Multiple endokrine Neoplasie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die multiple endokrine Neoplasie (MEN) ist der Sammelbegriff für verschiedene – auf Gendefekten beruhende – Krebserkrankungen an endokrinen Drüsen, also an hormonproduzierenden Drüsen wie Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Nebenschilddrüse und Hypophyse. Eine nachhaltige Therapie ist meist nur durch vollständige Entfernung der entsprechenden Drüse möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine multiple endokrine Neoplasie?

Krebszelle
Grafische Illustration und Infogramm einer typischen Krebszelle.

Multiple endokrine Neoplasien können je nach physiologischen Merkmalen und weiteren Spezifika in Typ 1 (MEN 1, Wermer-Syndrom), Typ 2A (MEN 2A, Sipple-Syndrom) und Typ 2B (MEN 2B, Wagenmann-Froboese-Syndrom, in älterer Literatur auch Gorlin-Vickers-Syndrom) unterteilt werden.

MEN 1 betrifft hauptsächlich die Nebenschilddrüse, die Bauchspeicheldrüse und die Hypophyse. Typischerweise reagieren die Neoplasien in betroffenen endokrinen Drüsen nicht auf regulierende Steuerhormone, so dass es im Regelfall zu überschießenden Hormonproduktionen in den Drüsen kommt. Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebennierenmark können Neoplasien des Typs MEN 2A und 2B entwickeln. Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen gehört dabei allerdings nur zum MEN 2A; beim MEN 2B kommt sie nicht vor.

Damit unterscheiden sich die Formen deutlich: Beim MEN 1 stehen Nebenschilddrüse, Bauchspeicheldrüse und Hypophyse im Vordergrund, beim MEN 2 dagegen das medulläre Schilddrüsenkarzinom und das Phäochromozytom, ein hormonbildender Tumor des Nebennierenmarks.

Beim Typ 2B können sich parallel auch in anderen Organen Neoplasmen entwickeln. Die früher übliche Bezeichnung MEN 3 meint das heutige MEN 2B und wird nicht mehr verwendet. Neben der Schilddrüse und dem Nebennierenmark, das zum sympathischen Nervensystem gehört, ist beim MEN 2B häufig auch der Verdauungstrakt betroffen: Dort bilden sich gutartige Wucherungen von Nervenzellen, eine sogenannte Ganglioneuromatose. Seit 2006 ist zudem eine seltene vierte Form bekannt, das MEN 4, das auf Veränderungen im Gen CDKN1B beruht und dem MEN 1 klinisch ähnelt.

Ursachen

Multiple endokrine Neoplasien des Typs 1 werden durch ein mutiertes Tumorsuppressorgen auf dem Chromosom 11 „zugelassen“ – nicht etwa verursacht. Das Gen, das normalerweise den Befehl zur Bekämpfung derartiger Wucherungen gibt, verliert durch die Mutation seine Wirksamkeit, so dass sich endokrin aktive Tumore und andere Neoplasien an den betroffenen endokrinen Drüsen bilden können, ohne mit körpereigenen Mitteln unterdrückt zu werden.

MEN des Typs 2 werden dagegen durch eine Mutation des RET-Protoonkogens auf dem Chromosom 10 verursacht, die dieses Gen dauerhaft aktiviert. Bei Zellteilungen in den betroffenen Organen kann der Wachstumsprozess nicht mehr kontrolliert werden, so dass die Entstehung von Neoplasien nicht mit körpereigenen Mitteln kontrolliert und gebremst wird. Welche Stelle im RET-Gen verändert ist, bestimmt zugleich, wie früh und wie aggressiv die Erkrankung auftritt – und damit auch, wann behandelt werden muss.

Beide Genmutationen lassen sich in einer Genanalyse nachweisen und beide Genmutationen werden autosomal dominant vererbt, das heißt, dass jedes Kind eines betroffenen Elternteils den Gendefekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent erbt und dann ebenfalls erkranken kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Welche Symptome bei der multiplen endokrinen Neoplasie auftreten, hängt von der Form der Erkrankung ab. So sind beim MEN Typ 1 (Wermer-Syndrom) vor allem die Nebenschilddrüsen, die Bauchspeicheldrüse und die Hypophyse betroffen. Bei den Nebenschilddrüsen kommt es zu einer Hyperplasie, die mit einem sogenannten Hyperparathyreoidismus einhergeht.

