In-vitro-Maturation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die In-vitro-Maturation (IVM) ist eine Variante der In-vitro-Fertilisation (IVF) und damit eine Methode der künstlichen Befruchtung. Dabei reifen vorher entnommene Eizellen in einer Petrischale, bis sie dann mit dem Samen des Mannes künstlich befruchtet und in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden.
Was ist die In-vitro-Maturation?
Als eine Form der In-vitro-Fertilisation gehört auch die In-vitro-Maturation zu den assistierten Reproduktionsverfahren. In der assistierten Reproduktion, auch künstliche Befruchtung genannt, vereinigt der behandelnde Arzt den Samen des Mannes und die Eizelle der Frau innerhalb oder außerhalb des Körpers der Frau.
Bei der In-vitro-Maturation erfolgt die Vereinigung außerhalb des weiblichen Körpers, sodass der Frau eine bereits befruchtete Eizelle in die Gebärmutter eingesetzt wird. Von einem unerfüllten Kinderwunsch spricht man in der Regel dann, wenn ein Paar mindestens ein Jahr lang regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und eine Schwangerschaft trotzdem ausbleibt.
Die In-vitro-Maturation gilt als schonender als die klassische In-vitro-Fertilisation. Bei dieser werden der Frau zunächst hohe Hormondosen verabreicht mit dem Ziel, dass mehrere Eizellen auf einmal im Körper der Frau heranreifen. Bei der In-vitro-Maturation werden die Eizellen in unreifer Form aus den Eierstöcken entnommen und reifen dann im Labor nach.
Funktion, Wirkung & Ziele
Sind diese Hormone nicht im Normbereich, kann es zu Problemen bei der künstlichen Befruchtung kommen und es wird möglicherweise nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Zusammengefasst wird mit diesen Untersuchungen geprüft, ob eine In-vitro-Maturation in diesem Zyklus überhaupt erfolgversprechend ist oder ob erst weitere vorbereitende Maßnahmen getroffen werden müssen.
Sind alle Voraussetzungen gegeben, erfolgt ungefähr am achten Zyklustag eine Entnahme der Eizellen. Dafür ist eine Narkotisierung der Frau erforderlich. Die entnommenen Eizellen werden anschließend ins Labor gebracht und reifen dort im Reagenzglas bzw. in der Petrischale nach. Eine Untersuchung auf Fehler im Erbgut gehört nicht regelhaft dazu; die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland nur in eng begrenzten Ausnahmefällen und nach Zustimmung einer Ethikkommission zulässig.
Einen Tag nach der Eizellgewinnung erfolgt die Spermienabgabe des Mannes. Die Spermien werden dann mit der Eizelle zur Befruchtung zusammengeführt. Ist die Befruchtung geglückt, wird die befruchtete Eizelle der Frau dann entweder sofort oder im nächsten Zyklus eingesetzt. Um die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung des Embryos zu erhöhen, erfolgt vor dem Embryotransfer eine spezielle und standardisierte Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut. Die In-vitro-Maturation bietet sich vor allem bei Patientinnen an, die unter dem sogenannten polyzystischen Ovar-Syndrom (PCO) leiden. Bei diesen Patientinnen besteht bei der klassischen künstlichen Befruchtung die Gefahr einer hormonellen Überstimulation.
Zudem kann die Methode der In-vitro-Maturation auch angewendet werden, wenn eine Schwangerschaft nicht direkt nach der Entnahme der Eizellen gewünscht ist. Unreife Eizellen können im Gegensatz zu reifen Eizellen nämlich auch aus eingefrorenem Eierstockgewebe gewonnen werden. Dies bietet vor allem Krebspatientinnen, die mittels Chemo- oder Bestrahlungstherapie behandelt werden, die Möglichkeit einer Kinderwunschbehandlung, wenn die Krebstherapie abgeschlossen ist.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die IVM-Behandlung ist zwar einfacher durchzuführen und schonender für die Frau als die traditionelle In-vitro-Fertilisation, die Erfolgsquote ist allerdings deutlich geringer. Nur bei 10 bis 15% der behandelten Frauen tritt tatsächlich eine Schwangerschaft ein. Für die IVF werden dagegen Erfolgsquoten von rund 40 Prozent angegeben. Dafür sind allerdings in der Regel mehrere Behandlungszyklen nötig.
