Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit)

Letzte Aktualisierung am 20. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Morbus Basedow, auch Basedowsche Krankheit genannt, ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die in der Regel mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einhergeht. Dabei sind Frauen vier bis fünfmal häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Basedow?

Als Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit) wird eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse bezeichnet, die mit einer Überfunktion (Hyperthyreose)und Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) einhergeht.

Bei Morbus Basedow liegt ein Überschuss an thyreoideastimulierendem Hormon TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon) vor. Infolge einer Störung des Immunsystems werden körpereigene Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe, so genannte TSH-Rezeptoren-Antikörper (TRAK), gebildet, die an den TSH-Rezeptoren an der Gewebeoberfläche der Schilddrüse andocken, eine vom normalen hormonellen Regulierungssystem entkoppelte Überproduktion von Schilddrüsenhormonen stimulieren und sukzessiv eine Schilddrüsenüberfunktion bewirken.

Symptomatisch äußert sich ein Morbus Basedow in der Regel durch eine unterschiedlich ausgeprägte Struma (vergrößerte Schilddrüse) oftmals in Kombination mit endokriner Orbitopathie (hervortretender Augapfel) sowie Tachykardie (Herzrasen), wobei dieser Symptommix bei Morbus Basedow auch als Merseburger Trias bezeichnet wird.

Ursachen

Die Ursachen für Morbus Basedow sind bis heute nicht geklärt. Es wird aber von einer genetischen Prädisposition (Veranlagung) ausgegangen, da die Erkrankung häufiger in bestimmten Familien auftritt und sich bei eineiigen Zwillingen in vielen Fällen gemeinsam manifestiert.

Ferner weisen von Morbus Basedow Betroffene spezifische gemeinsame genetische Eigenschaften auf. Daneben wird vermutet, dass Umweltfaktoren, hormonelle Veränderungen sowie Stressfaktoren die Manifestation sowie den Verlauf von Morbus Basedow beeinflussen. So gilt eine Schwangerschaft beispielsweise als gesicherter Auslösefaktor, wenngleich noch nicht abschließend nachgewiesen werden konnte, dass dies ursächlich auf die hormonelle Umstellung (veränderter Östrogen- und Progesteronspiegel) während und nach der Schwangerschaft zurückzuführen ist.

Daneben werden auch Infektionen durch Bakterien (u.a. Yersinia enterocolitica) und Viren (u.a. Retroviren) sowie eine übermäßige Jodzufuhr als mögliche Auslöser von Morbus Basedow diskutiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen bei Morbus Basedow beeinflusst viele Körperfunktionen und kann damit sehr unterschiedliche Beschwerden auslösen. Ein gestörter Stoffwechsel macht sich durch stetige Gewichtsabnahme trotz ausreichender Nahrungsaufnahme bemerkbar, typisch sind auch Schweißausbrüche, Hitzewallungen und häufiger Stuhlgang. Ein- und Durchschlafstörungen sowie eine erhöhte Reizbarkeit weisen auf eine Beteiligung des vegetativen Nervensystems hin.

Der Herzschlag kann sich beschleunigen und verlangsamt sich auch in der Nacht nicht, dazu können Bluthochdruck und Atemnot kommen. Frauen leiden häufig unter Zyklusstörungen, in deren Folge die Regelblutung ausbleibt – die Fruchtbarkeit wird dadurch herabgesetzt. Bei Männern treten im Rahmen der Basedowschen Krankheit oftmals Potenzstörungen auf, bei beiden Geschlechtern kann das Lustempfinden eingeschränkt sein.

Eine Störung des Knochenstoffwechsels kann eine Osteoporose auslösen, die sich durch eine verminderte Knochendichte und eine erhöhte Neigung zu Knochenbrüchen bemerkbar macht. Häufig entwickelt sich eine Muskelschwäche, auch Muskelschmerzen in Ruhe oder bei Belastung kommen vor. Gelegentlich ist ein vermehrtes Zittern der Hände zu beobachten.

Oftmals fallen bei den Betroffenen hervortretende Augen („Basedow‘sche Glotzaugen“) auf: Die Augenveränderungen gehen in vielen Fällen mit einem schmerzhaften Druckgefühl, Sehstörungen, einer Reizung der Bindehaut und erhöhter Lichtempfindlichkeit einher. Weitere typische Anzeichen sind eine Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf), sehr warme, trockene Haut und übermäßiger Haarausfall.

