Nebennierenrindeninsuffizienz

Bei einer Nebennierenrindeninsuffizienz kann die Nebennierenrinde nicht mehr genügend Hormone produzieren. Hierbei muss zwischen primärer und sekundärer Nebennierenrindeninsuffizienz nach der Lokalisation unterschieden werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nebennierenrindeninsuffizienz?

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Nebenniere. Klicken, um zu vergrößern.

Es leiden etwa 5 von 100.000 Personen an dieser seltenen Krankheit. Eine primäre Nebennierenrindeninsuffizienz wird auch als Morbus Addison bezeichnet. Wenn die Nebennierenrinde nicht mehr richtig arbeiten kann, dann kann dies zu einer lebensbedrohlichen Situation führen.

Die Nebenniere besteht aus der Nebennierenrinde, die Cortisol, Aldosteron und Sexualhormone herstellt, und aus dem Nebennierenmark, welches Adrenalin und Noradrenalin produziert. Das Hormon ACTH, welches im Hypophysenvorderlappen der Hirnanhangdrüse gebildet wird, steuert die Bildung von Cortisol. Wenn der Cortisol-Spiegel im Blut fällt, dann wird mehr ACTH abgegeben, wodurch die Produktion in der Nebenniere gefördert wird.

Aber auch Aldosteron, welches für die Regulation der Konzentration von Kalium und Natrium zuständig ist, wird in der Nebennierenrinde gebildet. Die Produktion dieses Hormons wird jedoch im Gegensatz zum Cortisol nicht über die Hypophyse, sondern über das RAAS reguliert.

Ursachen

Die Ursachen an einer Nebennierenrindeninsuffizienz zu erkranken können verschieden sein. Erst einmal muss diagnostiziert werden, ob es sich um eine primäre- oder sekundäre Nebenniererindeninsuffizienz handelt. Dies gibt nämlich Aufschluss über die Lokalisation der Krankheitsursache.

Bei der primären Form kann die NNR keines der benötigten Hormone mehr herstellen. Sie ist also selbst erkrankt. Bei der sekundären Form ist der Hypothalamus erkrankt, wodurch ebenfalls keine Hormone produziert werden können.

Dies liegt schlichtweg an der Tatsache, dass der Hypothalamus kein CRH mehr an die Hypophyse sendet und diese wiederum sendet dann kein ACTH an die Nebennierenrinde. ACTH regt die Produktion von Cortisol an. Die Produktion von Aldosteron wird nur in geringem Maße beeinträchtigt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptome einer Nebennierenrindeninsuffizienz treten in der Regel erst auf, wenn bereits 90 Prozent der Nebennierenrinde zerstört wurde. Man unterscheidet zwischen allgemeinen Symptomen und spezifischen Symptome. Letztere beruhen auf einem Mangel der Hormone Cortisol und/oder Aldosteron. Zu den allgemeinen Symptomen zählen Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, eine deutlich verringerte Leistungsfähigkeit sowie unspezifische Beschwerden im Magen-Darm-Bereich.

Ein Mangel an Cortisol führt darüber hinaus zu Flüssigkeitsverlust, was die Gefahr einer akuten Niereninsuffizienz mit sich bringt. Hinzu kommt eine Übersäuerung des Blutes, niedriger Blutdruck (meist systolisch < 100 mm Hg), Schwindelanfälle sowie verringerte Natriumwerte und erhöhte Kaliumwerte im Blut, wobei letzteres mit einem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen einhergeht.

Ein Cortisolmangel kann darüber hinaus zu Unterzuckerung führen, die meist in Form von Angstzuständen, Schweißausbrüchen und Herzklopfen in Erscheinung tritt. Darüber hinaus kann es zu psychischen Störungen, einer braunen Hautpigmentierung (Hyperpigmentierung) und zum Abbau von Fett- und Muskelmasse kommen.

Durch zusätzliche Belastungen, beispielsweise Operationen oder Krankheiten, kann es zu einer plötzlichen Verschlechterung einer Nebennierenrindeninsuffizienz kommen. Insbesondere wenn diese noch nicht behandelt wird führt dies zu einem potentiell tödlichen Zustand, der durch Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma, Blutdruckabfall, Fieber, Dehydrierung, und Hypoglykämie gekennzeichnet ist.

Diagnose & Verlauf

Um eine Nebennierenrindeninsuffizienz feststellen zu können, sind einige Tests notwendig. Neben einem Blutbild, muss 24 Stunden lang Urin gesammelt und außerdem ein Cortisol-Tagesprofil eingerichtet werden.