Die Eizellentnahme ist eine Operation mit allen gängigen Operationsrisiken. Es kann zur Verletzung der Eierstöcke, der Gebärmutter oder anderer angrenzender Organstrukturen kommen. Auch Infektionen des Bauchraumes sind denkbar. Bei der Narkose besteht das Risiko von Herz-Kreislaufstörungen bis hin zum Herzstillstand. Bisher scheint eine IVM-Behandlung sich nicht negativ auf die Schwangerschaft, die Geburt oder die kindliche nachgeburtliche Entwicklung auszuwirken. Da es sich wie bereits erwähnt aber noch um ein sehr junges Verfahren handelt, existieren noch keine Langzeitdaten zur Entwicklung von Kindern, die mithilfe der In-vitro-Maturation gezeugt wurden.
Neben den körperlichen Risiken für die Frau und den möglichen Komplikationen bei der Kindesentwicklung ist auch die psychische Belastung nicht zu unterschätzen. Paare, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, leiden oft schon jahrelang unter ihrer Kinderlosigkeit und stehen nicht selten auch unter dem Leistungsdruck, dass es diesmal doch unbedingt klappen muss. Scheitert die IVM, verlieren die Betroffenen oft ihren vermeintlich letzten Rettungsanker, sodass es zu Depressionen und nicht selten auch zu einem Scheitern der Beziehung kommt.
Zu der psychischen Belastung kommt auch noch eine finanzielle Belastung. Die IVM ist ein recht aufwendiges Verfahren, bei dem einige kostspielige Vortests erforderlich sind. So entsteht ein nicht unerheblicher Sachkostenaufwand für den Ultraschall, die Hormonmessungen, die Eizellpunktion, die Narkose, das Labor und die erforderlichen Medikamente. Die IVM-Behandlung wird bislang nicht von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet, sodass das Paar die Kosten selbst trägt.
Vorbereitung und Beratung
Wie bei jeder Kinderwunschbehandlung steht am Anfang die Abklärung beider Partner. Bei der Frau werden Zyklus und Hormonlage untersucht, Gebärmutter und Eierstöcke im Ultraschall beurteilt und, falls erforderlich, die Durchgängigkeit der Eileiter geprüft. Beim Mann gibt das Spermiogramm Auskunft über Zahl, Beweglichkeit und Form der Samenzellen. Hinzu kommen Blutuntersuchungen auf Infektionen, die in einer Schwangerschaft eine Rolle spielen, sowie die Kontrolle von Impfschutz und Schilddrüsenfunktion.
Eine Besonderheit der In-vitro-Maturation liegt darin, dass die Zahl der Eibläschen in den Eierstöcken für die Planung eine größere Rolle spielt als bei anderen Verfahren. Weil auf eine kräftige Hormonstimulation verzichtet wird, hängt die Ausbeute unmittelbar davon ab, wie viele kleine Eibläschen zu Zyklusbeginn vorhanden sind. Frauen mit vielen solchen Eibläschen sind daher für die Methode besonders geeignet – ein Umstand, der erklärt, warum gerade Patientinnen mit einem PCO-Syndrom von ihr profitieren.
Zur Beratung gehört eine offene Aussprache über den Stand des Verfahrens. Die In-vitro-Maturation wird nur an wenigen Zentren angeboten, die Datenlage ist schmaler als bei den etablierten Verfahren, und die Kosten sind selbst zu tragen. Wer sich dafür entscheidet, sollte wissen, worauf er sich einlässt, und ebenso, welche Alternativen bestehen. Auch die zeitliche und seelische Belastung wird angesprochen; eine begleitende psychosoziale Beratung gehört zum Angebot der Kinderwunschzentren.