Diagnose & Verlauf

Der Arzt ertastet die Schilddrüsenvergrößerung bei Morbus Basedow

Ein Morbus Basedow lässt sich anhand der Struma (vergrößerte Schilddrüse) ertasten. Mehr als 50 Prozent der von Morbus Basedow Betroffenen weisen eine endokrine Orbitopathie auf, bei welcher die Augen infolge von Entzündungsprozessen in den Augenhöhlen und im Augenhintergrundgewebe hervortreten.

Daneben zeigt eine Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse hypoechogene (echoarme) Gewebestrukturen. Im Rahmen einer Szintigrafie (nuklearmedizinisches Bildgebungsverfahren) kann die erhöhte Produktion von Schilddrüsenhormonen festgestellt werden. Daneben dient eine genaue Blutuntersuchung zur Bestimmung der Hormon- und Antikörperkonzentration einer Sicherung der Diagnose und wird differentialdiagnostisch angewandt, um Morbus Basedow von anderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (bspw. Hashimoto-Thyreoiditis) abzugrenzen.

So ist die TRAK-Konzentration bei von Morbus Basedow Betroffenen in der Regel erhöht. Morbus Basedow weist einen chronischen Verlauf auf, der individuell sehr verschieden sein kann und durch Spontanremissionen (Spontanheilung) wie auch Rezidiven (Rückfall) gekennzeichnet ist.

Komplikationen

Morbus Basedow ist eine Erkrankung, die Komplikationen zur Folge haben kann. Wird das Leiden auf die Dauer nicht medizinisch behandelt, drohen unter anderem Herzprobleme wie Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Zu den gefürchteten Auswirkungen der Basedowschen Krankheit gehört die thyreotoxische Krise, bei der es sich um eine gravierende Entgleisung des Stoffwechsels handelt.

Sie tritt zwar nur selten auf, stellt jedoch eine lebensgefährliche Notfallsituation dar. Die Gefahr einer thyreotoxischen Krise erhöht sich bei einer schweren Überfunktion der Schilddrüse oder durch das Absetzen der verordneten Medikamente. Aber auch eine falsche Behandlung mit jodhaltigen Mitteln kommt als mögliche Ursache in Betracht.

Bemerkbar macht sich die thyreotoxische Krise zunächst durch Herzrasen, ständigen Durchfall, Erbrechen, Angst und Unruhe. Weiterhin können hohes Fieber, Bewusstseinsstörungen und Desorientierung einsetzen. Im weiteren Verlauf drohen der Fall ins Koma, das Versagen des Kreislaufs sowie Einschränkungen der Nierenfunktionen.

Komplikationen durch Morbus Basedow sind mitunter auch in der Schwangerschaft möglich und können selbst bei einer sinnvollen Therapie auftreten. So ist es denkbar, dass sich Antikörper gegen die Schilddrüse innerhalb des Blutes der Mutter bilden und dabei auch die Plazenta durchdringen.

In solchen Fällen besteht das Risiko, dass die Hormonproduktion des ungeborenen Kindes gesteigert wird, wodurch es zu einer Überproduktion kommt. Dadurch droht dem Kind eine Frühgeburt oder ein zu geringes Gewicht bei der Geburt. In der ersten Lebenswoche ist die Sterblichkeit des Babys erhöht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Entwickelt sich eine ungeplante und ungewollte kontinuierliche Abnahme des Gewichts, sollte ein Arzt konsultiert werden. Die Gewichtsabnahme weist auf Störungen des Stoffwechsels hin und ist charakteristisch bei Morbus Basedow. Schweißausbrüche, Hitzewallungen oder eine innere Unruhe sind Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit, die einem Arzt vorzustellen ist, damit eine Diagnosestellung ermöglicht wird. Störungen des Nachtschlafes, Probleme beim Einschlafen sowie eine starke Müdigkeit sind Hinweise einer gesundheitlichen Unstimmigkeit. Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald die Beschwerden über mehrere Tage oder Wochen anhalten oder an Intensität zunehmen. Bei Reizbarkeit, Verhaltensauffälligkeiten oder Stimmungsschwankungen wird ein Arzt benötigt.

Leidet der Betroffene unter einer Störung des Herzrhythmus, Bluthochdruck, Muskelschwäche oder Problemen der Mobilität, ist ein Arztbesuch vonnöten. Haarausfall oder Veränderungen des Hautbildes sind ebenfalls untersuchen und behandeln zu lassen. Zunehmende Knochenbrüche gelten als besonders besorgniserregend und sollten medizinisch durch weiterführende Tests abgeklärt werden. Kommt es zu Sehstörungen oder Atemnot ist schnellstmöglich ein Arztbesuch zu empfehlen. Es droht eine weitere Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes. Erleben geschlechtsreife Frauen Störungen oder Unregelmäßigkeiten ihrer Monatsblutung, sollten sie einen Arzt konsultieren. Eine verringerte Libido bei beiden Geschlechtern ist ein weiterer Hinweis einer Beeinträchtigung, der nachgegangen werden sollte.