Darüber hinaus liegt es im Bereich des Möglichen, dass ein ACTH-Test veranlasst wird. Da Cortisol Stress bewältigt, sind Menschen besonders in Stresssituationen gefährdet. Die Krankheit kann sogar zu einer Addison-Krise führen, die ein tödliches Ende nehmen kann. Aus diesem Grund muss ein Patient immer einen Notfallausweis und Cortison bei sich tragen.

Bei der Addison-Krise handelt es sich um einen extremen Abfall des Cortisolspiegels. Dieser wird sich zunächst durch Schwächezustände, Unruhe und Ängste äußern. Aber auch extremes Frieren, Durchfall und Erbrechen wird ohne Behandlung erscheinen. In diesem Sinne fallen unter den Begriff Stress jedoch körperliche Anstrengungen, wie Operationen, Unfälle und Infektionskrankheiten.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann es bei der Nebennierenrindeninsuffizienz zum Tod des Betroffenen kommen. Aus diesem Grund muss diese Krankheit auf jeden Fall behandelt werden, da auch eine Selbstheilung in der Regel nicht eintritt. Die Betroffenen leiden bei der Nebennierenrindeninsuffizienz in erster Linie an einer allgemeinen Schwäche. Weiterhin verlieren sie ohne einen besonderen Grund an Gewicht und leiden dabei auch an einer starken Infektanfälligkeit.

Damit kommt es öfter und einfacher zu verschiedenen Infekten oder Entzündungen. In der Regel führt diese Krankheit auch zu starken Bauchschmerzen, zu Erbrechen und auch zu einer Übelkeit. Die Patienten leiden dabei an einem staken Hunger, wobei vor allem salzhaltige Lebensmittel bevorzugt werden. Auch ein Schwindel oder eine Blässe können bei der Nebennierenrindeninsuffizienz auftreten und die Lebensqualität des Patienten deutlich einschränken.

Weiterhin kann es auch zu einer Unterzuckerung und zu einem Bewusstseinsverlust des Patienten kommen. Die Behandlung der Nebennierenrindeninsuffizienz erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Besondere Komplikationen treten dabei nicht ein. Allerdings muss auch die Schilddrüse des Betroffenen untersucht werden, da auch diese von einer Fehlfunktion betroffen sein kann. Bei einer erfolgreichen und richtigen Behandlung wird auch die Lebenserwartung des Betroffenen nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Nebennierenrindeninsuffizienz macht sich meist erst dann bemerkbar, wenn bereits große Teile der Niere zerstört wurden. Deshalb sollte möglichst schon die Ursache frühzeitig behandelt werden. Personen, die an einer Alkoholkrankheit oder an einer Diabetes leiden, zählen zu den Risikopatienten und müssen engmaschig behandelt werden, damit es gar nicht erst zu einer Nebennierenrindeninsuffizienz kommt. Spätestens, wenn Anzeichen wie anhaltende Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit bemerkt werden, muss mit dem Leiden zu einem Arzt gegangen werden. Auch unspezifische Beschwerden im Magen-Darm-Bereich bedürfen einer zügigen Abklärung.

Bei Schwindelanfällen, Herzrhythmusstörungen oder Schwäche liegt womöglich eine ausgeprägte Dehydration vor, die medizinisch behandelt werden muss. Angstzustände und andere psychische Beschwerden deuten ebenfalls auf einen Mangel an Nährstoffen hin. Betroffene Personen sprechen am besten mit dem Hausarzt, der das Leiden diagnostizieren oder einen Facharzt hinzuziehen kann. Die Nebennierenrindeninsuffizienz wird von einem Nephrologen oder einem anderen Internisten behandelt. Etwaige psychische Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten können, müssen therapeutisch behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Sobald das Problem der Nebennierenrindeninsuffizienz erkannt ist und die Therapie erfolgt, wird es bei ordnungsgemäßer Einnahme höchstwahrscheinlich zu keinen größeren Zwischenfällen kommen.

Zweimal am Tag sollte in der Regel Cortisol eingenommen werden. Da bei einigen Patienten jedoch Probleme in der Nacht auftreten, kann die Einnahme auch mehrmals am Tag erfolgen. Es ist besonders wissenswert, dass die Medikamente eine Langzeitwirkung haben, was heißt, dass eine Hochdosierung strengstens untersagt ist.

Darüber hinaus werden Präparate angeboten, die sich schnell abbauen. Hierzu zählt beispielsweise Hydrocortison, welches vermehrt in der Addisonkrise oder bei Notfällen verwendet wird. Dieses kann hochdosiert verabreicht werden. Weiterhin dürfen sich Nebennierenrindeninsuffizient-Patienten im Alltag nicht zu sehr anstrengen. Jeden Tag sollte man dem Körper ausreichend Schlaf gönnen.