Die Reifung im Labor
Der entscheidende Unterschied zu den herkömmlichen Verfahren liegt im Zustand der entnommenen Eizellen. Sie befinden sich noch in einem frühen Stadium, in dem der Zellkern als sogenanntes Keimbläschen erkennbar ist. Erst mit der Reifung wird die für die Befruchtung nötige Halbierung des Chromosomensatzes eingeleitet; sichtbares Zeichen dafür ist das Ausstoßen eines kleinen Zellkörperchens, des ersten Polkörperchens. Eine Eizelle gilt als reif und befruchtungsfähig, wenn dieser Schritt vollzogen ist.
Die Reifung findet in einem eigens dafür zusammengesetzten Kulturmedium statt, das Nährstoffe, Eiweiße und Hormone enthält, die im Körper von der Umgebung des Eibläschens bereitgestellt würden. Der Vorgang dauert je nach Ausgangszustand unterschiedlich lange, und nicht jede entnommene Eizelle erreicht das reife Stadium. Aus diesem Grund werden von vornherein mehr Eizellen gewonnen, als am Ende gebraucht werden.
Auch die Entnahme selbst unterscheidet sich. Da unreife Eibläschen deutlich kleiner sind als sprungreife, ist ihre Punktion technisch anspruchsvoller; sie verlangt dünnere Nadeln, einen angepassten Sog und Erfahrung des Untersuchers. Manche Zentren geben vor der Entnahme eine kurze, zurückhaltend dosierte Hormongabe, um die Ausbeute und die Reifungsbereitschaft zu verbessern.
Für die Befruchtung wird nach einer Reifung im Labor überwiegend die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion eingesetzt, bei der eine einzelne Samenzelle mit einer feinen Pipette direkt in die Eizelle eingebracht wird. Der Grund liegt darin, dass sich die Hülle der Eizelle während der Reifung außerhalb des Körpers verändern kann, sodass das Eindringen einer Samenzelle auf natürlichem Weg erschwert ist. Weil ohne Stimulation der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut nicht mit der Entwicklung im Labor Schritt hält, wird die Schleimhaut vor dem Einsetzen gezielt mit Hormonen vorbereitet.
Das Einsetzen selbst verläuft wie bei den übrigen Verfahren der künstlichen Befruchtung: Über einen dünnen, weichen Katheter wird der Keim durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle eingebracht, in der Regel ohne Narkose und für die meisten Frauen kaum schmerzhaft. In der Zeit danach wird die zweite Zyklushälfte mit einem Gelbkörperhormon unterstützt. Über das Ergebnis gibt zunächst ein Schwangerschaftstest Auskunft, später eine Ultraschalluntersuchung, die klärt, ob sich der Keim in der Gebärmutter eingenistet hat.
Für wen das Verfahren infrage kommt
Die wichtigste Gruppe sind Frauen, bei denen eine kräftige Hormonstimulation ein besonderes Risiko trägt. Beim PCO-Syndrom sind in den Eierstöcken viele kleine Eibläschen angelegt, die auf eine Stimulation überschießend reagieren können. Das Überstimulationssyndrom, das daraus entstehen kann, gehört zu den ernsteren Komplikationen der Kinderwunschbehandlung: Die Eierstöcke schwellen an, Flüssigkeit tritt in den Bauchraum aus, und das Blut dickt ein, was das Risiko für Blutgerinnsel erhöht. Wird auf die Stimulation weitgehend verzichtet, entfällt dieser Weg der Entstehung.
Ein zweiter Anwendungsbereich sind Frauen, die aus anderen Gründen keine oder nur wenig Hormone erhalten sollen – etwa bei einer hormonempfindlichen Erkrankung. Auch wenn wenig Zeit bleibt, weil eine andere Behandlung dringlich ist, kann der Verzicht auf die mehrwöchige Vorbereitung ein Vorteil sein.
Für die Frau bedeutet die Methode im Alltag einen geringeren Aufwand: weniger Spritzen, weniger Kontrolltermine und eine kürzere Vorbereitungszeit. Dem steht die geringere Aussicht auf eine Schwangerschaft gegenüber. Diese Abwägung – schonender, aber weniger erfolgreich – ist der Kern jeder Beratung zu diesem Verfahren, und sie fällt je nach Ausgangslage unterschiedlich aus. Für eine Frau mit hohem Überstimulationsrisiko kann sie anders ausfallen als für eine Frau, bei der eine gewöhnliche Stimulation unbedenklich ist.
