Malakoplakie

Letzte Aktualisierung am 2. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Malakoplakie gehört zu den seltenen Blasen- und Harnwegserkrankungen, die auch an anderen Stellen auftreten kann. Die Diagnose erfolgt labortechnisch und mit unterschiedlichen bildgebenden Verfahren. In der Regel ist sie medikamentös zu behandeln, weswegen chirurgische Maßnahmen eher selten erforderlich sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Malakoplakie?

Bei der Malakoplakie handelt es sich um eine chronische Harnwegsentzündung des Gastrointestinaltraktes und anderer Organsysteme wie die Niere, der Harnleiter und der Magen-Darm-Bereich. Darüber hinaus kann die Malakoplakie auch die Lunge, den Hals, die Zunge, den Genitaltrakt, die Haut und das zentrale Nervensystem betreffen.

Zystoskopisch zeigen sich multiple flache Vorwölbungen der Schleimhaut, die sich teilweise erhaben, weißlich-grau und plaqueartig präsentieren. Makroskopisch stellt sich die Schleimhaut wie zystoskopisch beschrieben eventuell mit einem hämorrhagischen Randsaum dar. Bedingt durch narbige Prozesse kann sich die Läsion im Laufe der Zeit verfestigen.

Auch wenn die Harnblase der Frau am häufigsten erkrankt, kann es vorkommen, dass auch andere Harnwegsorgane von Anfang an oder im Verlauf der Erkrankung erkranken. Nicht selten liegt eine Abwehrschwäche, ein Immundefekt oder ein Tumorleiden vor. Betroffen sind meist Menschen ab dem 50. Lebensjahr mit einer chronischen E. coli Infektion.

Frauen erkranken viermal häufiger als Männer. Die Prognose bei Malakoplakie der Harnblase oder einem unilateralen Befall der Niere ist nach adäquater Therapie gut. Liegt ein bilateraler Nierenbefall vor, ist die Sterblichkeit innerhalb von sechs Monaten jedoch hoch.

Ursachen

Eine Ursache für die Malokoplakie ist eine nicht intakte intraphagosomale Bakterienzersetzung der Makrophagen im Zusammenhang mit einer chronisch bakteriellen Infektion ausgelöst. Der Nidus für die Bildung von intrazellulären Michaelis-Gutmann-Körperchen sind die nicht abgebauten Reste der Bakterienansiedlung. Als Risikofaktoren werden chronische Harnwegsinfektionen mit E. coli (in 90 Prozent der Fälle), eine Immunschwäche oder maligne Erkrankung oder auch andere Systemerkrankungen mit schwächender Auswirkung.

Auch ein Defekt der Monozyten beziehungsweise der Makrophagen ist als mögliche Ursache in Betracht zu ziehen. Hier sind die im Blutkreislauf zirkulierenden Monozyten für die Bildung von Makrophagen zu nennen. Diese Makrophagen gehören nach ihrer Umwandlung in Form von großen und beweglichen Zellen zum zellulären Immunsystem.

Dort nehmen sie Krankheitserreger und Bakterien in sich auf, verdauen sie und machen sie auf diese Weise unschädlich. Deswegen werden die Makrophagen auch als Fresszellen bezeichnet. Ist dieser Abwehrprozess gestört, nehmen die Makrophagen die Bakterien zwar auf, aber nur unvollständig verdaut. Die nicht richtig verdauten Bakterien sammeln sich. Das Ergebnis ist eine granulomatöse Zellansammlung als Antwort der Immunzellen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Sind die Harnwege an Malakoplakie erkrankt, dann zeigt sich dies durch chronische Harnwegsinfekte, einem vermehrten Harndrang aber auch roten Blutkörperchen im Urin, was als Hämaturie bezeichnet wird. Ist der Darm betroffen, sind konstanter oder ständig wiederkehrender Durchfall (Diarrhoe), Leib- und/oder Bauchschmerzen und ein Völlegefühl die Symptome.

Vaginalblutungen deuten eindeutig auf eine Erkrankung des Genitaltraktes hin. Papeln, juckende Hautausschläge aber auch Geschwüre im Bauchbereich oder im Gesicht beziehungsweise der Analregion deuten darauf hin, dass die Haut an Malakoplakie erkrankt ist. Zu den unspezifischen Symptomen gehören Schmerzen und Fieber. Es ist durchaus möglich, dass eine Malakoplakie mit granulomatösen Erkrankungen wie beispielsweise einer Tuberkulose oder Karzinomen, zum Beispiel einem Prostatakarzinom, einhergeht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Am Anfang steht die Anamnese mit Fragen nach aktuellen Symptomen und Problemen. Es folgt die Lokalisation und die Festlegung, wann, wie oft und in welcher Intensität diese auftreten. Diese Differenzialdiagnostik bildet die Basis für die sich anschließenden Untersuchungen und Therapien. Labortechnisch wird mittels einer Urinkultur und einer Blutkultur bestimmt, wie sich die Laborwerte darstellen. Es folgt die radiologische Diagnostik mit einer Sonografie und einem CT des Abdomens.