Die Patienten haben zu viel Parathormon im Blut. Das führt vor allem zu Knochenschwund. Neoplasien der Bauchspeicheldrüse mit einer überschießenden Produktion und Ausschüttung von Hormonen beeinflussen vor allem den Stoffwechsel negativ. Eine Folge dieser Neoplasie ist das Zollinger-Ellison-Syndrom, das durch Magen- und Dünndarmgeschwüre charakterisiert ist.

In der Hypophyse treten bei der multiplen endokrinen Neoplasie insbesondere Prolaktinome auf. Es handelt sich dabei um Tumore, die das Hormon Prolaktin produzieren. Infolge bleiben bei Frauen der Eisprung und die Monatsblutung aus. Einige Patienten entwickeln ferner eine Galaktorrhoe, sie produzieren also auch außerhalb der Schwangerschaft und der Stillzeit Muttermilch in den Brustdrüsen.

Bei Männern stehen hingegen vor allem Potenzstörungen und Libidoverlust im Vordergrund. Eine Galaktorrhö tritt hier nur selten auf. Von der multiplen endokrinen Neoplasie können auch Schilddrüse und Nebennierenmark betroffen sein. Nervosität, Blutdrucksteigerungen oder Durchfall gehören dann zu den Beschwerden.

Diese Beschwerden kennzeichnen das MEN 2. Nahezu alle Betroffenen entwickeln dabei ein medulläres Schilddrüsenkarzinom, das von den Calcitonin bildenden C-Zellen der Schilddrüse ausgeht und sich zunächst oft nur durch einen tastbaren Knoten am Hals oder durch Durchfälle bemerkbar macht. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen kommt ein Phäochromozytom des Nebennierenmarks hinzu, das anfallsartige Blutdruckkrisen mit Herzrasen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüchen auslöst. Eine solche Blutdruckkrise kann lebensbedrohlich werden; bei plötzlich sehr hohem Blutdruck mit heftigen Kopfschmerzen, Brustschmerz, Atemnot oder Bewusstseinsstörung ist umgehend über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren.

Diagnose & Verlauf

Grundsätzlich kann eine Bereitschaft zum Ausbruch Multipler Neoplasien des Typs 1 und 2 in einer Genanalyse festgestellt werden, was besonders sinnvoll ist, wenn in der Familie bereits Fälle von MEN bekannt sind und ethische Gründe einer Genanalyse nicht entgegenstehen.

Frühindikatoren für das Vorliegen einer MEN 1 sind erhöhte Werte bestimmter Hormone, die von den endokrinen Drüsen gebildet werden. Die erhöhten Werte können ein Indikator für bereits ausgebildete endokrin aktive Neoplasien sein, die nicht auf Steuerhormone reagieren. Beim MEN 2 ist der wichtigste dieser Werte das Calcitonin: Ein erhöhter Calcitoninspiegel im Blut weist auf eine Wucherung der C-Zellen der Schilddrüse hin.

Sind bereits Tumore gleichzeitig an mindestens 2 der 3 betroffenen Organe ausgebildet, erhärtet sich der Verdacht auf MEN 1. Die Krankheitsverläufe bei MEN 1 und 2 sind ohne Behandlung sehr schwer. Meist kommt es zum einen im Falle endokrin aktiver Neoplasien zu deutlichen Überkonzentrationen der spezifischen Hormone der betroffenen Drüsen, und zum anderen können bösartige Karzinome lebensbedrohlich werden.

Komplikationen

Durch diese Krankheit leiden die Betroffenen in der Regel an verschiedenen Krebserkrankungen. Dabei hängt der weitere Verlauf sehr stark von der jeweils ausgeprägten Erkrankung ab, sodass eine allgemeine Voraussage des Krankheitsverlaufes in der Regel nicht möglich ist. Die Betroffenen leiden dabei in den meisten Fällen an Schmerzen im Bauch und im Magen und damit verbunden nicht selten auch an einem Appetitmangel.

Dadurch kommt es auch zu einer Unterernährung und in der Regel auch zu einem Gewichtsverlust. Die Patienten können an Erbrechen oder Übelkeit leiden und klagen über Schmerzen an den Muskeln. In der Regel kommt es durch diese Krankheit zu einer deutlich verringerten Lebensqualität und auch zu verschiedenen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen.