Erhalt der Fruchtbarkeit vor einer Krebstherapie
Ein Anwendungsgebiet, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, ist der Erhalt der Fruchtbarkeit bei jungen Frauen, die vor einer Behandlung mit Chemotherapie oder Strahlentherapie stehen. Beide können die Reserve an Eizellen dauerhaft schädigen; wie stark, hängt von der Art der Behandlung und vom Alter ab. Wer sich zu diesem Zeitpunkt mit einer schweren Diagnose auseinandersetzen muss, steht zugleich unter Zeitdruck, denn die Krebsbehandlung soll nicht unnötig aufgeschoben werden.
Genau hier liegt der Vorzug eines Verfahrens, das ohne lange Hormonvorbereitung auskommt. Hinzu kommt, dass sich unreife Eizellen auch aus Gewebe gewinnen lassen, das im Rahmen einer Entnahme von Eierstockgewebe anfällt, und nicht allein aus einem stimulierten Zyklus. Für Frauen mit einer hormonempfindlichen Erkrankung wie manchen Formen von Brustkrebs ist zudem bedeutsam, dass eine kräftige Stimulation die Hormonwerte im Blut stark ansteigen lässt, was in dieser Situation vermieden werden soll.
Über diese Wege wird im Rahmen einer eigenen Beratung gesprochen, an der Reproduktionsmedizin und die behandelnden Krebsspezialisten gemeinsam beteiligt sind. Eine Zusage, dass später tatsächlich eine Schwangerschaft eintritt, kann keines dieser Verfahren geben; sie eröffnen eine Möglichkeit, mehr nicht. Für viele Betroffene ist gerade das ein wichtiger Gedanke in einer Lebenslage, in der vieles nicht mehr in der eigenen Hand liegt.
Rechtlicher Rahmen und wissenschaftliche Einordnung
Für die In-vitro-Maturation gelten dieselben gesetzlichen Vorgaben wie für die übrigen Verfahren der künstlichen Befruchtung. Das Embryonenschutzgesetz untersagt in Deutschland unter anderem die Eizellspende und die Leihmutterschaft, begrenzt die Zahl der übertragenen Embryonen und verbietet es, mehr Embryonen zu erzeugen als übertragen werden sollen. Daraus folgt auch hier die Praxis, überzählige Zellen im Vorkernstadium einzufrieren. Eine Untersuchung des Erbguts vor dem Einsetzen ist nur in eng begrenzten Ausnahmefällen und nach zustimmendem Votum einer Ethikkommission zulässig.
Wissenschaftlich ist das Verfahren schwerer einzuordnen als die etablierten Methoden. Es wird an vergleichsweise wenigen Zentren angeboten, die Zahl der auf diesem Weg entstandenen Kinder ist gering, und die Kulturbedingungen unterscheiden sich von Labor zu Labor, was den Vergleich von Ergebnissen erschwert. Fachliche Diskussionen drehen sich unter anderem darum, ob die Reifung außerhalb des Körpers die Eizelle in einer Weise verändert, die sich später auswirkt. Belastbare Aussagen dazu setzen Beobachtungen über lange Zeiträume voraus, die für ein junges Verfahren naturgemäß noch nicht in gleichem Umfang vorliegen wie für die seit Jahrzehnten geübten Methoden.
Für Paare, die eine In-vitro-Maturation erwägen, ergibt sich daraus eine praktische Folgerung: Sie sollten sich erläutern lassen, welche Erfahrung das jeweilige Zentrum mit dem Verfahren hat, wie viele Behandlungen dort durchgeführt werden und welche Ergebnisse es damit erzielt. Bei einem Verfahren, das stark von der Erfahrung des Labors und des Untersuchers abhängt, ist diese Frage kein Misstrauen, sondern Teil einer sachgerechten Entscheidung.
Quellen
- Diedrich, K., Ludwig, M., Griesinger, G. (Hrsg.): Reproduktionsmedizin.
ISBN: 9783662576359
- Strowitzki, T., Ortmann, O. (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.
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- Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
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- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
ISBN: 9783437239175
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