Sollte eine Infektion bestehen, dann sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da die Cortisoldosis erhöht werden muss. Nach der Erkrankung kann das Medikament jedoch wieder langsam herunter dosiert werden. Sollte es sich um eine sekundäre Hypothyreose handeln, dann müssen oftmals auch Schilddrüsenhormone eingenommen werden. Die Nebennierenrindeninsuffizienz ist zwar nicht heilbar, jedoch gut behandelbar, wodurch die Lebensqualität erhalten werden kann.

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Vorbeugung

Um der Nebennierenrindeninsuffizient vorzubeugen gibt es leider keine konkreten und erwiesenen Maßnahmen, jedoch sollte man sich nichtsdestotrotz an einige Regeln halten. Wer erst einmal erkrankt ist, der sollte einen Ausweis und Notfallmedikamente bei sich tragen. Auf diese Weise hat man die Situation stets im Griff.

Stress sollte man größtenteils vermeiden. Vor Operationen und während Infektionen muss die Cortisoldosis erhöht werden, um in keine Addison-Krise zu gelangen. Eine gesunde Lebensweise wird Erkrankungen vermeiden, die als mögliche Ursachen von primärer und sekundärer Form von Morbus Addison bekannt sind.

Das können Sie selbst tun

Nebennierenrindeninsuffizienz ist eine Hormonerkrankung. Neben der Therapie mit Cortison, können Betroffene einige Maßnahmen ergreifen, um das Wohlbefinden zu steigern. Betroffene fühlen sich häufig erschöpft. Es ist daher ratsam, den Tag gut zu strukturieren. Zu viele Termine an einem Tag oder zu viele Aktivitäten bei Sport oder im Haushalt, können zu Überforderung führen.

Da es bei Addison Patienten oft zu Unterzuckerung kommt, sind mehrere kleine Mahlzeiten in Abständen von ca. 3-4 Stunden empfehlenswert. So bleibt der Blutzucker länger stabil. Eine Banane oder eine Scheibe Brot zwischendurch, können schon genügen. Gut geeignet für die Stabilität des Blutzuckers sind Vollkornprodukte. Um auch unterwegs einer Unterzuckerung vorzubeugen zu können, ist es eine sinnvolle Maßnahme, in der Handtasche oder dem Rucksack Traubenzucker, ein süßes Getränk wie Apfelsaft oder eine Banane dabei zu haben. So kann es bei längeren Spaziergängen oder Terminen nicht zu gefährlichem Unterzucker kommen. In die Tasche gehören auch Cortison-Tabletten und ein Notfallausweis.

Auf die Zeichen des Körpers zu hören, ist ebenfalls wichtig. Sollte das Gefühl der Erschöpfung eintreten, ist eine Pause ratsam, auch wenn andere dies nicht verstehen. Addison Patienten geht es besser, wenn Sie auf die Signale des Körpers hören und lernen nein sagen zu können.

Video: Morbus Addison

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 28. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

speckisari kommentierte am 19.03.2015

Bei mir hat man erst sehr spät fesgestellt, dass es diese Krankheit ist. Es wurde von mehreren Seiten als psychosomatisch abgestempelt. Um das alles besser verstehen zu können, wurde mir das Buch "Grundlos Erschöpft" empfohlen. Dieses hat mir mit den Erläuterungen der Ärztin geholfen.

Maria kommentierte am 27.12.2016

Vor einigen Jahren wurde bei mir im Krankenhaus diese Diagnose gestellt und eine Behandlung eingleitet. In der Folgezeit wurde die Diagnose von meinem Hausarzt und zwei weiteren Ärzten infrage gestellt worauf die medikamentöse Behandlung abgesetzt wurde. Seit mehreren Jahren leide ich aber sehr stark genau unter den beschriebenen Symptomen, so dass ich keinen Rat mehr weiß. Die da sind: sehr starker und plötzlicher Blutdruckabfall, trotz vorsichtigem Aufstehen, ständiger Schwindel und ständig starke Übelkeit, beginnend direkt nach dem Aufstehen, Gewichtsverlust, Unruhe und Angstzustände bis hin zu Panikattacken, Hunger nach Salzigem. Also kurzum alle Symtome die hier beschrieben sind. Bin sehr depressiv geworden. Gibt es hier Fachleute die mir konkret helfen können?

akni kommentierte am 19.09.2017

Bei mir wurde die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz festgestellt. Ab morgen nehme ich 10mg Hydrokortison ein. Bin ich dann wieder in der Lage meine Arbeit im Verkauf zu machen? Der Arbeitgeber hat Bedenken.