In der Regel kommt es ohne Behandlung zum vorzeitigen Tod des Patienten. Eine Selbstheilung tritt in diesem Falle nicht auf. Die Patienten sind bei der Behandlung auf operative Eingriffe angewiesen, mit denen die Tumore entfernt werden. Diese Eingriffe haben allerdings selbst Folgen: Nach der Entfernung der Schilddrüse müssen lebenslang Schilddrüsenhormone eingenommen werden, nach einer Operation an den Nebenschilddrüsen kann der Kalziumhaushalt dauerhaft gestört bleiben (Hypoparathyreoidismus), und die Stimmbandnerven können verletzt werden. Der weitere Verlauf hängt zudem stark von der Ausprägung der Tumore ab. Eventuell wird dabei auch die Lebenserwartung des Patienten durch die Krankheit verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn charakteristische Symptome wie hormonelle Störungen oder ein gestörter Knochenbau bemerkt werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Eine multiple endokrine Neoplasie stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar, die möglichst frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden muss. Andernfalls können sich ernste körperliche Probleme entwickeln, welche die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Patienten dauerhaft beeinträchtigen. Deshalb sollte bereits bei ersten Anzeichen einer Erkrankung ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wer Störungen des Nervensystems, Organschmerzen oder psychische Beschwerden wie Depressionen und Verstimmungen bemerkt, informiert am besten den Hausarzt. Dieser kann etwaige Tumoren diagnostizieren und weitere Behandlungsmaßnahmen einleiten. Neben dem Allgemeinmediziner kann bei dem Verdacht auf eine Multiple endokrine Neoplasie außerdem ein Internist oder ein Endokrinologe aufgesucht werden; der Endokrinologe ist der Facharzt für Hormonerkrankungen und damit der wichtigste Ansprechpartner. Je nach Lokalisation der Tumoren sollte man außerdem Gastroenterologen und Nephrologen hinzuziehen. Die eigentliche Behandlung erfolgt stationär in einer Fachklinik für innere Erkrankungen. Während der Behandlung ist eine enge Überwachung durch einen Facharzt notwendig, da aufgrund der meist schon fortgeschrittenen Beschwerden das Risiko ernster Komplikationen besteht.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Multiplen endokrinen Neoplasie hängt stark vom befallenen Organ und vom Stadium des Karzinoms ab. Falls z. B. bei einem Kind in der Genanalyse mutierte Gene nachgewiesen werden, die die Erkrankung an MEN 2 mit höchster Wahrscheinlichkeit prognostizieren, wird eine zeitnahe operative Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie) dringend angeraten einschließlich der Entfernung aller Lymphknoten im Bereich des Halses, um von vornherein eventuelle Metastasen im Lymphbereich nahe der Schilddrüse zu entfernen. Wird sehr früh und rein vorbeugend operiert und ist der Calcitoninwert dabei noch normal, verzichten die Operateure heute meist auf die Ausräumung der Lymphknoten, weil sie in dieser Situation keinen Vorteil bringt, aber zusätzliche Risiken schafft.

Je nach Schweregrad der analysierten Genmutationen sollte diese Totaloperation bei Kindern zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr erfolgen. Dieser Zeitraum gilt allerdings nur für Mutationen mit mittlerem Risiko. Bei den besonders aggressiven Veränderungen wird heute deutlich früher operiert: beim MEN 2B möglichst im ersten Lebensjahr, bei der häufigsten Hochrisikomutation des MEN 2A vor dem fünften Geburtstag. Der genaue Zeitpunkt wird an der Art der Mutation und am Calcitoninwert im Blut festgemacht.

Lange Zeit wurde dafür in regelmäßigen Zeitintervallen der sogenannte Pentagastrintest eingesetzt, der Hinweise auf die Ausbildung eines medullären Karzinoms der Schilddrüse gibt. Dieser Test wird heute nicht mehr durchgeführt, weil der Wirkstoff Pentagastrin seit Jahren nicht mehr im Handel ist. An seine Stelle sind die Bestimmung des basalen Calcitoninwerts und, wenn nötig, ein Stimulationstest mit Kalzium getreten. Sollten z. B. alle 4 Nebenschilddrüsen betroffen sein, muss das Gewebe fast vollständig bis auf einen kleinen Rest entfernt werden, um die natürliche Produktion des Hormons der Nebenschilddrüse (Parathormon) zu erhalten, das für den Kalziumhaushalt eine sehr wichtige Rolle spielt.

