenwirkungen haben, die zu Myopathien mit Muskelschmerzen und auch Muskelabbau führen können.
Bei vorwiegend erhöhtem Cholesterin werden auch Gallensäurebinder eingesetzt, die die Aufnahme von Fetten und Cholesterinen im Darm hemmen. Bei ausgeprägter Hypertriglyceridämie sind sie allerdings ungeeignet, weil sie die Triglyceridwerte weiter ansteigen lassen können. Diese Mittel sind weitestgehend nur mit geringen Nebenwirkungen belastet, weil sie nicht systemisch über das Blut wirken, sondern ihre physiologische Aktivität ausschließlich im Verdauungstrakt stattfindet.
Vorbeugung
Die wirksamste Vorbeugung vor einer Hypertriglyceridämie besteht in einer gesunden Ernährung mit möglichst hohem Anteil an natürlich belassenen Nahrungsmitteln, deren Enzyme und Vitamine noch intakt sind. Ebenso wichtig ist ein Bewegungsprogramm, das regelmäßige, aber nicht übermäßig sportliche Aktivitäten vorsieht. Den größten Einfluss auf den Triglyceridspiegel haben dabei ein normales Körpergewicht, ein sparsamer Umgang mit Zucker und der Verzicht auf Alkohol.
Die Befolgung obiger Maßnahmen schützt nur vor einer sekundären (erworbenen) Hypertriglyceridämie, nicht aber vor der primären Form der Krankheit. In diesen Fällen kann eine möglichst sanfte Medikation und regelmäßige Laborkontrolle vor Sekundärschäden schützen.
Nachsorge
Die Nachsorge-Maßnahmen bei Hypertriglyceridämie konzentrieren sich auf eine gesundheitsbewusste Ernährung. Die Patienten sollten möglichst naturbelassene Nahrung zu sich nehmen, damit ihr Körper intakte Enzyme und Vitamine bekommt. In Kombination mit einem individuellen Bewegungsprogramm verstärkt sich der Schutz gegen eine Verschlechterung des Zustands. Die Aktivitäten sollten den Körper jedoch nicht überlasten.
Es sollte also verstärkt und regelmäßig sanfter Sport betrieben werden, bei dem es sich typischerweise um ein moderates Ausdauertraining handelt. Eine solche Nachsorge eignet sich jedoch lediglich für die Therapie der sekundären Erkrankung. Bei einer primär auftretenden Erkrankung kommen andere Maßnahmen zum Einsatz.
Hier empfiehlt der Arzt zumeist eine gemäßigte Medikation und eine engmaschige Laborkontrolle, um Sekundärschäden rechtzeitig zu erkennen. Die gesündere Lebensweise sollte später im Alltagsleben weiter konsequent eingehalten werden. Dadurch verbessern sich die Blutwerte, wie die regelmäßigen Untersuchungen zeigen. Bei Patienten mit Übergewicht rät der Arzt außerdem zu einer Gewichtsreduktion.
Fettreduzierte Nahrungsmittel und der Verzicht auf tierische Fette unterstützen die Gesundung. Süße, zuckerhaltige Getränke und Speisen sowie Weißmehl-Backwaren sollten vom Speiseplan verschwinden oder nur noch in geringen Mengen verzehrt werden. Zu den empfohlenen Nahrungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren gehören Nüsse, Seefisch und Leinöl.
Das können Sie selbst tun
Da Triglyceride zum einen mit der Nahrung direkt aufgenommen werden und zum anderen aus Kohlenhydraten vom Körper selbst hergestellt werden können, kann über die Ernährung ein wichtiger Beitrag zur Senkung des Triglyceridspiegels im Blut beigetragen werden. Dies ist vor allem bei der erworbenen Form der Hypertriglyceridämie der Fall.
Da viele der Betroffenen an Übergewicht leiden, ist als Grundvoraussetzung eine Gewichtsreduktion und die Änderung von Lebensgewohnheiten unumgänglich. Hierzu sollte eine fettreduzierte Diät eingehalten werden, insbesondere auf tierische Fette sollte dabei verzichtet werden. Es empfehlen sich Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, wie es beispielweise bei Nüssen, Leinöl und Seefischen der Fall ist. Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel wie Süßspeisen, Fruchtsäfte oder Backwaren sollten weitestgehend gemieden werden, da der Körper aus ihnen zusätzliche Triglyceride bildet. Möglich ist hier der Ersatz durch Süßstoffe, da sie keinen Einfluss auf die Fette haben. Auf Alkohol sollten die Betroffenen wenn möglich vollständig verzichten, er liefert ebenfalls reichlich Energie und regt in der Leber die Bildung weiterer Fette an.
Neben einer Ernährungsumstellung kann auch durch regelmäßige sportliche Betätigung den erhöhten Blutfettwerten entgegengewirkt werden. Es empfiehlt sich drei- bis fünfmal die Woche ein moderates Ausdauertraining von wenigstens 30 Minuten zu machen.
Quellen
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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- Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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- Biesalski, H.-K., Bischoff, S.C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
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