Beim Urogramm, auch Urographie genannt, wird ein Röntgenkontrastbild erstellt. Die bildlichen Darstellungen der frühen Urographie nach ein paar Minuten der Kontrastmittelinjektion werden verglichen mit der späten Urographie innerhalb von 24 Stunden. Es können Funktionsstörungen der Nieren, eine Ausscheidungshemmung aber auch ein Hindernis der ableitenden Harnwege festgestellt werden.

Bei der Urothomografie Ausscheidungsurographie werden Schichtaufnahmen (circa fünf bis zehn Minuten p. i.) angefertigt. Ein Späturogramm kann angeschlossen werden.

Die Infusionsurografie dient nach intravenös zugeführter Kontrastmittelgabe in größerer Menge zur Darstellung der ableitenden Harnwege. Diese Untersuchung kann auch bei einer Niereninsuffizienz sowie bei unzureichender Vorbereitung durchgeführt werden. Die Darstellung hat eine hohe Intensität.

bei einem CT-Abdomen werden scheibchenweise Bilder des Bauchraums angefertigt. Dies ermöglicht, nicht nur Form und Lage, sondern auch die Beschaffenheit von Gewebe und Organen zu beurteilen. Krankhafte Veränderungen und Gewebeveränderungen können direkt beurteilt werden.

Das Mittel der Wahl für eine gesicherte Diagnostik stellt häufig die Endoskopie. Für die Untersuchung der Harnblase, beim Mann inklusive der Harnröhre, handelt es sich um eine Blasenspiegelung (Zytoskopie) mit dem Zytoskop, auch Urethrozystoskopie genannt. Für diese Untersuchung wird die Blasse mit einer sterilen Flüssigkeit gefüllt.

Mit der kleinen Kamera am Zytoskop kann der Arzt die Harnblase wie unter der Lupe einsehen und diagnostizieren. Die gelblich- weißen Knötchen und Plaqueablagerungen auf dem Gewebe können damit deutlich nachgewiesen werden. Die letzte Sicherheit ist mit einem histologischen Befund zu erzielen. Erkennbare Läsionen und sonstige Veränderungen werden dafür einer Gewebeentnahme (Biopsie) unterzogen.

In der Histologie zeigen sich große Histiozyten, sogenannte Hansemannzellen, aber auch kleine basophile sowie intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen (Michaelis-Gutmann-Körperchen) aus einer Extrazellulärmatrix, die sich pathognomonisch darstellen.

Ist die Harnblase befallen, ist eine Dysurie genauso abzuklären wie eine Pollakisurie und Hämaturie. Auch eine Harnstauungsniere und ein renaler Befall mit radiologischen Zeichen von Raumforderungen müssen abgeklärt werden, da sie im engen Konsens stehen können. Bei Männern ist der Hoden in die Untersuchungen mit einzubeziehen.

Komplikationen

Durch die Malakoplakie leiden die Betroffenen an Beschwerden, die vor allem an der Blase oder an den Harnwegen auftreten. Diese Beschwerden wirken sich nicht selten auch auf die Psyche des Patienten aus, sodass es zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen kommt. Weiterhin leiden die Patienten an Bauchschmerzen und an einem Völlegefühl.

Frauen können von unerwarteten Vaginalblutungen und Stimmungsschwankungen betroffen sein. Ebenso treten Ausschläge und Juckreiz auf der Haut, sodass die Lebensqualität des Betroffenen durch die Malakoplakie deutlich eingeschränkt wird. Im Bereich des Bauches können sich Geschwüre ausbilden und dabei zu Schmerzen führen.

Nicht selten kommt es dabei auch zu Fieber und zu einer allgemeinen Abgeschlagenheit des Patienten. In vielen Fällen bilden sich auch verschiedene Krebserkrankungen aus, die im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten führen können. In diesem Falle wird auch die Lebenserwartung des Patienten deutlich verringert.