In spezialisierten Kliniken wird ein Teil des entnommenen Nebenschilddrüsengewebes eingefroren, um es dem Patienten bei Bedarf wieder zu implantieren, falls das im Körper belassene Nebenschilddrüsengewebe nicht „anspringt“ und kein Parathormon produziert.


Aussicht & Prognose

Wie eine multiple endokrine Neoplasie verläuft, hängt stark von der Form der Erkrankung und vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Patienten, die eine derartige Diagnose erhalten, leiden unter einem genetischen Defekt, der sich nicht beheben lässt. Daher richten sich die Maßnahmen einer Behandlung darauf, die Tumore rechtzeitig zu entfernen und die vorhandenen und individuell ausgeprägten Beschwerden zu lindern.

Wenngleich es viele Therapieansätze gibt, die zahlreiche Symptome lindern, lässt sich die genetische Veranlagung selbst nicht beseitigen. Wird beim MEN 2 die Schilddrüse rechtzeitig vorbeugend entfernt, bevor sich ein Karzinom gebildet hat, lässt sich das medulläre Schilddrüsenkarzinom verhindern – die wichtigste Todesursache dieser Erkrankung entfällt damit. Die übrigen Tumoren des Syndroms, vor allem das Phäochromozytom, können sich trotzdem entwickeln. Betroffene bleiben deshalb ihr Leben lang auf regelmäßige Kontrolluntersuchungen angewiesen. Wird die Erkrankung dagegen erst entdeckt, wenn der Tumor bereits gestreut hat, ist die Aussicht deutlich ungünstiger. Eine Langzeittherapie und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, damit bei auftretenden Unregelmäßigkeiten schnellstmöglich optimal reagiert werden kann. Ohne eine ausreichende und umfassende medizinische Versorgung ist das Risiko für die Verkürzung der erwartbaren Lebenszeit erheblich erhöht.

Die Patienten leiden an verschiedenen Krebserkrankungen, die zu einer erheblichen Verschlechterung der allgemeinen Lebensqualität beitragen. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Alltages sind herabgesetzt, sodass der Fokus der eingeleiteten Behandlung neben einer Verbesserung der körperlichen Möglichkeiten auch eine Optimierung des Wohlbefindens vorsieht. Bei vielen Patienten wird die Entfernung der betroffenen Drüsen vorgenommen. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer erneuten Krebserkrankung verringert. Gleichzeitig kommt es bei dieser Vorgehensweise jedoch zu zahlreichen Nebenwirkungen und Folgen für den Patienten. Der Umgang mit der Erkrankung stellt daher eine besondere Herausforderung für den Betroffenen dar.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen das Auftreten der verschiedenen MEN-Formen gibt es nicht. Wenn eine Genanalyse den Verdacht auf eine der MEN-Formen bestätigt, beginnen die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen früh – beim MEN 1 im Kindesalter, beim MEN 2 je nach Art der Mutation bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter.

Ebenso wichtig ist die Untersuchung der Angehörigen: Verwandten ersten Grades – Eltern, Geschwistern und Kindern – eines Betroffenen sollte eine genetische Untersuchung angeboten werden, weil sie den Gendefekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ebenfalls tragen. Fällt der Test negativ aus, sind für diesen Familienzweig keine weiteren Kontrollen nötig; fällt er positiv aus, kann rechtzeitig gehandelt werden, beim MEN 2 also insbesondere die Schilddrüse vorbeugend entfernt werden.

In Labortests werden bestimmte Hormonspiegel kontrolliert, um festzustellen, ob sich bereits endokrin aktive Neoplasien gebildet haben. Zusätzlich ist der Einsatz bildgebender Diagnoseverfahren wie Ultraschall, CT und MRT sowie nuklearmedizinischer Verfahren wie der Szintigraphie nach Maßgabe der Fachärzte notwendig. Es kann sogar die prophylaktische Entfernung eines bedrohten endokrinen Organs lebensrettend sein.