Behandlung & Therapie

Da die Ursachen von Morbus Basedow nicht geklärt sind, sind die therapeutischen Maßnahmen symptomatisch angelegt und zielen auf die medikamentöse Beseitigung bzw. Reduzierung der Schilddrüsenüberfunktion.

Hierzu werden Thyreostatika (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil) angewandt, die in der Schilddrüse hemmend auf die Hormonsynthese, -sekretion oder den Jodeinbau in die Hormonvorstufen wirken. Die medikamentöse Langzeittherapie dauert in der Regel 12 bis 18 Monate, wobei die Dosierung mit der Dauer der Therapie abnimmt.

Daneben kommen bei Morbus Basedow oftmals β-Blocker zur Behandlung der Begleitsymptome (Tachykardie, erhöhter Blutdruck) zum Einsatz. In einigen Fällen führt diese Behandlung zu einer vollständigen Heilung (40 bis 70 Prozent). Sollte nach einem Rückfall eine weitere medikamentöse Therapie nicht erfolgreich sein (etwa 80 Prozent der Rezidivfälle), kommen definite Therapiemaßnahmen wie ein operativer Eingriff oder eine Radiojodtherapie zur Schilddrüsenentfernung bzw. -zerstörung infrage.

Bei einer Radiojodtherapie wird radioaktives Jod verabreicht, das eine temporäre und auf die Schilddrüse lokal begrenzte Bestrahlung bewirkt, die das Schilddrüsengewebe absterben lässt. Ist die Schilddrüse stark vergrößert, wird diese im Rahmen eines operativen Eingriffs entfernt. Infolge der Radiojodtherapie sowie des operativen Eingriffs liegt eine Unterfunktion vor, die lebenslang hormonell behandelt werden muss.

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Vorbeugung

Da die Ursachen für Morbus Basedow nicht geklärt sind, kann der Erkrankung nicht vorgebeugt werden. Allerdings können sämtliche Faktoren, die das Immunsystem negativ beeinträchtigen, zur Manifestation von Morbus Basedow beitragen. Hierzu gehören Stress und psychische Belastungen, hormonelle Verhütungsmethoden sowie eine übermäßige Aufnahme von Jod (Röntgen mit jodhaltigen Kontrastmitteln, Jodsalz). Auch Nikotinkonsum kann Morbus Basedow auslösen und den Verlauf des Morbus Basedow verschlimmern.

Das können Sie selbst tun

Im Falle von Morbus Basedow gibt es einige Maßnahmen, die der Betroffene selbst zur Steigerung seiner Lebensqualität ergreifen kann. Am Anfang steht die Gewissheit nach der Diagnose, während des Behandlungszeitraumes körperlich und emotional belastet zu sein. Es bieten sich hier Selbsthilfegruppen für von der Basedowschen Krankheit Betroffene und andere Gesprächsangebote an. Diese Gesprächsangebote können vor allem dann wertvoll sein, wenn Morbus Basedow bereits zu körperlichen sichtbaren Symptomen führte.

Die emotionalen Belastungen und der Stress lassen sich durch das Schaffen gezielter Freiräume sowie durch Entspannungstechniken vermindern. Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, hat das Befinden des Betroffenen einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Um die Schilddrüse nicht zusätzlich zu belasten, sollten iodhaltige Speisen gemieden werden. Gleiches gilt für Nahrungsergänzungsmittel, in welchen Iod enthalten ist. Dies kann den Krankheitsverlauf verlangsamen und sich gegebenenfalls günstig auf eine Therapie auswirken.

Bezüglich einer möglichen Beteiligung der Augen gilt, dass diese vor starken Reizen geschützt werden sollten. Dies bedeutet, starkes Sonnenlicht, kalten Wind, Luftzüge und so weiter möglichst zu meiden. Da Morbus Basedow sehr unterschiedlich verlaufen kann und dazu recht häufig vorkommt, ist es auch wertvoll, sich umfassend über das Leiden zu informieren. Dies ermöglicht oftmals einen besseren Umgang mit der Krankheit und ihrer Behandlung.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012


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