Die Behandlung der Malakoplakie findet mit Hilfe von Medikamente statt. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf, allerdings können nicht immer alle Beschwerden vollständig eingeschränkt werden. Im schlimmsten Falle erleiden die Betroffenen eine Niereninsuffizienz und versterben an den Beschwerden der Malakoplakie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Leidet der Betroffene wiederholt unter einer Harnwegsinfektion, sollte dies mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Kommt es zu anhaltenden Schmerzen oder Störungen beim Wasserlassen, ist ein Arztbesuch notwendig, damit die Ursache der Beschwerden ermittelt werden kann. Ein Harndrang, der sich bereits kurz nach einem erfolgreichem Toilettengang erneut einstellt, ist ein Hinweis auf eine bestehende Unregelmäßigkeit im Organismus. Hält diese Beschwerde über mehrere Wochen oder Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Störungen der Verdauung, Geräuschen des Darms oder Durchfall ist eine medizinische Versorgung durch einen Arzt vonnöten.

Kommt es zu einer inneren Unruhe, einer zunehmenden Gereiztheit, nimmt die Leistungsfähigkeit des Betroffenen ab oder stellt sich ein erhöhter Schlafbedarf ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Veränderungen des Hautbildes werden weitere medizinische Tests benötigt, um die Ursache zu ermitteln. Stellt sich ein Ausschlag ein oder kommt es zu einem Juckreiz auf der Haut, sind die Auffälligkeiten von einem Arzt begutachten zu lassen. Bei offenen Wunden ist eine sterile Wundversorgung notwendig, damit sich keine weiteren Erkrankungen oder Komplikationen einstellen. Wird Blut im Urin bemerkt oder treten Vaginalblutungen auf, die nicht mit der weiblichen Monatsblutung im Zusammenhang stehen, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch stattfinden.

Behandlung & Therapie

Medikamentös erfolgt eine Langzeitantibiose mit Fluorchinolonen (Gyrasehemmer). Bekannt sind Cotrimocazol, Rifampicin, Sulfanamiden beziehungsweise Dozycyclin. Bisher ist jedoch noch keine einheitliche Behandlungsdauer, so dass von einer Langzeittherapie meistens ausgegangen wird.

In seltenen Fällen ist eine chirurgische Sanierung mittels Resektion oder Harnleiterschienung (Nephrektomie) erforderlich. So ist zum Beispiel bei pseudotumorösen Entwicklungsstadien eine chirurgische Resektion erforderlich. Eine Nephrektomie beziehungsweise Teilnephrektomie wird häufig von einer Dauerchemotherapie mit beispielsweise Trimethoprim-Sulfamethoxazol durchgeführt.

Die Entscheidung sollte auf jeden Fall in Abhängigkeit von den Beschwerden und der Organfunktion getroffen werden. Die Prognosen stellen sich mittlerweile positiv dar. Allerdings kann es nach abgeschlossener Behandlung einer Harnwegsbeteiligung oder Harnwegserkrankung durch ein Rezidiv zu Nierenversagen kommen.

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Vorbeugung

Bisher sind weder in der klassischen Schulmedizin noch in der homöopathischen Naturheilkunde Mittel und Wege bekannt, mit denen einer Malakoplakie vorgebeugt werden könnte. Damit diese Erkrankung im Anfangsstadium erkannt wird, sollte mindestens ein Mal im Jahr eine urologische Untersuchung durchgeführt werden. Treten Symptome auf, ist eine direkte Untersuchung durch den Urologen anzuraten. Im Anfangsstadium reicht fast immer eine medikamentöse Behandlung wie hier beschrieben.

Das können Sie selbst tun

Eine Malakoplakie muss ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Begleitend zur Langzeitantibiose sollte sich der Patient schonen. Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die Funktion der Harnwege durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu unterstützen. Die Diät darf keine Lebensmittel enthalten, die die Blasen- und Harnwege belasten könnten. So sollten zum Beispiel zitrushaltige Speisen, Zitronensäfte und alkoholische Getränke vermieden werden. Die Antibiotika-Behandlung lässt sich durch Bettruhe und später auch durch sanften Sport unterstützen. Der Intimbereich muss warmgehalten werden, um eine weitere Erkrankung der Harnwege zu vermeiden.

Je nachdem, welche Beschwerden vorliegen und wie sehr die Organfunktion beeinträchtigt ist, kann eine homöopathische Behandlung sinnvoll sein. Wirksam sind zum Beispiel Belladonna und Arnika sowie Globuli aus den Wirkstoffen der Teufelskralle. Um Wechselwirkungen mit den eingenommenen Antibiotika zu vermeiden, sollte eine alternative Behandlung zuvor mit den verantwortlichen Arzt besprochen werden.

Nachdem die Therapie abgeschlossen wurde, muss der Patient regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. Nur durch eine engmaschige Kontrolle lässt sich ein erneuter Ausbruch frühzeitig erkennen. Treten die typischen Beschwerden auf, ist eine sofortige Abklärung durch den Urologen angezeigt.

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016


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