Nachsorge

Patienten mit einer Multiplen endokrinen Neoplasie leiden häufiger als andere Menschen an Karzinomen von Organen, die mit dem Hormonhaushalt des Organismus in Verbindung stehen. Die Betroffenen entwickeln nicht nur öfter Tumore, sondern erkranken im Durchschnitt bereits in einem jüngeren Alter an Krebs. Die Nachsorge bei Personen mit Multipler endokriner Neoplasie bezieht sich daher vor allen auf den postoperativen Zustand.

Diagnostizierte Karzinome sind nach Möglichkeit chirurgisch zu entfernen oder durch andere Arten der Therapie zu behandeln. Nach dem operativen Eingriff müssen die Patienten für einen festgelegten Zeitraum unter ärztlicher Beobachtung verbleiben. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit postoperativer Komplikationen verringert und zugleich ein schnelles Eingreifen möglich.

Einige Krebsformen bei der Multiplen endokrinen Neoplasie haben jedoch die Eigenschaft, Rezidive zu bilden. Im Zentrum der Nachsorge stehen deshalb Kontrolluntersuchungen, die regelmäßig den Gesundheitszustand der Patienten überprüfen und eine Rezidivbildung oder die Entstehung neuer Karzinomarten untersuchen. Auf diese Weise ist ein rasches medizinisches Intervenieren möglich, falls die Betroffenen erneut erkranken.

Generell unterstützen die Patienten mit einer Multiplen endokrinen Neoplasie ihren gesundheitlichen Zustand durch eine möglichst gesunde Lebensführung, insbesondere hinsichtlich der Veranlagung zu bestimmten Karzinomen. Da es sich jedoch um eine genetisch bedingte Krankheit handelt, lässt sich das Risiko für Krebserkrankungen nur geringfügig beeinflussen.

Das können Sie selbst tun

Den Beschwerden durch eine multiple endokrine Neoplasie lässt sich im Alltag mit gezielten Maßnahmen entgegentreten. Typischerweise sind mehrere Organe von der Erkrankung betroffen. Daher ist es wichtig, eventuelle Gendefekte zu ermitteln und auch die Familienmitglieder zu untersuchen. Die erkrankten Personen sollten unbedingt die Screening-Untersuchungen vornehmen lassen.

Um Probleme mit einem erhöhten Säurespiegel zu vermeiden, ist eine Umstellung der Ernährung sinnvoll. Die stark vermehrte Magensäureproduktion beim Zollinger-Ellison-Syndrom lässt sich allein über die Ernährung allerdings nicht beherrschen; sie erfordert zusätzlich eine dauerhafte, hoch dosierte Behandlung mit säurehemmenden Medikamenten (Protonenpumpenhemmern), die nicht eigenmächtig abgesetzt werden darf. Außerdem beeinflusst die MEN-Erkrankung den Blutzuckerspiegel und führt hier zu starken Schwankungen. Die Betroffenen müssen daher die eventuellen Veränderungen im Magen-Darm-Trakt genau im Auge behalten. So lassen sich Probleme wie Verstopfungen und Durchfall verringern. Auch Veränderungen der Haut können auftreten. Hier ist eine erhöhte Sensibilisierung gefragt, um gegebenenfalls rechtzeitig aktiv zu werden.

Die Ärzte empfehlen abhängig vom Schweregrad der multiplen endokrinen Neoplasie oft, die Schilddrüse vorbeugend operativ zu entfernen. Hier ist es wichtig, die ärztlichen Empfehlungen zu befolgen und sich über die folgende medikamentöse Therapie zu informieren. Nach der Entfernung der Schilddrüse ist die Einnahme von Schilddrüsenhormonen nicht zu vermeiden. Es erfordert also viel Aufmerksamkeit und ein verstärktes Bewusstsein, richtig mit den Medikamenten umzugehen und seinen Körper zu beobachten.

Quellen

  • Allolio, B., Schulte, H. M. (Hrsg.): Praktische Endokrinologie.
    ISBN: 9783437593253
  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132454132
  • Loo, I. van de, Harbeck, B.: Facharztwissen Endokrinologie und Diabetologie.
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  • Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783437238574
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik.
    ISBN: 9783132416871

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